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INHALTSVERZEICHNIS Seite
BAND I
Abk ürzungen
1. Einleitung 5
2. HANS SCHILLING 7
2.1 Bibliographische Daten 7
3. Die liturgische Bewegung beider großen christlichen 9
Kirchen in Deutschland in Bezug auf ihre Entwicklung und
ihren Einfluss auf den modernen Kirchenbau
3.1 Kurze Darstellung einiger wichtiger Architektur- und 15
Kirchengestaltungselemente in ihrer geistig -theologischen
Wandlung
3.1.1 Chorraum-Anordnung 16
3.1.2 Altar und Tabernakel 16
3.1.3 Ort der Kanzel, bzw. des Ambos 17
3.1.4 Ort der Taufe 18
3.1.5 Sakramentskapellen 19
3.1.6 Ort der Orgel 19
3.1.7 Ort der Empore 20
3.1.8 Krypten 20
3.1.9 Atrien 21
3.1.10 Kirchtürme 21
4. Der Kirchenbau im Zusammenhang von Politik und 22
Gesellschaft
5. Lage und Umfeld des Forts Fusternberg und der kath. 27
Friedenskirche Zu den Heiligen Engeln’ in Wesel
6. Der geschichtliche Hintergrund des Forts Fusternberg 29
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1. Einleitung
Gegenstand der 1997/1998 entstandenen schriftlichen Hausarbeit zur Erlangung des Grades einer Magistra Artium ist die Friedenskirche ‘Zu den Heiligen Engeln’ in Wesel. In erster Linie wird eine Baumonographie erstellt sowie die kunsthistorische Einordnung der Kirche vorgenommen. Die Magisterarbeit ist Anfang 2002 sprachlich leicht überarbeitet und die Abbildungen im Band II erheblich reduziert worden. Begonnen wird mit einem Blick auf das Leben und Schaffen des Architekten Hans Schilling.
Anschließend werden die massiven Diskussionen der beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland innerhalb der Liturgiebewegung angerissen. Klerus und Architekten versuchten nach anfänglichen Schwierigkeiten in ihren Disputen einen gemeinsamen gangbaren Weg zu finden, der anschließend einen enormen Einfluss auf den Kirchenbau haben sollte. Zum näheren Verständnis der Raum bildenden A rchitekturelemente, die teils extremen Wandlungen in ihrer sakralen Tradition unterlagen, wird auf die Anordnung und Entwicklung eingegangen. Da nicht nur liturgische Einflüsse maßgebend sind für ein öffentliches Haus wie eine Kirche, werden kurz politische und gesellschaftliche Zusammenhänge angesprochen, um das Thema im zeitlichen Kontext zu sehen. Durch eine Eigentümlichkeit der Friedenskirche ‘Zu den Heiligen Engeln’ muss auch das Fort Fusternberg vorgestellt werden: Ohne das Fort würde die Kirche in dieser Form nicht existieren; als Metamorphose vom Krieg zum Frieden.
Die Planungsphase der Friedenskirche ‘Zu den Heiligen Engeln’ ist von beträchtlicher Bedeutung, da sie die Problematik der Zeit, die oft unbürokratische und gewagte Arbeitsweise aufzeigt und eine Zusammenfassung eines Entwicklungsprozesses bis zu einem Kirchenneubau widerspiegelt. Die Beschreibung der Friedenskirche ‘Zu den Heiligen Engeln’ anhand von Plänen und Fotos soll die Architektur des Neuen Bauens deutlich machen. In Anbetracht der engen Verbindung der Innenraumwirkung zur Architektur sowie der daran angelehnten künstlerischen Ausstattung der Weseler Kirche erschien eine individuelle Erwähnung und Bewertung der wichtigsten Ausgestaltungselemente von Nöten: Die typischen und
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markanten Merkmale dieser Kirche sollen herausgearbeitet werden. Besonderes Augenmerk wird auf die Engelbildnisse gerichtet, da sie durch die Verflechtung mit dem Kirche nnamen ein wichtiger Bestandteil der Kirche sind.
Thema eines gesonderten Kapitels ist das Baumaterial, da es in der modernen Architektur einen neuen Stellenwert inne hatte. Jahrhunderte lang beschäftigte man sich immer mit den selben Grundmaterialien und nun kamen neue Baustoffe hinzu, die zugleich dazu führten, dass die bekannten Grundmaterialien auf eine neue Art eingesetzt wurden. Zur besseren Einordnung des ersten großen Kirchenbauwerks von Hans Schilling werden noch zwei weitere Kirchenbauten von ihm, Neu St. Alban und St. Stephanus, vorgestellt. Anschließend sollen einige punktuell herausgegriffene Charakteristika und Parallelen der Friedenskirche ‘Zu den Heiligen Engeln’, im Wesentlich mit den Kirchen Neu St. A lban und St. Stephanus, verglichen werden. Bisweilen werden zur näheren Einordnung weitere Kirchenbeispiele von anderen Architekten herangezogen. Gegen Ende wird noch auf die Entwicklung und die signifikante Stellung des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege von Sakralbauten eingegangen, damit der Denkmalwert der Friedenskirche ‘Zu den Heiligen Engeln’ beurteilt werden kann.
Die Zusammenfassung soll die komprimierten Gesichtspunkte der Hausarbeit lakonisch vorstellen.
In der Anlage I werden im Überblick eine große Anzahl der von Hans Schilling entworfenen Sakralbauten aufgelistet, um anzudeuten, wie der Weseler Kirchenbau den Architekten in der Folgezeit beeinflusste. Nur wenige Zeitungsartikel und andere Publikationen, die von der katholischen Pfarrei eigens herausgebracht wurden, und diverse Textstellen in Aufsätzen, die oft fehlerhaft sind, erinnern an den ersten großen Kirchenauftrag von Hans Schilling. Umfassende, doch oft vage Informationen, erhält man aus den schriftlichen, unveröffentlichten Quel len. Weitere Literatur b ezieht sich auf den historischen Kontext, die allgemeinen Architekturthemen und den Denkmalschutz, bzw. die Denkmalpflege.
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Der Anhang mit Tafeln und Fotos soll eine möglichst profunde Ergänzung zum Textband sein. Bisher ist die bildhafte Darstellung der Friedenskirche ‘Zu den Heiligen Engeln’ recht dürftig.
2. HANS SCHILLING
Hans Schilling ist einer der großen Architekten der Nachkriegszeit in Deutschland. Ich hatte die Gelegenheit Hans Schilling als beeindruckende Persönlichkeit kennen zu lernen und zu dem hier zu behandelnden Werkder Friedenskirche ‘Zu den Heiligen Engeln’ - zu befragen. Hans Schilling befindet sich heute im Ruhestand und wohnt mit seiner Familie in Köln. Er arbeitete mit vielen großen Namen 1 aus der Künstler-und Architekturwelt unseres Jahrhunderts zusammen, die ich im Rahmen meiner Magisterarbeit gar nicht alle erwähnen kann.
2.1 Biographische Daten 2
Hans Schilling erblickte am 04.04.1921 mit seiner Zwillingsschwester Gretel das Licht der Welt. Beide wurden i n eine Großfamilie hineingeboren. Der Vater, Albert Schilling aus Oschersleben, hatte vierzehn und seine Gattin Franziska, geb. Henke aus Erwitte, vier Geschwister.
Hans Schillings schulische Laufbahn begann auf der Volksschule in Köln-Nippes. Anschließend besuchte er drei Jahre lang das Kölner Hansa Gymnasium. Daraufhin wechselte er wegen einiger Schwierigkeiten zur Mittleren Knabenschule in Köln-Nippes, wo der 16-jährige im Jahre 1937 das ‘Einjährige’ erlangte.
Die beruflichen Wünsche des jungen Schulabgängers sollten sich erfüllen, indem er eine Bauzeichnerlehre im Architekturbüro ENDLER + BAND in Köln absolvierte. Nach zwei Jahren Ausbildung konnte er vorzeitig die Lehre beenden und arbeitete anschließend noch eineinhalb Jahre bei seinem Ausbilder.
1 Nur einige Menschen, mit denen H. Schilling zusammengearbeitet hat: Karl Band
(Architekt), Diana Busch (Bildhauerin), Willi Dirx (Bildhauer), Hans Erlemeier (Bildhauer),
Elmar Hillebrand (Bildhauer), Peter Kulka (Architekt), Franz Pauli (Glasmaler), Wilhelm
Polders (Bildhauer), Johannes Schilling (Bildhauer), Rudolf Schwarz (Architekt), Hein
Wimmer (Bildhauer), Toni Zenz (Bildhauer).
2 Pers. Gespräch
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Sein Chef und Lehrer, der Reg.-Baumeister Karl Band, blieb ihm sein Leben lang ein väterlicher Freund.
Bis 1945 unterlag Hans Schilling den Zwängen und Pflichten des Arbeitsdienstes, der Wehrpflicht und dem Krieg auf russischem Boden. Er erlitt drei Verwundungen und wurde später Oberleutnant der Reserve. Sein Lebensweg setzt sich nach dem Krieg in Paderborn - Schloss Neuhaus fort, da er in die fast völlig zerstörte Stadt Köln nicht zurück konnte. Hier gründete Hans Schilling mit seinem Neffen das Architekturbüro SPRENKAMP + SCHILLING. Doch schon bald zog es ihn nach Köln als Mitarbeiter von Karl Band zurück und er entwarf mit diesem viele Projekte in seiner Heimatstadt.
Im Alter von 34 Jahren ließ er sich als freier Architekt nieder und heiratete die Architektin Felicitas Heinrich. Während der Ehe wurden die vier Söhne Johannes, Andreas, Thomas und Markus geboren. Zwei Söhne erlernten, wie der Vater, den Beruf des Architekten, die anderen Söhne wurden Schiffsbauer sowie Lehrer.
1971 teilte Hans Schilling sich die Aufträge mit zwei jüngeren Mitarbeitern, woraus die Planungsgemeinschaft SCHILLING - SCHWARZ - FUCHS entstand. Doch beide Partner verstarben schon früh. 1975 starb sein Partner Schwarz mit 42 Jahren. Wenig älter starb Edmund Fuchs 1979 bei einem Autounfall.
Bis 1980 arbeitete Hans Schilling wieder allein, schloss sich dann mit Peter Kulka 3 zu SCHILLING + KULKA zusammen. Trotz beruflicher Erfolge trennten sich beide bald wieder und gingen ihre eigenen Wege. 1984 übernahm der Sohn Johannes das Architekturbüro des Vaters. Mittlerweile hat auch er einen Partner - Thomas Kostulski. Außer den in der Anlage I erwähnten Bauten von Hans Schilling für den Klerus, gehören auch folgende Kölner Bauten zu seinen Werken: die Handwerkskammer, das Kolpinghaus, die Arbeiten am Gürzenich (1952-1955) mit K. Band, J. Bernard und R. Schwarz zusammen und das Maternushaus (1978-1983) 4 mit P. Kulka, außerdem viele Geschäfts- und
3 Peter Kulka wurde 1937 in Dresden geboren. Von 1965-1968 arbeitete P. Kulka im Büro
von Hans Scharoun und seit 1969 als freier Architekt.
4 Vgl. Veröffentl. d. Abt. Architekturgesch. d. Kunsthist. Inst. zu Köln 1997 2 ,169.
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Wohnhäuser, das Fleischhauer-Haus am Hohenzollernring und die Neumarkt-Passage der Kreissparkasse mit seinem Sohn Johannes. Während seiner Tätigkeit hatte er neben beruflichen Misserfolgen auch viele Erfolge, welche durch die 25 ‘ersten Preise’ bei Wettbewerben deutlich und durch die vielen ausgeführten profanen und sakralen Bauentwürfe repräsentiert werden.
