1. Einleitung
Werkstattunterricht wird noch immer von vielen Lehrern als eine zu aufwendige oder sogar als keine Unterrichtsform angesehen. Ein häufiges Argument der Lehrer ist, dass die Vorbereitung zu intensiv ist und zu viel freie Zeit verloren geht. Leider scheuen noch sehr viele die zusätzliche Arbeit und halten lieber an ihren alten, bekannten Methoden des Unterrichts fest. Natürlich ist die Vorbereitung einer Werkstatt sehr zeitraubend, doch der Erfolg und der Spaß an der Sache sprechen für sich. Werkstattunterricht ist weit mehr als eine Unterrichtsmethode.
In dieser Hausarbeit möchten wir den Werkstattunterricht vorstellen.
2. Begriff „Werkstatt“
Zunächst wollen wir den Begriff „Werkstatt“ klären. Im herkömmlichen Sinne wird es für einen Fertigungsort verwendet, der vorwiegend in handwerklicher manueller Tätigkeit Gebrauchsgüter fertigt.
Diese enge Begriffsbestimmung erfährt aber in der heutigen Zeit eine deutliche Erweiterung, so bemächtigen sich auch immer mehr andere Bereiche des Werkstattbegriffs wie zum Beispiel die Kunst, die Musik, die Philosophie, die Literatur und vor allem der Pädagogik und Didaktik.
Hier wird eine Werkstatt als Handlungs- und Aktionsstätte verstanden, in der durch intellektuelles, kreatives und praktisches Arbeiten ein auf den „Abnehmer“ zugeschnittenes „Produkt“ hergestellt wird. Man hat für diesen Bereich den Begriff „Lernwerkstatt“ geschaffen. Es sollen didaktische Fragestellungen immer wieder aktualisiert werden, d.h. Unterrichtsziele, Strukturen des zu ermittelnden Stoffes, das Interesse der Kinder und deren Lernfähigkeit müssen immer wieder neu hinterfragt und reflektiert werden. Das Wort (Werkstattunterricht) meint also einen Unterricht in der Art einer Werkstatt.
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3. Was ist Werkstattunterricht?
Werkstattunterricht ist eine Unterrichtsform, in der die Schüler selbst über ihr Lernen in der angebotenen Thematik entscheiden können. Es handelt sich bei Lernwerkstätten um Orte, in denen Unfertiges behandelt wird. Sie sind eine Art „pädagogisches Labor“ in dem unterschiedlichste Aktivitäten durchgeführt werden.
Sie sind vor allem dadurch gekennzeichnet, dass in ihnen die üblichen Vorgeben der Unterrichtsarbeit im Klassenzimmer, wie zum Beispiel Lehrersteuerung, geschlossener Ablauf, Einzelarbeit usw. nicht gegeben sind. Als grundsätzliche methodische Prinzipien in einer Lernwerkstatt gelten so: entdeckendes, handlungsorientiertes und ganzheitliches Lernen.
Als Vorläufer für die Werkstattarbeit in der Reformpädagogik steht u.a. Celestin Freinet. Er hat die Idee einer modernen Schule als Arbeitsatelier geprägt. Hier sollen Selbstständigkeit und Selbstverantwortlichkeit, Kooperation und gegenseitige Verantwortung, freie Entfaltung der Persönlichkeit und kritische Auseinandersetzung mit der Umwelt zum Tragen kommen.
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Die Lehrerperson bereitet handlungsorientierte und fächerübergreifende Aufgaben vor, die in der Werkstatt dann zur Verfügung gestellt werden.
Zum festen Bestandteil einer Werkstatt gehört das offene und vielfältige Arrangement von Lernsituationen und Materialien, die von den Schülern selbstständig bearbeitet werden können. Dabei wird forschendes, experimentelles, entdeckendes und kreatives Lernen angeregt.
