Universität Leipzig
Institut für Slawistik
„Interethnische Kontaktzone und imperiale Peripherie: Die Schwarzmeer-Region in der Neuzeit“
Proseminar WS 1999/2000
Von Annett Rischbieter
,QKDOWVYHU]HLFKQLV
, 925%(0(5.81*
,,'(5:(*,1'(1.5,(*
'LH+DXSWXUVDFKH'LH2ULHQWDOLVFKH)UDJH
D 5XODQG
E 'LHYHUVFKLHGHQHQ,QWHUHVVHQLQ0RQWHQHJUR 5
F 'HU6WUHLWXPGLH+HLOLJHQ6WlWWHQLQ3DOlVWLQD 6
'LHOHW]WH&KDQFHHLQHUIULHGOLFKHQ/|VXQJ
,,,'(5.5,0.5,(*
'LHEHLGHQ0LOLWlUV
(UVWH.DPSIKDQGOXQJHQ]ZLVFKHQGHP2VPDQLVFKHQ5HLFKXQGGHPUXVVLVFKHQ
D $QGHU'RQDX
E =XU6HH 13
'HU.ULHJVHLQWULWWYRQ(QJODQGXQG)UDQNUHLFK
D 'HUHQ$EVLFKWHQ 14
'HU$XIVWDQGLPJULHFKLVFKHQ7HLOGHV2VPDQLVFKHQ5HLFKHVXQGVHLQH)ROJHQ
$XIGHU6XFKHQDFKZHLWHUHQ9HUEQGHWHQ
D 'LH$QIDQJVSKDVH
E 'LH%HODJHUXQJGHU6WDGW 16
F 'HU.ULHJVHLQWULWWYRQ3LHPRQWXQGgVWHUUHLFK
G 'LH(QWVFKHLGXQJ
H 'LH(LQQDKPHGHU)HVWXQJ6HZDVWRSRO 22
'LHDQGHUHQ.ULHJVVFKDXSOlW]H
E 'LH2VWVHH
'DV(QGHGHV.ULHJHV
,9',(6,78$7,211$&+'(0.5,(* 'HU)ULHGHYRQ3DULV
9=86$00(1)$6681*
9,%,%/,2*5$3+,(
2
925%(0(5.81*
Im Rahmen dieser Hausarbeit möchte ich die Ereignisse vor, während und nach dem Krimkrieg schildern. Dabei habe ich auf bestimmte Punkte, die mir persönlich sehr wichtig erschienen, mein Hauptaugenmerk gerichtet. Im einzelnen sind das:
- die Orientalische Frage
- die Ereignisse um Sewastopol
- die Friedenskonferenz in Paris
3
, '(5:(*,1'(1.5,(*
'LH+DXSWXUVDFKH'LH2ULHQWDOLVFKH)UDJH
Eine Ursache des Krieges war die Orientalische Frage. Unter diesem politischen Begriff faßt man die Probleme, die sich durch den drohenden Zerfall des Osmanischen Reiches im 19.Jahrhundert ergeben hatten, zusammen. Dabei waren die europäischen Großmächte (das sind die folgenden, unter der Bezeichnung Pentarchie zusammengefaßten, Staaten gewesen: England, Frankreich, Österreich, Rußland und Preußen) durch ihre Interessen an den Einflußgebieten im Vorderen Orient ebenso darin verwickelt wie die zur Unabhängigkeit drängenden Nationalitäten auf dem Balkan. Ausgangspunkt war die Annahme, daß das Osmanische Reich bald zerfallen würde, und so verfolgte jeder nur ein Ziel, nämlich die Abgrenzung seiner eigenen Interessens- und Einflußsphären.
Im folgenden nun möchte ich auf die Unternehmungen und Bestrebungen der einzelnen Länder im Verlauf der Krise durch die Orientalische Frage im Detail näher eingehen:
D 5XODQG
Und zwar meldete vor allem Rußland Ansprüche auf das Gebiet des Osmanischen Reiches an. Dafür gab es mehrere Gründe verschiedener Art und Weise. Zum einen waren sie religiösen, zum anderen politisch-wirtschaftlichen Ursprungs.