Noch heute hat der 76-Jährige (1997), ebenso wie seine Frau, ein eigenes Arbeitszimmer, wo noch kleinere Projekte geplant und durchgeführt werden. Hans Schilling ordnete 1997 seine Aufzeichnungen und begann sein Lebenswerk aufzuarbeiten.
3. Die liturgische Bewegung beider großen christlichen Kirchen in Deutschland in Bezug auf ihre Entwicklung und ihren Einfluss auf den modernen Kirchenbau
Schon im Jahre 1903, nach dem Erscheinen des motu proprio, kann man Papst Pius X. als Initiator der später folgenden l iturgischen Bewegung
nennen. In seiner Enzyklika wünscht der Papst „die Wiederherstellung des ‘wahren christlichen Geistes in der Heiligkeit und Würde des Gotteshauses [...], wo die Gläubigen sich vereinen, um dort diesen Geist an seiner ersten und unentbehrlichsten Quelle zu finden’, nämlich in der aktiven Teilnahme an den hochheiligen Mysterien und im öffentlichen und feierlichen Gebet der Kirche“. 5
In Eisenach wurden 1908 von der Deutschen Evangelischen Kirchenkonferenz die alten Richtlinien überprüft und in überarbeiteter Form als Leitsätze neu verkündet 6 , wobei der Durchbruch zur Erneuerung der Liturgie noch nicht zu erkennen war.
Bei der Vollversammlung des gesamtbelgischen Katholikentages in Mecheln 1909 forcierten der Geschichtsprofessor Gottfried Kurth und der Benediktiner Dom Lambert Beauduin die wichtigen Anregungen von Papst Pius X. Nach dieser Vollversammlung sprach man von der „Mouvement Liturgique“ 7 . Die Bewegung, deren Kernpunkt die Frage nach dem Stellenwert der Gemeinde beinhaltet, ging weit über die Grenzen Europas
5 Laag 1963, 41.
6 Vgl. Langmaack 1971, Faltblatt.
7 Laag 1963, 42.
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hinaus. In Deutschland wurde sie zunächst von der Benediktiner-Kongregation Beuron getragen. 8 Um den föderativen Klerus zu überze ugen, in dessen Reihen sich gerade bei den Älteren viel Widerstand gebildet hatte, gründete man die Zeitschrift „Les questions liturgiques“, in der die unterschiedlichen Wünsche geäußert, diskutiert und danach oft verwirklicht wurden.
In einer frühen Diskussionsphase beschränkte man sich noch auf die engere Anbindung des Altarbezirks an den Gemeinderaum. Anschließend erweiterte man die Überlegungen dahingehend, dass die Gemeinde zum Altar ausgerichtet und diesen auch möglichst umschließen sollte, was eine aktive Teilnahme an der Liturgiefeier auslösen würde. Daraus resultierte eine veränderte Stellung der Geistlichen gegenüber der Gemeinde, da er ihnen im Gottesdienst nicht mehr hierarchisch gegenüberstand. Hier wird dem frühchristlichen Gedanken der „cummunio“ wieder Leben eingehaucht. 9
Hinsichtlich der Umgestaltung des Altarraumes in Bezug auf die kult- und liturgiebezogene Reformbewegung stehen im Zentrum des Gottesdienstes das ‘Opfer’ und die ‘Sakramente’, „um die das ganze liturgische Leben kreist“ 10 . Hierfür sind vier Merkmale zu ne nnen: 1. Die Kirche soll ‘versammeln’, was auch der Hauptpunkt bei vielen modernen Architekten war.
2. Es soll gelesen werden, was in der Heiligen Schrift geschrieben steht.
3. Die Gläubigen sollen die Eucharistie „als Sieg und Triumph seines [Jesus Christus] Todes feiern“. 4. Es soll in Christus Gott Dank gesagt werden. 11 In Deutschland zeigte sich das Kloster Maria Laach als ein geistiges Ze ntrum der Liturgiebewegung. Der 1913 in Maria Laach zum Abt ernannte Ildefons Herwegen schulte die gebildete Jugend und hielt Verbindung zu Akademikerkreisen. Seit 1917 stand Ro mano Guardini 12
8 Vgl. Kahle 1990, 11.
9 Vgl. Kahle 1985, 58.
10 Birnbaum 1966,147.
11 Vgl. Birnbaum 1966,147.
12 Romano Guardini lebte vom 17.02.1885-01.10.1968 und ist italienischer Herkunft. Als deutscher Theologe und Religionsphilosoph hatte er von 1923-1939 einen Lehrstuhl für
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mit Abt Herwegen in Kontakt. Guardini war es auch, der den Jugendbund Quickborn 13 ganz entscheidend und somit auch den für den Quickborn tätigen Architekten Rudolf Schwarz beeinflusste. R. Schwarz setzte sich mit der Veröffentlichung „Vom Geist der Liturgie“ 14 während seines Theologiestudiums auseinander. Doch persönliche Bekanntschaft machten beide erst Anfang der 20er Jahre, woraus sich eine Freundschaft entwickelte. 15 Und nun schließt sich der Kreis, denn auch R. Schwarz stand schon früh in Kontakt mit Ildefons Herwegen, da Hilarius Schwarz 16 mit seiner Familie die Sommerurlaube in Beuron verlebte, wo Ildefons Herwegen, bevor er nach Maria Laach ging, als Mönch lebte. Hilarius Schwarz und Ildefons Herwegen waren gute Bekannte. 17 Das Gespann, we lches R. Schwarz und R. Guardini darstellten, wurde schon eine Generation vorher durch Dominikus Böhm und J. van Acken verkörpert, denn ohne führende Persönlichkeiten auf klerikaler und architektonischer Seite, die miteinander diskutieren und harmonierten, wäre ein fruchtbarer Austausch im Hinblick auf den modernen Kirchenbau auf längere Sicht nicht möglich gewesen.
In der ersten Phase, vor dem II. Weltkrieg, sollten die bedeutenden Architekten der Moderne im Kirchenbau noch nicht die Gelegenheit bekommen ihr Können wirklich auszuleben, da sich die Fronten von Befür-wortern und Gegnern der ‘neuen’ Liturgiebewegung bis Anfang der 40er Jahre so stark verhärteten, dass in letzter Minute die Intervention von Guardini, Bischof Stohr (Mainz) und Bischof Landersdorfer (Passau) den völligen Bruch verhinderten. Durch viele Kompromisse wurde die Bewegung in kirchliche Bahnen gezwungen. Trotzdem sollte an dieser
Religionsphilosophie und katholischer Weltanschauung in Breslau inne. Vgl. H. Laag, a.
a. O., 43. Eine Umbettung der Gebeine vom Laurentius -Friedhof in die neu gestaltete
Seitenkapelle der Münchner U niversitätskirche St. Ludwig fand 1997 statt. Vgl. SZ 53
(18.07.1997) 163.
13 Der Quickborn wurde 1909 bzw. 1913 in Schlesien als katholischer Jugendbund
gegründet. Seit 1919 veranstaltete man die Treffen auf der Burg Rothenfels am Main. Der
Quickborn wurde ein Zentrum der liturgischen Bewegung. 1939 wurde er aufgelöst und
nach dem 2. Weltkrieg 1946 wieder gegründet. 1966 spaltete sich die Jugendbewegung
in den ‘Bund christlicher Jugendgruppen’ und dem ‘Quickborn-Arbeitskreis’. Vgl. Meyers
Taschenlexikon, 37.
14 Guardini 1918.
15 Vgl. Zahner 1992, 29.
16 Hilarius Schwarz ist der Vater von Rudolf Schwarz.
17 Vgl. Zahner 1992, 26.
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Stelle erwähnt werden, dass Geistliche wie van Acken 18 der Liturgiebewegung und den Architekten gegenüber sehr offen waren und ihnen Mut machten 19 .
Die Kirchenbau-Tagungen 20 dienten der Entwicklung neuer Ideen und Kompromisse zwischen Theologen und Architekten des Neuen Bauens. Diese Diskussionen wurden auch sehr intensiv und teilweise polemisch in den sich kontrovers gegenüberstehenden Zeitschriften ‘Baumeister’ und ‘Das Münster’ debattiert.
Auch Papst Pius XII. war persönlich der Liturgiebewegung gegenüber sehr aufgeschlossen, was in seiner Instructio „Vigiliae Paschalis“ von 1951 zum Ausdruck kam. Schon 1947 erschien die Enzyklika ‘Mediator Dei’ über die heilige Liturgie 21 , in der das Zusammenspiel von moderner Architektur und Liturgie einer positiven Bewertung unterzogen wurde 22 . Dagegen stehen die kirchlichen Instruktionen des Heiligen Offiziums der römischen Kongregation für die bischöflichen Ordinariate von 1952 über die kirchliche Kunst 23 , in der man sich gegen die Anpassung des modernen Kirchenbaus in Bezug auf die Bedürfnisse der Zeit wandte. „Mag sich die kirchliche Architektur auch neuer Formen bedienen, so darf und kann sie doch auf keine Weise sich den Profanbauten angleichen.“ 24 1955 wurde diese direkte Ablehnung des Neuen Bauens dann doch wieder abgemildert. 25 Kardinal Konstantini wies darauf hin, dass die Tradition im Bereich kirchlicher Kunst einen geistigen Inhalt charakterisieren sollte, nicht eine Form, welche sich stetig ändert. 26 Die kirchliche Tradition ergibt sich
18 Johannes van Acken wurde am 19.12.1879 in Goch/Ndrh. geboren und starb am 17.06.1937 in Berlin. 1903 war seine Priesterweihe. Später w urde er
Krankenhausdirektor in Gladbeck/Westf.; Caritasdirektor in Berlin; Gründer des Dt.
Caritasinstituts für G esundheitsfürsorge Köln-Hohenlind (1932) zur Aus- und
Weiterbildung von Fachkräften zur Pflege der Liturgie als Quelle echter Caritas. Vgl.
Lexikon f. Theologie u. Kirche 1957, 111. Dominikus Böhm hatte engen Kontakt zu J. van
Acken, was gerade am Niederrhein zu bedeutenden Kirchenbauten führte. Vgl. Kahle
1985, 14.