Die Stationen in einer Werkstatt müssen so angelegt sein, dass unterschiedliche Leistungs- und Begabungsniveaus angesprochen werden. Die vielfältigen Lernangebote umfassen Versuche, Spiele, Bastelarbeiten, Kopien, Leseübungen, Arbeitsblätter, Rechenaufgaben usw. Alle Aufgaben werden so geplant, dass eine Selbstkontrolle durch die Schüler möglich ist. Einige obligatorische Arbeiten müssen die Schüler erledigen und die freiwilligen Angebote können sie bearbeiten. Laufzettel geben den Kindern einen Überblick über sämtliche Angebote. Die Schüler vermerken darauf die angefangenen und fertigen Arbeiten. Die Schüler haben immer die freie Wahl der Aufgabenfolge, des Arbeitstempos und der Sozialform (Einzel-, Partner-, oder Gruppenarbeit). So kann jeder Schüler seinem persönlichen Lerninteresse nachgehen.
Werkstattunterricht ist keine starr festgelegte Unterrichtsmethode mit vorgegebenen inhaltlichen, formalen oder zeitlichen Vorschriften. Die Lernangebote in einer Werkstatt können alle zu einem gleichen Thema ausgesucht werden oder in keinem inhaltlichen Zusammenhang stehen. In der Werkstatt kann 1 Stunde pro Tag, 1 Tag pro Woche, 1-2 Tage in Folge oder 1-2 Wochen gearbeitet werden. Meistens wird in einer Werkstatt (zu einem Thema) 3 Wochen gearbeitet. In Werkstatterprobten Klassen macht die zur Verfügung gestellte Zeit für den Werkstattunterricht circa 50% des Unterrichts aus. In der übrigen Zeit finden dann die gemeinsamen Aktivitäten statt, wie Kunst, Musik, Sport, Vorträge, Diskussionen, Entspannungsübungen usw..
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Die Aufgaben des Lehrers liegen vor dem Beginn einer Werkstatt darin, die Materialien vorzubereiten und die Arbeitsaufträge zu formulieren. Er bereitet mindestens so viele Lernangebote vor, wie es Schüler in der Klasse gibt, da jedes Kind für eines der Angebote zuständig sein soll. Dies nennt man auch das Chefprinzip, dazu später mehr. Zusätzlich können Angebote zur freien Wahl zur Verfügung stehen.
Der Lehrer wird dabei zum Berater, Moderator oder Helfer. So kann er den Schülern bei ihrer Arbeit einen möglichen Weg weisen, einzelne Schüler betreuen oder Kinder bei ihrer Arbeit beobachten. Von der Vorarbeit und der zurückhaltenden Rolle des Lehrers hängt viel ab, mit ihr steht und fällt der Werkstattunterricht.
Der ideale Werkstattunterricht ist geprägt von einem Lehrer, der eine schülerbezogene Grundhaltung, einen sozial- integrativen Führerstil und didaktischen Zurückhaltung besitzt. Aber auch auf den Werkstattlehrer werden wir später noch einmal eingehen.
Man kann Werkstätten nach Peter Gasser in Erfahrungs- und Übungswerkstätten einteilen.
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- sorgen für Belebung der traditionellen Lehr- und Lernkultur
- betreiben Forschung in schul- und lernspezifischen Untersuchungsfeldern
- bringen Reformimpulse in die konventionelle Schule
- machen sich zum Prinzip, durch eine gestaltete Lernlandschaft oder durch eine angenehme Lernumgebung, Motivation, Lernverhalten und Lernerfolg positiv beeinflussen
- sind Instrumente, neue Lehr- und Lernmethoden an der eigenen Person auszuprobieren
- sind Treffpunkte für kollegialen Erfahrungs- und Ideenaustausch
- zeigen mit beispielgebenden Arbeitsmitteln, Spielen, Aktionsformen usw. Unterricht
- tragen zur Aufrechterhaltung der Diskussion reformpädagogischer Strömungen und deren Einbringung in die aktuelle Bildungspolitik bei
- sind Erprobungszentren neuer Formen der Lehrerausbildung und –weiterbildung
- geben Hilfestellungen bei der Herstellung von eigenen Unterrichtsmaterialien oder Arbeitsmitteln
- sind regionale und überregionale Fortbildungszentren für Referendare, Lehrkräfte und Multiplikatoren
- sind Kommunikationszentrum für alle die Schule tangierenden Personenkreise, Institutionen oder Interessengruppen
- setzen auf innovatives, kooperationsbereites und kreatives Lehrpersonal
- sind Zentren der Erörterung von innovativen oder alternativen Didaktikern, Methoden oder pädagogischen Strömungen
- können Demonstrationszentren von neuestem, ergonomisch modernstem Schulmobiliar sein
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- sind Ideenbörsen zum Material- und Erfahrungsaustausch erprobter Unterrichtsmaterialien, Unterrichtsmedien, Bücher, Arbeitshefte, Lernsoftware usw.
