S. II
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis IV
1 Einleitung 1
2 Indochina - Einführung 1
2.1 Historische Einordnung. 2
2.1.1 Der Begriff „Indochina“ 2
2.1.2 Die Vorkolonialzeit 2
2.1.3 Vom Beginn der franz. Kolonialherrschaft bis zur Unabhängigkeit 4
2.1.4 Indochina nach der Genfer Indochina-Konferenz 5
2.2 Geographische Einordnung (aktuelle Länderinformationen) 7
3 Ethnien und Ethnizität 8
3.1 Kambodscha. 9
3.1.1 Die Khmer 9
3.1.2 Die Vietnamesen. 10
3.1.3 Die Chinesen. 10
3.1.4 Die Cham. 11
3.1.5 Indigene Minderheiten. 12
3.1.6 Ethnopolitik 13
3.2 Laos 14
3.2.1 „Einteilungsversuche“ 14
3.2.2 Minderheiten. 15
3.2.3 Ethnopolitik 16
S. III
3.3 Vietnam 17
3.3.1 Die Kinh 17
3.3.2 Minoritäten des Hochlandes 17
3.3.3 Ethnopolitik 18
4 Fazit 21
Literaturverzeichnis. 22
Anlagen 24
S.
Abbildungsverzeichnis
Tab. 1:
Abb. 1: Indochina.
Abb. 2: Kambodscha.
Abb. 3: Laos
Abb 4: Vietnam
S. 1
1 Einleitung
Diese Hausarbeit mit dem Thema „Ethnien und Ethnizität in Indochina“ im Rahmen des Seminars „Ethnizität im pazifischen Raum“ befasst sich - wie der genannte Titel schon suggeriert - mit Bevölkerungen bzw. Ethnien eines bestimmten Raumes in Süd-Ost-Asien: mit Kambodscha, Laos und Vietnam (s. Abb. 1). Nach weitgehender politischer Beruhigung der Region scheinen v. a. Kambodscha und Laos von der Bühne internationaler Politik verschwunden zu sein. Vietnam, das sich im Zuge der Globalisierung mit ihrer „doi moi“ Reformpolitik (v. a. marktwirtschaftlich) geöffnet hat, scheint auch mit seinem Versöhnungskurs den USA gegenüber, aus der Isolierung heraustreten zu wollen. Kambodscha wird zunehmend für den internationalen Tourismus (die Tempel von Angkor) interessant und ist als Standort für billige Textilproduktion mehr oder weniger bekannt. Von Laos hört man eigentlich kaum, höchstens in Kultur- bzw. Ländermagazinen als das „verschlafene Land am Mekong“ etwa.
Doch, grade aus ethnologischer Perspektive, sind diese Länder sehr interessant. Die ethnische Vielfalt und „Ursprünglichkeit“ dieser Region ist überragend - birgt daher aber auch viel Potential für Konflikte. Unterschiede aber auch Gemeinsamkeiten der Länder, deren Bevölkerungen und ihre ethnische Zusammensetzung, Ursprünge sowie der Umgang der jeweiligen Regierungen mit ethnischen Minderheiten (Stichwort Ethnopolitik) werden in dieser Arbeit analysiert. Um das Bild abzurunden, aber auch um dem Leser einen besseren bzw. einfacheren Einblick in diese Region zu bieten wird neben dem ethnologischem Blickwinkel in einer Art „Einführung“ (s. Kap. 2) die Region Indochina auch unter historischen und geographischen Gesichtspunkten betrachtet.
2 Indochina - Einführung
Indochina - ein Sammelbegriff für die drei heutigen Länder Kambodscha, Laos und Vietnam lässt die meisten Menschen wohl an allererster Stelle an Kriege (insbesondere Indochina-Krieg und Vietnam-Krieg), evtl. Pol Pot, Kolonialherrschaft, diverse (Anti-) Kriegsfilme, Frankreich und die USA denken.
Dieses stereotype Bild Indochinas soll in dieser Einführung spezifiziert werden; der Begriff und dessen Ursprung soll näher erläutert, sowie Grundlagen historischer Ereignisse und aktuelle (geographische) Informationen über die drei Länder gegeben werden. Die historische Einordnung hat nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und kann es bei dem begrenzten Rahmen dieser Arbeit und bei dem Thema dieser Arbeit auch nicht sein.
S. 2
2.1 Historische Einordnung
(Französisch-) Indochina oder teilweise auch „Union von Indochina“ genannt, wurde 1887 von Frankreich als Generalgouvernement bzw. Kolonialgebiet gebildet und umfasste die damals als Annam, Cochinchina und Tongking bezeichneten Regionen des heutigen Vietnam sowie Kambodscha und ab 1893 auch Laos (vgl. Brockhaus (Hg.) 2002: o. S.).
