Inhalt
1. EINLEITUNG 2
2. MERKMALE DER TEXTFORMEN 3
2.1. Was ist eine Reportage? 3
2.2. Was ist ein Bericht? 6
3. ARTIKELANALYSE 7
3.1. Artikel der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung 7
3.2. Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung 9
3.3. Artikel der Süddeutschen Zeitung 12
3.4. Artikel des Wochenmagazins Spiegel 14
4. VERGLEICH 17
5. FAZIT 20
6. LITERATUR 22
6.1. Primärliteratur 22
6.2. Sekundärliteratur 22
6.2. 22
1. Einleitung
Wer heutzutage eine Zeitung aufschlägt, findet darin eine Fülle verschiedener Genres. Von der einfachen Meldung, über das Interview bis hin zur stellungsnehmenden Glosse offenbart sich eine Bandbreite journalistischer Textgattungen. In meiner Hausarbeit konzentriere ich mich auf zwei Formen der Artikelgestaltung: den Bericht und die Reportage.
Zunächst scheint es sich dabei um zwei klar zu differenzierende Gattungen zu handeln. In der vorliegenden Hausarbeit wird der Fragestellung nachgegangen, inwiefern sich die beiden Textgattungen in der Praxis tatsächlich durch Merkmale eindeutig voneinander unterscheiden lassen oder ob es zu einer Vermischung der Eigenschaften kommt.
Die Hausarbeit soll zeigen, dass es in der Praxis eine Vermischung der Merkmalssets gibt, wobei die Fachliteratur von zwei eindeutig voneinander abzugrenzenden Textgattungen ausgeht. Das Ziel ist es zu zeigen, dass es in der Praxis keine reine Reportage gibt, sondern eine Mischform, in die stets Elemente eines Berichtes mit hineinfließen.
Zunächst liefere ich einen in die Theorie einführenden Teil (Kap. 2) in dem grundlegende Charakteristika der Reportage (Kap. 2.1) und des Berichtes (Kap. 2.2) aufgeführt werden, um diese weitestgehend voneinander abzugrenzen. Zur Untersuchung der These, ob sich in der in der Praxis eindeutig voneinander zu differenzierende Textgattungen finden lassen, werde ich aus ausgewählten Tageszeitungen und Wochenmagazinen Artikel, die den genannten Genres vermeintlich entsprechen, heraussuchen und auf typische und untypische Merkmale untersuchen (Kap. 3). Daran anschließend stelle ich einen Vergleich zwischen den ausgewählten Artikeln untereinander an (Kap. 4). Dabei gehe ich sowohl auf die Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten ein, die sich zwischen den verschiedenen Artikeln auftun. Abschließend nehme ich zu dem Erörterten Stellung (Kap. 5).
Als Grundlage für den Vergleich dienen drei Artikel aus sowohl regionaler, als auch überregionaler Presse des gleichen Erscheinungsdatums und einem später erschienenen Wochenmagazin. Dabei handelt es sich um einen Artikel der Süddeutschen Zeitung, der Frankfurter Allgemeinen und der Westdeutschen Zeitung, sowie um eine Ausgabe des Spiegels.
Im Fokus steht die Sparte des Sportjournalismus der behandelten Artikel steht der Jahrhundertlauf des jamaikanischen Leichtathleten Usain Bolts, während der olympischen Sommerspiele 2008 in Peking.
2
2. Merkmale der Textformen
Folgend wird, basierend auf der Grundlage von ausgewählter Fachliteratur, die typischen Merkmale eines Berichtes und einer Reportage dargestellt, um den beiden journalistischen Textformen inhaltlich, formal und funktionell eine Struktur zu geben und sie unterscheidbar zu machen.
2.1. Was ist eine Reportage?
Das Wort Reportage ist von dem englischen Wort to report („vortragen, zurückmelden, erzählen“) entlehnt. 1 Ursprünglich geht das Wort zurück auf den lateinischen Ausdruck reportare („zusammentragen, zurückbringen“). 2
Im deutschen Sprachraum herrscht Uneinigkeit über den Begriff der Reportage, da es keine einheitliche Definition gibt. 3 Auch Haller berichtet über die Schwierigkeit den Begriff der Reportage genau zu definieren. Um das Konzept der Reportage definieren zu können erstellt Haller einen Merkmalskatalog der die typischen Charakteristika umfasst. Erst der praktische Umgang mit dem Genre und den damit verbundenen teils vagen, teils konkreteren Vorstellungen, ergebe sich eine Annäherung an die Begrifflichkeit.
