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Inhaltsverzeichnis
Inhalt: Seitenzahl:
1. Inhaltsverzeichnis 2
2. Vorbetrachtung 3
3. Annäherung an das Werk: Der phantastische Realist 5
4. Inhaltsbeschreibung 7
5. Das Märchen 8
a) Ort, Personen, Zeitangaben 10
b) Pankraz 11
c) Esther 11
6. Die Zahlensymbolik 13
7. Vergleich mit dem „Märchen von einem der auszog das Fürchten zu lernen“ 16
8. Vergleich mit Kellers Novelle „Spiegel, das Kätzc hen“ 18
9. Schlussbetrachtung 23
10. Literaturverzeichnis 24
Die Novelle „Pankraz der Schmoller“ 1 von Gottfried Keller, als erste Geschichte des Novellen - Zyklus „Die Leute von Seldwyla“ 1856 erschienen, lässt sich in ihrer Intension und Bedeutung schwer fassen:
„Wurde die Novelle vormals als ein allzu eindimensional - autobiographischer und didaktischer Text angesehen, so hat man inzwischen ihre Differenziertheit und anspruchsvolle Mehrschichtigkeit
erkannt.“ 2
Von diesen vielfältigen Möglichkeiten sich der Novelle zu nähern und sie für sich zu begreifen wird hier versucht, die Märchensymbolik der Novelle zu erkennen und auch zu entschlüsseln: die auffälligen Verweise und Verwandtschaften der Novelle zu der Märchengattung sind sicher nicht unbeabsichtigt. Sowohl der Erzählstil als auch die Verwendung der Zahlen - die sich jedoch vor allem auf den Beginn der Geschichte konzentrieren - sind Indizien für einen dem Autor nicht nur bekannte, sondern möglicherweise auch bewusste Verwendung von Märchenelementen, die eine bewusste oder unbewusste Verbindung schaffen, deren Ursache herausgefunden werden soll. Hierbei bietet sich ein Vergleich mit den „Kinder- und Hausmärchen“ 3 der Brüder Grimmdie durch ihre Sammlung den Begriff „Märchen“ in ihrer gewohnten Form erstmalig definierten und prägten - sowie mit der ebenfalls dem „Seldwyla - Zyklus“ entstammenden Novelle „Spiegel das Kätzchen“ 4 an, da diese Novelle ein von Keller geschriebenes Märchen ist. Gerade im Vergleich mit diesem Märchen lässt sich deutlich nachvollziehen, inwieweit „Pankraz der Schmoller“ von Märchenelementen durchdrungen ist.
Die Problematik, sich Kellers Werk durch die Parallelen zur Märchenstruktur zu nähern, ist bekannt:
„Häufig tauchen Topoi aus dem Märchen, aus volkstümlicher Literatur, aus Romanzen und Heftchenromanen auf: es bleibt unsicher, ob dieser bunte Lesestoff parodiert wird, oder ob er als anbiedernder, verharmlosender Erwartungshorizont weiterwirkt. Keller wird somit zu einem erstaunlich vielschichtigen Erzähler. Er liebt Anspielungen, er bewegt sich mit seiner Auffassung der „Dialektik der Kulturbewegung“ durchaus im selbstreflexiven Bereich der Intertextualität, aber er kann auch sehr
selbstsicher und naiv wirken. Immer wieder ergötzt er sich zum Beispiel an Detailbeschreibungen.“ 5
1 Keller, Gottfried: Pankraz der Schmoller. 2000.
2 Neumann, Bernd: Nachwort zu „Pankraz der Schmoller. S. 68.
3 Grimm, Jacob und Wilhelm: Kinder- und Hausmärchen. 1999.
4 Keller, Gottfried: Spiegel, das Kätzchen. 1978.
5 Loosli, Theo: Fabulierkunst und Defiguration. S. 378.
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Dennoch ist diese Methode wirksam, da gerade durch die Präsenz oder auch Nicht - Präsenz von bestimmten Elementen der Stoff an sich fassbarer wird. „Pankraz der Schmoller“ wurde noch nicht unter dem Aspekt der Märchenhaftigkeit untersucht. Sicherlich wird somit ein neuer Blickpunkt auf dieses Werk gegeben.