Erst einmal war eine alte Prophezeiung dort nicht in Vergessenheit geraten. Diese besagte, daß vier Jahrhunderte nach dem Fall Konstantinopels und der Einnahme der Stadt durch die Türken (im Mai 1453) wieder die Christenheit in das Land einziehen und von der Hagia Sofia erneut das christliche Kreuz leuchten würde. Diese Auffassung konnte deswegen hochkommen, da sich vor dem Osmanischen Reich auf dessen Gebiet das Byzantinische Reich befand. Und mit jenem, so behauptete man in Rußland, stände das russische Zarenreich in einer Art religiös-mystischer Ver-
4
bindung. Es verstand sich nämlich sozusagen als Nachfolgestaat des tausendjährigen byzantinischen Kaisertums, da es ebenso wie das Byzantinische Reich Anhänger des orthodoxen Christentums war. Außerdem war der Mythos von Moskau als dem Ä9LHUWHQ 5RP³ immer allgegenwärtig. In Rußland gab es zudem fast mehr orthodoxe Gläubige als in der gesamten griechischen Welt. Und so war es Rußlands heiliges Ziel, weil beinahe religiöse Verpflichtung, die orthodoxen Völker von der Türkenherrschaft zu befreien und ein neues russisch-byzantinisches Kaiserreich zu schaffen, in welchem es zu einer Wiedervereinigung aller getrennten orthodoxen Gemeinden kommen sollte.
Aber es gab auch andere Gründe. Da Rußland eine feste Position innerhalb der europäischen Großmächte anstrebte, mußte sich an seiner politisch-wirtschaftlichen Schlagkraft noch einiges ändern. Doch ein entscheidender Machtfaktor fehlte bisher, und zwar ein Zugang zu den Weltmeeren.
Die Lösung dieses Problems konnte nur an der Schwarzmeerküste liegen. Und so strebte Rußland nach der Eroberung der Schwarzmeerküste und der Errichtung von Sewastopol als modernem Kriegshafen danach, eine ungehinderte Passage durch den Bosporus und die Dardanellen in die Ägäis und das Mittelmeer zu finden. Seit Peter I., dem Großen, hatten die Zaren weder Kosten noch Mühen gescheut, und dem russischen Zarenreich eine schlagkräftige Flotte aufgebaut. Diese sollte nun endlich einmal zum Einsatz kommen.
E 'LHYHUVFKLHGHQHQ,QWHUHVVHQLQ0RQWHQHJUR
Wie Rußland verfolgte auch Österreich das Ziel, bestimmte Interessen und Vorstellungen auf dem Gebiet des Osmanischen Reiches zu realisieren. Noch dazu hatte Nikolaus I., russischer Zar von 1825 bis 1855, dem Österreicher Fürst von Metternich bei einem Treffen die Zusage erteilt, Österreich bei der Erbschaft der europäischen Türkei zu berücksichtigen. Jedoch schien es zwischen beiden Staaten einen Interessenskonflikt in Bezug auf Montenegro zu geben. Dieses Gebiet unterstand dem Sultan und war Bestandteil des Osmanischen Reiches, aber es widersetzte sich schon seit längerer Zeit diesem Herrschaftsanspruch. Das dort ansässige unru-
5
hige Bergvolk führte mehrere Beutezüge in die benachbarten Regionen durch, und verletzte mehrfach die Grenze zu Österreich. Dort plante man unterdessen endlich einmal gegen diese immer wiederkehrenden Übergriffe militärisch vorzugehen. Darüber hinaus strebte man dort danach, Bosnien zu annektieren.