19 Vgl. Laag 1963, 43.
20 Ev. Kirchenbautagungen fanden schon 1948 in Berlin und 1951 in Nürnberg statt. Vgl. Pfister 1952, 1.
21 Vgl. Das neue Köln 1995 2 , 277.
22 Vgl. Instr. d. röm. Kongregation 1954, 313.
23 Vgl. Kahle 1985, 59.
24 Instr. d. röm. Kongregation 1954, 313. ; vgl. Kahle 1985, 59.
25 Vgl. Laag 1963, 42f.
26 Vgl. Kahle 1985, 60.
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aus der Glaubensgeschichte und bezieht sich nur auf die Kirchenideologie und nicht auf Baukonzepte. 27
Beide christlichen Kirchen waren ab den 50er Jahren um Lösungsansätze zur Findung und Umsetzung klerikaler Grundsätze hinsichtlich der sich verändernden Verhältnisse bemüht. Der erste Deutsche Liturgische Kongress fand 1950 in Frankfurt a. M. statt, ein Jahr später folgte in Rummelsberg die V. Evangelische Kirchenbautagung mit der Verabschiedung der „Grundsätze für die Gestaltung des gottesdienstlichen Raumes der eva ngelischen Kirche“ 28 . Bis 1960 veranstaltete die evangelischlutherische Landeskirche insgesamt zehn Kirchenbau-Tagungen. 29 Die Kölner Diözesansynode fasste 1954 das geltende Recht des Erzbistums zusammen, darin sind grundlegende Verfügungen zum Kirchenbau enthalten. Zwei Jahre später fand die Ausstellung ‘Die neue Kirche. Bau und Ausstattung’ zum 77. Deutschen Katholikentag in Köln statt. 30 1957 äußerte sich der spätere Papst Johannes XXIII. positiv zu den Ansichten von Dom Lambert Beauduin 31 . Das II. Vaticanum, „das offiziell am 25.12.1961 einberufen und am 11.10.1962 in Rom eröffnet wurde, besprach und verabschiedete bereits im Oktober und November dieses Jahres [1961] das Liturgieschema, in dem sich die Erklärungen über die christliche Kunst finden. Der Kirchenbau wird in Kapitel VII der ‘Konstitution des II. Vatikanischen Konzils über die heilige Liturgie’ behandelt“ 32 . Den Architekten wurde freigestellt ob und in welcher Art sie die Kirchentradition in ihre Konzepte einfließen lassen wollten. Außerdem forderte man auf dem Konzil die Intensivierung des Wortgottesdienstes. Die Reduzierung der Steuereinnahmen, der 1948 eingeführten Diözesansteuer, und „der Rückgang der Kirchenbesuche brachten den Kirchenbau nach 1975 allmählich zum Erliegen“. 33 Nach fast fünfzehn Jahren Diktatur und sechs Kriegsjahren fehlte jegliche konkrete theologisch-liturgische, aber auch künstlerische Konzeption. 34
27 Vgl. Kahle 1985, 60.
28 Kahle 1985, 59. ; vgl. Langmaack 1957, 286-289.
29 Vgl. Schnell 1973, 77.
30 Vgl. Das neue Köln 1995 2 , 277.
31 Vgl. Laag 1963, 43.
32 Schnell 1973, 177.
33 Das neue Köln 1995 2 , 276.
34 Vgl. Schnell 1973, 76.
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Die katholische Kirche nahm in den ersten Nachkriegsjahren ihre Chance für eine neue liturgische Richtung nicht wahr und förderte keineswegs den notwendigen Erfahrungsaustausch zwischen dem Klerus und den modernen Architekten. Im Gegensatz zur evangelischen Kirche wurden anfangs Aufträge für moderne Kirchen von der katholischen Kirche nur spärlich erteilt. So wurden die deutsche katholische Kirche und die Kirchengemeinden von den Ergebnissen des II. Vatikanischen Konzils überrascht. „Denn in Artikel 123 der Liturgie-Konstitution wird klar gesagt, dass die Kirche keinen Stil als ihren eigenen betrachte, sondern ... die Sonderart eines jeden Zeitalters zulasse. Auch die Kunst u nserer Zeit und aller Völker und Länder solle in der Kirche Freiheit der Aus übung haben.“ 35 Der Rat zur Ausführung der Konstitution über die heilige Liturgie, der von Papst Pius XII. eingesetzt wurde, arbeitete 99 Artikel in einer ersten ‘Instructio’ aus. Am 26. September 1964 wurde sie gebilligt und veröffentlicht. Das Datum der offiziellen Veröffentlichung wurde auf den 7. März 1965 36 (der erste Fastensonntag des Jahres 1965) festgelegt. Nach der Veröffentlichung traten die Bischöfe der Diözesen Deutschlands am 06.11.1964 zu einem Konzil „zusammen und beschlossen die ‘Verwendung der deutschen Sprache bei den Orationen der heiligen Messe’ in dem nach der Instruktion möglichen Umfa nge; diese Beschlüsse wurden ihnen vom ‘Rat’ am 20. November 1964 als rechtens bestätigt.“ 37 Außerdem beauftragten die Bischöfe die Liturgische Kommission in Trier zur Neufassung der Richtlinien der deutschen Bischöfe, bestehend aus 96 Artikeln, die erstmals 1942 ergingen. 1961 wurden sie überarbeitet und tragen nun das Datum vom 20. Januar 1965. Dass die in der Nachkriegszeit überholten Richtlinien aus dem Jahre 1942 erst 1961 neu überarbeitet wurden, zeigt die langsame Entwicklung der Liturgiebewegung inne rhalb der festen klerikalen Strukturen der katholischen Kirche in Deutschland.
Das Bistum Münster reagierte auf die zahlreichen Anträge zur Neugestaltung des Altarraumes im Zuge der Liturgieneuordnung durch eine Veröffentlichung im Kirchlichen Amtsblatt 1965. Den Anträgen könne nur
35 Adam 1968, 6.
36 Vgl. Langmaack 1957, 352.
37 Birnbaum 1966, 154.
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schriftlich stattgegeben werden, wenn diesen ein Gesamtplan beiläge, „der die Aufstellung und Zuordnung aller wichtigen Einrichtungsgegenstände des Altarraumes, wie Altar, Tabernakel, Ambo, Lesepult und Priestersitz erkennen lässt. [...] Zur Ermöglichung der Celebratio versus populum kann ein Notaltar zugelassen werden, wenn ein würdiger Platz in angemessener Entfernung vom Hochaltar gefunden wird. Aber auch eine solche provisorische Lösung müsste würdig sein und von den Gläubigen verstanden werden. Da der günstigste Ort für den Priestersitz und die Verkündigung sich nur nach einer ausreichenden Erprobung festlegen lässt, wird empfohlen, für Versuche zunächst die vorhandenen Sedilien und ein einfaches Lesepult zu benutzen. Die finanziellen Verpflichtungen des Bistums gestatten es nicht, zu diesen Umgestaltungen des Altarraumes Zuschüsse aus Kirchensteuermitteln zu gewä hren.“ 38
3.1 Kurze Darstellung einiger wichtiger Architektur- und Kirchengestaltungselemente in ihrer geistig-theologischen Wandlung Damit die Auswirkungen der Liturgiebewegung klarer werden, folgen ein paar Angaben zur Einschätzung einiger Architektursegmente bezüglich des liturgischen Ortes in ihrer zeitlichen Entwicklung seit etwa Anfang des 20. Jahrhunderts bis annähernd 1960.
In Abhängigkeit der Architekturentwicklung des Neuen Bauens, kann man eine Phaseneinteilung zum besseren Verständnis vornehmen. Die erste Phase bezieht sich auf den Entwicklungsbeginn des modernen Kirche nbaus in der Zeit zwischen 1922 bis 1933. Die zweite Periode stellt eine Unterbrechung der Entwicklung durch das nationalsozialistische Regime dar. Die Wiederaufnahme und der Fortschritt der Ideen aus der ersten Phase werden im dritten Zeitabschnitt von 1945 bis n ahezu 1960 aufgezeigt. Diese Phasen sollten beim Lesen der folgenden Abschnitte dieses Kapitels beachtet werden. Unterschiede angesichts der christlichen Konfessionen werden nicht gemacht, da sowohl die katholische als auch die evangelische Liturgie die Kirchenbauten in den 50er Jahren beeinflusste und deshalb die Wandlungen beider bedeutsam sind.
38 K. A. 1965, 67 (Richtlinien für die Verwaltung 452.5, 1977).
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3.1.1 Chorraum -Anordnung
Der Chorraum wurde um die Jahrhundertwende als Anlage bezeichnet, bei der man größte Sorgfalt anwenden müsse 39 und der nur nach althergebrachter Ordnung - Ausrichtung nach Osten und von außen als Altarraum erkennbar - entstehen dürfe. 40 1928 meinte man, der Chorraum müsse durch die „Heraushebung eines bevorzugten Raumes als Gnadenmittelstätte“ gekennzeichnet werden und „eine innige Verbindung mit der Gemeinde“ eingehen. 41 In den folgenden Jahren des hier bearbeiteten Zeitabschnittes wurden keine nennenswerten Aussagen zum Chorraum gemacht.
3.1.2 Altar und Tabernakel
Im Hinblick auf den Altar bestanden immer klare Vorstellungen, die sich allerdings zeitgemäß wandelten. Um die Jahrhundertwende verlangte man, dass der Altar frei stünde und von den Kommunikanten umgangen werden könne. Auf dem Altar sollten sich ein Kruzifix oder ein architektonischer Aufsatz befinden. 42 1908 konkretisierte die Deutsche Evangelische Kirchenkonferenz in Eisenach noch die Altarraumgestaltung. Es wurde darauf hingewiesen, dass nicht die Tiefe, sondern die Breite wichtig sei und über dem Altar ein Kruzifix oder ein Bildwerk hängen müsse. 43 In der ersten Phase des modernen Kirchenbaus lockerten sich genaue Vorgaben, so dass 1928 nur darauf hingewiesen wurde, dass dem Altar die Hauptstelle zukäme. 44 1931 verlor der Altar in den Richtlinien des Kuns tdienstes Berlin seinen Heiligkeitscharakter. Der Altar war nun der „Tisch des Herrn“. 45 Bei der Evangelischen Kirche nbautagung verlangte man 1951 die Aufstellung in der Mittelachse. 1954 verkündete die Kölner Diözesansynode, „dass alles vermieden werden soll, was die Trennung
39 Vgl. hierzu die Ratschläge der Dt. Ev. Kirchenkonferenz in Eisenach von 1898. Vgl.
Langmaack 1971, Faltblatt.
40 Vgl. hierzu die Leitsätze der Dt. Ev. Kirchenkonferenz in Eisenach von 1908. Vgl.
Langmaack 1971, Faltblatt.
41 Vgl. hierzu die Leitsätze der III. Kirchenbaukonferenz in Magdeburg. Vgl. Langmaack 1971, Faltblatt.
42 Vgl. hierzu die Eisenacher Ratschläge der Dt. Ev. Kirchenkonferenz von 1898. Vgl.
Langmaack 1971, Faltblatt.
43 Vgl. Langmaack 1971, Faltblatt.
44 Vgl. hierzu die Leitsätze des III. Kirchenkongresses in Magdeburg. Vgl. Langmaack
1971, Faltblatt.
45 Vgl. Langmaack 1971, Faltblatt.
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zwischen Gemeinde und Altar verstärkt, z. B. weite Entfernung des Altares von der Gemeinde, übertriebene Hochlegung des Chores und seine seitliche Einschnürung.“ 46 Das Ergebnis dieser Entwicklung war, dass der Altar zu einem schlichten Opfertisch ohne prunkvolle Aufbauten wurde, den J. van Acken schon mit den Altären der Frühzeit und des frühen Mittelalters verglichen hatte. 47 „Erst durch die neue Erfassung und Betonung der L iturgie und der überragenden Bedeutung des Altares erschloss sich Sinn und Form des Kirchengebäudes von der wichtigsten Wurzel aus.“ 48 1955 versetzte R. Schwarz erstmals den Altar in der St. Heribert Kirche (Köln) in den Vierungsbereich. 49 Drei Jahre später trennte H. Schilling zum ersten Mal den Altar vom Tabernakel. 50 Die Disposition des Altares beinhaltete Distanzprobleme. Einmal sollte die Altarnähe zur Gemeinde für eine aktive Teilnahme gewährleistet werden, zum anderen sollte durch die Nähe nicht die Transzendenz verloren gehen. Die Transzendenz kann sich durch die ideale Entfernung des Altares im Zusammenspiel mit der Beleuchtung entfalten. 51 Durch die Trennung von Altar und Tabernakel musste ein neuer Ort für den Tabernakel gefunden werden. Unpassend erschien die Platzierung hinter der Gemeinde. Es sollte sich um einen immer zugänglichen Ort der Geborgenheit handeln. Eine weitere Möglichkeit war ein
Dreiecksverhältnis im Chor mit gebührendem Abstand zwischen Altar, Ambo und Tabernakel. 52
3.1.3 Ort der Kanzel, bzw. des Ambos
Die ursprünglich von 1898 empfohlene Position der Kanzel, an einem Seitenpfeiler, verlor sich schon 1908 53 , als nur auf eine gute Sicht und Hörbarkeit Wert gelegt wurde. Allerdings sollte die Kanzel nicht in Emporennähe zu finden sein. 54 Von einer erhöhten Kanzel riet man in späteren Jahren ab und so wurde sie durch den Ambo ersetzt. Doch von