2.1.1 Der Begriff „Indochina“
Der Begriff „Indochina“ bezieht sich auf den indischen sowie chinesischen (kulturellen) Einfluss auf diese Region Süd-Ost-Asiens (vgl. Enzyclopaedia Brittanica (Hg.) 2006: Indochine). Erstmalig verwendet wurde das Wort von dem dänisch-französischen Geographen Conrad Malte-Brun in seinem Werk „Précis de la Géographie Universelle“, das 1810 in Paris erschien. In der Geographie steht der Begriff im Allgemeinen auch für die „Indochinesische Halbinsel“ (vgl. o. A. (2006): Indochina), die manchmal auch als Teil „Hinterindiens“ bezeichnet wird. Verdeutlicht wird insbesondere der indische Einfluss durch Betrachtung einiger Sprachen dieser Region, die der austroasiatischen Sprachfamilie bzw. der Unterart „Mon-Khmer“ angehören und damit indischem Ursprungs sind.
Der chinesische Einfluss begann vor allem im Gebiet des heutigen Vietnam bereits vor Christi Geburt und setzte sich durch mehrere chinesische Herrschaftsdekaden jahrhunderte lang fort. Der
Name „Annam“ 1 bspw. für den mittleren Teil Vietnams ist chinesischen Ursprungs und bedeutet „befriedeter Süden“ (vgl. Microsoft Encarta Enzyklopädie (Hg.) 2004: Annam). Die Ursprünge dieser prägenden Einflüsse Chinas und Indiens werden auch im nächsten Abschnitt über die vorkoloniale Entwicklung Indochinas verdeutlicht.
2.1.2 Die Vorkolonialzeit
Das unter indischem Einfluss gegründete Reich Funan (im heutigen Kambodscha) wurde im 6. Jahrhundert von den Khmer erobert und Jayavarman II. gründete hier das Khmerreich mit der
Hauptstadt Angkor. Im 12. und Anfang des 13. Jahrhunderts erlebte das „Angkorreich“ 2 den Höhepunkt seiner Macht und „eine Zeit höchster kultureller Blüte“ (Meyers Lexikonverlag 2006: Kambodscha). Angkor wurde von den Thais mehrfach erobert und zerstört, so dass die Hauptstadt mehrmals verlegt wurde - zuletzt 1434 in die noch heute als Hauptstadt fungierende Stadt Phnom Penh. Das Khmerreich war auch zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert bis zum Protektoratsvertrag mit Frankreich mehrfaches Streitobjekt zwischen Thai und Vietnamesen (vgl. Meyers Lexi-
1 gelegenzwischen den historischen Gebieten Cochinchina (im Süden V.) und Tongking (im Norden V.)
2 die Tempel von Angkor nahe Siam Reap sind seit Dezember 1992 UNESCO-Weltkulturerbe und Haupttouris-
tenattraktion Kambodschas
S. 3
konverlag 2006: Kambodscha). Dies wirkt sich bis heute auf die Beziehung mit den Nachbarn Thailand und v. a. Vietnam aus und führt zuweilen zu ethnischen Konflikten und Vorurteilen (s. Kap.3.1.2).
Die aus Südchina eingewanderte Ethnie Lao errichtete 1353 im heutigen Laos das Königreich Lan Xang - das „Land der Millionen Elefanten“ (vgl. Eccleston 1998: 134) mit der Hauptstadt
Luang Prabang 3 . 1563 wurde Vientiane zur neuen Hauptstadt, die sie bis heute geblieben ist. Im 17. Jahrhundert unter der Regierung von König Souligna Vongsa erlebte das Land eine friedvolle Blütezeit. Nach seinem Tod zerfiel das Land durch rivalisierende Prinzen in die Reiche Luang Prabang, Vieng Chiang (Vientiane) und Champassak, „die in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts in Abhängigkeit von Siam (Thailand) gerieten“ (Meyers Lexikonverlag 2006: Laos). Das Reich Vientiane wurde im Krieg gegen die Thai weitgehend zerstört und wurde thailändische Provinz, bis es 1893 an Frankreich abgetreten wurde (vgl. Meyers Lexikonverlag 2006: Laos). Der Norden Vietnams war schon seit dem Paläolithikum (vor mehr als 2 Mio. Jahren) besiedelt, so dass sich hier im 1. Jahrtausend v. Chr. die früheste Bronzekultur Südostasiens entwickelte. 210 v. Chr. wurde im Tonking-Delta „der erste geschichtliche Staat, Au Lac“ (Meyers Lexikonverlag 2006: Vietnam) gegründet, der vom Reich Nam Viet (im Süden Vietnams 207 v. Chr. gegründet) erobert wurde. Nam Viet wurde wiederum um 111 v. Chr. von chinesischen Truppen erobert und dem Reich der chinesischen Han-Dynastie für ein Jahrtausend einverleibt. Dies „hatte für den weiteren Verlauf der vietnamesischen Geschichte schicksalhafte Folgen“ (Microsoft Encarta Enzyklopädie (Hg.) 2004: Vietnam), da die neuen chinesischen Herrscher neben ihren politischen Institutionen, dem Konfuzianismus als Staatsideologie, ihrer Sprache auch ihre Kultur zum Teil zwangsweise in Vietnam einführten. Chinesische Kunst, Architektur und Musik usw. übte daher einen tief greifenden Einfluss auf die entsprechenden Bereiche der vietnamesischen Kultur aus (vgl. Microsoft Encarta Enzyklopädie (Hg.) 2004: Vietnam).
