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Fluktuation in der Pflege
von: Arnold Rekittke
6. Semester
1. Einleitung
2. Spezifik des Pflegeberufes
3. Lebenslauf Erwerbsarbeit
4. Verweildauer
5. Fluktuation
6. Fazit
1. Einleitung
Seit Mitte der achtziger Jahre bis zum heutigen Tag wird in dem Medien und der (Fach-) Öffentlichkeit die Fluktuation und die Verweildauer im Beruf von Krankenpflegekräften thematisiert. Nicht erst seit kurzem beschäftigen sich viele Artikel1 und Studien2 mit diesem Thema. Es wird in vielfältiger Weise behauptet, dass es hier ein überproportionales Abwandern aus dem gelernten Beruf der Krankenschwester / des Krankenpflegers gibt. Wandern diese Frauen3 ab oder wechseln sie nur zwischen einzelnen Bereichen oder wie hängt dies mit unterschiedlichen Erwerbsbiographien von Männern und Frauen zusammen? Aus welchen Gründen wird hier die Pflege anders beachtet als andere Frauenberufe? Diese Besonderheit des Pflegeberufes und der unterschiedlichen Biographien der Geschlechter will ich im folgenden beleuchten und erst danach die Fluktuation und Verweildauer von Pflegekräften untersuchen.
2. Spezifik des Pflegeberufes
Hier lohnt es sich, zuerst einmal der Frage nach der Berufmotivation nachzugehen. Warum gehen Menschen in die Pflege? Die Tatsache, dass bis heute Krankenpflege größtenteils von Frauen ausgeübt wird, bringt Konsequenzen für die betroffenen Frauen bzgl. der Gestaltung ihrer Biographie, insbesondere bei der Frage nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, mit sich. Dieses gesellschaftliche Problemfeld ist allerdings im Wandel begriffen. Die nebenerwerbstätige Ehefrau ist heute ein geringer werdender Arbeitnehmertypus, während die Perspektive der dauerhaft im Beruf arbeitenden Frau heute das Ideal darstellt. Der Beruf der Krankenschwester erfordert heute mehr als die klassischen weiblichen Tugenden, wie Geduld, Einfühlsamkeit, soziales und nichtmonetäres Engagement. Hier ist neben der hohen körperlichen und psychischen Belastung auch ein hohes Maß an Flexibilität und das Einlassen auf neue Methoden und Techniken gefragt. Was bewegte also die einzelnen dazu den Beruf Krankenschwester4 zu erlernen? Bei genauerer Betrachtung wird von verschiedenen Seiten festgestellt, dass es sich selten um geplante Lebensentwürfe handelt, und auch nur wenige in Vorfeld an die Pflege als „Lebensberuf“ glauben5. Es handelt sich nach Gudrun Piechotta6 eher um „kumulative Gründe, das heißt das Zusammentreffen arbeitsmarktbezogener Faktoren und biographischer Lebensumstände, (die) zu diesem Schritt“ führen. Hier zeigte sich besonders, dass das Berufsleben besonders erfolgreich erlebt wird, wenn die Wechselwirkung von Berufs- und Privatleben erfolgreich verlief und ein Wechsel von einem Bereich in den anderen immer auch möglich ist, was bedeutet, dass ein Wiedereinstieg nach einer Familienphase möglich war. Diese gewollte Offenheit zeigt aber auf, das sich diese typisch weiblichen Lebensläufe – im Gegensatz zu männlichen - durch ein hohes Maß an Diskontinuierlichkeit auszeichnet7. Was einerseits gewollt ist, wird andererseits problematisiert: eine (angebliche) Fluktuation. Hier zeigt sich, das sich nach Karl Ulrich Mayer8 die „Strukturen des Lebensverlaufs (..) an der Schnittstelle zwischen den Vorgaben gesellschaftlicher Großinstitutionen und individuellem Handeln“ entstehen. Diese Strukturen werden besonders stark wahrgenommen, da die Krankenpflege sich im halb-öffentlichen Raum, quasi als Berufsfeld mit gesellschaftlichem Auftrag, befindet. Jede und jeder ist potenziell betroffen, kann selbst krank werden oder hat kranke Angehörige.
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1 Rippegather, Jutta: Die Schwester ist immer schuld; Frankfurter Rundschau 08.01.03
2 vgl.: NEXT-Studie. Vorzeitiger Ausstieg aus der Pflege – ein zunehmendes Problem für den Gesundheitsdienst – derzeit laufend. Informationen unter: http://www.next-study.net
3 Ich benutze im Folgenden nur die weibliche Form der Berufbezeichnung – die männliche des Krankenpflegers ist immer mitgemeint. Auch behandele ich besonders die Frauen im Beruf – zum einem da die überwiegende Zahl der Beschäftigten in der Krankenpflege handelt und es traditionell in der Vergangenheit so war – es sich demnach um einen klassischen Frauenberuf handelt. Und es gibt kein Zahlenmaterial welches die Geschlechterverteilung bei der Fluktuation sauber aufschlüsselt.
4 Vgl. dazu Bartholomeyzczik, Sabine (1991): Wer sind die Pflegenden? In: DKZ, 44. Jg., S. 354-358
5 Vgl. dazu Bartholomeyzczik, Sabine; Müller, Elke (1997): Pflegeforschung verstehen. Urban und Schwarzenberg Verlag, München
6 Piechotta, Gudrun (2000): Weiblich oder kompetent? Der Pflegeberuf im Spannungsfeld von Geschlecht, Bildung und gesellschaftlicher Anerkennung, Huber Verlag, Bern, u.a., S. 123
7 vgl. hierzu Born, Claudia (1994): Beruf und weiblicher Lebenslauf. In: Beckmann, Petra; Engelbrech, Gerhard (Hg.): Arbeitsmarkt für Frauen 2000, Bundesanstalt für Arbeit, Bd. 179, Nürnberg, S. 209-228 und Born, Claudia; Krüger, Helga; Lorenz-Meyer, Dagmar (1996): Der unentdeckte Wandel. edition sigma, Verlag Bohn, Berlin
8 Mayer, Karl Ulrich (1990), Lebensverläufe und sozialer Wandel In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, S. 10 zitiert nach: Flieder, Margret (2002): Was hält Krankenschwestern im Beruf, Mabuse Verlag, Frankfurt/Main, S. 13
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