46 Vgl. Schnell 1973, 82.
47 Vgl. Kahle 1985, 12.
48 Schnell 1967, 5.
50 Vgl. Das neue Köln 1995 2
51 Vgl. Muck 1966, 29ff.
52 Vgl. Muck 1966, 43ff.
53 Vgl. Langmaack 1971, Faltblatt.
54 Vgl. Langmaack 1971, Faltblatt.
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den g elockerten Verhältnissen ging die Ev. Kirchenbautagung 1951 wieder z urück zu einer im Raum klar erkennbaren Kanzel und gegebenenfalls zu einem zusätzlichen Lesepult. 55 Nach der Liturgiereform griff man auf einen oder zwei Ambonen zurück. Bei zweien lag die Gefahr einer Schrankenbildung zum Laienraum nahe, falls sie symmetrisch aufgestellt wurden. Die räumliche Disposition sollte ungefähr auf der Höhe des Altares liegen und eine Umschreitung ermöglichen. 56
3.1.4 Ort der Taufe
Anfang des 20. Jahrhunderts gab die Eisenacher Deutsche Evangelische Kirchenkonferenz in ihren 1908 herausgegebenen Leitsätzen verschiedene Möglichkeiten für den Ort der Taufe vor, z. B. neben der Kanzel oder dem Altar oder auch seitlich vor den Stufen des Altarraumes, falls keine separate Kapelle vorhanden wäre. 57 1928 äußerte man sich auf der III. Evangelischen Kirchenbaukonferenz in Magdeburg strenger in punkto des Taufortes, der nämlich kein „Pendant“ zur Kanzel darstellen dürfe, sondern einen eigenen Platz haben solle. 58 In den Richtlinien des Kuns tdienstes Berlin (1931) wurde der Unterschied zwischen einem unverrückbaren und einem beweglichen Taufstein festgelegt. 59 Nach dem Krieg auf der V. Tagung des Evangelischen Kirchenbaus (1951) hieß es in den Grundsätzen, dass kein bestimmter Ort vorgegeben werde und möglichst ein eigener Taufraum in Verbindung mit dem Kirche nraum bestehen solle. 60
Mit dem modernen Kirchenbau wurde der Typus der eigenständigen Taufkapelle, den es in der abendländischen Kirchenbaukunst, vornehmlich im frühen Christentum gab, wieder aufgegriffen. Vermehrt traten die eigenständigen Taufkapellen nach 1945 auf. So kristallisierten Dominikus und Gottfried Böhm, Joseph Lehmbrock, Rudolf Schwarz, Hans Schädel und auch Hans Schilling diesen Typus auf besondere Weise heraus. Es gab eine Fülle von unterschiedlichen Grundrissformen wie Rotunde,
55 Vgl. Langmaack 1971, Faltblatt.
56 Vgl. Muck 1966, 17.
57 Vgl. Langmaack 1971, Faltblatt.
58 Vgl. Langmaack 1971, Faltblatt.
59 Vgl. Langmaack 1971, Faltblatt.
60 Vgl. Langmaack 1971, Faltblatt.
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Quadrat und Polygon. Der Aufriss und die Baumaterialien sind völlig unterschiedlich, doch alle Anlagen verbindet die Aufstellung des Taufbeckens in der Mitte des Zentralraums. 61 In den kirchlichen Bauvorschriften aus dem Diözesanrecht des Bistums Köln ist 1954 zu lesen: „Der Taufstein soll an geziemender Stelle der Kirche, wenn möglich in einer eigenen Kapelle aufgestellt werden.“ 62 Die Richtlinien des II. Vatikanischen Konzils 1961 gaben keine Auskunft über den genauen Taufort. Eine Kapelle oder ein Taufstein in der Kirche seien möglich.
3.1.5 Sakramentskapellen
Für die Sakramentskapellen gelten die gleichen architektonischen Gegebenheiten wie für die Taufkapellen (s. Kapitel 3.1.4). Als Folge der liturgischen Bewegung wurde die Trennung zwischen dem eucharistischen Mahltisch und dem Tabernakel als Ort permanenter Gegenwart Gottes vollzogen. Ein neuer würdiger Ort zur Unterbringung des Tabernakels, die Sakramentskapelle, die gleichzeitig als stiller Raum der Anbetung diente, wurde eingerichtet.
So hatte H. Schilling in St. Alban „dem fünfeckigen, um den Altar apsidial geschlossenen Bau seitlich eine niedrige Rechteckkapelle angefügt, die ein Tabernakel-Ciborium (Entwurf Elmar Hillebrand) aufnimmt. Dieses erhebt sich auf einem fünfeckigen Podest, das gangartig zu den Kommunionsschranken vor dem Altar weiter verläuft und so sinnfällig die Verbindung zur eucharistischen Feier herstellt.“ 63
3.1.6 Ort der Orgel
Kein Element der Chorraumausstattung hat sich in seiner Position so deutlich verändert wie die der Orgel. Da die Orgel zu den wertvollsten Ausstattungsstücken gehört und der Liturgie in besonderer Weise dient, ist diese Veränderung bedeutungsvoll.
61 Vgl. Kahle 1990, 184.
62 Kahle 1990, 186.
63 Kahle 1990, 190.
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Vor der Jahrhundertwende wurde die Orgel hinter dem Altar völlig klar als unzulässig bezeichnet. 64 1908 schwächte man diese Aussage ab. 65 Eine neue Orgelaufstellung und die prospektlose Orgel „aus Gründen der Wahrhaftigkeit“ wurden 1931 begrüßt. 66 Nach dem II. Weltkrieg wurde die Festlegung der Orgelposition dem Bauherrn überlassen. 67 1956 wies das Bistum Münster in Artikel 180 des Kirchlichen Amtsblattes nur auf die Orgelbauart - nicht mehr auf den Aufstellungsort - hin. Es wurde verkündet, „dass die Anschaffung einer Elektronen-Orgel für den gottesdienstlichen Gebrauch unzulässig“ 68 sei. Bei einer fehle nden Orgel könnten künftig Kleinorgeln ausgeliehen werden. 69
3.1.7 Ort der Empore
Die Platzierung der Sänger wurde um die Jahrhundertwende wie die Orgelaufstellung behandelt. 70 Später gab es keine relevanten Aussagen mehr zu den Sängeremporen.
Andere Emporen waren 1898 nur an den Längsseiten der Kirche zulässig und eine Treppe musste ins Kirchenschiff führen, dies wurde auch noch 1908 vertreten. Hier meinte man z udem, dass die Emporen nur eine mäßige Höhe haben sollten. 71 1928 wurden die Emporen noch als Raumerweiterung angesehen 72 , anschließend verloren sie an Bedeutung und fanden in Richtlinien und Leitsätzen kaum noch Beachtung.
3.1.8 Krypten
Während in der ersten Phase des modernen Kirchenbaus der Altar noch bühnenartig erhöht war und die darunter befindlichen Räume als Krypten genutzt wurden, änderte sich das Konzept nach 1945 dahingehend, dass der Niveauunterschied des Chores erheblich reduziert wurde. Allerdings sollten die Gotteshäuser nicht auf die Krypta verzichten, so dass sie nun nicht mehr auf einen bestimmten Typus festzulegen waren, da
64 Vgl. Langmaack 1971, Faltblatt.
65 Vgl. Langmaack 1971, Faltblatt.
66 Vgl. Langmaack 1971, Faltblatt.
67 Vgl. Langmaack 1971, Faltblatt.
68 K. A. 1964, 241. (Richtlinien für die Verwaltung 453, 3)
69 Vgl. K. A. 1964, 241. (Richtlinien für die Verwaltung 453, 3)
70 Vgl. Langmack 1971, Faltblatt.
71 Vgl. Langmack 1971, Faltblatt.
72 Vgl. Langmack 1971, Faltblatt.
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geländetopographische Gegebenheiten und die Oberkirche maßgebend wurden. 73
3.1.9 Atrien
Viele Pfarreien mussten nach dem II. Weltkrieg, neben der Erteilung der Sakramente und dem Feiern der Messe, auch soziale Aufgaben für die Gemeinde erfüllen. So entstanden dementsprechend um den Kirche nbau weitere Funktionsbauten (Kindergarten, Gemeindehaus etc.), die bei einem Neubau der kompletten Anlage oft so gruppiert wurden, dass schlichte asymmetrische Freiräume entstanden. Diese Innenhöfe sind meist durch hohe Mauern stark akzentuiert um eine wirkungsvollere Intimität zu erzielen. 74 Heutige Atrien unterscheiden sich stark von dem im Mittelalter gängigen Typ, einem ungedeckten, symmetrischen Vorhof, der von drei bis vier Säulenumgängen begrenzt wurde.
3.1.10 Kirchtürme
Die Bedeutung und Notwendigkeit des Kirchturms in der abendländischen Kirchengeschichte war schon immer zwiespältig und ein
Diskussionsgegenstand 75 . In der heutigen Zeit stellt der Turm weder eine Schutz-, bzw. Alarmfunktion dar, noch ist er ein repräsentatives Zeichen mit dem man zu anderen Städten in Konkurrenz steht. Der Turm überragt nicht mehr das Stadtbild, sondern dient höchstens noch - aus der Sicht von Nichtgeistlichen - zur Kennzeichnung des Gebäudes als Kirche oder als Standortbestimmung. Trotz allem hat man nicht überall vom Turm Abstand genommen. Nur selten sind die Glocken im oberen Teil des Kirchengebäudes untergebracht, wie z. B. bei der Friedenskirche ‘Zu den Heiligen Engeln’. Seit 1960 gab es für den Kirchturmbau keine fina nzielle Unterstützung aus Kirchenste uermitteln der Bistümer mehr. 76 Die neuen Bautechniken und -materialien boten genügend stilistische Entfaltungsmöglichkeiten, so dass sich das sakrale Erscheinungsbild stark änderte und Kirchtürme nicht immer ins Gesamtkonzept passten.
73 Vgl. Kahle 1990, 192.
74 Vgl. Kahle 1990, 193.
75 Vgl. Kahle 1990, 195.
76 Vgl. Das neue Köln 1995 2 , 277.
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Das Bistum Münster weist in seinen kirchlichen Bauvorschriften 77 darauf hin, dass das akustische Anliegen bei der Planung gegenüber dem architektonisch-ästhetischen Gesichtspunkt zurücktreten solle. „Maßgebend für die Gestaltung des Kirchenturmes ist sein liturgischer Sinn: Er ist der nach oben weisende monumentale Zeigefinger der Kirche, ein sursum corda! Noch mehr ist der Kirchturm Träger und Resonator des Geläutes (Kampanile). Weil Turm und Geläute auch für die der Kirche Entfremdeten unübersehbarer Hinweis und unüberhörbarer Aufruf zu Gott sind, ist hier die künstlerisch und sachlich einwandfreie Gestaltung von höchster Wichtigkeit.“ 78 Positive Entschlüsse für einen Campanile gibt es reichlich im modernen Kirchenbau. 79 Zur Reglementierung eines in der Außenwirkung so wichtigen klerikalen Elements, fassten Kirchenbauarchitekten, Glockensachverständige und -gießer beider Konfessionen bei einer T agung in Würzburg (27.09. - 30.09.1954) die wichtigsten Grundsätze und Erkenntnisse in Bezug auf die Klangwirkung von Geläuten zusammen. 80
4. Der Kirchenbau im Zusammenhang von Politik und Gesellschaft Die beiden großen christlichen Kirchen waren Anfang des 20. Jh.s noch der Meinung, dass moderne Baumaterialien, wie Glas, Eisen/Stahl und Beton sowie moderne Bauformen und -techniken, eine Profanisierung des Heiligen bewirken würde. 81
In der ersten Phase des ‘Neuen Bauens’ während der Weimarer Republik waren Architektur und Kunst bisweilen in geistig ebenbürtiger Form vertreten. Es gab erste zaghafte Versuche im Bereich des Kirchenbaus mit Materialien wie Beton, Stahl und Glas. Nach dem II. Weltkrieg übernahm die Architektur verstärkt die Führungsrolle aufgrund des erhöhten allgemeinen Gebäudebedarfs. 82
In der Übergangszeit zum Nationalsozialismus entsprach der Wunsch nach einer starken Obrigkeit der protestantischen Tradition, da man noch
77 Vgl. K. A. 1955, 112 (Richtlinien für die Verwaltung 454.3, 1977).
78 Vgl. K. A. 1955, 112 (Richtlinien für die Verwaltung 454.3, 1977).
79 Beispiele für Kirchen des Neuen Bauens mit einem Campanile sind wie folgt: Zum
Göttlichen Erlöser in Rath von F. Schaller (1953-54), St. Alphons in Würzburg von H.