Haller spaltet die Reportage in zwei Komponenten auf. Erstere ist die Reisereportage. Sie überwindet stellvertretend für den Leser Distanzen und bringt Fernes und Fremdes näher. Der Augenzeugenbericht ist die zweite Komponente, überschreitet Barrieren für den Leser, macht Unbekanntes zugänglich und baut somit durch die Schilderung von Ereignissen Brücken zu dem Vergangenen. Die Mischung beider Komponenten mache eine Reportage aus. 4
Nachfolgend zeige ich die Merkmale auf, die nach Haller in fast jeder Reportage zu finden und deshalb als kennzeichnend zu bewerten sind.
Der Umfang einer Reportage sollte sich bei ungefähr 120 Zeilen bewegen. Diese Zahl ist als unverbindlicher Orientierungswert zu sehen. 5
Um sinnliche Eindrücke gut vorstellbar zu machen, ist der Autor um Detailreichtum bemüht. Er wählt keine nüchterne, sondern eine schildernde Sprache, 6 die reich an Bildern und umfangreichen Beschreibungen ist. In einer Reportage gelte die Faustregel: lieber ein
1 Haller, Michael: Die Reportage - Ein Handbuch für Journalisten. Band 8. Konstanz 1997, S. 17
2 Ebd., S. 19.
3 Ebd., S. 64.
4 Ebd., S. 67.
5 Reader: Hauptseminar “Bericht und Kommentar”, S. 37
6 Vgl. Haller, Michael: Die Reportage, a.a.O. (S. 248)
3
Detail zu viel einbringen, als eines auszulassen. Dadurch vervollständigt sich das Bild der Geschichte im Kopf des Rezipienten. 7
Ein bewährtes Mittel, vergangenes zu vergegenwärtigen ist den Eindruck zu erwecken, als trage sich das Ereignis zu dem Zeitpunkt des Lesens zu. Dazu wird die Reportage im Präsens verfasst, um zu suggerieren der Leser befände sich im Zentrum des Geschehens. 8 Die Exklusivität des Themas ist ein weiteres Merkmal. Es sollte sich so weit wie möglich vom Alltag abheben. Denn je alltäglicher der Gegenstand der Reportage ist, über den geschrieben werden soll, desto schwieriger ist es, sie zu gestalten. Der Reporter hat die Möglichkeit das Problem zu umgehen, indem er ein gewöhnliches Thema aus einer anderen Perspektive beleuchtet. Durch den Perspektivwechsel bekommt der Leser eine neue Sicht auf ein gewohntes Thema. 9
Außerdem wird an die Reportage die Forderung gestellt, ein Anfang und ein Ende zu enthalten, sowie einen Höhepunkt. 10 Darüber hinaus habe es sich bewährt, den Anfang und Schluss der Reportage jeweils mit einer Pointe zu versehen, welche „dramaturgisch aufeinander bezogen werden“. 11 Der Anfang einer Reportage besteht generell aus etwas Besonderem, der Beschreibung einer Szene, einer Handlung, einer Zustandes oder dergleichen und leitet dann erst ins Allgemeine über.
Gerade das Ende bestimme den Gesamteindruck der Reportage. Deshalb sollte die finale Passage nicht unspektakulär ausklingen. 12
Auch Schreiber attestiert der Reportage das Fehlen einer verbindlichen Form. Für Ihn stellt das jedoch kein Manko dar, sondern die Subjektivität biete im Gegenteil dem Reporter die Möglichkeit sich ganz individuell auf seine eigenen Richtlinien zu berufen, wie er seinen Artikel gestalten will. 13
Hervorzuheben ist auch der Aspekt der Verständlichkeit. Der Leser sollte in der Lage sein die Geschichte um die es geht ohne kontextuelle Voraussetzungen zu verstehen, auch wenn er die übergeordneten Zusammenhänge nicht kennt. 14
Unerlässliche Hintergrundbeschreibungen sollten in den Fluss des Artikels mit eingebaut werden, ohne den Lese- und Wortwahlfluss zu beeinträchtigen. Bei Form und Sprache gebe es ebenfalls keine Regeln, sondern bestenfalls „etablierte Sitten und Gebräuche“. Zur Verständlichkeit dazu gehört auch der Informationsgehalt. So sollte eine Reportage so wenig redundante Daten wie möglich, aber so viele nötig enthalten. 15
