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1 Einleitung
2 Theoretische Dimensionen von Entwicklung 2.1 Entwicklungstheorien und deren Kritikansätze
3 Kulturelle Dimensionen von Entwicklung und Unterentwicklung 3.1 Sozio-kulturelle Üerlegungen 3.2 Entwicklungshilfe aus Eigeninteresse?
4 Schlussfolgerungen
5 Literaturverzeichnis
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Die Begriffe Unterentwicklung, Entwicklungsländer und dritte Welt sind heute ein fester Bestandteil der Berichterstattung in den Medien. Jedoch liegen ihnen häufig stereotype Vorstellungen von Kausalitäten zugrunde die durch einseitige Berichterstattung zusätzlich forciert und gefestigt werden. Somit werden diese Begriffe, mit denen ich mich in dieser Hausarbeit auseinandersetzen möchten, außerordentlich selbstverständlich
angewendet, obwohl Bedeutung und Zusammenhänge oft unklar sind. Mein Ziel wird sein die Geschichte, Begrifflichkeiten und Hintergründe von Entwicklung und „Dritte Welt“ zu beleuchten um herauszufinden ob diese Begriffe auch heut noch angebracht sind.
Die Literatur über dieses Thema der Entwicklungstheorie ist zwar sehr reichhaltig, beschränkt sich jedoch aufgrund des Bestandes der Universität auf relativ ältere Publikationen. Auch zu den wichtigen Zeitschriften E+Z und Journal of development relations habe ich örtlich bedingt keinen Zugang. Ich hoffe dennoch einen guten historischen Überblick geben zu können und die Fragen auch mit der vorhandenen Literatur beantworten zu können.
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Die essenzielle Problematik des Begriffes Entwicklungshilfe will ich im ersten Abschnitt dieser Hausarbeit anhand der Entwicklungstheorie darstellen. Durch Debatten über Sinn, Inhalt und Ziele der Entwicklungshilfe sind die Termini nach und nach mit einem gewaltigen Ausmaß an theoretischem Gehalt überschüttet worden. Entwicklung. Dieses Wort mag ein terminologisches Relikt vergangener Kontroversen sein, das bis heute alle Paradigmenwechsel überlebte. So antiquiert dieser Begriff, wie auch der Ausdruck Entwicklungshilfe, sein mag ist er doch nach wie vor Leitwort eines ganzen Wissenschaftszweiges, der Entwicklungsforschung. Eine universell anerkannte Definition des Begriffs und seines Gegenstandes ist aufgrund seiner dauernden Veränderungen nicht herzuleiten. Doch eine Begriffsbestimmung zur Erklärung der Zusammenhänge von Entwicklung, Rück- oder Fehlentwicklung ist sinnvoll und notwendig. Dies aber kann nicht durch eine eindimensionale Definition geschehen. Vielmehr ist ein von räumlichen und zeitlichen Bedingungen abhängiger Kernbestand von Eigenschaften einzugrenzen, die den Entwicklungsbegriff ausmachen. Entwicklung kann niemals statisch sein, sondern muss stets offen für wissenschaftliche Diskussionen bleiben. 1
Positiv eingegrenzt bezeichnet der „Begriff ’ (...) den erwünschten sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt(...)’“ 2 . Doch was erwünscht wird, unterliegt mannigfaltigen Bedingungen, wie z.B. ethnischer und kultureller Zugehörigkeit zu einer bestimmten Volksgruppe und ändert sich je nach Betrachtung ständig.
Negativ eingegrenzt muss Entwicklung in etwa mit dem Verhindern oder Beseitigung von Hunger und Krankheit beginnen, was sich im Endeffekt ausschließlich auf die Verbesserung der Lebensbedingung bezieht. Was in anderen Kulturen aber als Verbesserung der Lebensqualität gilt, kann sich ein aus einem westlichen Industrieland Kommender nur schwerlich vorstellen. Schließlich ist er geprägt durch seine nach Wohlstand strebende Kultur und kann Lebensqualität nur anhand dieser Maßstäbe festmachen.
1 Vgl. Nohlen, Dieter/ Nuscheler, Franz (Hrsg.), Handbuch der Dritten Welt. Grundprobleme-
Theorien-Strategien, Bd.1, Bonn 1993, S. 55f.
2 ebd., S. 56.
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Doch worauf fußt Entwicklung? Je nach historischem und geographischem Hintergrund muss ein sich in Entwicklung befindliches Land Potentiale oder Anlagen haben. Wie aber ist mit diesen eigenen Potentialen umzugehen? Muss Entwicklung als Ziel stets das Modell des westlichen Industriestaats haben? Was sind die Ziele? Wer setzt diese fest? Und warum tut er dies? Fest steht jedenfalls: außerhalb globaler Strukturen kann Entwicklung heutzutage kaum noch stattfinden.
Diese Fragen sind meiner Meinung nach für die Perspektiven der Entwicklungspolitik der Zukunft von Bedeutung und werden von mir später untersucht werden.
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Zunächst möchte ich den Sinn der Entwicklungstheorie umreißen und ihn von den Begriffen Entwicklungsstrategien und Entwicklungspolitik abgrenzen: Die Theorie der Entwicklungsforschung will anhand allgemeiner und recht abstrakter Aussagen über Merkmal, Bestandteile und Verlauf von Entwicklung den Vorgang von Entwicklungsprozessen erklären. Es handelt sich um eine Suche nach wissenschaftlich gesicherten Antworten, die Ergebnis wissenschaftlicher Hypothesenbildung sein müssen.