Schädel (1954), St. Canisius in Berlin-Charlottenburg von R. Hofbauer (1955), St. Judas
Thaddaeus in Berlin-Tempelhof von R. Hofbauer (1958-59), u. v. m.
80 Vgl. K. A. 1955, 112 (Richtlinien für die Verwaltung 454.3, 1977).
81 Vgl. Adam 1968, 5.
82 Vgl. Adam 1968, 6.
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aus der Zeit des Kaiserreichs die Verbindung v on Thron und Altar herstellte. Daher hoffte man auf die politischen Kräfte, die das Vergangene idealisierten, wie die Deutsch Nationale Volkspartei. 83 Die Katholiken waren anders gesinnt, da sie in Opposition zum Kaiserreich standen, um ihre religiösen Rechte zu wahren. Solange Adolf Hitler noch Anhänger auf seine Seite ziehen musste, versuchte er ein positives Verhältnis zum politischen Katholizismus aufzubauen. 84 Zudem stimmte der katholische Klerus mit A. Hitler in der Kritik gegenüber der Moderne überein, so dass es im Einzelnen schwierig war zwischen konservativen und faschistischen Strömungen zu unterscheiden. Gegen die Moderne wurde bei den Nationalsozialisten das Führerprinzip und beim Kathol izismus ein autoritäres, christozentrisches Gottesbild errichtet. 85 Durch Adolf Hitlers Beschwichtigungen gegenüber dem Klerus und die Aussicht auf das Konkordat schwenkten das Zentrum und die Bayrische Volkspartei um, so dass eine paradoxe Situation entstand. Eben noch warnten die katholisch geprägten Parteiabgeordneten und nun nahmen die katholischen Bischöfe am 28. März 1933 ihre Warnungen vor Hitler und ihre Verurteilung der Ideologie der NSDAP offiziell zurück. 86 Doch schon bald erkannte man dies als Fehler, da die Nationalsozialisten ihren Kampf gegen die Ordensgemeinschaften (Klostersturm) und Prozesse gegen die Ordensgeistlichen wegen angeblicher Devisenschiebereien und Sittlichkeitsvergehen durchführten. 87 Ein päpstliches Rundschreiben in Absprache mit den deutschen Kardinälen und Bischöfen wurde im März 1937 veröffentlicht, darin steht: „Mit brennender Sorge und steigendem Befremden beobachteten wir seit geraumer Zeit den Leidensweg der Kirche, die wachsende Bedrängnis der ihr in Gesinnung und Tat Treu bleibenden Bekenner und Bekennerinnen inmitten des Landes und des Volkes.“ 88 Die heimliche Verteilung des Rundschreibens unter den Augen der Gestapo war mutig und eine organisatorische Leistung. 89 Aufgrund der Schikanen der Nationalsozialisten kam der Kirchenbau in Deutschland und den von
83 Vgl. Informationen zur politischen Bildung 1994, 16.
84 Vgl. Informationen zur politischen Bildung 1994, 16.
85 Vgl. Lammers 1995, 66.
86 Vgl. Informationen zur politischen Bildung 1994, 16.
87 Vgl. Informationen zur politischen Bildung 1994, 18.
88 Informationen zur politischen Bildung, 1994, 18.
89 Vgl. Informationen zur politischen Bildung 1994, 18.
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Deutschen besetzten Gebieten weitgehend zum Erliegen. In Westfalen konnten hin und wieder einige größere und kleinere Kirche nbauprojekte durchgeführt werden, wenn die staatlichen Machthaber mit List und Schnelligkeit ausmanövriert werden konnten. 90 In der neutralen Schweiz wurden einige bedeutende Kirchenbauten e rrichtet, die „die Anfänge Mosers 91 folgerichtig weiterentwickelten“. 92 Deshalb waren nach dem II. Weltkrieg die Schweizer Architekturbewegung im Neuen Bauen wesentlich weiter fortgeschritten.
In den ersten Jahren nach dem II. Weltkrieg zwischen 1947, dem Einsetzen des Notkirchenprogramms, und 1955, der Weihe der Wallfahrtskapelle Notre-Dame-du-Haut 93 , versuchte man die Probleme des Wiederaufbaus zu bewältigen und sich durch unsicheres Herantasten an die Bauaufgabe ‘Kirche’ neu zu orientieren. 94 1945 bis 1948 entstanden nur selten Kirchenbauten, meist nur Notlösungen, so wurden 90 Kirchen in der westfälischen Diözese wiederaufgebaut 95 . Die Finanzknappheit war in Deutschland an den meisten Orten größer als während des Krieges. Dieser Geldmangel rührte von der zerstörten Landwirtschaft und Indus trie her. Industrieanlagen wurden nach Kriegsende während der Besatzungszeit regelrecht demontiert und als Teil der Reparationsleistungen abtransportiert. 96 Die Situation hinsichtlich des Kirchenbaus änderte sich erst nach der Währungsreform in den Westzonen im Juni 1948 (10 RM : 1 DM-West) 97 , da durch die Geldabwertung stabilere wirtschaftliche Verhältnisse entstanden.
Nach den bescheidenen Anfängen in der Nachkriegszeit begann ab etwa 1950 die Ära der modernen Architekten, die nun die Vorkriegsentwicklung versuchten fortzuführen. Sie erhielten in der Nachkriegszeit die Chance neue Materialien in Ermangelung der traditionellen Baustoffe intensiv zu
90 Vgl. Lammers 1995, 61.
91 Karl Moser baute unter anderem die Antoniuskirche in Basel 1928. Vgl. Adam 1968, 6.
92 Weyres 1957, 853.
93 Erbaut von 1950-1954 von Le Corbusier (1887-1965).
94 Vgl. Neumann 1988, 28.
95 Vgl. Schnell 1973, 75.
96 Die Reparationsleistungen beschränkten sich nicht nur auf die Demontagen, sondern es waren auch Einnahmen aus Sach- und Kunstwerten, Banknoten, Waren aus laufender
Produktion und Verschleppung von Fachleuten in die UdSSR. Vgl. Informationen zur
politischen Bildung 1991, 6ff.
97 Vgl. dtv-Atlas zur Weltgeschichte, 249.
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nutzen 98 und unregelmäßige Grundrisse auszuführen, die man grob in zwei Kategorien einteilen kann, nämlich in eine longitudinale Form (Wegkirche) und eine Zentralform. Allerdings sind beide Typen durch die organische Bauweise nicht immer sorgfältig voneina nder zu trennen. Die Symbolik dieser Bauten ist so vielfältig wie ihre Benennungen. Folglich belegte man die Kirchen bis in die 60er Jahre mit Begriffen wie Weg, Zelt, Fels, Höhle, Arche, Burg usw. Die Assoziationen bei den Begriffen Höhle, Fels oder Burg legen die Primärbedürfnisse des Menschen frei „und können darüber hinaus auch als bildhafte Manifestationen christlichen Gedankenguts gelten, indem sie für Bestä ndigkeit, Sicherheit, Festigkeit, Geborgenheit der im Glauben vereinten Kirche stehen. Im Rahmen des bildhaften Denkens nimmt das Moti v ‘Zelt’ eine bisweilen vorrangige Stellung ein. Der Theologe Emil J. Lengeling sieht hierin Aussagen über das Wesen des wandernden Gottesvolkes und auch des unter den Menschen zeltenden Gottes“ 99 . Es gab viele negative Benennungen der modernen Kirchen durch schockierte Reaktionen der Bevölkerung und auch der Fachwelt, wie z. B. „Sprungschanze Gottes, Seelensilo, Messfabrik, Zwölfapostelbahnhof, Vater-unser-Garagen, Seelenbohrer, liturgische Badewanne oder Kirche vom heiligen Zickzack“ 100 . Dies zeigt das Unverständnis, die Überraschung und die Ratlosigkeit im Umgang mit dem ne uen modernen Kirchenbau. Eine bewusste Diffamierung gab es wohl nur in den seltensten Fällen. 101
Eine formale Raumauflösung begann durch das plastische Modellieren der Baumassen, so wie es frühzeitig schon Architekten wie Dominikus und Gottried Böhm, Josef Lehmbrock, Alfons Leitl und Kurt Schwelfinghaus durch Schrägung oder Abknickung von Wänden zeigten. In der Zeit zwischen 1953 und 1960 setzte sich dies als erkennbare Stilphase durch. 102 Auch die Parabel und das Trapez etablierten sich schon in den 50er Jahren. Rudolf Schwarz hatte die Parabel 1938 in seinem Sta ndardwerk „Vom Bau der Kirche“ als Archetyp ‘Heiliger Wurf’ in Bezug auf Pla- 98 WallfahrtskapelleNotre-Dame-du-Haut in Ronchamp von Le Corbusier.
99 Kahle 1990, 168. Der Theologe Emil J. Lengeling bezieht sich auf die Offenbarung des Johannes, 21.3.
100 Adam 1968, 7.
101 Vgl. Adam 1968, 7.
102 Vgl. Kahle 1985, 62.
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nung und Gestalt bezeichnet und die Gedanken, die ihn zu dieser Form geführt hatten, erläutert. 103 Die Parabel gilt als die Weiterentwicklung eines Langhauses mit einer Chorapsis.
Diese plastisch-dynamische Architekturströmung war geprägt durch einen neuen Rhythmus, der oft durch die liturgischen Orte und der neuen Auffassung ihrer Funktion bestimmt war. Die „Planung der Grundrisse erfolgt in diesen Fällen aus den Überlegungen zur Aufstellung der liturgischen Ausstattungsstücke und ihrer Beziehung untereinander. Damit kann z ugleich eine räumlich-lebendige Entfaltung der Liturgiefeier e rreicht werden.“ 104
Die modernen Grundrissformen, die den zwischen den Weltkriegen vorherrschenden longitudinalen Grundriss ablösten 105 , bestehen aus den unterschiedlichsten Formen. Sie entwickeln sich aus einer oder mehreren geometrischen Grundformen, wie Kreis, Quadrat, Rechteck, Dreieck, Parabel, Oval, Trapez oder Polygon, mit dem Ziel möglichst das Ideal, einen Zentralraum, zu erreichen. 106 Beeinflusst ist die Grundrissbildung besonders nachhaltig durch die christozentrische Idee 107 und die Betonung der Gläubigengemeinschaft. 108
Für das rheinisch-westfälische Gebiet werden vor allem die Werke von Gottfried Böhm, Rudolf Schwarz u. a., aber auch Hans Schillings Bauten angeführt, der mit der Kirche St. Alban in Köln den internationalen Durchbruch schaffte 109 . Gerade im Rheinland und in Westfalen wurden in den 50er Jahren Bauten bevorzugt, die eine aus Backstein gemauerte oder mit Klinkern verblendete Halbkreisapsis aufwiesen. 110 „Als gemauerte Bauteile stehen sie des öfteren im Gegensatz zur übrigen Ausformung des Baukörpers in Beton oder Glas, so dass hier eine deutliche Differenzierung
103 Vgl. Kahle 1985, 63; vgl. Sundermann 1981, 89.
104 Kahle 1990, 129.
105 Vgl. Kahle 1985, 14.
106 Vgl. die Zusammenstellung bei G. E. Kidder Smith: Neuer Kirchenbau in Europa. Stuttgart 1964.
107 Vgl. J. van Acken, Christozentrische Kirchenkunst. Ein Entwurf zum liturgischen
Gesamtkunstwerk, Gladbeck i. W., 1921. Hierzu äußerte H. Schnell: „Von theologischer
Seite aus erschien später keine Schrift mehr, die liturgische und rein künstlerische
Bauaufgaben so zeitnah und in so fruchtbarer Begegnung behandelte als diese
Broschüre J. van Ackens, die einen kaum abwägbaren Aufbruch bedeutete.“ Vgl. Thoma
1967, 17.