7 La Roche, Walther von: Einführung in den praktischen Journalismus. München 1975, S. 141
8 Vgl. Haller, Michael: Die Reportage, a.a.O. (S. 20)
9 Ebd., S. 33.
10 Beitrag von Herman Schreiber in: Vgl. Haller, Michael: Die Reportage, a.a.O. (S. 245)
11 Ebd., S. 248.
12 Vgl. La Roche, Walther von: Einführung in den praktischen Journalismus, a.a.O. (S. 142)
13 Beitrag von Herman Schreiber in: Vgl. Haller, Michael: Die Reportage, a.a.O. (S. 245)
14 Ebd., S. 248.
15 Ebd., S. 247.
4
Zu beachten ist, dass „Eindrücke nicht einfach auf Schlussfolgerungen zu reduzieren“ seien. Der Leser soll Fakten bereitgestellt bekommen, die ihn selbst zum Nachdenken anregen und in selbständig schlussfolgern lassen. 16 Unentbehrlich seien auch Zitate. Wenn Personen, die handelnd und augenzeugenberichtend in die Geschichte involviert sind, zu Worte kommen, wirkt das auf den Leser vertrauter und lässt Authentizität entstehen.
Nach Weischenberg lässt sich der Sportjournalismus als besondere Form des Fachjournalismus klassifizieren. Weischenberg bezeichnet die Sparte des Sportjournalismus als „Außenseiter“, da er den Sport als „gesellschaftliches Phänomen“ zu verstehen weiß „ohne ihm aber direkte gesellschaftliche Aufgaben zuzuordnen“. 17 Reporter sind allerdings nicht zwangsweise Fachjournalisten, sondern eher Allgemeinjournalisten. Dies sind die Allrounder einer Redaktion und besitzen ein breit angelegtes Allgemeinwissen. Das ermöglicht ihnen, über viele Bereiche zu schreiben, jedoch ohne dabei allzu tief in die Materie eingehen zu können. Die Grenzen eines Allgemeinjournalisten liegen dort, wo ihre Allgemeinbildung endet. 18 Ein signifikanter Unterschied zwischen den Berichterstattern besteht darin, dass Allgemeinjournalisten ausschließlich über Neuigkeiten berichten und Fachjournalisten über Erkenntnisse ihres Faches. Was aber nicht bedeutet, dass die Erkenntnisse nicht auch neu sein können. 19
Barbara Bürer fokussiert ebenfalls den Sportjournalismus und setzt sich mit der Sportreportage auseinander. Bürer stellt klar, dass eine Reportage im Sportmetier ganz andere Ziele mit ganz anderen Mitteln verfolgt, als es zum Beispiel eine Nachricht oder ein Bericht über den Sport tut. Die Reportage rückt nicht die sieben W-Fragen, sondern nicht alltägliche Geschichten und ausgewählte Informationen in ihr Zentrum. Priorität habe nicht der beste Sportler, der die beste Leistung abgerufen hat, sondern der Mensch, mit Ängsten, Wünschen, Hoffnungen und Gefühlen, wie jeder Andere auch. Dies lässt ihn authentisch und unaustauschbar erscheinen. Die beste Leistung interessiert nur in zweiter Linie, in erster geht es um das Außerordentliche. Die Reporter legen mehr Wert auf beiläufige Tatsachen, die normalerweise nicht im Vordergrund stehen würden. Fakten werden umhüllt und mit in die Geschichte eingewebt, da eine reine Faktenberichterstattung den Leseransprüchen längst nicht mehr genügt. 20 Attraktiver sind Beiträge die darüber hinausgehen, die hinter die sportlichen Kulissen schauen, ungekannte Einblicke gewähren. Dazu gehören ferner das Interview oder das Portrait.
16 Vgl. La Roche, Walther von: Einführung in den praktischen Journalismus, a.a.O. (S. 142)
17 Weischenberg, Siegfried: Die Außenseiter der Redaktion. Hg. von Prof. Dr. Heinz-Dietrich Fischer. Band 9. Bochum 1976, S. 104
18 Deutscher Fachjournalisten-Verband (DFJV): Fachjournalismus - Expertenwissen professionell vermitteln. Konstanz 2004, S. 18
19 Ebd., S. 24.
20 Beitrag von Barbara Bürer in: Vgl. Haller, Michael: Die Reportage, a.a.O. (S. 225-226)
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Arbeit zitieren:
Bachelor of Arts Sebastian Arndt, 2008, Eine Analyse zur Begriffsproblematik von Reportage und Bericht im Sportjournalismus, München, GRIN Verlag GmbH
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