Entwicklungsstrategien hingegen stellen die aus der Theorie abgeleiteten Alternativen für die Entwicklungspolitik dar und sind primär handlungsorientiert. Die Entwicklungspolitik schließt letztendlich alles entwicklungsrelevante Handeln, das zur Erreichung der gewünschten Entwicklungsziele ergriffen werden kann, ein. Ihre Träger sind Entwicklungsländer, Industrieländer und sowohl staatliche, als auch nichtstaatliche Organisationen. Liegen Entwicklungstheorien
paradigmatische oder gar normative Charaktere zugrunde, dann haben diese Theorien eine klare Orientierungsfunktion. In diesen Fällen spricht man von Entwicklungsmodellen. 3
3 Vgl. Müller, Johannes, Entwicklungspolitik als globale Herausforderung: methodische und
ethische Grundlegung, Stuttgart/ Berlin/ Köln 1997, S. 53.
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Paradigmen dienen, wie ich später anhand einiger Beispiele zeigen werde, dazu, bestimmten Faktoren eine strategische Bedeutung zuzuweisen. Geleitet wird diese Auswahl (in der Vergangenheit überwiegend durch Vertreter westlicher Industrieländer) anhand politischer Handlungsmotivation und Erklärungsbedürfnisse. So wirkt sich die Paradigmenwahl auf der Erklärung der Armut aus. Ohne diesen Prozess wäre die wissenschaftliche Umgang mit diesem Themenkomplex anhand Falsifikation und Fehleranalyse unmöglich, da erst die Paradigmenwahl eine Heterogenität in der Wissenschaft mit der üblichen ideologischen Lagerbildung erzeugt. 4 Exemplarisch standen sich in der Vergangenheit die Stränge der bürgerlichen Modernisierungstheorien und der neomarxistischen
Imperialismus- und Dependenztheorie gegenüber. Beide theoretische Schulen strebten eine nachholende Entwicklung an, die als Ziel die moderne Industriegesellschaft hatte. Waren aber auf der einen Seite die kapitalistischen Ökonomien Vorbild, so wurde auf der anderen Seite das Muster einer sozialistischen Politökonomie propagiert. 5
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Die Modernisierungstheorien oder auch Theorien nachholender Entwicklung wurden in den 50er Jahren postuliert. In der Phase der Dekolonisation ist erkannt worden, dass Länder, die im Begriff waren sich von der Kolonialherrschaft zu befreien, im Verhältnis zu den westlichen Industrieländern defizitär waren. 6
Diese Defizite wollte man mit Hilfe der Entwicklungspolitik beheben. In der damaligen Vorstellung war dieser Weg unilinear. Entwicklung wurde mit Wirtschaftswachstum und Industrialisierung gleichgesetzt. Eine
Demokratisierung sollte erst später erfolgen (growth first, redistribution later). Ergebnis dieses Wachstums sollte eine mobile, wohlhabende, informierte und demokratische Gesellschaft nach dem Abbild der USA sein. 7 Dieser
4 Vgl. Ebd., S. 54.
5 Vgl. Ebd., S. 54.
6 Vgl. Wolff, Jürgen H., Entwicklungspolitik - Entwicklungsländer: Fakten - Erfahrungen -
Lehren, 2. aktualisierte und erweiterte Aufl., München 1998, S. 285 f.
7 Vgl. ebd., S. 286.
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Denkansatz hat seine theoretischen Ursprünge im Keynesianismus. Nach dieser Lehrmeinung sollte eine Reihe von Instrumentarien staatliche Anreize schaffen, um die Konjunktur in Gang zu setzen. Da sich in den Kolonialökonomien ein nationales Unternehmertum nur rudimentär entwickeln konnte und eine bürgerliche Entwicklung in den betroffenen Staaten im Grunde nicht stattfand, kam hier dem Staat die Entscheidende Rolle bei der Finanzierung und Organisierung der Industrialisierung zu. 8 Seine ideologischen Bedingungen fand dieses entwicklungspolitische Denken aber in der globalen Situation nach dem zweiten Weltkrieg, dem Ost-West-Konflikt. Dieser wurde zunehmend auf dem Territorium der ehemaligen Kolonien ausgetragen und erzwang ein Interesse an der Situation in diesen jungen Staaten. Dem Ordnungs-und
Industrialisierungsmodell der Sowjetunion setzte die USA ihr eigenes Modell wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung entgegen. Somit wurde unter anderem auch die Entwicklungspolitik Instrumentarium der ideologischen Auseinandersetzung zwischen den zwei Blöcken. Die Zusammenarbeit mit autoritären Regimen, wenn sie nur antikommunistisch auftraten, war Teil dieses Kalküls und wurde damals für die keynesianische Strategie im Sinne eines starken Staates sogar als notwendiges Übel angesehen 9 Fatal für die politikwissenschaftlichen Modernisierungstheorien einerseits, doch für die „zu entwickelnden Staaten“ im Besonderen, war das Nichtbeachten des Faktors Politik. Politische Persönlichkeiten und ihr Einfluss auf die Wirtschaftspolitik wurden aus der Betrachtung ausgeschlossen. Kritikanfällig waren die frühen Entwicklungstheorien außerdem aufgrund des ihnen zugrunde liegenden teleologischen Denkens. Einmal auf dem Weg der Modernisierung sollte diesem unilinearen Weg weder Stillstand, noch Rückschritte eingeräumt werden. 10
8 Vgl. Menzel, Ulrich, Das Ende der Dritten Welt und das Scheitern der großen Theorie,
Frankfurt/ Main 1992, S. 140 f.
9 Vgl. Ebd., S. 141 f.
10 Vgl. Wolff 1998, S. 289.
Arbeit zitieren:
Kristian Grau, 2001, Entwicklung und Entwicklungstheorie, München, GRIN Verlag GmbH
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