INHALTSVERZEICHNIS
EINLEITUNG 3
1. DER NAHOSTKONFLIKT 5
2. KRITISCHE DISKURSANALYSE - WAS IST DAS EIGENTLICH? 8
2.1. DER DISKURS 8
2.2. DIE KRITISCHE DISKURSANALYSE 9
3. DIE BEIDEN REDEN IM VERGLEICH 10
3.1. TÄTER GEGEN OPFER - BESATZER GEGEN TERRORISTEN 10
3.2. FRIEDENSBEFÜRWORTER GEGEN FRIEDENSBLOCKIERER 14
3.3. WEM GEHÖRT PALÄSTINA? 16
3.4. DIE FRAGE DER ANERKENNUNG 18
RES ÜMEE 21
LITERATURVERZEICHNIS 23
1. PRIMÄRQUELLEN 23
2. SEKUNDÄRQUELLEN 23
ANHANG 25
2
Einleitung
Stellen Sie sich vor, Sie wären Kandidat bei Günther Jauchs Quizshow „Wer wird Millionär?“. Für 4.000 € würde Ihnen folgende Frage gestellt:
Sie kennen die Antwort 1 ? Damit gehören Sie vermutlich zur Mehrheit der deutschen Bevölkerung. Zugegeben, die Frage war alles andere als knifflig. Vermutlich wären 4000 € dafür auch viel zu hoch bemessen. Dass die Antwort auf eine solche Frage mehr oder weniger auf der Hand liegt, macht jedoch deutlich, wie allgegenwärtig der Nahostkonflikt mittlerweile ist. Kaum ein Monat vergeht, in dem nicht über Ausschreitungen, Anschläge und Vergeltungsmaßnahmen gesprochen wird. In den Medien steht das Thema jedenfalls hoch im Kurs - und das trotz der Tatsache, dass der Konflikt mittlerweile schon deutlich länger als ein halbes Jahrhundert währt. Insofern dürfte sich die Prozentzahl derer, die gar nichts über die Umstände dieses Konflikts wissen, im einstelligen Bereich bewegen.
Auch die vorliegende Arbeit widmet sich der Problematik des Nahostkonflikts. In diesem Fall geht es jedoch weniger um die Ereignisse, ihre Ursachen und Hintergründe - diese spielen eine eher untergeordnete Rolle. Die Arbeit wird auch keinen Lösungsvorschlag auf den Tisch legen, mit dem sich der Konflikt lösen ließe. Das ist auch gar nicht ihr Anliegen. In diesem Fall geht es um die Realitätskonstruktionen, die von beiden Seiten vorgenommen werden. Die Arbeit möchte dabei zeigen, wie beide ihre jeweilige Wirklichkeit darstellen. Zu deren Analyse werden die anlässlich der 66. Generaldebatte der UNO am 23.09.2011 vorgetragenen Reden der jeweiligen „Oberhäupter“ der sich gegenüberstehenden Parteien, Mahmoud Abbas (Präsident der palästinensischen Autonomiebehörde) und Benjamin Netanjahu (israelischer Ministerpräsident), herangezogen - angesichts der Aktualität und der Tatsache, dass beide am gleichen Tag und Ort zum selben Thema Stellung nehmen mussten, eine ideale Analysegrundlage. Aufgrund des Umfangs der Vorträge kann diese Arbeit jedoch nicht alle Aspekte beider Reden berücksichtigen. Die vorliegende Abhandlung beschränkt sich daher auf die wichtigsten Erkenntnisse einer rein semantischen Betrachtung, da diese sich angesichts des Themas am ehesten zur Informationsgewinnung eignet. Andere Aspekte, z.B. Lexik, Wortanordnung, Kohäsion o.Ä. können daher nur bedingt berücksichtigt werden.
