Inhaltsverzeichnis
INHALTSVERZEICHNIS. 2
EINLEITUNG 3
A. KORCZAKS BEOBACHTUNGEN IN DEN SOMMERKOLONIEN 3
1. Die Person des Erziehers. 3
1.1 Der gute Erzieher 3
1.2 Der schlechte oder unfähige Erzieher 6
1.3 Reflexion der eigenen Praxiserfahrungen. 9
2. Die Kinder 11
2.1 Die Stillen. 11
2.2 Die Auffälligen. 12
B. INDIVIDUUM UND GESELLSCHAFT 14
1. Das Problem am Beispiel der Sommerkolonien. 14
2. Korczaks Lösung. 15
3. Ist das Problem überhaupt noch zu lösen? 16
LITERATURVERZEICHNIS 18
2
Einleitung
Der erste Abschnitt (Teil A) dieses Teils der Hausarbeit ist willentlich ü-berproportional lang geworden, weil ich denke, daß Korczaks Betrachtungen über gute und schlechte Erzieher wie auch über Kinder heute von großer Wichtigkeit sind. Seine Lösungsvorschläge für das Problem von Individuum und Gesellschaft habe ich bewußt kurz gehalten, da ich denke, daß sie für die heutige Zeit nicht mehr anwendbar sind. Ich habe mich um einen lesbaren und nicht zu verkopften Schreibstil bemüht, da ich mir Korczaks Abneigung gegen die Gelehrten, die dicke Bücher schreiben, aber die Realität nicht kennen, zu Herzen genommen habe. Ich habe deshalb versucht, eigene Erfahrungen einfließen zu lassen, wo es mir angebracht erschien.
A. Korczaks Beobachtungen in den Sommerkolonien
1. Die Person des Erziehers
1.1 Der gute Erzieher
Korczak zeichnet in seinen Schriften ein deutliches Bild des fähigen Erziehers. Die zentrale Aufgabe sei es, „das Kind leben zu lassen und ihm zu dem Recht verhelfen, Kind zu sein“ 1 . Er müsse die Kinder vor Schlägen, Drohungen und Diebstahl schützen 2 auch den scheinbar geringsten Besitz achten und den Kindern auf diese Weise zeigen, daß er sie ernst nimmt: „[...] überzeuge ihn davon, daß du eine andere Macht verkörperst, als sie ihm bisher begegnet ist.“ 3 Dies schlägt sich nieder in Korczaks Bericht über die Tschupy, an deren Beispiel er die Bedeutung scheinbar wertloser Gegenstände für die Kinder festmacht.
Als wichtigsten Punkt sieht er, „jedem in jedem Fall völlig zu verzeihen“ 4 ; das aber ist nur dann möglich, wenn der Erzieher sich nicht für die ferne
1 Dauzenroth / Hampel, S.203
2 Korczak 1992b, S. 274
3 a.a.O., S. 262
4 Korczak 1992a, S.15
3
Zukunft des Kindes verantwortlich fühlt, sondern nur für den heutigen Tag 5 . Dies ist mit gesundem Menschenverstand auch nachzuvollziehen: Das Kind, das mir anvertraut ist, lebt schließlich heute ebenso wie in einigen Jahren. Ich darf mich als Erzieherin nicht darauf berufen, daß das Kind sich später einmal gut benehmen können muß (worauf die meisten Erziehungsversuche schließlich abzielen), sondern ich sollte mich darum kümmern, ob es sich heute so entfalten kann, wie es muß; ob es sein Recht auf den heutigen Tag bekommt.
Für diese weitreichenden Aufgaben sind die psychischen Fähigkeiten von besonderer Bedeutung: Der Erzieher muß fähig sein zur Selbstanalyse und zum Eingestehen von Fehlern. Er legt sich laufend selbst Rechenschaft ab, um sein Verhalten den Kindern gegenüber zu verbessern und überprüft die Grundsätze seines Handelns an der Realität. Den anderen Erziehern begegnet er mit Achtung und bereichert sich an deren Erfahrungen, ohne sich jedoch nur auf sie zu stützen.