Nach heftigen wiederkehrenden Aufständen wurden die Chinesen 939 n. Chr. vertrieben und ein neues vietnamesisches Reich Dai Co Viet entstand, welches bald unter dem Namen Dai Viet vietnamesisches Kaiserreich (Ly-Dynastie) wurde (vgl. Meyers Lexikonverlag 2006: Vietnam). Das Entstehen der Ly-Dynastie ließ ein reges vietnamesisches Nationalbewusstsein aufkommen, obwohl viele politische und auch soziale Einrichtungen der chinesischen Herrschaft beibehalten wurden (vgl. Microsoft Encarta Enzyklopädie (Hg.) 2004: Vietnam).
Unter der Herrschaft drei weiterer großer Dynastien wurden einige Invasionsversuche abgewehrt, das Reich Champa der Ethnie Cham (s. Kap. 3.1.4) unterworfen und somit die territoriale Ausdehnung Richtung Süden fortgeführt. Hauptsächlich durch die beiden miteinander rivalisierenden Feudalgeschlechter der Trinh (im Norden) und der Nguyen (im Süden) kam es zum Bürgerkrieg
3 UNESCO Weltkulturerbe seit 1995
S. 4
(Ende 16. Jh.) - und somit zur ersten Teilung Vietnams. Das damals noch kambodschanische Mekong-Delta wurde Ende des 17. Jahrhunderts eingenommen. Der letzte Überlebende des Herrscherhauses der Nguyen konnte als Kaiser Gia Long 1802 die letzte Dynastie vor der beginnenden französischen Besatzung errichten. Er wiedervereinigte das Land und benannte es in Viet Nam um (vgl. Meyers Lexikonverlag 2006: Vietnam).
2.1.3 Vom Beginn der franz. Kolonialherrschaft bis zur Unabhängigkeit
1858 begann stückweise die französische Eroberung Indochinas. Nachdem 1859 französische Truppen Saigon besetzt hatten, musste die Nguyen-Dynastie 1862 die reichsten Provinzen in Südvietnam (Cochinchina) abtreten. In den 1880er Jahren gingen auch die übrigen Teile Vietnams (Annam und Tongking) als Protektorat an Frankreich über (vgl. Meyers Lexikonverlag 2006: Vietnam).
Im Südwesten nutzten die Franzosen den „langsamen Zersplitterungsprozess Kambodschas durch die Eroberungen Vietnams und Siams“ (Microsoft Encarta Enzyklopädie (Hg.) 2004: Kambodscha) und schlossen 1863 einen Protektoratsvertrag mit der kambodschanischen Monarchie, die aber weiter fortbestand. 1887 wurde von Frankreich offiziell die „Union von Indochina“ gegründet.
1893 wurde Siam gezwungen die Herrschaft Frankreichs über besetztes laotisches Gebiet östlich des Flusses Mekong anzuerkennen (vgl. Eccleston 1998: 134); 1904 ging dann ganz Laos in Besitz der Franzosen über (vgl. Microsoft Encarta Enzyklopädie (Hg.) 2004: Laos). Damit stand nun das gesamte Gebiet von Kambodscha, Laos und Vietnam unter französischer Herrschaft. Während des 2. Weltkrieges besetzte Japan von 1940-1945 ganz Indochina, das aber weiterhin
unter der französischen Vichy-Regierung 4 stand. In Kambodscha wurde mit japanischer Hilfe 1941 König Norodom Sihanouk eingesetzt, der kurz vor dem japanischen Zusammenbruch die Unabhängigkeit ausrief - doch kurz nach Kriegsende stellte Frankreich seine Herrschaft wieder her (vgl. Eccleston 1998: 134). Auch in Laos wurde währenddessen die Unabhängigkeit unter französischem Protektorat ausgerufen. Die Unabhängigkeitsbewegung Lao Issarak („Befreiung Laos“) rief kurz danach die Unabhängigkeit von Frankreich und Japan aus. 1946 stellte Frankreich seine Herrschaft aber wieder her. Die Kolonialmacht gewährte Laos allerdings Unabhängigkeit als Monarchie mit eigener Verfassung innerhalb der Französischen Union (vgl. Eccleston 1998: 134).
In Vietnam hatte Ho Chi Minh bereits im Jahr 1930 die Kommunistische Partei Indochinas und die kommunistische Bewegung der Vietminh gegründet, mit der er 1945 in Hanoi die unabhängi-
4 währendder Teilung Frankreichs im 2. Weltkrieg wurden Südfrankreich und die Kolonien aus der französi-
schen Stadt Vichy regiert
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Diplom Geograph Benjamin Gramberg, 2006, Ethnien und Ethnizität in Indochina, München, GRIN Verlag GmbH
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