Universität Leipzig
Institut für Philosophie
„Theorien über Sprache, Verstehen und Kommunikation in der Philosophie des Mittelalters“
Seminar WS 2000/2001
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Annett Rischbieter
2.Semester/Nebenfach
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Thema dieser Arbeit sind die Engelvorstellungen, speziell die von Thomas von Aquin. Deshalb möchte ich auch zuerst kurz auf die Vorstellungen von den Engeln bis in das Zeitalter von Thomas von Aquin eingehen.
Die beiden anschließenden Teile behandeln dann Thomas von Aquin. Und zwar gebe ich einen Überblick über sein Leben, Werk und Schaffen, bevor ich schließlich seine Vorstellung von den Engeln genauer erläutere. Thomas von Aquin beschreibt ja in seinen Ä4XDHVWLRQHVGLVSXWDWDHGH YHULWDWH³ ausführlich seine Engellehre und so habe ich besonders diesen Text als Grundlage verwendet.
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Das heutige christliche Engelbild ist das Ergebnis eines langen Reifeprozesses, der fast 2000 Jahre gedauert hat. Wie sich die Engelvorstellungen in den einzelnen Religionen entwickelt haben, darauf möchte ich nun eingehen. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf den drei Weltreligionen: dem Judentum, dem Christentum und dem Islam.
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Vom Anfang bis zur Mitte des ersten Jahrtausends vor Christus berichteten einige biblische Texte von einem ‚Engel des Herrn‘, dessen Auftreten kaum von einer Erscheinung Gottes selbst zu unterscheiden war. Er übermittelte die göttlichen Botschaften und übernahm darüber hinaus auch die Funktionen eines Retters und Helfers, ja manchmal sogar die Rolle des Verderbers. Zudem erzählt uns die Bibel von göttlichen Boten, die sich den Menschen zeigten und in deren Leben eingriffen, sowie von geheimnisvollen Begegnungen, die sich schließlich als Kontakt mit der göttlichen Wirklichkeit offenbarten.
In den Jahrhunderten vor der Zeitenwende verbreitete sich auch in den Religionen des Nahen Ostens die Vorstellung von einem Zwischenreich eigenständiger Geistwesen, die dort außerdem schon Namen bekamen. Diese Entwicklung geht auf eine gesteigerte Transzendenz des obersten Gottes zurück, der jetzt aufgrund seiner Ferne Vermittler bei der Regierung im Universum benötigte.
Auch im Judentum lassen sich solche Tendenzen wiederfinden. Die himmlischen Geistwesen übernahmen immer mehr Handlungen und Tätigkeiten, die man früher noch Gott selbst zugeschrieben hatte. Darunter befanden sich die „Lenkung der Gestirne am Himmel und aller Vorgänge im Bereich der irdischen Natur, die Gewährung von Schutz und Hilfe für die Menschen und deren Bestrafung bei Verfehlungen.“ 1 Zudem entstand eine Annahme, die das Böse in der Welt nicht länger auf die Menschen selbst zurückführte. Vielmehr wurden von nun an Verfehlungen in der Welt der Engel dafür verantwortlich gemacht. Es gab gefallene Engel, und die, so hieß es, beeinflussten die Menschen, und wollten sie zum Ungehorsam gegenüber Gott verleiten.
1 Heinrich Krauss „Kleines Lexikon der Engel“S.8
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Eine neue Entwicklungsstufe ergab sich in den ersten Jahrhunderten nach Christus. Seitdem gab es eine intellektuelle Auseinandersetzung mit und über die Natur. Dabei spielen die Geistwesen eine wichtige Rolle. Es setzten philosophischen Strömungen ein, darunter die Gnosis und der Neoplatonismus. Beide Bewegungen unterstellten, wenn auch von unterschiedlichen Ausgangspunkten, die Existenz der Geistwesen einem göttlichen Urprinzip.
Die Engelvorstellungen aus den dunklen Schriften der Gnosis wurden fernab der Kirchen ausgegraben. „Nach ihren Lehren entspringt aus dem ungeborenen und ungeschaffenen Vater eine unendliche Folge von Äonen, welche die Materie erschaffen und aus denen Mächte und Engel entstehen, die wiederum neue Mächte und Engel gebären. Nach einigen dieser Lehren ist auch der Mensch bzw. sein göttlicher Seelenfunke einst aus der Sphäre des Göttlichen herausgefallen und in die dunkle widergöttliche Materie verstrickt worden. Deren Ursprung wird nicht dem guten Gott zugeschrieben, sondern den verschiedenen Zwischenwesen, die aus der Lichtfülle, in der der höchste Gott lebt, abgesunken sind.“ 2
Im Gegensatz zur Gnosis orientierten sich die Neuplatoniker an der Begrifflichkeit von Plato und Aristoteles. Diese lieferten den Theologen das theoretische Fundament für die Ausgestaltung ihrer Engelvorstellungen. Außerdem präzisierten und harmonisierten sie die meist wenig eindeutigen und oft sogar widersprüchlichen Angaben aus der Bibel. Der Neuplatonismus geht davon aus, dass es im Universum eine Art Hierarchie gibt. So sind „die Engel als Diener und Boten des Göttlichen in Gruppen geordnet, die Erzengeln unterstehen. Sie wachen über die Erde, geleiten die Seelen aus dem göttlichen Bereich zur Erde, schützen sie dort und führen sie wieder an ihren Ursprung zurück.“ 3
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Besonders der Neuplatonismus hatte großen Einfluss auf die Folgezeit. Die scholastische Theologie des Mittelalters vollendete das, was im Neuplatonismus begonnen wurde. Man machte
2 Heinrich Krauss Ä.OHLQHV/H[LNRQGHU(QJHO³S.81
3 Heinrich Krauss Ä.OHLQHV/H[LNRQGHU(QJHO³S.128
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Arbeit zitieren:
M.A. Annett Rischbieter, 2001, Engelvorstellungen: Thomas von Aquin, München, GRIN Verlag GmbH
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