Gottfried Keller kann als ein Hauptvertreter des „poetischen Realismus“ 6 gesehen werden. Sein Hang zu phantastischen Träumereien ist bereits in seiner Kindheit zu finden. Diese Anlage hat er laut Keller selbst von seinem Vater geerbt, einem „merkbar phantastischen Drechslermeister“, dessen Augen „glühten wie von einem anhaltenden Glanze innerer Wärme und Begeisterung.“ 7 Kellers Begegnung mit dem Trödlerehepaar Hotz, „dessen phantastische Welt und Lebensweise die Einbildungskraft des frühreifen Gottfried Kellers aufs heftigste erregte und zu rascher Entfaltung brachte“ 8 ist eine weiterer Indikator für seine spätere Prosaschreibung. Kellers erste Kontakte mit der Außenwelt, vor allem dem Bildungswesen, haben ein - gerade für die Novelle „Pankraz der Schmoller“ wichtiges - „Sich verschließen“ Kellers zur Folge. „Ein Trotzwesen macht sich bemerkbar, das nichts anderes ist als „das Zurückziehen in den absichtslosen Traum, in die (...) Welten passiv erlebter Bilderfolgen.“. 9 Die Tatsache, dass Keller, bevor er Dichter wurde, Maler werden wollte - dies jedoch aufgrund seiner Tagträumereien und seiner Unfähigkeit seine Phantasie in „realer“, wirklichkeitsnaher Malerei auszudrücken aufgab - bezeugen ebenfalls seinen Hang zur Irrealität, zur Phantasie und im Schluss zu den daraus folgenden Märchenelementen, die in vielen seiner Novellen zu finden sind. Auch wenn der Begriff phantastisch in erster Linie so gar nicht auf den Realisten Keller zutreffen mag, kann doch durch die Analyse und Betrachtung der Novelle „Pankraz der Schmoller“ wenigstens in Teilen das Gegenteil bewiesen werden. Dabei ist diese Novelle nicht einmal die phantastischste oder märchenhafteste. „Der grüne Heinrich“ 10 und „Die drei gerechten Kammacher“ 11 und auch „Spiegel das Kätzchen“ sind durchaus eindeutiger in ihrer Märchen- oder Phantasiesymbolik. Deshalb soll hier gezeigt werden, dass gerade in den „realistischeren“ Werken Kellers ebenfalls phantastische Elemente zu finden sind, die dann eine Klassifizierung Kellers als „poetischen Realisten“ eindeutiger rechtfertigen.
Eine Klassifizierung der Phantastik in Kellers Gesamtwerk fällt nicht leicht, da viele Umschreibungen dafür bestehen: „grotesk, bizarr, skurril, sonderbar, rätselhaft, ungewohnt“ 12 , sind nur einige der verwendeten Adjektive, die dann auch noch von den verschiedenen
6 Loosli, S. 13.
7 Loosli: S. 15.
8 Loosli. S. 15.
9 Loosli. S. 15.
10 Keller, Gottfried: Der grüne Heinrich. 1978.
11 Keller, Gottfried: Die drei gerechten Kammacher. 1978.
12 Loosli. S. 38.
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Forschungen unterschiedlich benut zt werden. Im Hinblick auf „Pankraz der Schmoller“ ist jedoch eine weitere Komponente viel wichtiger als die eben genannten Umschreibungen: die Verbindung von Kunst und Traum. Die Künstler Callot, Piranesi und vor allem Goya, die durchaus Einfluss auf die Literatur hatten, nannten den traumähnlichen Zustand des Phantasierens Capriccio oder Invention. Und diese gestalteten Traumwelten, die sich bei Keller vor allem in Tagträumen wiederspiegeln, finden sich stark ausgeprägt im Pankraz: Bei seiner Rückkunft in Seldwyla scheint er „wie aus einen schweren Träume“ 13 zu erwachen. Ihm erscheint ein halbes Jahr in der Erinnerung „wie ein schwüler, von Träumen durchzogener Sommertag“ 14 . Und von sich selbst sagt er: „So ging ich wohl ein halbes Jahr herum wie ein Nachtwandler, von Träumen voll hängend wie ein Baum voll Äpfel, alles, ohne mit Lydia um einen Schritt weiterzukommen.“ 15 Und am eindeutigsten von allen erscheint dieses Zitat Pankraziens Lebenssituation zu beschreiben:
„Ja, ich phantasiere mich wieder so hinein, dass mir ihre Fehler, selbst ihre teilweise Dummheit, zum wünschbarsten aller irdischen Güter wurden, und in tausend erfundenen Variationen wandte ich dieselben hin und her und malte mir ein Leben aus, wo ein kluger Mann die Verkehrtheiten und Mängel einer liebenswürdigen Frau täglich und stündlich in ebensoviel artige und erfreuliche Abenteuer zu verwandeln und ihren Dummheiten mittelst einer von Liebe und Treue getragenen Einbildungskraft einen goldenen Wert zu verleihen wisse, so dass sie lachend auf dieselben sich noch etwas zu gut tun
könne.“ 16
13 Pankraz. S. 11.
14 Pankraz. S. 28.
15 Pankraz. S. 35.
16 Pankraz. S. 48.
Arbeit zitieren:
Franziska Irsigler, 2003, Keller als phantastischer Realist - Die Märchensymbolik in Gottfried Kellers Novelle "Pankraz der Schmoller", München, GRIN Verlag GmbH
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