Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung: 3
1.1. Wieso legte Norbert Elias so viel Wert auf die Untersuchung der höfischen Etikette: 3
1.2. Gesellschaftliche Normen und Etikette. 4
2. Hauptteil 5
2.1. Was gehörte für Ludwig XIV. zur Etikette? 5
2.2. Wieso hielten sich die Adligen so strikt an die Etikette? 7
2.3. Wieso war für Ludwig XIV. die Einhaltung der Etikette so von Bedeutung? 9
3. Warum elementare Manieren und eine gewisse Etikette auch heute noch entscheidend sind:
11
4. Schlußwort: 14
5. Bibliographie 15
5.1. Gedruckte Quellen 15
5.2. Ungedruckte Quellen: 15
2
1. Einleitung:
1.1. Wieso legte Norbert Elias so viel Wert auf die Untersuchung der höfischen Etikette: In seinem Hauptwerk „ Über den Prozeß der Zivilisation“ veranschaulicht Norbert Elias den „ langfristigen Prozeß der Veränderung der Außenzwänge in Selbstzwänge“. 1 Schon in seiner Studienzeit interessierte ihn die Frage, wieso sich Aristokraten einem höfischen Ritual beugen, das sie bei aller Zivilisiertheit bestimmten Zwängen unterwirft. 2 . Dazu brauchte er natürlich Material, das diese Frage klären sollte, das heißt, das diesen langfristigen Prozess der Umwandlung von Fremdzwängen in Selbstzwängen veranschaulicht und dies fand er in den Manierenbüchern. Denn genau dort werden die Veränderungen der Verhaltensregeln dokumentiert. Wichtig war dabei für ihn nicht die Veränderung des Benimmstandarts, sondern warum sich diese änderten, denn darin konnte er die Veränderung von Peinlichkeits-und Schamgrenzen und somit die Triebregulierung der Affekte und Gefühle sichtbar machen. 3 Unter Ludwig XIV. war es zum Beispiel verpönt, Speisen mit der Gabel z u essen. 4 Und deshalb verbot er dies auch jedem Höfling, der die Ehre hatte, in Anwesenheit des Königs zu essen. Für uns heute ist es unvorstellbar, nicht mit der Gabel zu essen. Sie nicht zu benutzen und mit den Fingern zu essen kommt uns unerzogen vor. D er Grund dafür ist, dass wir
meinen, dies sei unhygienisch und unappetitlich. Elias sagt, dass dies Gründe sind, die in die Kategorie Peinlichkeitsgefühl und Scham gehören und es ist die Entstehung dieser Affektkontrollen, für die die Einführung der Gabel ein Beispiel ist. Um den Prozess der Zivilisation zu veranschaulichen ist es daher sehr wichtig zu zeigen, wie sich die Zivilisierung der Sitten der höfischen Menschen langsam in der gesamten Gesellschaft verfestigt haben, denn heutzutage handelt es sich bei diesen Sitten um festgefahrene Standarts. Für uns besteht kein Fremdzwang mehr, er ist zum Selbstzwang geworden, was ja, wie vorher schon bemerkt den Zivilisationsprozess auszeichnet.
1 Korte, Hermann: Über Norbert Elias, Nördlingen, 1988, S. 137.
2 Korte ( wie Anm. 1 ), S. 134.
3 Elias, Norbert: Über den Prozeß der Zivilisation, Bd. 1, Frankfurt/ Main, 1976, S. 10 ff.
4 Bernier, Olivier: Ludwig XIV. Eine Biographie, München, 1993, S. 118.
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1.2. Gesellschaftliche Normen und Etikette
Laut Fremdwörterbuch versteht man unter Etikette die „Gesamtheit der allgemein oder in Umgangsformen“ 5 einem bestimmten Bereich geltenden gesellschaftlichen Diese
Umgangsformen könnte man allerdings auch als „Vorschriften ansehen, wie der Mensch sich zu verhalten hat, um in dieser Welt und in der Gesellschaft mit anderen Menschen glücklich und vergnügt zu leben und seinen Nebenmenschen glücklich und froh zu machen.“ 6 Man kann also sagen, die Etikette ist ein Teil von gesellschaftlichen Normen. Doch wie sehen diese Normen eigentlich aus? Zuerst sollte festgestellt werden, dass Normen ein wichtiger Bestandteil der Gesellschaft sind. In der Physik gibt es ein Naturgesetz. Es sagt: „Wenn feste Körper sich treffen, entsteht Reibung. Organisationen sind Orte, wo feste Körper, nämlich Menschen, sich treffen- daher entsteht Reibung. Es entstehen Konflikte. Manieren und somit auch gesellschaftliche Normen sind nun nicht der Treibstoff, nicht die Energie, die eine Organisation voranbringt. sie sind aber der „Schmierstoff“, der die Reibung innerhalb der Gesellschaft erträglich macht. 