108 Vgl. Kahle 1985, 14.
109 Vgl. Schnell 1973, 98.
110 Vgl. Kahle 1990, 73.
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erreicht wird. Der Verzicht auf dekorative Gestaltungselemente und der Kalottenabschluss in den nicht raumhohen Nischen sind weitere kennzeichnende Merkmale; [...]“ 111 Dem Steinbau werden einige ideelle Werte zugestanden. Man assoziiert damit „‘Festigkeit’, ‘Kraft’ oder sogar Gewalt der naturbelassenen Materialien“ 112 , die besonders in einigen monumental geschichteten oder aufeinandergetürmten Steinmassen ihren Ausdruck finden, z. B. bei der Kirche St. Anna in Düren von Rudolf Schwarz 113 . Rudolf Schwarz propagierte die unteilbare Einheit der Kirche als ein Leib. 114 Wichtig ist die Kenntlichmachung eines besonderen Ortes; das Haus Gottes soll spürbar werden. 115 Alle rationalen Gestaltungselemente der Architektur und der Künste müssen sensibel zur Erschaffung eines mystischen Raums eingesetzt werden.
Die Architektur dominierte gegenüber der künstlerischen Gestaltung. Kunstobjekte beschränkten sich meist auf liturgische Gegenstände. 116 Erst ab Mitte der 60er Jahre entschlossen sich Kirchengemeinden wieder zusätzliche Kunstobjekte im liturgischen Raum unterzubringen.
5. Lage und Umfeld des Forts Fusternberg und der kath. Friedenskirche ‘Zu den Heiligen Engeln’ in Wesel
Die Friedenskirche ‚Zu den Heiligen Engeln’ (Tafel 1) wurde im Kreis Rees (heute Kreis Wesel), in der Gemarkung Wesel, Flur 10 (Stadtteil Fusternberg) erbaut (Tafel 4+6). Das Fusternberger Rektorat grenzt westlich an die Eisenbahnlinie Oberhausen - Emmerich von der Lippebrücke bis zur Schermbecker Landstraße; im Norden an die Schermbecker Landstraße bis zum Wackenbrucher Straße; östlich an die Gemeindegrenze Obrighoven und entlang des Wackenbrucher Weges bis zur Lippe. Südlich wird es von der Lippe bis zur Eisenbahnbrücke begrenzt. 117 Die Kirche befindet sich in einem zwei- bis dreigeschossigen Wohnviertel und überragt dieses merklich.
111 Kahle 1990, 73.
112 Kahle 1990, 180.
113 Vgl. Kahle 1990, 180ff.
114 Vgl. Lehmbrock 1964, 371.
115 Vgl. Lehmbrock 1964, 369.
116 Vgl. Kahle 1990, 176.
117 Vgl. Clausen 1958, 17.
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Nach den drei Großangriffen der alliierten Luftwaffe am 16., 18. und 19. Februar 1945 zerstörten hunderte von Bomben die Stadt Wesel zu ca. 97%; es starben dabei etwa 700 Menschen. 118 Der Wunsch nach Zusammenhalt und kirchlicher Gemeinschaft kam nach dem Krieg verstärkt auf, so dass man Möglichkeiten finden musste um den Gottesdienst zu zelebrieren, da kaum noch eine Kirche durch Zerstörung oder Baufälligkeit zur Verfügung stand. „In der westfälischen Diözese waren ungefähr 180 Kirchen, ein Drittel der Pfarrkirchen, unbenützbar geworden. Mit großer Tatkraft wurden bereits 90 in den Notjahren 1945/48 wiederaufgebaut, in den Jahren 1949-1956 nochmals 82.“ 119 Hinzu kam, dass sich „Hunderttausende von Deutschen aus dem Osten und Südosten, [...,] auf der Flucht“ befanden und „in die Gebiete der heutigen Bundesrepublik“ strömten. „Die Konfessionslage wurde dadurch völlig verändert. [...] Die Konfessionen öffneten gegenseitig ihre Kultstätten, so dass z. B. im Jahr 1951 in etwa 700 k atholischen Kulträumen evangelische Gemeinden Gastrecht genießen konnten. Ebenso wurden die soziologischen Strukturen in den Städten wie auf dem Lande von Grund auf verändert. Viele Betriebe und vor allem Industrien wurden an die Ränder der Städte, aber auch auf das Land verlagert, wo neue Arbeitsplätze geschaffen werden mussten. In sehr vielen Ortschaften und besonders in den Großstädten entstanden überraschend große Siedlungen. Das Gebiet der Bundesrepublik Deutsch-land hatte über 12 Millionen Flüchtlinge und Heimatvertriebene aufzune hmen.“ 120 Auch in Wesel musste man sich der neuen Situation anpassen. Die Mariä Himmelfahrt Gemeinde fand als Ersatz für die zerstörte Kirche in der Altstadt erst einen Notkirchenraum in einem Festsaal, später zog die Kirchengemeinde ins Fort Fusternberg um. Ab 1949/50 entstanden durch die Geldabwertung stabilere wirtschaftliche Verhältnisse und der Aufschwung in Deutschland konnte beginnen. So wurde auch ab 1952 für die Instandsetzung der zukünftigen Kirche ‘Zu den Heiligen Engeln’, die im Obergeschoss des Forts Fusternberg (Fotos 1-2) beheimatet sein sollte, bei den Bürgern gesammelt. Durch die neue Gebietsaufteilung der Kirchengemeinden entstand hier im selben Jahr das Rektorat Fusternberg,
118 Vgl. Prieur, u. a. 1983, 117.
119 Schnell 1973, 75.
120 Schnell 1973, 76.
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wozu dann auch die neue Friedenskirche ‘Zu den Heiligen Engeln’ (Tafel 15) gehören sollte.
6. Der geschichtliche Hintergrund des Forts Fusternberg
Das etwa 1850 erbaute und um 1875 erweiterte dreigeschossige Reduit des Forts Fusternberg bildet den Unterbau der Friedenskirche ‘Zu den Heiligen Engeln’. Das Fort (Tafel 6) wurde auf einer Anhöhe erbaut, von der man über das ganze Lippeland und auf die andere Rheinseite blicken konnte. Daher auch der Name ‘Fusternberg’, der so viel wie ‘vorderster Berg’ bedeutet. Im Zuge der Handelsumstrukturierung in der ersten Hälfte des 19. Jh.s, von der Rhein- und Lippeschifffahrt auf die Schiene, und der neuen „waffentechnischen Entwicklungen wie die Einführung d es gezogenen Kanonenlaufs in Verbindung mit e ffektiveren neuen Sprengstoffen“ 121 wurden die Festungswerke modernisiert, so auch die Außenforts, die Teile einer Gürtelfestung um Wesel herum waren. 122 Das Fort Fusternberg sicherte als eines von vier vorgelagerten Forts der Stadt Wesel in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Eisenbahnlinie über Haltern nach Münster und den Bahnhof der Stadt Wesel. 1856 wurde die Strecke nach Düsseldorf und im Zeitraum von 1874-1878 die Strecken nach Geldern, Kleve, Arnheim, Zütphen und Münster mit entsprechenden Anschlussverbindungen eröffnet. 123 Die neuen Befestigungs-, Armierungs-und Handelskonzepte der preußischen Reichsregierung ließen Wesel strategisch und wirtschaftlich nutzlos werden, so dass die Stadt weiter an Bedeutung verlor und die Bevölkerungszahlen gering blieben. 124 Die Reichsregierung in Berlin fasste 1886 den - zu späten - Entschluss die Stadtbefestigung zu beseitigen. Seit 1902 führte die Stadt Wesel mit dem Militärfiskus Verhandlungen über den Erwerb des Fusternberger
121 Arand, u. a. 1981, 43.
122 Eine Gürtelfestung ist im 19. Jh. mit ihren Kampflinien und ihrem Verkehrsnetz in ihrer
Konzeption durch gewisse Faktoren bestimmt, wie die Verlängerung der artilleristischen
Schußweite, dem Bedürfnis großen Truppenverbänden Unterbringung zu bieten,
gesteigerte Abwehr dem erhöhten feindlichen Truppenaufkommen entgegenzusetzen
und natürlich die Forderung nach Schutz für die Verkehrsanlagen (Eisenbahnlinien,
Brücken, Bahnhöfe, etc.) Vgl. Biskup 1981, 161f.
123 Vgl. Arand, u. a. 1981, 46.
124 Bis 1913 lebten etwa 25 000 EW einschließlich 5 000 Militärpersonen in Wesel. Vgl. Reininghaus 1991, 202.
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Forts. 125 Im April 1908 übernahm die Stadt Wesel als Eigentümerin das Gelände des Forts. In fünf unverzinslichen Jahresraten wurde der Kaufpreis von 69.000,-- DM bezahlt. Am 01.05.1908 wurde die erste Rate von 20.000,- DM beglichen. Durch die grundbuchliche Auflassung ging das Fort am 04.11.1908 in das Eigentum der Stadt über. 1914/15 wurden Kriegsgefangene aus dem Friedrichsfelder 126 Lager zu Einplanierungsarbeiten beim Bau der Fusternberger Straße eingesetzt. Außerdem machten sie das umliegende Ge lände für die landwirtschaftliche Produktion urbar. Während der Inflationszeit wurden Kartoffeln im Fort Fusternberg gelagert. Die schon 1889 erworbenen Befestigungsflächen wurden bereits 1890-1895 entfestigt. 127 Bis 1922 wurde die gesamte Fortanlage Fusternberg durch Erwerbslose mit Hilfe von Pferden abgebrochen. Darauf folgte der parzellierte Verkauf des Geländes. 128 Heute existieren noch das Reduit mit dive rsen baulichen Veränderungen und ein kleiner Teil einer zweigeschossigen, kreuzgratgewölbten Hohltraverse, welcher sich in Privatbesitz befindet und als Garage und Lagerraum genutzt wird. Vor und während des II. Weltkrieges war im Untergeschoss und teils im Mittelgeschoss des Forts zeitweilig eine Schlosserei 129 und später die Weinbrennerei und Weinha ndlung Reuther ansässig 130 . Im Anschluss daran gab es hier ein Munitionslager 131 und das Fort diente für die umliegenden Bewohner als Luftschutzbunker. 132 Während der schweren Luftangriffe der Alliierten am 16.02., 18.02. und 19.02.1945 suchten hier zwischen 200 und 300 Menschen Schutz. Am 18.02.1945 erhielt das Fort zwei Treffer durch die alliierte Luftwaffe. Die Zeitzeugin Marianne Ingendahl erinnerte sich: „Wie wir später hörten, waren das eine Zehnzentnerbombe, die vorne auf unserem Bunker explodierte, über dem jetzigen Kryptaaltar. Dann eine Luftmine. Sie durchschlug zwar das Obergewölbe, blieb aber als Blindgänger genau über uns liegen.“ 133 Zu dieser Zeit lebten hier fünf Familien mit elf Kindern
125 Vgl. Clausen 1958, 10.
126 Der Ort Friedrichsfeld liegt heute innerhalb des Stadtbereichs Voerde, Kreis Wesel.
127 Vgl. Arand, u. a. 1981, 48.
128 Vgl. J. Vogt 1994, 22.
129 Vgl. NRZ (16.02.1995)
130 Vgl. Clausen 1958,10.
131 Vgl. NRZ (16.02.1995)
132 Vgl. Kath. Kirchengemeinde 1995, 11.
133 Kath. Kirchengemeinde 1995, 17.
31
in zwei Räumen des Reduitmittelgeschosses, in einen davon bauten sie einen Kamin ein.
