Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Europa und Jerusalem vor 1099 4
3. Die Pilger Christi 6
4. Der Anspruch dreier Religionen und Kulturen auf das
Heilige Land 8
5. Der Kreuzzug nach Jerusalem 10
6. Eroberung der Heiligen Stadt 13
7. Schluss 16
8. Literaturverzeichnis 17
2
1. Einleitung
„Ein Kreuzzug im eigentlichen Sinn ist [...] ein Krieg, der vom Papst ausgeschrieben wird, in dem das Gelübde verlangt, der Ablass und die weltlichen Privilegien bewilligt werden, und der (das scheint wesentlich) auf die Erlangung oder Erhaltung eines ganz bestimmten geographisch fest umrissenen Zieles gerichtet ist: auf die christliche Herrschaft über das Grab des Herren in Jerusalem.“ 1
Der erste Kreuzzug 1099, der in der Eroberung der Stadt Jerusalem endete, war ausschlaggebend für eine lange Kette weiterer militärischer Unternehmungen, zu denen man auch diverse andere Kreuzzüge zählt. Jerusalem galt als Nabel der Welt. Ausgangspunkt für diese Verortung als Nabel der Welt war Ezechiel 5,5: „So ergeht es Jerusalem. In die Mitte der Völker setze ich es, und rings in seinen Umkreis Länder.“ 2
Jerusalem, das vor allem im religiösen Mittelalter eine der bedeutendsten Pilgerstädte der Christen war, wurde im 11. Jahrhundert von den muslimischen Türken bedroht. Der Byzantinische Kaiser Alexios I. Komnenos bat deshalb die Mächte Europas um Hilfe im Kampf gegen die Türken. Um die Dringlichkeit zu unterstreichen, betonten die byzantinischen Gesandten die Entweihung der heiligen Stätten und die angespannte Lage der im heiligen Land lebenden Christen.
Einen weiteren Anstoß für den ersten Kreuzzug gab, außer den angeblich erschwerten Pilgerfahrten der Christen, die Zerstörung der Grabeskirche auf Befehl des ägyptischen Kalifen 1009. Für die Christen, die im Mittelalter in der ständigen Angst vor dem Ende der Welt lebten, war das heilige Grab die Möglichkeit für Buße und Sündenablass.
Wie konnten überhaupt die Christen ihre Religion unter der muslimischen Bedrohung ausüben? In wie fern bzw. war die christliche Kultur durch die Muslime bedroht? War der Zugang der christlichen Pilger nach Palästina erschwert, gar unmöglich?
1 Zit. n. Hehl, E.-D.: Was ist eigentlich ein Kreuzzug?, S. 298
2 http://www.uni-kassel.de/fb5/geschichte/docs/mg/jerusalem2.pdf
3
Und wie veränderte sich die Ausübung der Religion und der Kultur während des Einbruchs in Jerusalem durch die Kreuzritter? Wie wurde der Kreuzzug unter den einzelnen Glaubensrichtungen wahrgenommen?
Neben diesen Fragen soll das Miteinander zwischen den einzelnen Religionen erläutert und rechtliche Grundlagen dargestellt werden sowie der Anspruch dieser auf die Stadt Jerusalem.