7 Da es aber nicht nur eine Gesellschaft, sondern verschiedene gibt, haben wir es auch mit verschiedenen Normen zu tun. Normen sind für einen bestimmten Kulturkreis festgelegt. Auch wenn man sich in Tibet mit herausgestreckter Zunge begrüßt, wäre es in Deutschland sehr unklug, dies zu tun. Hier wird es als Beleidigung aufgefasst. Man kann sagen, dass Normen die Funktion haben, Verhalten zu regeln und prognostizierbar zu machen. Der Straßenverkehr ist ein anschauliches Beispiel dafür: Durch die Ampelregelung gibt es die Norm, bei Rot anzuhalten und bei Grün zu fahren. Gäbe es diese Regelung nicht, wüsste man nicht, was die anderen Fahrer machen, und man könnte ihr Verhalten nicht vorhersehen und der Verkehr würde durch sehr viele Unfälle behindert oder gar zusammenbrechen. Die Nichtbefolgung von Normen wird mit Sanktionen bestraft, bei meinem Beispiel wäre das Bußgeld oder Fahrverbot. Soziale Normen entstehen aber nicht nur durch die Festlegung von bestimmten Regeln, sondern auch durch Gewohnheiten. Wenn man für eine Handlung belohnt wurde und diese Handlung wiederholt und wieder eine Belohnung empfängt, so wird diese Handlung zur Gewohnheit. Man wiederholt sie immer wieder, später auch ohne Belohnung. Diese Handlung wird dadurch zu unserer eigenen Norm. Wie bereits erwähnt, dienen Normen auch dazu, gewisses Verhalten vorherzusehen. Das sieht man auch an den Normen, die aus Gewohnheit entstanden sind. Wenn die Eltern es zum Beispiel gewohnt waren, dass ihr Kind beim Abwasch hilft, so werden sie negativ reagieren, wenn das
5 Drosdowsk, Günther: Schülerduden „Fremwörterbuch“, Mannheim, Wien, Zürich, 1984, S. 135.
6 Hurton, Andrea: Gute Umgangsformen heute, Augsburg, 1998, S. 6.
7 Die Malik-Kolumne: „Führungsstil ist nicht wichtig-manager-magazin.de.
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Kind von dieser Gewohnheit abweicht. sie haben diese Handlung ja vorhergesehen und sie fest in ihre eigenen Handlungen eingeplant. Auch die Einhaltung der Etikette ist eine wichtige Voraussetzung für das gesellschaftliche Miteinander, bzw. für eine gute Position innerhalb der Gesellschaft. Es gibt gewisse Umgangsformen in der heutigen Gesellschaft, die man einfach beherrschen sollte, wie zum Beispiel das Essen mit Besteck. Wenn eine Person heute in ein Restaurant geht und nicht das Besteck, sondern die Finger zum Essen benutzt, so wird sie wohl negative Reaktionen und Äußerungen ernten. Um gesellschaftlich anerkannt zu werden und um sich eine gute Position in der Gesellschaft zu sichern, gehört es heute auch dazu, zu wissen, welches Besteck man für welchen Gang benutzt und was der Unterschied zwischen einem normalen Messer und einem Fischmesser ist. Im Gegensatz dazu gehörte es unter Ludwig XIV. zur Etikette, nur mit dem Messer und den Händen zu essen. Jeder der sich nicht daran hielt wurde mit Verachtung bestraft. Man kann also sagen, dass Etikette und spezielle Normen unverzichtbare Voraussetzungen für das gesellschaftliche Miteinander sind, die auch funktionieren müssen, damit das gesellschaftliche Leben funktionieren kann.
2. Hauptteil
2.1. Was gehörte für Ludwig XIV. zur Etikette?
Das Besondere unter Ludwig XIV. war, dass es nicht nur für jeden Lebensbereich strikte Verhaltensregeln gab, sondern dass Ludwig XIV. diese Regeln selber entworfen hatte. Er erließ detaillierte Bestimmungen für sämtliche Breiche, sei es für Freudenfeste, religiöses Leben oder für Trauerfeiern. Jeder einzelne am Hofe erhielt eine bestimmte Rolle und einen festen Platz zugewiesen. Ludwig XIV. hob durch diese Regeln und Normen auch jedes Mal seine eigene Stellung hervor. Das kann man zum Beispiel sehr gut an Versaille selbst sehen. In vielen anderen Ländern, wie zum Beispiel Spanien oder Deutschland handelt es sich bei den Königspalästen um Sakralbauten, das heißt, die Kapelle und somit die Religion bestimmten das Leben und die Architektur. Bei Ludwig XIV. steht nicht die Kapelle, sondern sein Schlafzimmer im Zentrum des Baus. Er machte also aus einer sehr intimen Platz den Mittelpunkt des Schlosses. In diesem Schlafzimmer spielte sich auch das bis ins letzte Detail durchorganisierte Zeremoniell des „Lever“ ab. Sehr schön beschrieben ist dies bei Norbert Elias, „Die höfische Gesellschaft“ 8 : „ Gewöhnlich um 8 Uhr, jedenfalls zu der Zeit, die er selbst bestimmt, wird der König geweckt, und zwar von dem ersten Kammerdiener, der zu
8 Elias, Norbert: Die höfische Gesellschaft, Darmstadt/Neuwied, 1977, S. 126.
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Arbeit zitieren:
Susanne Drews, 2002, Die Etikette als Herrschaftsinstrument - Eine Untersuchung an den Beispielen der höfischen Etikette unter Ludwig XIV. und der beruflichen Etikette in der heutigen Gesellschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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