1. Einleitung
Fast jeden Tag ist in der Zeitung zu Lesen, dass Kooperationen zwischen verschiedenen Unternehmen vereinbart werden. In der Automobilindustrie ist z. B. auf die Zusammenarbeit von Volkswagen und Ford 1 hinzuweisen, die in Portugal ein Gemeinschaftswerk betreiben sowie die Kooperation zwischen Mercedes Benz und Porsche 2 im Bereich der Geländewagenproduktion. Allerdings werden Unternehmenskooperationen nicht nur in bestimmten Branchen geschlossen, sondern sie sind vielmehr als ein branchenübergreifendes Geschehen anzusehen. Die Gründe hierfür liegen in den Umweltveränderungen, denen alle Unternehmen ausgesetzt sind. Durch die Globalisierung der Märkte eröffnen sich für die Unternehmen viel größere Möglichkeiten ihre Produkte und Dienstleistungen zu vertreiben. Dies hat auch zur Folge, dass sich ein immer stärker werdender Konkurrenzkampf zwischen Unternehmen einzelner Branchen entwickelt. Hinzu kommt, dass der technische Fortschritt immer rasanter wird und auch der Faktor Zeit an Bedeutung zunimmt. Eine weitere Veränderung liegt in den stark steigenden Fixkosten der Unternehmen, so dass hierbei von einer „Fixkostenexplosion“ gesprochen werden kann. 3 Neben diesen vier Hauptgründen sind zahlreiche weitere Bewegungen in technologischen, ökonomischen, politischen, sozialen und ökologischen Bereichen zu verzeichnen. 4 Folglich müssen die Unternehmen ihre Handlungen stets an die Dynamik ihrer Umwelt anpassen, um dem Wandel und dem Wettbewerbsdruck standhalten zu können. Kooperationen können eingesetzt werden, um gemeinsam mit anderen Unternehmen gegen die Veränderungen anzukämpfen. Im Rahmen dieser Arbeit werden die Kooperationen zunächst allgemein dargestellt. Im Anschluss daran folgt die genauere Untersuchung ausgewählter Kooperationsformen. Diese werden zuerst dargestellt und anschließend einer vergleiche nden Analyse unterzogen.
1 Vgl. o.V.: Auf Herz und Nieren, in: Wirtschaftswoche, Nr. 35 vom 22.08.1996, S. 82f.
2 Vgl. o.V.: Porsche und Mercedes -Benz planen Zusammenarbeit, in: FAZ, Nr. 193 vom
20.08.1996, S. 14.
3 Vgl. Backhaus, Klaus/Plinke, Wulff (1990): Strategische Allianzen als Antwort auf veränderte
Wettbewerbsstrukturen, in: Backhaus, Klaus/Piltz, Klaus (Hrsg.): Strategische Allianzen, zfbF-Sonderheft, 27/1990, Düsseldorf 1990, S. 23ff.
4 Vgl. Belzer, Volker (1993): Unternehmenskooperationen - Erfolgsstrategien und Risiken im
industriellen Strukturwandel, München 1993, S. 19.
3
2. Unternehmenskooperationen im Allgemeinen
Unter dem Begriff der Kooperation wird jede Art von freiwilliger Zusammenarbeit verstanden, die von mindestens zwei rechtlich und wirtschaftlich selbstständigen Unternehmen ausgeführt wird mit den Zielen der gemeinsamen Durchführung von Aufgaben und Steigerung der jeweiligen Leistungsfähigkeit. Dabei wird in der Regel von einer m ittel- bis langfristigen Zusammenarbeit ausgegangen. 5 Eine Kooperation kann ganz unterschiedlich gestaltet sein, von rein mündlicher Absprache, bei der die Autonomie der Unternehmen größtenteils erhalten bleibt, bis hin zu streng festgelegten Regeln die mittels Vertrag untermauert werden und die Unternehmen in ein Abhängigkeitsverhältnis bringen. 6 Die verschiedenen Kooperationsformen bewegen sich stets zwischen den beiden Begrenzungspunkten Markt und Hierarchie. Die losen Absprachen sind nahe der Marktseite angesiedelt und nicht mehr mit den reinen Markttransaktionen vergleichbar sondern schon als Kooperation zu betrachten. Bei der B egrenzung durch die Hierarchie ist die Zusammenarbeit noch als kooperativ und noch nicht als hierarchisch anzusehen. An diesen Extrempunkt ist die streng vertragliche Kooperation einzuordnen. 7
Die Kooperation kann horizontal, d. h. zwischen Unternehmen die auf derselben Wirtschaftsstufe agieren, aufgebaut sein. Diese Kooperationsform ist nach außen hin dem Kartell recht ähnlich, allerdings verfolgen die Unternehmen hierbei keine wettbewerbsbeschränkenden Handlungen sondern sind lediglich auf ihre eigene Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit fixiert. Bei einer vertikalen Kooperation sind die Unternehmen auf verschiedene n Wirtschaftsstufen angesiedelt, z. B. der Hersteller als vorgelagerte Wirtschaftsstufe gegenüber dem Handel. 8 Meist sind dies Unternehmen, die auch schon vor der Kooperation im Geschäftsleben zusammengearbeitet haben und nun eine stärkere Verbindung eingehen. Auch laterale Kooperationen, so genannte Konglomerate, sind zwischen Unternehmen möglich. Dabei kooperieren Unternehmen miteinander die in ganz
5 Vgl. Sell, Axel (1994): Internationale Unternehmenskooperationen, München 1994, S. 3.
6 Vgl. Klanke, Burkard (1995): Kooperationen als Instrument der strategischen
Unternehmensführung - Analyse und Gestaltung - dargestellt am Beispiel von Kooperationen
zwischen Wettbewerbern, Osnabrück 1995, S. 72.
7 Vgl. Weder, Rolf: Internationale Unternehmenskooperation: Stabilitätsbedingungen von Joint
Ventures, in Außenwirtschaft, 2/1990, Chur 1990, S. 271f.
8 Vgl. Thelen, Eva (1993): Die zwischenbetriebliche Kooperation - Ein Weg zur
Internationalisierung von Klein- und Mittelbetrieben?, Frankfurt am Main 1993, S. 57f.
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unterschiedlichen Geschäftsfeldern oder Wirtschaftsbranchen ansässig sind. Als Beispiel für diese diagonale Zusammenarbeit ist z. B. die gemeinsame Erforschung von Materialen eines Flugzeugherstellers in Kooperation mit einem Automobilhersteller zu ne nnen. 9
Kooperationen können in allen Funktionsbereichen eines Unternehmens erfolgen. So arbeiten z. B. Apple und IBM im Bereich der Forschung und Entwicklung zusammen, um Kosteneinsparungen und gegenseitigen Wissensaustausch zu erzielen. Doch Kooperationen müssen sich nicht auf einen spezifischen Funktionsbereich eines Unternehmens beschränken, sondern können auch bereichsübergreifend stattfinden wie z. B. bei Coca-Cola und Nestlé. Dabei stellt Coca-Cola ein Vertriebsnetz zur Verfügung und kann im Gegenzug auf die Produktionsressourcen von Nestlé zurückgreifen. 10
2.1 Kooperationsziele
Wie bereits schon aus der Begriffsabgrenzung deutlich wird, verfolgen Unternehmen durch die Kooperation mit anderen Unternehmen, die gegebenenfalls auch Mitbewerber sind, bestimmte Ziele. Diese können ganz unterschiedlicher Natur sein, jedoch mit dem Oberziel des Aufbaus von Wettbewerbsvorteilen. Diese werden mit Hilfe der vorhandenen Ressourcen durch einen Vorsprung in Kosten, Zeit, Qualität oder Flexibilität gegenüber den Wettbewerbern erzielt. 11 Um dies zu erreichen geht ein Unternehmen eine Kooperation ein, um auftretende Ressourcenengpässe zu überwinden, Synergieeffekte durch Zusammenlegung der eigenen Ressourcen mit denen des Kooperationspartners zu gewinnen und um eine Verteilung des eigenen Risikos zu erlangen. Die Ressourcen, die einem Unternehmen zur Verfügung stehen, können in vier Kategorien unterteilt werden: Realgüter, Humankapital, Finanzkapital und Informationen. Unter die Realgüter fallen betriebliche Anlagen sowie Roh-, Hilfs-und Betriebsstoffe. 12 Um eine Kostensenkung durch eine höhere Maschinenauslastung zu erzielen, können sich die Unternehmen in ihren geplanten Produktionsvorhaben und in ihrer gemeinsamen Marktbearbeitung
9 Vgl. Sell, Axel (1994), a.a.O., S. 19.
10 Vgl. Klanke, Burkard (1995), a.a.O., S. 41f.
11 Vgl. Rupprecht-Däullary, Marita (1994): Zwischenbetriebliche Kooperation - Möglichkeiten
und Grenzen durch neue Informations- und Kommunikationstechnologien, Wiesbaden 1994, S. 27.
12 Vgl. Klanke, Burkard (1995), a.a.O., S. 30ff.
5
abstimmen. 13 Das Humankapital stellt eine weitere wichtige Ressource für das Unternehmen dar. Insbesondere in der Technologiebranche, in der es zeitweise zu Engpässen bei spezialisierten Arbeitnehmern kommen kann, eröffnet eine Kooperation einem Unternehmen die Chance auf Arbeitskräfte von verbündeten Unternehmen zurückzugreifen. 14 Ein weiterer Vorteil für die Unternehmen besteht im gegenseitigen Wissens- und Erfahrungsaustausch der Arbeitnehmer bei z. B. der Entwicklung eines neuen Produktes. Im Bereich des Finanzkapitals geht es vorrangig um die Beseitigung von Finanzierungsengpässen. Kooperationspartner können als Kapitalgeber eingesetzt werden um z. B. die Durchführung von innovativen Forschungsprojekten zu sichern. Durch den gegenseitigen Austausch der Ressource Information können die Unternehmen einen kleinen Einblick in die Partnerunternehmen gewinnen und s ich dadurch bestimmte Fähigkeiten und Fertigkeiten aneignen und technologische Kenntnisse sowie Know- how hinzugewinnen. 15
Die folgende Abbildung zeigt, wie stark die unternehmensübergreifende Zusammenarbeit in den einzelnen Wirtschaftsbranchen vertreten ist. So ist im Dienstleistungsgewerbe und auch im verarbeitenden Gewerbe die Anzahl an Kooperationen weit aus höher als in den übrigen Wirtschaftsbereichen.
13 Vgl. Thelen, Eva (1993), a.a.O., S. 63.
14 Vgl. Klanke, Burkard (1995), a.a.O., S. 32.
15 Vgl. Klanke, Burkard (1995), a.a.O., S. 32f.
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Abbildung 1: Unternehmenskooperationen in den einzelnen Wirtschaftsbranchen
Quelle: in Anlehnung an eine Erhebung des Statistischen Bundesamtes 16
Im Bereich der Dienstleistungsunternehmen geht fast die Hälfte aller befragten Unternehmen eine Kooperation mit anderen Unternehmen ein, im verarbeitenden Gewerbe sind es auch ein Drittel aller befragten Unternehmen. Gründe hierfür können u. a. die Erschließung neuer Geschäftsfelder mit kooperierenden Unternehmen sein, die im Bereich der Dienstleistungen eine g rößere Rolle spielen, als z. B. im Gastgewerbe. Allerdings sind beim Aufbau einer Kooperation einige Kriterien zu beachten, die im folgenden Abschnitt dargestellt werden.
2.2 Kriterien beim Aufbau von Unternehmenskooperationen
Damit eine Kooperation die erhofften Effekte erfüllen kann, ist es sinnvoll vor der Entscheidung zur Kooperation einige Kriterien zu beachten. Zuerst sollte das Unternehmen seine Kooperationsziele aufstellen und dementsprechende Aufgaben definieren. Weiter sollte eine systematische Untersuchung der
Kooperationswirkungen für das Unternehmen durchgeführt werden. Diese Analyse sollte die Eignung der Kooperation zur Zielerreichung beinhalten, mögliche Alternativen abwägen und auch Überlegungen über
Abbruchmaßnahmen bei einer erfolglos verlaufenden Kooperation beinhalten. 17
16 Vgl. www.destatis.de/download/insol/kooperationen_03.pdf am 13.06.2004. Die Daten beruhen
auf einer vom Statistischen Bundesamt durchgeführten Erhebung im Sommer 2003, bei der 30.000
Unternehmen verschiedener Größenordnungen und aus verschiedenen Bundesländern befragt
wurden. Zu beachten ist, dass nur 8.555 Fragebögen verwertbar waren und nur diese die
Grundlage dieser Erhebung bilden.
17 Vgl. Rupprecht-Däullary, Marita (1994), a.a.O., S. 97f.
7
Arbeit zitieren:
Janine Foltyn, 2004, Alternative Formen der Unternehmenskooperation: industrielle Anbieterkoalitionen, strategische Allianzen und strategische Netzwerke, München, GRIN Verlag GmbH
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