Am 06.03.1950 beschloss der Kirchenvorstand das ganze Fortgelände von der Stadt Wesel zu kaufen 134 , z. T. gegen Tauschland. Am 01.02.1952 wurde der Bereich Fusternberg zum Rektorat unter Pastor Dörlemann erhoben. 135 So ergab sich die Notwendigkeit für einen Kirchenneubau, der aus Dankbarkeit für den Schutz während des II. Wel tkrieges oben auf dem Fort Fusternberg errichtet we rden sollte.
7. Beschreibung des Forts Fusternberg
Die ursprüngliche Fläche des Forts, in Form annähernd eines Dreiecks, betrug etwa 5,5 ha und umfasste zwei Schultercaponnieren mit jeweils einer zweigeschossigen Hohltraverse (Fotos 12FZDHE+17FZDHE). Außerdem gab es diverse kleinere, einfache Traversen, einen 15 m breiten, trockenen Haup tgraben entlang des Walls, dessen Grabenwände innen mit Escarpengängen versehen waren 136 , und zeitweise einen schmalen Graben entlang des halbkreisförmigen Reduit-Gebäudeteils. Die erdgedeckten Schultercaponnieren lagen rechtwinkelig zum Hauptgraben. Das Obergeschoss diente zur Verteidigung mit Geschützen und das Untergeschoss mit Gewehren. Die Brustwehr verlief oberhalb der Caponniere. 137 Das dreigeschossige Reduit besteht im Grundriss aus einem Hal bkreis, an dessen gerader Seite mittig eine Parabel angesetzt ist (Tafeln 4+6). Vor dem Scheitelpunkt des Halbkreises ist ein Rechteckbau angefügt, der als Eingang und Magazin diente. Als Material wurde für das Reduit roter Ziegelstein benutzt, gemauert als Binderverband in Massivbauweise. Es entstanden Räumlichkeiten aus dicken Mauern mit Kreuzgratgewölben. Im oberen Geschoss befindet sich die so genannte Krypta (Tafel 8; Fotos 59-60, 62-68) mit hoch stehenden G eschützscharten ( Fotos 65) für große Geschütze mit hoher Reichweite, die später mit Eisengittern und dann mit Glas versehen wurden. Das mittlere Geschoss (Fotos 47-51, 53) hat über kleineren hoch stehenden Geschützscharten ein Rauchabzugsloch und
134 Vgl. Clausen 1958, 10.
135 Vgl. RP, Nr. 27 (01.02.1958)
136 Vgl. J. Vogt 1994, 23.
137 Vgl. J. Vogt 1994, 23.
32
neben den G eschützscharten jeweils eine Schießscharte für Repetiergewehre (Fotos 47-48). Die Geschütze waren an Eisenringen an Wand und Decke wegen des Rückstoßes gesichert. Die kleinen Geschütze wurden durch eine runde Öffnung ( Foto 53) im Boden des obersten Geschosses über Flaschenzüge in das darunter liegende Geschoss transportiert. Gewehrscharten gibt es auch im Bereich der Parabel und des Halbkreisansatzes im untersten Geschoss (Foto 45), welches sich „im Bereich der Grabensohle“ 138 befand. Insgesamt gab es im Reduit Platz für 16 Kanonen. Die Scharten waren teilweise wä hrend des II. Weltkrieges zugemauert.
Die Gewehrscharten an der Außenfassade (Fotos 04FZDHE, 08FZDHE, 09FZDHE) sind in den oberen Geschossen mit mehrreihigen und im Untergeschoss mit einreihigen Rollscharen versehen. Die an der Parabelspitze übereinander liegenden, nachträglich veränderten Fenster mit Tudorbögen (Tafel 15; Foto 03FZDHE), haben auffällige Rollscharen mit mittlerem Schluss-Stein. Das obere Fenster enthält eine Doppelarkadenteilung. Das untere Fenster ist z ugemauert. Im I nnenbereich gibt es weitere Öffnungen (Foto 48) wie Pulvernischen - ebenfalls mit Rollschar -, Kamin- und Belüftungslöcher sowie Nischen für Barrikadebalken. Des Weiteren gab es an der Außenfassade als einzigen auffälligen Schmuck ein aus Ziegelstein gemauertes Rundbogenfries ( Fotos 1 -2) knapp unterhalb der Trauflinie, das in den 50er Jahren abgeschlagen wurde. Bei den originalen Eisentüren (Fotos 08FZDHE, 09FZDHE), die an verschiedenen Stellen aus dem Gebäude in das unebene Gelände führen, ist besonders an der Südseite des Mittelgeschosses eine zweiflügelige Eichenholztür mit Eisenbeschlägen (Fotos 50-51) zu erwähnen, der noch eine kleinere Eisentür vorgeschaltet ist. Sie führten zu einer heute nicht mehr vorhandenen Zugbrücke. Die Eisenrollen, worüber je ein Zugbrückenseil lief, befinden sich innen hinter den hölzernen Türflügeln. Innerhalb dieses Gebäudes gab es auch eine Küche und einen Abortplatz, wovon heute nichts mehr zu erkennen ist. Im untersten Geschoss gibt es eine Bodenöffnung, in die später Betonringe gesetzt wurden. Sehr wahrscheinlich handelt es sich um einen Brunnen.
138 Vgl. J. Vogt 1994, 22.
33
8. Planungsphase der Friedenskirche ‘Zu den Heiligen Engeln’ Die Planungsphase reichte über die Konsekration hinaus. In diesem Kapitel soll eine zusammenhängende Darstellung der Planung und Entwicklung des Kirchenbaus geleistet werden.
8.1 Notkirche
„Zunächst wurde die Heilige Messe in der Scheune des Mitglieds des Kirche nvorstandes [...] gefeiert. Später bot sich Gelegenheit, den Saal der Gaststätte Lilienveen als Notkirche einzurichten. Am Sonntag vor Pfingsten 1945 fand hier die erste Heilige Messe statt. Der Saal hatte durch Kriegseinwirkung schwer gelitten und musste notdürftig hergerichtet werden. Man entfernte den Schutt, besserte das Dach aus und verglaste die Fenster. Laut Niederschrift über die Sitzung des Kirchenvorstandes vom 28. Oktober 1945 wurde beschlossen, „da Einsturzgefahr für die Notkirche besteht, durch Abstützen der gefährdeten Wand und Zumauern der Bühnenöffnung einem drohenden Unglück vorzubeugen.“ 139 Doch diese Notlösung war völlig unbefriedigend, daher verkündete Pastor Janßen, Vorsitzender des Kirchenvorstandes der Mariä Himmelfahrt Gemeinde, am 05.04.1946 auf der Sitzung des Kirchenvorstandes ein neues Kirchenbauprojekt. „[...] auf dem Gelände des ehemaligen Forts I 140 am Fusternberg soll nach den Plänen des Architekten Oste rmann aus Münster die neue St. Maria Himmelfahrtkirche in Wesel aufgebaut werden. Bestimmend hierfür ist a) die günstige Baulage, b) die Unmöglichkeit in der Trümmerstadt Wesel die zerstörte Pfarrkirche neu aufzubauen, c) die sich bietende Gelegenheit zu nützen, den Schwierigkeiten mit dem Verpächter am Lilienveen zu begegnen, d) das Faßbendersche Haus, welches als Wohnhaus mit 10 Räumen angrenzt, in den Bauplan einbeziehen zu können. Das Baugelände gehört der Stadt. Es soll im Austausch gegen Kirchenland ‘Am Fänger’ erworben werden.“ 141
139 Clausen 1958, 13.
140 Die Bezeichnung Fort I für das Fort Fusternberg ist falsch. Das Fort I lag auf der linken Rheinseite und wurde dort in den Jahren 1879-1882 von einer Hamburger Eisenbahn-
gesellschaft nach der Erlaubnis der preußischen Regierung zum Schutze einer direkten
Ost-West-Verbindung angelegt. Vgl. J. Vogt 1994, 17.
141 Clausen 1958, 13f.
34
In der Kirchenvorstandssitzung vom 07.08.1949 wurde folgender Rechnung zugestimmt: „Das Grundstück ist 4224 qm groß, der Kaufpreis beträgt 2,-- DM pro qm. Das Fort umfasst 6176,5 cbm umbauten Raumes. Nach dem Gutachten zweier Architekten beträgt der Preis 10,-- DM je cbm = 61765,- DM; abzüglich 33 1 / 3 % für Abnutzung = 34510,-- DM. Die Stadt ist bereit, die der Kirche gehörenden Grundstücke am Drüner Weg und am Fänger zum Preis von 60 Pfennig je qm in Zahlung zu nehmen. Der übrige Kaufpreis ist nach Abschluss des Vertrages zu entrichten.“ 142
Die Stadt stellt folgende Kostenaufstellung für den Kauf vor: 143
Die restliche Summe wurde in jährlichen Raten ohne Zinsen von 1.000,--DM getilgt. 144
Auch im Fort waren Ausbesserungsarbeiten nötig, da die auf dem Dach liegenden Schuttmassen das Dach zum Einsturz bringen konnten. Eile war geboten, weil immer mehr Menschen sich wieder in der Stadt einrichteten und so regelmäßig die Sonntagsmesse abgehalten werden sollte. Man wich diesmal notdürftig in die Küche des Marienhospitals in der Altstadt aus. 145 Der 1948 in Anspruch genommenen Notkirchenraum im Fort Fusternberg wurde schon bald zu klein, so dass sich der Wunsch für einen Neubau regte, zumal der Stadtteil Fusternberg zum Rektorat Fusternberg erhoben wurde. Auch die Zweckentfremdung des Forts war keine befriedigende Lösung für einen Kirchenraum, da zudem das Dach auf Dauer wasserdurchlässig 146 war. Es sollte 1952 nach Empfehlung des Generalvikariats des Bistums Münster eine Hochkirche durch Hans Schilling
142 Clausen 1958, 16.
143 Vgl. Clausen 1958, 16.
144 Vgl. Clausen 1958, 16.
145 Vgl. Clausen 1958, 14.
146 Kirchenakte: „Baubeschreibung der Architekten H. Willing und K. Seifert“ (28.02.1953)
35
geplant werden. 147 Mit dem Bischöflichen Generalvikariat wurden Raumprogramm, Kosten- und Finanzierungsrahmen abgestimmt. Das gesammelte Geld für den Notkirche nraum wurde später für den Kirchenne ubau verwandt.
Als Grund für einen Kirchenneubau wird auch eine Anekdote erzählt, die besagt, dass das Fort unter dem Bombenhagel der Alliierten geschwankt haben soll wie ein Schiff, und dass die Schutzsuchenden ein Gelübde ablegten, dass sie, wenn sie lebend davonkämen, eine Kirche für ‘Die Heiligen Schutzengel’ bauen wollten. In dieser Anekdote ist sicherlich ein Quäntchen Wahrheit, denn der angegebene zukünftige Name der Kirche ist mit dem heutigen fast identisch und die Kirchendecke, wie später noch näher gezeigt wird, erinnert an einen Schiffsrumpf.