2. Europa und Jerusalem vor 1099
In Europa waren überall Krieger, aber auch Nichtkrieger bereit, den mühsamen Weg nach Jerusalem anzutreten und einen gerechten Krieg, bellum iustum, gegen das islamische Volk zu führen. 3 Neben diesem Kriegsaspekt hatte Jerusalem für die Menschen auch etwas magisches, glanzvolles, das zugleich bestimmte eschatologische Vorstellungen sowie Reaktionen hervorrief. „Das Bild des himmlischen Jerusalem“ verbreitete sich schnell. 4 Durch Missernten, Heuschreckenplagen und einen gelangweilten, arbeitslosen und brutal raubenden (französischen) Ritterstand war die Lage der Menschen in Europa, besonders die der pauperes, sehr schlecht, so dass diese sehr leicht und schnell bereit waren, sich von ihrem Besitz, Haus und Boden zu trennen, um den Weg in eine bessere Zukunft und ein neues Leben in Erlösung anzutreten. 5 Zudem glaubte man, dass durch die Reise bzw. Jerusalemwallfahrt eine Nähe und ein Bund zu Gott aufgebaut wurde, der heilsbringend und verdienstvoll war, zudem noch dem Sündenerlass und dem persönlichen Seelenheil diente. Der Ablassgedanke verband sich somit auch mit dem beschwerlichen Weg nach Jerusalem. Dies war mitunter auch ausschlaggebend, da die Menschen damals nahezu besessen davon waren, ihre Sünden vergeben zu bekommen. Außerdem wurden ursprünglich die Sünden der Christen für die Niederlage im Heiligen Land verantwortlich gemacht und daraus resultierend auch für den Verlust der Stadt Jerusalem selbst. 6 Es lag also nun in der Hand der Christen und deren
3 Tibi, Bassam: Kreuzzug und Djihad, S. 116
4 Mayer, Hans Eberhard: Geschichte der Kreuzzüge, S. 21
5 Kotzur, Hans- Jürgen (hg.): Die Kreuzzüge. Kein Krieg ist heilig. S. 57
6 Hehl, S. 304
4
gläubigem Verhalten, wenn es darum ging Jerusalem erneut zu einer Stadt unter christlicher Herrschaft zu machen.
Die Jahre vor Einbruch des Kreuzzugheeres in Jerusalem waren eine unruhige Zeit für die islamische Welt, die durch diverse Siegeszüge, aber auch Umbrüche gekennzeichnet waren und bereits seit über 4 Jahrhunderten von der arabischislamischen Kultur und Religion geprägt waren. Zu Beginn des 11. Jahrhunderts war es zu Verfolgungen Andersgläubiger, auch von Christen, gekommen, in deren Verlauf 1009 die Jerusalemer Grabeskirche, die eine enorme Wichtigkeit für das Christentum hatte, zerstört wurde, 1038 aber bereits wieder hergestellt wurde. Die Lage beruhigte sich allerdings schnell, so dass sich Jerusalem zu einem Zentrum islamischer, jüdischer und christlicher Gelehrsamkeit entwickeln konnte. 7 Die Bevölkerung Jerusalems umfasste 1050 ca. 20.000 Einwohner und war somit im Vergleich zu anderen islamischen Städten wie Damaskus, Bagdad oder Kairo eher klein. 8
Solange die Araber im Besitz des Heiligen Landes waren, durften die christlichen Pilger gegen Bezahlung einer Steuer ungehindert die heiligen Stätten betreten, aber als Syrien und Palästina von den Seldschuken 1071 erobert wurde, erlitten anscheinlich sowohl die dort ansässigen Christen als auch die Pilger schwere Misshandlungen und so drangen die Klagen über Raub und Mord bis in das Abendland. 9
So spielte Papst Gregor VII. bereits mit dem Gedanken einen Kreuzzug zu unternehmen, um Jerusalem zu befreien und gleichzeitig die griechische und armenische Kirche die der römischen zu unterwerfen. Seine Streitigkeiten mit Kaiser Heinrich IV. machten allerdings diese Pläne zunichte. Nachdem Kaiser Alexios I das Hilfegesuch erneuerte, fiel es diesmal auf fruchtbaren Boden, so dass Papst Urban II. nun die Gläubigen bei der Synode von Clermont 1095 um Unterstützung, das Heilige Land zu befreien, bat. Er rief alle christlichen Krieger im Namen der Kirche zu den Waffen, um ihre Brüder im Osten zu retten, diese von den Christenverfolgungen durch einen Verteidigungskreuzzug zu befreien, und wurde somit zum Urheber der Kreuzzüge. 10 Äußerer Anlass mag wohl die
7 Jaspert, Nikolas: Die Kreuzzüge, S. 6
8 Lobrichon, Guy: Die Eroberung Jerusalems im Jahre 1099, S. 114
9 Jaspert, Die Kreuzzüge, S. 7
10 Tibi, S. 118
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Arbeit zitieren:
Janina Bolz, 2008, Jerusalem vor dem ersten Kreuzzug, München, GRIN Verlag GmbH
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