- versuchen Altbewährtes mit Neuem zu verbinden
- sind Kooperationszentren von Grundschule, Hauptschule, Realschule, Gymnasium und berufliche Schulen
- sind Orte pädagogischen Probehandelns mit anschließender Reflexionsmöglichkeit zum Beispiel entdeckender, offener, handelnder Unterricht, ganzheitliches, fächerübergreifendes Lernen usw.
5. Welche Qualifikationen braucht ein Werkstattlehrer?
Zu den Lehrerqualifikationen zählen laut Strukturplan für das Bildungswesen:
Innovieren:
Durch die offene Unterrichtsform der Werkstattarbeit innoviert die Lehrerin den Schulalltag. Dies berührt alle Handlungsfelder. Wichtig ist es, neue Ideen bei der Vorbereitung und Durchführung der Werkstatt immer wieder zu hinterfragen und zu optimieren, die Interessen der Schüler mit einzubeziehen, die Gemeinschaft der Klasse als soziale Gemeinschaft zu fördern und bei jeder Werkstatt den "Ist- Zustand" der Kinder zu berücksichtigen.
Beraten
- der Lehrer berät die Schüler bei der Zuteilung der Chefaufgabe Während der Durchführung
- der Lehrer hilft, wenn
• bei der Erklärung durch den Chef Verständnisprobleme auftreten
• es bei der Partner- oder Gruppenarbeit Schwierigkeiten gibt
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• bei der Bearbeitung einer Aufgabe Unklarheiten auftreten
• sie direkt angesprochen wird
• die Werkstattregeln nicht eingehalten werden
Unterrichten und Erziehen
- Unterrichten wird in der offenen Form des Werkstattunterrichts eher als Methode des Lernens durch Lehren verstanden. Durch das Chefsystem erhalten die Kinder die Möglichkeit, ihren Mitschülern die Aufgaben beizubringen. Die Lehrerin muss die Materialien und Arbeitskarten didaktisch so gestalten, dass dies möglich ist. Das erfordert eine hohe Planungskompetenz.
- Zudem sollten die einzelnen Stationen so konzepiert sein, dass eine Differenzierung möglich ist.
Kooperieren
- der Lehrer tauscht sich mit den Kollegen aus
• ob es sich anbietet, gemeinsam eine Werkstatt vorzubereiten und durchzuführen
• ob Material zum Werkstattthema vorhanden ist
• ob Ideen der Kollegen mit einbezogen werden können
- wenn eine Werkstatt fächerübergreifend gestaltet wird, wird ein gewünschtes fächerübergreifendes Arbeiten nach den Richtlinien gewährleistet
Organisieren und Verwalten
- Werkstattarbeit verlangt von einer Lehrerin ein hohes Mass an Fähigkeit zu Organisation und Verwaltung:
• Materialien müssen hergestellt, Arbeitshilfen gebastelt, Recherchen durchgeführt werden, bevor die Werkstatt beginnt.
• Die Lehrerin muss das Thema der Werkstatt den RRL anpassen.
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Arbeit zitieren:
Christina Kühnle, 2003, Werkstattunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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