Der gute Erzieher fürchtet sich nicht vor Gedanken, Taten oder Worten, die von den Kindern kommen, sondern spricht direkt und ohne Scheu darüber 6 . Er müsse etwas von einem Schauspieler haben, meinen die, die Korczak kannten: „Er muß den Verärgerten, den Bekümmerten oder den Fröhlichen spielen können, obwohl er diese Stimmung im Augenblick gar nicht erlebt. Er sollte in der Lage sein, vor den Kindern die im Moment notwendige benötigte Rolle spielen zu können.“ 7 Dabei ist er aber immer „heiter und voller Nachsicht“ 8 und humorvoll. Durch seinen Humor we rden kritische Situationen entschärft, ohne daß eine Partei ihr Gesicht verliert, was gerade bei schwierigen Kindern von Bedeutung ist 9 . Bevor ich nun zu den besonderen Anforderungen in den Sommerkolonien komme, möchte ich kurz die allgemeinen Grundsätze, die Korczaks Arbeit geprägt haben, skizzieren.
5 a.a.O., S. 17
6 Korczak 1992b, S. 168
7 E. Dauzenroth/A. Hampel bei Licharz 1990, S. 130
8 Korczak, 1992b, S. 275
9 siehe Licharz S. 121f.
4
Der Erzieher erkennt die Macht der Kinder an und handelt stets mit Vo raussicht, um sie zu steuern. Er achtet das Kind und behandelt es als gleichwertigen Menschen; dies kommt in allen seinen Schriften zum Ausdruck. Durch seine Arbeit in Armenvierteln und schließlich im Warschauer Ghetto kam Korczak mit vielen kriminellen Kindern in Kontakt. Für diese empfindet er Trauer und Mitleid und versucht ihnen mit „selbstloser Sorge“ zu begegnen 10 . Bei allen Kindern forscht er nach dem Unausgesprochenen, um verborgene Probleme aufzudecken, und fühlt in jeder Situation mit dem Kind: „Dahinter steckt doch etwas! Je öfter ein Erzieher so denkt, [...] desto sicherer wird er hartnäckige Fehler vermeiden, die in falschen Grundsätzen ihren Ursprung haben.“ 11
In den Sommerkolonien herrschte sozusagen ein erzieherischer Ausnah-mezustand: Während „der“ Erzieher normalerweise über Jahre mit seinen Zöglingen in Kontakt war und sie so langsam und gründlich kennenlernen konnte, mußte dieser Prozeß in den Kolonien in wenigen Tagen bewältigt werden.
Korczak bemühte sich also von Anfang an, möglichst viel über seine Kinder herauszufinden 12 , um sie auch ihren Stärken gemäß richtig einsetzen zu können. Denn ein Kind, das eine Arbeit verrichten muß, die ihm nicht liegt, wird unglücklich und unzufrieden: „Er ist zufrieden, wenn er Z iegel schleppt, [...] mit der Axt zuschlägt. Es heißt, daß er das mag, daß er sich in seinem Element fühlt wie „der Fisch im Wasser“. Wenn Du ihm den Auftrag gibst, zu nähen [...] - wird aus dem heiteren, Anerkennung verdienenden Menschen ein ungehorsames, [...] verlorenes Individuum.“ 13 Weiterhin organisiert er die Mannschaft von Anfang an, um Zeit für Sonderfälle zu haben; dabei ist er sich auch nicht zu schade, mit den Kindern die Toiletten zu reinigen, um festzustellen, wie sie diese Arbeit angehen. Schon vor dem Erlaß von Ge- und Verboten ist er sich darüber klar, wi eviel Spielraum er einzelnen Kindern lassen kann. Nichts ist schlimmer als ein
10 Korczak 1992a, S.20
11 Korczak 1992b, S. 266
12 a.a.O., S. 257
13 Korczak1992a, S. 24f.
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Arbeit zitieren:
Katje Binder, 1997, Korczaks Beobachtungen in den Sommerkolonien, München, GRIN Verlag GmbH
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