Um dieses Ziel zu erreichen, nutzte man jegliche diplomatischen Möglichkeiten aus. So schickte man beispielsweise zu Beginn des Jahres 1853 den Feldmarschall-Leutnant Graf Leiningen in einer geheimen Sondermission nach Konstantinopel, um unter anderem über den Rückzug der türkischen Truppen aus Montenegro sowie über die Beseitigung aller Handelsbeschränkungen und die Gleichstellung der Christen zu verhandeln. Es waren aber eher Forderungen, welche die Österreicher dabei stellten. Trotzdem gab man in Konstantinopel der Mehrheit dieser Forderungen nach, und so einigten sich schließlich beide Staaten auf die Wiederherstellung des Status quo. Rußland gegenüber verheimlichten die Österreicher ihre Unternehmungen. Und so kam es, daß Rußland schließlich danach trachtete, die Lage wieder nach seinen Gunsten zu richten. Der Zar sah es als seine alleinige Pflicht an, die Interessen der Millionen Christen im Osmanischen Reich zu überwachen, und duldete dabei keinen Widersacher. Unabhängig von Österreich verlangte auch er den sofortigen Rückzug der türkischen Truppen aus Montenegro. Sollte dieser Forderung von Seiten der Türken nicht nachgekommen werden, so hatte man sich auch schon für diesen Fall seine Gedanken gemacht, und erste Handlungen und Aktionen militärischer, also kriegerischer Art, in Betracht gezogen. Man hatte bereits einen Kriegsplan entwickelt, der die vorübergehende Besetzung der Donaufürstentümer vorsah. Es war so geplant, dies erst einmal provisorisch zu tun, um die Türken zur Vernunft zu bringen. Da das so war, ist klar, daß die Russen keineswegs eine Eskalation der Krisensituation mit Kriegsfolge anstrebten.
F 'HU6WUHLWXPGLH+HLOLJHQ6WlWWHQLQ3DOlVWLQD
Seinen direkten Ursprung nahm der Krimkrieg in einem Streit zwischen Christen verschiedener Konfessionen über ihre Rechte im Heiligen Land. Seine eigentlichen Ursachen lagen jedoch in dem taktischen Vorgehen Rußlands in diesem Streit und dem Unvermögen der britischen Regie-
6
Arbeit zitieren:
M.A. Annett Rischbieter, 2000, Der Krimkrieg, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Räterepublik 1918/1919 in München: Freikorps gegen die Räterepubli...
Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik
Referat (Ausarbeitung), 14 Seiten
Der Krimkrieg von 1853 und seine Bedeutung für die europäischen Mächte
Geschichte Europa - Deutschland - Neuere Geschichte
Seminararbeit, 27 Seiten
G. v. Straßburg, Tristan: Verhinderte Öffentlichkeit am Marke-Hof
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
Bismarck - Der Zerstörer des Deutschen Bundes?
Geschichte Europa - Deutschland - 1848, Kaiserreich, Imperialismus
Hausarbeit, 14 Seiten
Historische Entwicklung des Gesundheitssystems in Deutschland
BWL - Wirtschafts- und Sozialgeschichte
Seminararbeit, 21 Seiten
Die Reformen im Bayern des napoleonischen Zeitalters
Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Reichweitenmessung für Internetwerbung - eine Würdigung des Modells de...
Medien / Kommunikation - Medienökonomie, -management
Studienarbeit, 32 Seiten
Europa und der deutsch-französische Krieg von 1870/1871
Geschichte Europa - Deutschland - 1848, Kaiserreich, Imperialismus
Examensarbeit, 131 Seiten
Die Weimarer Republik und die Ursachen ihres Scheiterns
Politik - Politische Systeme - Historisches
Hausarbeit, 28 Seiten
Liberalismus in Deutschland - Politische Ideologie und liberale Partei...
Politik - Politische Systeme - Historisches
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Kulturelle Identität in einer globalen Welt
Medien / Kommunikation - Interkulturelle Kommunikation
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Geschichte Europa - Deutschland - 1848, Kaiserreich, Imperialismus
Seminararbeit, 20 Seiten
Die Einführung von Bildungsstandards in der Bundesrepublik Deutschland...
Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Das Problem 'Jugendarbeitslosigkeit' in Deutschland - was hat ...
Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation
Hausarbeit (Hauptseminar), 24 Seiten
Der „Deutsche Oktober“ und die Politik der KPD im Krisenjahr 1923
Ein Revolutionsversuch und sei...
Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik
Examensarbeit, 88 Seiten
Annett Rischbieter hat den Text Der Krimkrieg veröffentlicht
Annett Rischbieter hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare