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Erzählsituation....................................................................................................................... 3 Oskars Unzuverlässigkeit..................................................................................................... 10 Bibliographie ....................................................................................................................... 14
Nicht erst seit der Verleihung des Nobelpreises an Günter Grass gilt "Die Blechtrommel" als eines der bedeutendstens Werke der Nachkriegszeit. In der Preisbegründung hebt die Jury ausdrücklich hervor, daß es gewesen sei, "als wäre der deutschen Literatur nach Jahrzehnten sprachlicher und moralischer Zerstörung ein neuer Anfang vergönnt worden" 1 . Heftig umstritten ("DM 10.000 Steuern für Kunst oder Pornographie?" 2 ), aber nichts desto trotz gefeiert, verpackt Grass auf 700 Seiten mehr als ein Stück Kriegs- und Nachkriegsgeschichte.
Der Roman ist so reich an Formen, Motiven und Personen, daß es schwer fällt, sich für einen bestimmten Aspekt zu entscheiden. Erzähler und zugleich Mittelpunkt des Romans ist aber Oskar, und trotz seiner geringen Größe schafft er es, sich Gehör zu verschaffen. Auf der einen Seite erscheint er als der Dreijährige, der sich hilflos und unschuldig durch das Danzig der Vorkriegszeit und der Kriegsjahre trommelt. Auf der anderen Seite erscheint ein Oskar, der genau weiß was er will und die "Dreijährigkeit" dazu ausnutzt, um sich durchs Leben zu schlagen. Dabei geht er wortwörtlich über Leichen, und der Leser ist sich nie darüber im Klaren, in wie weit Oskar verückt ist und bis zu welchem Punkt man ihm trauen kann. Diese Hausarbeit soll sich in erster Linie mit der äußeren Form des Romans befassen, zunächst die Erzählsituation analysieren, aber dann auch auf die Figur des Erzählers zu sprechen kommen. Es soll die Art und Weise untersucht werden, wie sich Oskar selbst als Erzähler sieht, welche Rolle er sich selbst in dem Ganzen zuspricht. Hier wird es dann notwendig werden, die Person und den Charakter Oskars etwas genauer zu betrachten. Der Grund für die Unzuverlässigkeit, der eventuelle Wahnsinn Oskars, soll genauer analysiert werden. (U]lKOVLWXDWLRQ
Bei der "Blechtrommel" handelt es sich um die fiktive Autobiographie des Oskar Matzerath. Er schreibt aus einer "Heil- und Pflegeanstalt" heraus, die er auch als sein Asyl bezeichnet. Dieser Erzählsituation - das Individuum, das aus dem Asyl heraus auf sein Leben zurückblickt - macht die klare Gliederung des Romans in Binnen- und Rahmenhandlung möglich. Rahmenhandlung ist die Heil- und Pflegeanstalt; gleich im ersten Satz stellt der Erzähler Oskar Matzerath das klar: "Zugegeben: ich bin Insasse einer Heil- und Pflegeanstalt" (S. 7). Im Verlauf seines Berichtes wird jedoch klar, daß Oskar diese Situation als ein Asyl
empfindet, denn zu einem normalen Leben außerhalb der Anstalt scheint er nicht fähig zu sein. Am Ende, als seine Unschuld ans Tageslicht kommt und seine Entlassung bevorsteht, macht er sich Sorgen, wie er sein Leben in der normalen Welt meistern soll. Das Asyl gibt ihm auch die Möglichkeit, in Ruhe seine Geschichte zu schreiben. Er muß nicht die das alltägliche Leben in der normalen Welt meistern und kann sich ganz dem Schreiben widmen. Störungen - wie zum Beispiel Besuche von Freunden oder der Anstaltsalltag - sind nur geringfügig.
Die Rahmenhandlung gibt auch eine deutliche "Chronologie des Schreibens" zu erkennen. In seine Geschichte - die Binnenhandlung - streut Oskar immer wieder Erlebnisse aus dem Anstaltsalltag ein. Oskars Schreiben erstreckt sich ziemlich genau über zwei Jahre. Der Leser kann das aus Daten, die er in die Rahmenhandlung einstreut, ziemlich leicht errechnen: Im September 1952 wird er eingeliefert (kurz nach seinem Prozeß), auf S. 332 ("Stalins Tod überraschte mich heute früh beim Rasieren!") erwähnt Oskar Stalins Tod (5.3.1953), und an seinem 30. Geburtstag im September 1954 schließt Oskar den Roman ab. (,,So nebenbei: Ich begehe heute meinen dreißigsten Geburtstag" S. 694, ,,Fragt Oskar nicht, wer sie ist! Er hat keine Worte mehr." S. 707)
Diese Alltagserlebnisse bilden aber nur den Rahmen für Oskars Lebensgeschichte. Aber im Gegensatz zum "normalen" Autobiographen, der seine Lebensgeschichte mit seiner Geburt beginnen würde, greift Oskar auf seine Großmutter Anna Bronski zurück und beschreibt die Zeugung seiner Mutter. "Ich beginne weit vor mir; denn niemand sollte sein Leben beschreiben, der nicht die Geduld aufbringt, vor dem Datieren der eigenen Existenz wenigstens der Hälfte seiner Großeltern zu gedenken." (S. 10). Von diesem Punkt aus beginnt er über sein eigenes Leben, ausgehend von der Beschreibung seiner eigenen Geburt, zu berichten. Am Ende treffen sich die zwei Handlungseben an dem Tag, an dem Oskar seinen Roman fertig stellt - an seinem 30. Geburtstag.
