INHALTSVERZEICHNISS
Einleitung 1
1. Die Einführung der Figur 2
2. Natur als Spiegel der Seele 2
3. Die Entwicklung des Wahnsinns 3
4. Die Entwicklung der Kommunikationsfähigkeit der Figur 5
5. Sinnerfahrung in verschiedenen Bezugssystemen 6
5.1. Bezugssystem Natur 6
5.2. Bezugssystem Familie 7
5.3. Bezugssystem Gesellschaft 8
5.4. Bezugssystem Religion 9
Schluss 10
Anmerkungen 12
Bibliografie 13
Einleitung
Das Thema dieser Arbeit sind die Techniken der Figurencharakterisierung Georg Büchners am Beispiel des Lenz-Fragments.
Büchner zeichnet in diesem Text das Bild eines sensiblen Dichters, der vielfältige Probleme zu verarbeiten sucht, aber ohne Hilfe zu scheitern droht. Dabei verzichtet er fast vollständig auf äußere Beschreibungen der Figur und konzentriert sich auf die Wiedergabe subjektiver Erfahrungen. Trotzdem gelingt es ihm in der Art, wie er mit seiner Figur umgeht und sie charakterisiert, seine eigene Position deutlich zu formulieren. Er wendet sich von den Quellen ab und macht die historische Person zu einer literarischen Figur.
Büchner zeigt auf, dass Lenz auf Sinnsuche in der Natur, der Familie, der Gesellschaft und auch der Religion ist, dabei aber an Konventionen und Unverständnis scheitert. Letztendlich scheint Lenz eine dauerhafte Integration verwehrt zu bleiben und in der Beantwortung der Frage nach dem Wieso offenbart sich der Unterschied zwischen Büchner und seinen Quellen.
Er greift die neunzehn Tage aus dem Leben der historischen Persönlichkeit Jakob Michael Reinhold Lenz auf, die dieser im Steintal bei dem Pfarrer Oberlin verbringt. Oberlin hat über diesen Zeitraum einen Rechenschaftsbericht verfasst, der einen detaillierten Einblick in die Ereignisse dieser Tage ermöglicht, eigentlich aber zur Erklärung und Rechtfertigung seines eigenen Verhaltens dienen sollte. Büchner zeichnet diesen Zeitraum nach, übernimmt von seiner Primärquelle die faktische Wiedergabe der Ereignisse und die formale Struktur, aber ergänzt den Text mit der, von ihm ausgearbeiteten, Innensicht des Protagonisten.
Der Leser begleitet Lenz auf seinem Weg im Steintal und erhält einen detaillierten Einblick in dessen Erfahrungswelt und wird dazu aufgerufen sich selbst ein Bild vom Hintergrund der Ereignisse zu machen und nicht der Vorverurteilung zu folgen, die in seinen Quellen formuliert wird.
Da Büchner ein Erzählverhalten wählt, mit dem er scheinbar neutral die subjektive Sichtweise seiner Figur wiedergibt, stellt sich die Frage, wie er trotzdem Gelegenheit findet, diese Stellung zu beziehen. Denn durch seine Subjektivität verzichtet er zusätzlich auf mögliche Techniken der objektiven Figurenbeschreibung, wie zum Beispiel die explizite Beschreibung durch den Erzähler oder eine andere Figur, oder die Schil-
1
derung der Lebensumstände. Welche Mittel stehen ihm noch zur Verfügung um seine Haltung zu formulieren und wie könnte sie aussehen?
1. Die Einführung der Figur
Die Figur Lenz wird uns schon im ersten Satz des Textes vorgestellt, aber man erfährt zunächst nicht viel mehr als den Namen. Und doch finden sich in diesem kurzen Satz schon deutliche Anzeichen auf den Fokus des Textes, welcher ganz auf die Figur gerichtet ist.