1 Falls nicht: Antwort c) ist korrekt.
3
Um die für die Bearbeitung des genannten Themas notwendigen Informationen zu gewinnen, bedient sich die vorliegende Abhandlung einer bestimmten Methode: der kritischen Diskursanalyse. Diese versteht sich in erster Linie als Instrument zur kritischen Betrachtung von Sprache, genauer: sie versucht deutlich zu machen, wie die unterschiedlichen Diskurse mit Macht und Herrschaft interagieren. Sie geht zurück auf Norbert Fairclough bzw. Ruth Wodak, die beide einen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung der Kritischen Diskursanalyse leisteten und sich u.a. auch auf die Kritische Theorie berufen. Natürlich sind sie nicht die einzigen Autoren, die sich mit dem Thema beschäftigt haben. Es wäre jedoch müßig, an dieser Stelle alle Autoren und Werke aufzuzählen, die für die Kritische Diskursanalyse von Bedeutung sind. Der Verfasser dieser Arbeit möchte an dieser Stelle daher nur kurz auf die beiden bereits genannten Autoren hinweisen, u.a. aufgrund der Tatsache, dass sie die exponiertesten Vertreter der Theorie darstellen. Zu ihren wichtigsten
Werken gehören das 1989 erschienene Werk „Language and Power“ 2 von Norbert Fairclough, das als eines der grundlegenden Werke der Theorie gilt, und „Methods of Critical Discourse Analysis“ von Ruth Wodak, in welchen beide sich intensiv mit der Kritischen Diskursanalyse beschäftigen und insbesondere den Aspekt der Macht in den Vordergrund stellen.
Die vorliegende Arbeit stellt die These auf, dass sowohl die palästinensische als auch die israelische Seite zwar ähnliche Strategien verfolgen, um die Weltöffentlichkeit von der eigenen Wahrheit zu überzeugen, Netanjahu dabei jedoch aufgrund seiner „schlechteren“ Ausgangslage bei den für die Deutungshoheit entscheidenden Bereichen gezwungen ist, deutlich defensiver vorzugehen. Diese These soll im Folgenden genauer untersucht werden. Beginnend mit einem kurzen historischen Überblick, der die wichtigsten für das Verständnis des Nahostkonflikts notwendigen Ereignisse enthält - auch wenn bei einem derart komplexen Konflikt nur schwerlich alle wichtigen Einzelheiten genannt werden können - widmet sich die Arbeit dann ihrer Methode, der kritischen Diskursanalyse. Auch diese wird kurz erläutert, da sie als solche kaum vorausgesetzt werden kann, wobei zuerst geschildert wird, was genau unter einem Diskurs zu verstehen ist, um dann genauer auf das Analyseinstrument als solchem einzugehen. Der dann folgende Hauptteil wendet das zuvor theoretisch geschilderte Verfahren in der Praxis an und unterzieht beide Reden unter besonderer Berücksichtigung der unterschiedlichen Realitätskonstruktionen einer genauen Analyse. In einem Resümee werden die Ergebnisse schließlich zusammengefasst. Abschließend soll dann die Frage nach der Haltbarkeit der These beantwortet werden.
2 Genauere Informationen zu den genannten Werken finden sich im Literaturverzeichnis am Ende dieser Arbeit.
4
1. Der Nahostkonflikt
Kaum eine Auseinandersetzung weist eine derart hohe Prominenz auf wie der Nahostkonflikt. Unzählige Werke wurden bereits zu dieser Thematik verfasst. Entsprechend unterschiedlich sind die Ansätze, die seine Ursachen erklären wollen. Wie weit man dabei in der Geschichte zurückblicken sollte, ist dabei meist umstritten. Einige Wissenschaftler setzen im 19. Jahrhundert an, andere wiederum wagen einen Blick bis in die Antike, genauer: bis in die Zeit des Römischen Reiches. Fest steht jedenfalls: um den Nahostkonflikt in seinem ganzen Ausmaß verstehen zu können, reicht ein Blick auf die vergangenen 70 Jahre kaum aus, denn seine Wurzeln liegen historisch betrachtet deutlich weiter zurück. Auch der Autor der vorliegenden Arbeit ist der Ansicht, dass es eines umfangreichen Rückblicks bedarf, um die verschiedenen Ansprüche beider Seiten verstehen zu können. Im Folgenden wird daher der Versuch unternommen, den vollen Umfang des Palästinakonflikts auf eine einfache Kurzfassung zu reduzieren, um für die später folgende Analyse der beiden Reden das historische Verständnis zu gewährleisten, das aufgrund der Komplexität dieses Konflikts kaum umfassend vorausgesetzt werden kann.
