Das 21. Kapitel des Johannesevangeliums, welches dem Epilog folgt, hebt sich aufgrund verschiedener Faktoren vom Rest des Buches ab und wird von der Mehrheit der Theologen als spätere Anfügung an das Evangelium angesehen. Die Arbeit geht kurz auf die Frage nach dem Verfasser ein und widmet sich schließlich den Funktionen des Kapitels innerhalb des Buches sowie innerhalb der jungen Gemeinde.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das 21. Kapitel als Addendum?
3. Der Verfasser des 21. Kapitels
4. Funktion und Bedeutung des 21. Kapitels innerhalb des Evangeliums sowie der Gemeinde
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung und Funktion des 21. Kapitels des Johannesevangeliums, wobei der Schwerpunkt auf der Analyse des Kapitels als spätere redaktionelle Anfügung liegt. Es wird beleuchtet, wie dieses Schlusskapitel spezifische Bedürfnisse der jungen urchristlichen Gemeinde adressiert, die über den Inhalt des restlichen Evangeliums hinausgehen, insbesondere in Bezug auf Führungsstrukturen und die Parusieerwartung.
- Die literarische und historische Verortung des 21. Kapitels als Addendum
- Die Frage nach dem Verfasser und der redaktionellen Herkunft
- Die Bedeutung der Figuren Petrus und des "geliebten Jüngers" für die Gemeinde
- Ekklesiologische Aspekte und die Etablierung von Führungsautorität
- Die Bewältigung der Naherwartung und der Tod des geliebten Jüngers
Auszug aus dem Buch
4. Funktion und Bedeutung des 21. Kapitels innerhalb des Evangeliums sowie der Gemeinde
Es ist zunächst wichtig den Inhalt des Kapitels zu betrachten, um davon ausgehend auf die Notwendigkeit und die Funktionen zu schließen. Eingebettet in eine Erscheinungserzählung finden wir in diesem Kapitel eine Szene mit Jesus und Petrus sowie mit dem geliebten Jünger. Ich denke, dass die Erscheinungserzählung notwendig war, um die Gespräche darin anzulegen. In ihnen liegt die eigentliche Bedeutung des Kapitels verborgen. Schnackenburg schreibt, dass die Wundergeschichte in V. 1-14 ihm übertrieben erscheine. Das heißt, dass diese nur in diesem Umfang geschildert wird, da es sich höchstwahrscheinlich um eine übernommene Erzählung handelt. Es gehe dem Verfasser aber nicht darum von einem weiteren Wunder zu berichten, sondern vielmehr um die Erscheinung Jesu vor seinen Jüngern. Schon während dieser Wundererzählung nehmen Petrus sowie der geliebte Jünger eine Sonderstellung ein, die beide während des gesamten Kapitels behalten.
Es ist der geliebte Jünger, der Jesus erkennt, während die anderen noch unwissend sind (21, 7). Petrus hingegen ist es, der ins Wasser springt, um schneller zu seinem Herrn zu gelangen (21, 7). Obwohl es sieben Jünger sind, die an dieser Szene teilhaben, werden nur die Handlungen dieser beiden Jünger hervorgehoben. Anschließend folgen die beiden Gespräche. An dieser Stelle sind die anderen Jünger nicht einmal mehr anwesend. Es lässt sich also schon nach dieser kurzen Analyse des Inhalts feststellen, dass Petrus und der geliebte Jünger die zentralen Figuren dieses Kapitels sind und dass man in ihnen die Bedeutung des Kapitels für die frühe Gemeinde finden wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung gibt einen Überblick über die Gliederung des Johannesevangeliums und führt in die wissenschaftliche Debatte ein, dass das 21. Kapitel als ein vom Rest des Werkes abgesetzter Epilog zu betrachten ist.
2. Das 21. Kapitel als Addendum?: Dieses Kapitel analysiert strukturelle, inhaltliche und stilistische Gründe, die in der Forschung zur Annahme führen, dass es sich beim 21. Kapitel um eine spätere redaktionelle Anfügung handelt.
3. Der Verfasser des 21. Kapitels: Es wird diskutiert, wer als Verfasser in Frage kommt, wobei die Mehrheitsmeinung von einer vom Evangelisten unabhängigen Redaktion ausgeht, die jedoch eng mit der johanneischen Tradition verbunden war.
4. Funktion und Bedeutung des 21. Kapitels innerhalb des Evangeliums sowie der Gemeinde: Der Hauptteil untersucht die Rollen von Petrus und dem geliebten Jünger, um aufzuzeigen, wie das Kapitel pastorale Autorität etabliert und auf die veränderte Situation der frühen Kirche reagiert.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass das 21. Kapitel als nützliche Ergänzung dient, welche dem Evangelium eine zukunftsorientierte Dimension in Bezug auf Ekklesiologie und Naherwartung verleiht.
Schlüsselwörter
Johannesevangelium, 21. Kapitel, Addendum, Redaktion, Petrus, geliebter Jünger, urchristliche Gemeinde, Hirtenamt, Parusie, Naherwartung, Ekklesiologie, neutestamentliche Exegese, Erscheinungserzählung, Führungsautorität, Theologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die literarische Eigenständigkeit und die spezifische Funktion des 21. Kapitels des Johannesevangeliums innerhalb des neutestamentlichen Kanons.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Entstehungsgeschichte als redaktionelle Anfügung, die Bedeutung der apostolischen Autorität (Petrus vs. geliebter Jünger) sowie die Anpassung der urchristlichen Gemeinde an ausbleibende endzeitliche Erwartungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass das Kapitel 21 nicht bloß ein Anhang ist, sondern eine notwendige Ergänzung darstellt, die spezifische pastorale und theologische Herausforderungen der jungen Gemeinde löst.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theologisch-exegetischen Analyse, die sich auf den Vergleich struktureller und inhaltlicher Merkmale sowie auf die Auswertung aktueller Forschungsliteratur stützt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Analyse des Inhalts des 21. Kapitels, insbesondere der Hervorhebung von Petrus und dem geliebten Jünger als zentrale Führungspersonen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören "Addendum", "Redaktion", "Parusie", "Hirtenamt" und "johanneische Gemeinde".
Wie erklärt die Autorin die Bedeutung der Petrus-Gestalt in Kapitel 21?
Petrus wird als eine rehabilitierte Figur dargestellt, die durch den Hirtenauftrag Jesu eine klare Führungsaufgabe innerhalb der Gemeinde übernimmt und somit Stabilität in einer Zeit nach dem Tod Jesu sichert.
Welche Funktion erfüllt der "geliebte Jünger" laut der Argumentation?
Der geliebte Jünger fungiert als lokale Autorität und als Zeuge, dessen Tod redaktionell verarbeitet werden musste, um die enttäuschte Naherwartung der Gemeinde zu interpretieren.
Warum wird die Parusieerwartung im Kapitel als so wichtig erachtet?
Die Parusieerwartung war für die ersten Christen zentral; da diese jedoch nicht wie unmittelbar erhofft eintrat, diente das Kapitel dazu, den Glauben durch eine Umdeutung (vom unmittelbaren Erleben hin zum geistigen Verbleiben) zu bewahren.
- Arbeit zitieren
- Juliane Strätz (Autor:in), 2012, Funktion und Bedeutung des 21. Kapitels des Johannes-Evangeliums, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/279282