Über den Zeitpunkt und den Ort der Handlung finden sich nur die pauschalen Angaben, dass es ein bestimmter Tag irgendeines Monats ist und dass sich Lenz in einem Gebirge bewegt. Es ist nicht die zeitliche oder räumliche Situierung, die für Büchner von Bedeutung ist, es ist die Figur, die er gleich in den Mittelpunkt rückt. Auch bei der anschließenden Beschreibung der Landschaft, und der scheinbar damit einhergehenden Verlagerung des Fokus, liegt die Betonung auf der subjektiven Wahrnehmung von Lenz. Deutlich wird das an der Verwendung des Wortes „so“, „die den jeweiligen Befund unmittelbar aus der objektiven Sphäre in das Erleben der Figur einbringt […]“ 1 .
Der Satz „Müdigkeit spürte er keine, nur war es ihm manchmal unangenehm, dass er nicht auf dem Kopf gehen konnte.“ 2 offenbart endgültig, dass es sich nicht um eine objektive Wiedergabe der Umwelt handelt, sondern eine Innensicht präsentiert wird, die den seelischen und emotionalen Zustand von Lenz aufzeigt. Mit dieser Einführung in die Erzählung und dem Fortführen dieser Methode durch den ganzen Text offenbart sich die Position Büchners, er „[…] steht in seinem Betroffensein von vornherein ganz auf der Seite von Lenz.“ 3
2. Natur als Spiegel der Seele
Auffällig oft beschreibt Büchner die Landschaft und die Natur, in der sich Lenz bewegt. Aber entfernt er sich dadurch von seinem Subjekt und verlagert den Fokus?
2
Die Beschreibung der Landschaft kann in zwei Richtungen gedeutet werden. Zum einen handelt es sich um die Darstellung von Tatsachen, zum anderen wird auch die Wahrnehmung von Lenz eingebunden.
Durch die Wortwahl und die Art der Satzkonstrukte, entsteht beim Lesen des Textes ein Bild der Landschaft, welches der psychischen und physischen Reaktion von Lenz nachempfunden ist und in der sich seine Gemütslage offenbart. „Anfangs drängte es ihm in der Brust, wenn das Gestein so wegsprang, der graue Wald sich unter ihm schüttelte, und der Nebel die Formen bald verschlang, bald die gewaltigen Glieder halb enthüllte;“ 4
Diese Dualität in den Landschaftsbeschreibungen wird von Büchner als Stilmittel verwendet, um das zentrale Thema der Erzählung, das Empfinden Lenz´, auch bildlich darstellen und eine Unmittelbarkeit erzeugen zu können.
Als zwei weitere markante Beispiele für diese Technik kann man die Schilderung der Natur nennen, nach der Lenz sich entschließt zu predigen und auch die Beschreibung der Umwelt am Schluss, wenn Lenz nach Straßburg abtransportiert wird. 5 Die wichtigen Punkte der psychischen Entwicklung von Lenz, der Höhepunkt in Form von Ausgeglichenheit und Ruhe und der Tiefpunkt in Form von Resignation und Selbstaufgabe, werden dadurch von Büchner markiert und unmittelbar zugänglich. Die Beschreibungen haben auch die Funktion die Stellen im Text zu markieren, an denen Entscheidendes in der Entwicklung von Lenz passiert.
3. Die Entwicklung des Wahnsinns
Die psychische Entwicklung von Lenz ist das zentrale Thema, welches sogar eine Handlung im eigentlichen Sinne verdrängt und die Erzählung zu einer subjektiven Schilderung der Erfahrungen von Lenz macht. Die bisher genannten Techniken der Figurencharakterisierung erfüllen vorrangig die Aufgabe diese Entwicklung zu unterstreichen, hervorzuheben oder anzutreiben.
Aber auch die Beschreibung des „Wahnsinns“ 6 an sich ist als solche zu untersuchen, da hier der wesentliche Unterschied zu der Primärquelle liegt. Oberlin konzentriert sich auf die Wiedergabe der Vorgänge und die Erklärung des eigenen Verhaltens. Büchners Schwerpunkt ist „… der erfahrene exemplarische Leidens- und Krankheitsweg einer
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Arbeit zitieren:
Jan Lechner, 2003, Markante Techniken der Figurencharakterisierung im Lenz-Fragment von Georg Büchner, München, GRIN Verlag GmbH
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