Die Frage, wessen Vorfahren zuerst das heute als Palästina bezeichnete Gebiet besiedelten, ist schwer zu beantworten. Beide Seiten haben ihre jeweils eigene Version der Geschichte und erheben davon ausgehend Anspruch auf das heutige Palästina. Um diesen Anspruch zu untermauern, führt die israelische Seite häufig die „ununterbrochene Präsenz und Bindung des
jüdischen Volkes an das Land“ 3 an. Die arabische Seite wiederum stellt die israelische Verwurzelung in Palästina in Frage und verweist ihrerseits wiederum auf die jahrtausendelange Bindung ihrer Vorfahren an Palästina. Einige berufen sich zudem auf die Kanaanäer, die von arabischer Seite teilweise als eigene Vorfahren ausgegeben werden. Von diesen ist bekannt, dass sie noch vor den Israeliten in Palästina siedelten. Ob es sich dabei aber wirklich um Vorfahren der heutigen arabischen Bevölkerung im Nahen Osten handelt, ist
jedoch nicht gesichert. 4 Angesichts der raren und nur bedingt aussagekräftigen Überreste in Form von Münzen, Bauten und Ähnlichem und aufgrund der Tatsache, dass die Bibel als historische Quelle mit Vorsicht zu genießen ist, kann die Frage, wer das Land zuerst besiedelt
hat, jedoch nicht abschließend beantwortet werden. 5 Fest steht, dass die jüdische Bevölkerung im heutigen Palästina spätestens in den Jahrhunderten nach der Niederschlagung der jüdischen Aufstände (70 bzw. 135 n. Chr.) durch die Besatzungsmacht Rom stark zurückging,
3 Krämer, Gudrun (2006): Geschichte Palästinas. Von der osmanischen Eroberung bis zur Gründung des Staates Israel. 5., durchgesehene Auflage. München: C.H. Beck, S. 12.
4 Vgl. Ebd.
5 Vgl. Ebd., S. 19.
5
während insbesondere der arabische Bevölkerungsteil zunahm und alsbald die Mehrheit stellte. Im 7. Jahrhundert geriet das Gebiet schließlich unter arabische Herrschaft und blieb, mit Ausnahme der Kreuzzüge, fortan - bis 1918 - in der Hand verschiedener arabischer
Herrscherhäuser, darunter vor allem die Osmanen. 6
Die erneute jüdische Besiedlung erfolgte im 19. Jahrhundert. Nationalismus und Antisemitismus ließen bei vielen Juden in Europa das Bedürfnis nach einem eigenen Staat
entstehen. 7 Während Mitte des 19. Jahrhunderts in Jerusalem nur 10.000 Juden lebten, waren es im Jahre 1914 bereits 90.000. Um sich die wohlwollende Gesinnung der jüdischen Diaspora zu sichern, machte die britische Regierung noch während des Ersten Weltkriegs deutlich, dass sie die Gründung einer „nationalen Heimstatt“ unterstützen werde. Mit der Übertragung des ehemals osmanischen bzw. türkischen Gebiets durch den Völkerbund wurden erste Schritte in diese Richtung unternommen. Dies stieß bei der arabischen Bevölkerung jedoch auf große Ablehnung. Angesichts der weiter zunehmenden jüdischen Bevölkerung, die in den 1930ern bereits 30 % der Einwohner darstellte, nahmen auch die vorher eher vereinzelt ausgeführten Aktionen gegen jüdische Siedlungen ein neues Ausmaß an. Aufgrund der Judenverfolgung in Deutschland erhöhte sich die Zahl der Einwanderer zudem weiter, womit zu Beginn des Zweiten Weltkriegs ca. 450.000 Juden in Palästina
lebten. 8
Als Folge der ausufernden Gewalt entschieden sich die Briten für einen Einwanderungsstopp, was die jüdische Bevölkerung angesichts der Gräuel in Europa jedoch ablehnte. In dieser Zeit kam es zudem immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen jüdischen Kampfverbänden auf der einen und arabischen bzw. britischen Kräften auf der anderen Seite. Aufgrund der zunehmenden Gewalt sah sich Großbritannien gezwungen, die UNO um Hilfe zu bitten, die schließlich das britische Mandat beendete und das Land zwischen Juden und Arabern aufteilen wollte. Obwohl der Vorschlag auf Widerstand auf Seiten der Araber stieß, entschied sich die jüdische Seite, die Resolution umzusetzen, und proklamierte 1948 den Staat Israel. Der Akt der Staatsgründung führte jedoch zu großen Spannungen mit den Nachbarländern. Alsbald wurden israelische Siedlungen vermehrt Opfer von Angriffen, woraus sich schließlich ein Krieg zwischen Israel un seinen Anrainerstaaten entwickelte. Trotz seines kurzen Bestehens entschied der jüdische Staat diesen Krieg jedoch für sich. Als die Waffen schwiegen, konnte Israel einen territorialen Zugewinn von einem Drittel verzeichnen.