Tabelle zur Geldsammelaktion von 1952 - 1954 148
8.2 Kirchenneubau
Nach dem Entschluss für einen Kirchenneubau fand ein Architekturwettbewerb statt, wobei diverse burgartige 149 und konventionelle Entwürfe
147 Vgl. RP, Nr. 27 (01.02.1958).
148 Kirchenakte
36
von etwa fünf 150 Architekturbüros eingereicht wurden (Tafeln 9-11). Einige Entwürfe erscheinen durch fehlende Maßangaben und mangelnder Perspektive recht laienhaft. Die Architekten Hugo Willing und K. Seifert aus Wesel erläutern in ihrer Baubeschreibung die Wettbewerbsrichtlinien, die besagen, dass je zwei Grundrisse, Schnitte, Ansichten als Vorentwurf im Maßstab 1:100 und ein Lageplan im Maßstab 1:500 pro Entwurf bis zum 20.01.1953 bei Pastor Josef Dörlemann, Rektor des neuen Rektorats Fusternberg, vorzulegen waren.
„Der erste Entwurf des auf dem Fusternberg ansässigen Architekten Hugo Willing lässt uns die hochinteressante Überlegung nachempfinden. Seine Konzeption war, den achteckigen Raum in der Mitte des Fortgebäudes als Oktogon im Glockenturm wiederkehren zu lassen. Es heißt, Herr Willing habe sich dabei auch vom Aachener Dom inspirieren lassen.“ 151 Die beiden Architekten Willing und Seifert wollten teure, verschiedenartige Fundamentierungen, die qualitativ auch später Probleme durch Rissbildungen bereiten könnten, vermeiden. Ihr Projekt (Abb. 1) beschreiben sie folgendermaßen: „Ein Flachdach auf dem gegebenen Grundriss haben wir erstens als nicht landschaftsgebunden abgelehnt und zweitens deshalb, um die schon infolge der Überbauung erforderliche große Gesimshöhe nicht noch mehr zu erhöhen. Der Turm wurde aus städtebaulichen Gründen gegen den freien Platz gestellt, also auf die Westspitze der Fortanlage. Der Neubau selbst ist aus gefugten Verblendsteinen geplant und die Dacheindeckung aus Schiefer, wobei der fast waagerechte Dachteil vorerst, da unsichtbar, in Pappe, später aus Zinkblech hergestellt werden kann. Falls die Geldmittel nicht ausreichen, kann das ganze Dach zunächst mit doppellagiger Pappe eingedeckt bleiben, da diese ja auch bei späterer Schiefereindeckung als Unterlage benötigt wird.“ 152 Die Sitzplatzanzahl wurde auf 350 festgelegt. 153
149 Leider gibt es keine Angaben über den Architekten und über den genauen Zeitpunkt.
150 Pers. Gespräch
151 Kath. Kirchengemeinde 1995, 22. (Abb. 1).
152 Kirchenakte: „Baubeschreibung der Architekten Willing und Seifert aus Wesel“, 1
(28.02.1953)
153 Kirchenakte: „Baubeschreibung der Architekten Willing und Seifert aus Wesel“, 2 (28.02.1953)
37
Abb. 1 : Entwurfsbeitrag zum Kirchenbauwettbewerb in Wesel - Fusternberg von Hugo
154 Willing (1952/53)
„Der 8,0 m hohe Altarraum im Osten wird durch eine Säulenreihe im Halbkreis, die noch auf dem Grundpfeilern der Krypta ruht, gegen einen 2,80 m breiten niedrigeren Umgang (6,50 m hoch) abgeteilt. Die Orgel-empore liegt im westlichen Ende und ist von der Turmtreppe aus zugänglich. Eine Kommunionbank ist nicht eingezeichnet, da beabsichtigt wird, die Heilige Kommunion direkt an den Altarstufen auszuteilen. Es ist aber auch vor dem Altar genügend Platz vorhanden zu ihrer Aufstellung. Die Kanzel wird an einem Umgangspfeiler auf der Evangelienseite aufgestellt. Die beiden Beichtstühle sind in der Krypta vorgesehen, könnten aber auch ohne Störung im Umgang untergebracht werden.“ 155 Als Alter-nativvorschlag zum Kirchturm wird ein Dachreiter als Glockentürmchen vorgeschlagen. 156 „Für den zweiten südöstlichen Haupteingang wird die vorhandene Erdböschung mit ihren Stützmauern verwendet, wodurch große Kosteneinsparungen erzielt werden. Für alte Leute, für die die Besteigung hoher, vielleicht im Winter vereisten Freitreppen gefahrvoll ist, steht der gegenwärtige Eingang in die bestehen bleibende Krypta zur
154 Vgl. Kath. Kirchengemeinde 1995, 23.
155 Kirchenakte: „Baubeschreibung der Architekten Willing und Seifert aus Wesel“, 2
(28.02.1953)
156 Vgl. Kirchenakte: „Baubeschreibung der Architekten Willing und Seifert aus Wesel“, 2 (28.02.1953)
38
Verfügung, von wo eine innere Treppe in der nördlichen Ecke nach oben führt.“ 157
Hans Schilling erhielt den ‘ersten Preis’ im Wettbewerb (Tafeln 16-20). Natürlich ergaben sich bei der Planung einige Probleme, die überwunden werden mussten, z. B. die Niveauunterschiede ( Tafel 6) des u rsprünglichen Geländes, die sicherlich vorhandenen Bomben (Blindgänger), der aufgefüllte kleine Graben am Gebäuderundteil durch eventuelle Setzungen und die Überwindung des Höhenunterschiedes vom Normalniveau zu den Kircheneingängen. Das Denkmalpflegeamt und der Landeskonser-vator stellten die Auflage, dass die ursprüngliche Form des Festungswerks zu erhalten sei. Im folgenden Jahr gab es die ersten Planungsarbeiten. 158 Genaue Richtlinien zum Neubau einer Kirche wurden vom Bischöflichen Generalvikariat erlassen, die alles über die Aufgaben und Pflichten aller am Bau Beteiligten festlegten. 159
Der Architekt Hans Schilling fertigte zur Errichtung der Friedenskirche ‘Zu den Heiligen Engeln’ ( Tafeln 1, 15; Fotos 10-11, 42+44) in Wesel -Fusternberg am 10.09.1953 eine Baubeschreibung an. In der es heißt: „Das Fort soll in seiner Gesamtheit erhalten bleiben, lediglich die äußeren Umfassungsgänge werden unter den Anböschungen verborgen. [...] Die Umfassungswände sollen bündig mit den vorhandenen Wänden hoch geführt werden. Das vorhandene Gesims wird abgeschlagen. Decke in Stahlbeton. Dachdeckung in Kupfer oder Zink. Der Boden der Kirche wird mit Klinkern ausgeführt. Die Heizung der Kirche geschieht durch Warmluft. Die Kessel bzw. Koksräume sind unterhalb der jetzigen Kirche vorgesehen. [...] Die Sakristei liegt am Zugang der Kirche, darüber Paramentenraum und Chorproberaum. Als letztes Geschoss eine Glockenkammer. WC ist vorgesehen. Entwässerung in vorhandenen Kanal.“ 160 (Tafel 18) Anfangs äußerte sich der Diözesan-Baurat Boklage skeptisch in Bezug auf die große seitliche Fensterfläche 161 , jedoch wird die architektonische
157 Kirchenakte: „Baubeschreibung der Architekten Willing und Seifert aus Wesel“, 1 (28.02.1953)
158 Vgl. RP, Nr. 27 (01.02.1958)
159 Die Bauordnung d es Bistums Münster trat am 15.04.1956 in Kraft und wurde am 01.03.1971 von einer neuen Bauordnung abgelöst. Vgl. K. A. 1971, 79. (Richtlinien für
die Verwaltung 450, 1)
160 Kirchenakte: „Baubeschreibung von Hans Schilling“
161 Vgl. Kirchenakte (18.05.1953 und 10.12.1953)
39
Leistung Hans Schillings in einer weiteren Beurteilung von ihm auf das höchste gelobt. Diese positive Beurteilung 162 überzeugte Bischof Michael Keller (Bistum Münster) - nach anfänglicher Ablehnung - davon, den ersten Wettbewerbspreis doch bauen zu lassen 163 Am 23.11.1953 wurden vom Ministerium für Arbeit, Soziales und Wiederaufbau des Landes NRW Bedenken in Bezug auf eine Baugenehmigung geäußert. Das Bauaufsichtsamt der Stadt Wesel konnte dieser Tatsache nicht ganz folgen und wünschte eine nähere Erläuterung der Bedenken. Im gleichen Schreiben wurde dem Ministerium mitgeteilt, dass die Abtragung der Erdmassen und die notwendigen Stemmarbeiten bereits durchgeführt wurden ( Foto 3). Am 25.01.1954 nimmt das Ministerium in einem Brief zu ihren Bedenken Stellung: „Solange man Architektur als die Resultierende von 3 Kräften nämlich der Bauaufgabe, dem Baustoff und der Handschrift des Architekten bezeichnet, ohne dass eine von diesen Kräften das Übergewicht haben soll, muss der vorliegende Entwurf große Bedenken auslösen. Führt doch stets die Übertretung eines dieser Komponenten zu Verzerrungen: zum Manierismus usw. Die Kosten für die geplante Deckenkonstruktion, welche im Übrigen mit gewissen statischen Grundsätzen in Widerspruch steht, werden erheblich sein.“ 164 Welche Kraft nach Meinung des Ministeriums hier überwiegt, ist nicht klar ausgesprochen worden. Wahrscheinlich empfand man die Deckenkonstruktion als einen zu dominierenden, stilbildenden Aspekt des Architekten, weil die Handschrift des Architekten deutlich erkennbar ist. Außerdem war man skeptisch gegenüber den statischen Berechnungen des Daches, da dem Baustoff ‘Beton’ Tragleistungen ohne Stützen - in dem Ausmaß dieser Kirche - noch nicht zugetraut wurden.
Zu den künftigen Zuschüssen und Kosten 165 für den Kirchenneubau wurde vom Architekten H. Schilling eine Aufstellung in seinem Zwische nbericht 166 mit folgenden Beträgen dargelegt:
162 Vgl. Kirchenakte (10.12.1953)
163 Pers. Gespräch
164 Kirchenakte
165 Urspr. wurden von H. Schilling Kosten in Höhe von 274.000, -- DM veranschlagt, da
man pro Sitzplatz z. d. Z. einen Betrag von 800,-- DM bis 900,-- DM berechnet. Die
Kirche sollte 3 22 Sitze erhalten. (322 Sitze x 850,-- DM = 274.000,-- DM) Vgl.
Kirchenakte.
40
Tabelle der Zuschüsse
Der Fehlbetrag musste durch ein Darlehen der Deutschen Centralbodenkredit AG 167 , durch weitere Spenden 168 und den aufgestockten Fina nzierungsrahmen durch das Bistum Münster gedeckt werden. Außerdem bekam die Pfarrgemeinde noch Zuschüsse vom Wiederaufbauministerium, Außenstelle Essen, welches für das Fort Fusternberg zuständig war. Tabelle der Kosten
166 Kirchenakte: „Zwischenbericht über Bauleistungen der Kirchengemeinden, Wesel: Zu
den Heiligen Engeln“.
167 Am 31.08.1953 bewilligte die Deutsche Centralbodenkredit AG ein Darlehen über
130.000,00 DM.
168 Neben den Geldspenden wurden auch Sachspenden entgegengenommen. Für die einzelnen Stücke der geplanten Innenausstattung wurden Stifter gesucht.
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Silke Noltenhans, 1998, Friedenskirche ´Zu den Heiligen Engeln´ in Wesel, München, GRIN Verlag GmbH
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