Auch die Rahmenhandlung ist streng chronologisch aufgebaut. Oskar erzählt detailgetreu seine Lebensgeschichte und spart auch nicht mit Zeitangaben, so daß der Leser nie im unklaren darüber ist, was wann passiert. Sie umspannt die Jahre zwischen 1924, der Zeugung seiner Mutter, und 1952, dem Zeitpunkt seiner Verhaftung. Grass hat sich bewußt für diese Technik entschieden: "Da ich mir die heute so beliebte, auf dem Kunstdünger des Rundfunk gewachsene ´Rückblende` verbat, galt es chronologisch zu erzählen. So, immer hart am Stoff und einer Wirklichkeit gegenüber, die genau fixiert und benannt sein wollte, bedurfte es meterlanger Kapitelpläne und Zeittabellen. Auch muß man, wenn man chronologisch erzählt,
sehr fleißig sein." 3 . Grass verwendet diese Technik absichtlich, um Oskars Erzählungen
realistischer erscheinen zu lassen. Bei aller Unglaubwürdigkeit, die die teilweise phantastischen Erzählungen Oskars heraufbeschwören, trägt die genaue und vernünftig durchorganisierte Anordnung des Stoffes dazu bei, daß dem Leser die Erzählung - in einem gewissen Maße - doch realistisch und glaubwürdig erscheint.
Aber nicht nur in Rahmen- und Binnenhandlung, auch in der Erzählperspektive lassen sich zwei verschiedene Erzählsituationen feststellen. Der Erzähler wechselt permanent zwischen der Ich- Perspektive, der personalen und der auktorialen Erzählsituation hin und her. Anhand der Erzähltheorie von Franz K. Stanzel läßt sich dieses Vorgehen sehr gut beschreiben: Stanzel 4 unterscheidet drei Erzählsituationen, die ineinander übergehen. In der auktorialen
Erzählsituation finden wir die Rolle des Erzählers, der quasi allwissend über dem Geschehen steht und somit auch Einblick in das Gefühlsleben der Figuren hat. Er kann sich seiner Erzählerrolle bewußt sein und den Leser als solchen anreden; er kann in dieser Hinsicht aber auch stumm bleiben. Auch muß er sein Wissen nicht preisgeben, er kann unzuverlässig sein. Der personale Erzähler dagegen verschwindet mehr oder weniger ganz hinter einer Figur, aus deren Perspektive er dann das Geschehen erzählt. Eine besondere Rolle ist der Ich-Erzähler, der in der Welt der Figuren verhaftet ist und von dort aus - aus seiner Sicht - die Geschehnisse berichtet. Das vermittelt dem Leser zum einen ein Gefühl des Unmittelbaren, denn er ist direkt dabei. Auf der anderen Seite ist diese Sichtweise beschränkt, denn der Erzähler kann nicht einfach auf Gedanken und Gefühle anderer Figuren zurückgreifen oder an andere Schauplätze wechseln. Um die Gedanken und Gefühle anderer Personen beschreiben zu können, oder um den Blick auf andere Schauplätze zu richten, muß der Erzähler auf Techniken zurückgreifen, die sich auch im Drama finden lassen: Dialoge und "Botenberichte"; sprich, er muß seine Informationen aus einer glaubwürdigen Quelle erhalten (aus einer Unterhaltung, aus der Zeitung oder aus anderen Medien etc.) In "Typische Formen des Romans" ordnet Stanzel diese drei Erzählsituationen auf einem Kreis an, um deutlich zu machen, daß die Grenzen zwischen den einzelnen Perspektiven durchlässig sind und diese ineinander übergehen können. Diese Situation des ineinander Übergehens finden wir auch in der Blechtrommel. Oskar verwendet die drei verschiedenen Erzählsituation sehr geschickt. Wenn es darum geht, Unmittelbarkeit herzustellen, dann berichtet er aus der Ich-Perspektive, der Perspektive des erlebenden und handelnden Ichs; will er sich distanzieren oder etwas weiter ausgreifen, dann greift er auf die personale oder auktoriale Erzählsituation zurück. In diesen Situationen tritt er als "anonymer Beobachter" in den Hintergrund.
Arbeit zitieren:
Marion Helmle, 1999, Die Blechtrommel - Erzählsituation und die Rolle des Erzählers, München, GRIN Verlag GmbH
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Unterrichtseinheit: Handelnder Umgang mit dem Alphabet (2. Klasse)
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