6 Vgl. Ebd., S. 24-28.
7 Vgl. Johannsen, Margret (2009): Der Nahostkonflikt. 2., aktualisierte Auflage. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften, S. 14.
8 Vgl. Wende, Peter (2008): Das britische Empire. Geschichte eines Weltreichs. München: C.H. Beck, S. 285-288.
6
Aufgrund fehlender Unterstützung durch die arabischen Nachbarstaaten sahen sich die Palästinenser nun gezwungen, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Die infolgedessen gegründete Fatah versuchte, durch Anschläge den Interessen der arabischen Bevölkerung in
Palästina Nachdruck zu verleihen. Israelische Vergeltungsmaßnahmen waren die Folge. 9 In diesem Klima war der nächste Krieg gewissermaßen vorbestimmt. So brach bereits 1967 der Sechs-Tage-Krieg aus. Aber auch dieses Mal sollte Israel die Oberhand behalten. Erneut konnte der jüdische Staat große Gebietsgewinne verzeichnen, darunter der Gazastreifen, das
Westjordanland, die Sinai-Halbinsel und die Golanhöhen. 10 Es sollten jedoch weitere Kriege folgen. Dazu gehören in erster Linie der Jom-Kippur-Krieg 1973, bei welchem Israel die im Sechs-Tage-Krieg eroberte Sinai-Halbinsel wieder zurückgeben musste, und der Libanonkrieg 1982, bei welchem israelische Truppen die PLO aus dem Süden des Nachbarlandes vertrieben. Doch auch diesmal war der Frieden nur von kurzer Dauer. Das aggressive Siedlerverhalten der Israelis, die den Gazastreifen und das Westjordanland aus „religiösen“ Gründen für sich beanspruchten, führte fünf Jahre später zum nächsten Konflikt:
der ersten Intifada. 11 Diese konnte erst nach jahrelangen, blutigen Auseinandersetzungen durch die Friedensverhandlungen von Oslo 1993 beendet werden. Wichtigstes Ergebnis war, dass Israel und die PLO sich erstmals gegenseitig anerkannten. Zudem erhielten Jericho und
der Gazastreifen eine begrenzte Autonomie. 12 Das gute Klima war jedoch nur von kurzer Dauer. Im Jahre 2000 begann die Zweite Intifada. Anlass war der provokante Besuch
Scharons auf dem Tempelberg. Auch sie sollte erst fünf Jahre später ein Ende finden. 13 Auch heute ist das Kriegsbeil zwischen beiden Seiten noch lange nicht begraben. Kaum ein Monat vergeht, in dem nicht von Anschlägen, Siedlungsbau oder sonstigen Provokationen die Rede ist. Auch der mittlerweile errichtete Grenzzaun dürfte kaum zu einer Deeskalation der Lage beigetragen haben. Obwohl unterschiedliche Pläne zur Beilegung des Konflikts existieren, darunter auch eine Zwei-Staaten-Lösung, ist das Misstrauen auf beiden Seiten groß. Keine Seite will vor der jeweils anderen, aber auch vor den eigenen Hardlinern als zu nachgiebig angesehen werden, ohne dabei von der internationalen Gemeinschaft als „Blockierer“ wahrgenommen zu werden. Ein Ende des Konflikts ist bisher nicht absehbar.
9 Vgl. Herz, Dietmar (2003): Palästina: Gaza und Westbank. Geschichte, Politik, Kultur. 5., völlig überarbeitete und aktualisierte Auflage. München: C.H. Beck, S. 30-39.
10 Vgl. Ebd., S. 46.
11 Vgl. Petz, Daniel (2003): Ölzweig und Gewehr. Die innenpolitischen Hintergründe der israelischpalästinensischen Friedensverhandlungen. Marburg: Tectum, S. 23-26.
