Proseminar
Einführung in die Publizistik- und Kommunikationswissenschaft I
Wintersemester 1999/2000
Qualitätsjournalismus versus Boulevardjournalismus
Salzburg, im Jänner 2000
1 Einleitung
1.1 Untersuchungsgegenstand
Die vorliegende Arbeit soll zeigen, ob das Leseverhalten der verschiedenen sozialen Schichten betreffend Qualitätszeitungen bzw. Boulevardzeitungen vom Bildungsniveau abhängig ist. Nachdem wir gleich zum Beginn davon ausgehen, daß dies der Fall ist, möchten wir auch die anderen Faktoren, die für die Selektion einer Zeitung ausschlaggebend sind , näher behandeln.
1.2 Forschungsfrage
Die Forschungsfrage lautet demzufolge:
Ist das Leseverhalten der verschiedenen sozialen Schichten betreffend Qualitätszeitungen bzw. Boulevardzeitungen abhängig vom Bildungsniveau?
Welche weiteren Faktoren sind für die Selektion einer Zeitung ausschlaggebend? Um die Forschungsfrage operationalisierbar zu machen, wurde sie anhand von 2 Hypothesen konkretisiert.
2 Hypothesen
• Gebildete Personen lesen Qualitätszeitungen, weniger gebildete Boulevardzeitungen.
• Menschen mit geringer Bildung nützen die Medien anders, als solche mit höherer.
2.1 Art der Untersuchung
Nachdem uns vorallem der Umgang der LeserInnen mit der Zeitung und der Sinnproduktion interessiert, greifen wir auf qualitative Rezeptionsstudien zurück. Nur mittels qualitativer Methoden ist es möglich, eine Antwort auf die Frage zu geben, wie LeserInnen mit einer Zeitung umgehen, wie und warum sie diese lesen.
3 Hintergrund
3.1 Begriffserklärung
3.1.1 Boulevardjournalismus
OPTISCHE GESTALTUNG:
Die äußere Erscheinungsform:
Das Boulevardformat im Sinne der Größe des Blattes (meist A4) ist handlich und visuell auffällig. Die Handlichkeit einer Boulevardzeitung kann man schon fast als Grundvoraussetzung annehmen. Solch ein Kleinformat bietet nämlich die Möglichkeit der einfachen Rezeption in öffentlichen Verkehrsmitteln wie Zug, U-bahn oder Bus, aber auch am Arbeitsplatz.
Boulevardblätter bestehen immer nur aus einem Buch, d.h. die erste und die letzte Seite umschließen als Ganzes alle inneren Seiten der Zeitung. Daher erscheint die Zeitung in sich abgeschlossener - nicht nur in der Form, sondern auch im Inhalt. Titelseite:
Ausschlaggebend für den Kaufentscheid von Boulevardblättern ist die Titelseite. Diese wird meist mit einem großen farbigen Photo und der dazugehörigen "fetten" Schlagzeile, der HEADLINE, geschmückt.
Sofort wird dem Leser die "Geschichte des Tages" klar und deutlich vermittelt. Visuelle Präsentationsweise:
Nicht nur die Titelseite, auch das Innere der Zeitung ist mit Bildern überhäuft. Oft nehmen die Fotos sogar mehr Platz als der dazugehörige Text ein. Die Schriftgröße der Headlines ist so gewählt, daß ein Lesen dieser auch noch von einigen Metern Entfernung möglich ist, was vorallem im Straßenverkauf eine wesentliche Rolle spielt.
Die wichtigsten Merkmale sind großformatige, oft farbige Fotos und überdimensionierte Schlagzeilen; in den Text eingebaute Graphiken und Tabellen schaffen für den Leser Übersicht und ermöglichen dem Leser Informationsaufnahme durch schnelles Überfliegen. Farbphotos haben zwar keinen besseren Informationsgehalt als Schwarzweiß Fotos, dennoch werden sie in Boulevardblättern bevorzugt verwendet, da sie den Rezipienten in einem stärkeren Maß auf emotionaler Ebene ansprechen. Schlagzeilen:
Die Schlagzeilen von Boulevardmagazinen sind groß und schnell faßbar, ein platzverschlingendes Layout ist kennzeichnend. Die Überschriften zielen darauf ab mit schreiendem Wortschatz Käufer anzulocken. Dies wird am besten mittels Ausrufesätze erreicht. Diese Sätze müssen einfach im Aufbau, d.h. aus Subjekt, Prädikat und Interjektionen bestehend, sein. Häufig dient auch ein Imperativ als Leseanreiz.
DER STIL
Die Sprache:
Die Sprache von Boulevardblättern zeichnet sich durch ihre Einfachheit und Alltagsnähe aus. Kurze, unkomplizierte und einfach gebaute Sätze, simple chronologische Abfolgen und die emotionale Betonung treten in den Vordergrund. Die Verwendung von Alltagssprache ist kennzeichnend. Umgangssprachliche Wendungen und Begriffe dienen der schnellen Verständlichkeit und dem " Farbigmachen" der Geschichten. Dadurch wird bei den Lesern Vertrautheit erzeugt. Die Berichte sind kurz und oberflächig, emotionale Sprache wird meist einer ausgearbeiteten Darstellung eines Ereignisses vorgezogen. Es werden starke Gefühlsbetonungen wie adjektivische Sprache oder Selbststilisierung der AutorInnen verwendet.
Für Bruck und Stocker ist die Sprache von Boulevardzeitungen zwar Mediensprache, hat jedoch wenig mit professioneller Journalistensprache g zu tun. Das Prüfen von Zitaten wird häufig völlig unterlassen, Quellen werden textuell nicht sichtbar gemacht, der Berichterstatter tritt im Gegensatz zum Qualitätsjournalismus in den Vordergrund und verdrängt das zu Berichtende in den Hintergrund. Die Schreibweise der Berichte ist erlebnis- und gefühlsbetont und entspricht der Lebenssprache des Alltags. Durch die Verwendung der Ichform entsteht eine selbstbezogene Sprache, die prägend für den Boulevardjournalismus ist. Satzlängen und Satzarten:
Eines der wichtigsten Elemente von Boulevardzeitungen ist der Einfachsatz; darunter versteht man einen einzeln Hauptsatz. Der Inhalt dieser Redeeinheit ist leicht aufzufassen und erlaubt dem Leser ein hastiges Lesen. Außerdem erregen Einfachsätze Unruhe und forcieren die Spannung. Die meisten dieser Kurzsätze bestehen nur aus Subjekt, Prädikat und Objekt. Am häufigsten verwendet wir der Acht-Wort-Satz. Um die Aufmerksamkeit des Lesers zu gewinnen, werden in Boulevardzeitungen eine große Zahl von Aufforderungs- und Ausrufesätzen, aber auch rhetorischen Fragen oder Entscheidungsfragen verwendet. THEMENSPEKTRUM Einteilung:
Der kennzeichnende Unterschied zwischen Qualitätspresse und dem Boulevardblatt bezüglich der Textsorten liegt darin, daß die einzelnen Textsorten im Qualitätsjournalismus getrennt vorzufinden sind. Meldungen, Nachrichten, Reportagen, Features und Meinungsbeiträge sind als solche erkennbar, Mischformen werden vermieden.
Die Boulevardpresse verzichtet größtenteils auf die Aufteilung des Stoffes nach Sparten. Das jeweils Sensationellste, egal, aus welchem Bereich, bestimmt den Aufbau der ersten Seite.
Arbeit zitieren:
Christa Gasser, 2000, Qualitätsjournalismus versus Boulevardjournalismus, München, GRIN Verlag GmbH
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