12 Vgl. Halm, Heinz (2006): Die Araber: von der vorislamischen Zeit bis zur Gegenwart. 2. Auflage. München: C.H. Beck, S. 120.
13 Vgl. Schneider, Friedrich/Hofer, Bernhard (2008): Ursachen und Wirkungen des weltweiten Terrorismus. Eine Analyse der gesellschaftlichen und ökonomischen Auswirkungen und neue Ansätze im Umgang mit dem Terror. Wiesbaden: GWV Fachverlage, S. 61.
7
2. Kritische Diskursanalyse - was ist das eigentlich?
Neben fundierten historischen Vorkenntnissen kann auch das Instrument der vorliegenden Untersuchung, die kritische Diskursanalyse, angesichts ihrer Abstraktheit kaum vorausgesetzt werden. In diesem Kapitel wird daher der Versuch unternommen, die Theorie ebenfalls möglichst kompakt darzustellen, um das der Arbeit zugrunde liegende Analyseraster allgemein verständlich darzulegen.
2.1. Der Diskurs
Bevor jedoch genauer auf die kritische Diskursanalyse (im Folgenden als KDA abgekürzt) eingegangen werden kann, muss zuerst einmal der Begriff Diskurs als solcher näher bestimmt werden. Der britische Soziologe Stuart Hall definiert den Diskurs als Ansammlung verschiedener Aussagen zu einem bestimmten Thema, die dieses auf bestimmte Art und Weise repräsentieren. Das dadurch geformte Konstrukt - der Diskurs - ist notwendig, um
überhaupt über das Thema sprechen zu können. 14 Ohne zu wissen, dass mit dem Begriff „Palästinenser“ der arabische Bevölkerungsteil Israels, der in den Autonomiegebieten lebt, gemeint ist, könnte man kaum über diese sprechen. Der „Palästinenserdiskurs“ besteht jedoch nicht nur aus dieser einen Aussage. Auch andere Aussagen (z.B. dass die meisten Palästinenser Muslime sind) gehören dazu. Sie alle formen diesen einen Diskurs, der somit die Realität auf bestimmte Art und Weise konstruiert. Hall nennt dies „production of
knowledge“. 15
Der Diskurs selbst ist jedoch nicht nur Schöpfer allein. Er ist zugleich Schöpfungsgegenstand. Schöpfungsgegenstand insofern, als die sprachlichen Realitätskonstruktionen, die er „kreiert“,
erst eine Bedeutung haben müssen. 16 Diese Bedeutung muss erst zugewiesen werden. Sie ist nicht naturgegeben, sondern erfolgt willkürlich. 17 Dass das Phänomen „Krieg“ genau so heißt, wurde von Menschenhand willkürlich festgelegt und wohnt diesem keinesfalls von Natur aus
inne. Diese Bedeutungszuweisung - Hall nennt es „production of meaning“ 18 - entsteht, wenn bestimmten mentalen Konzepten bestimmte Zeichen (z.B. Worte) zugeordnet werden. 19 Ohne diese Zuordnung hätten Begriffe wie „Krieg“ keine Bedeutung für uns und würden klingen wie Fantasiewörter, beispielsweise „*Krast“ oder „*Fling“. Wir würden sie nicht verstehen.
14 Vgl. Hall, Stuart (2004): „The West and the Rest: Discourse and Power”. In: ders. / David Held/ Don Hubert/ Kenneth Thompson (Hrsg.). Modernity. An Introduction to Modern Societies. Malden/Oxford/Victoria: Blackwell, S. 201.
15 Ebd.
16 Vgl. Ebd.
17 Vgl. Hall, Stuart (2002): „The Work of Representation”. In: ders. (Hrsg.). Cultural Representations and Signifying Practices. London/Thousand Oaks/New Dheli: Sage, S. 19-21.
18 Hall (2004): „The West and the Rest”, a.a.O., S. 201.
19 Vgl. Hall (2002): „The Work of Representation”, a.a.O., S. 16-19.
8
Arbeit zitieren:
Simon Rietberg, 2012, Realitätskonstruktionen im Palästinakonflikt, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Soziologie - Krieg und Frieden, Militär: Realitätskonstruktionen im Palästinakonflikt ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Soziologie - Krieg und Frieden, Militär: neuer Titel erschienen: Realitätskonstruktionen im Palästinakonflikt
Simon Rietberg hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare