1 Bibliografische Beschreibung 2
1.1 Referat 2
1.2 Abstract 3
2 Inhaltsverzeichnis 4
3 Verzeichnis über verwendete Abkürzungen 5
4 Der Weg in die Krise 6
4.1 The American Dream 6
4.2 Federal Funds Rate 9
4.3 Der Kredit- und Immobilienmarkt 12
4.4 Adjustable Rate Mortgages (ARM) 16
4.5 Forderungsbesicherte Wertpapiere 18
5 Die Krise macht sich bemerkbar 23
5.1 Zahlungsrückstände und Zwangsversteigerungen 23
5.2 Abschreibungen, Aktienkurse und Insolvenz 29
6 Lösungsversuche 33
6.1 Die Fed 33
6.2 Die amerikanische Politik 38
6.3 Banken und Unternehmen 44
7 Zusammenfassung und Ausblick 46
8 Literaturverzeichnis 48
9 Verzeichnis der Fachworterklärungen 54
10 Abbildungsverzeichnis 56
11 Anlagen 57
5
3 Verzeichnis über verwendete Abkürzungen
ABS Asset Backed Security,
Adjustable Rate Mortgages ARM
Collateralized Debt Obligation CDO
Consumer Price Index CPI
Federal Reserve System Fed oder Federal Reserve
Federal Housing Administration FHA
Office of Federal Housing OFHEO Enterprise Oversight
Real Estate Investment Trust REIT
Special Purpose Vehicle SPV
Die Ursachen für die Subprime-Krise sind komplex und vielschichtig. Jedoch kann man zwei unterschiedliche Ursachenstränge finden. Zum einen haben viele Amerikaner weit über ihre Verhältnisse gelebt und so für ihre Verschuldung gesorgt, zum andern haben die Banken dafür gesorgt, dass Risiken weit verteilt wurden und der Markt deswegen sehr unübersichtlich wurde.
4.1 The American Dream
Die Idee vom amerikanischen Traum wurde zuerst 1931 zusammengefasst. James Truslow Adams beschrieb damals in „The Epic of America“, was er für die allgemeinen Wünsche und Träume der Amerikaner hielt und prägte so den Begriff „American Dream“. Er betonte in seinem Buch besonders die individuelle Freiheit, Gerechtigkeit und die Möglichkeit eines gesellschaftlichen Aufstiegs. Bis heute vertraut die amerikanische Gesellschaft darauf, dass man durch harte Arbeit und eisernen Willen zu mehr Wohlstand kommen kann. Ein Indiz für diesen Wohlstand ist seit langem das Eigentumshaus. Schon 1918 wurde die landesweite Kampagne „Own your own home“ von der
Nachkriegsregierung, im Besonderen dem Department of labor, und verschiedenen Großunternehmern gestartet. Man wollte dadurch die politische Stabilität wiederherstellen und neue Investitionen fördern. Das Eigentumshaus wurde dadurch zum zentralen Gedanken des „American Dream“. Mit der Kampagne wurde deutlich, dass es sich lohnt, für ein Eigentumshaus Schulden aufzunehmen. Diese Mentalität ist bis heute spürbar und Grund für die freiwillige Verschuldung der amerikanischen Gesellschaft. So stellte auch Präsident Georg W. Bush im Juni 2001 in einer Rede fest:
"[H]omeownership lies at the heart of the American Dream. It is a key to upward mobility for low- and middle-income Americans. It is an anchor for families and a source of stability for
7
communities. It serves as the foundation of many people's financial security. And it is a source of pride for people who have worked hard to provide for their families." 1
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges kam ein weiteres Element zum „American Dream“ hinzu: Lifestyle, welcher fast ausschließlich durch Konsum definiert wird.
Auch die noch amtierende US-Regierung um Georg W. Bush hat sich die Förderung von Privateigentum zur Aufgabe gemacht. Man spricht von „Ownership Society“.
"...if you own something, you have a vital stake in the future of our country. The more ownership there is in America, the more vitality there is in America, and the more people have a vital stake in the future of this country." 2 Georg W. Bush, 17.06.2004
Im Juni 2002 veröffentlichte die Regierung das Programm „A home of your own“ zur Umsetzung dieses Ziels. Um vor allem einkommensschwache Familien zu unterstützten, wurde 2003 die „American Dream Downpayment Initiative“ gesetzlich ins Leben gerufen. Die Regierung stellt seitdem jährlich insgesamt $200 Millionen zur Verfügung, damit sich
1 etwa: „Der Besitz eines Eigentumshauses ist der Grundgedanke des amerikanischen Traums. Für einkommensschwache Familien und den Mittelstand ist es der Schlüssel zum Aufstieg. Es ist ein Zufluchtsort für Familien und eine Quelle der Stabilität für die Gemeinschaft. Das Eigentumshaus ist die Basis der finanziellen Sicherheit für viele Menschen. Und es ist der ganze Stolz für Menschen, die hart für die Versorgung ihrer Familien gearbeitet haben.“,
Quelle: Bush, Georg W. (Hrsg.): A Home of Your Own. Expanding Opportunities for all Americans. Seite 4.
2 etwa: „…wenn man etwas besitzt, hat man ein grundlegendes Interesse an der Zukunft des Landes. Je mehr Eigentum es in Amerika gibt, desto mehr Dynamik gibt es in Amerika und desto mehr Menschen haben ein grundlegendes Interesse an der Zukunft dieses Landes.“
Quelle: Office of the Press Secretary (Hrsg.): President's Remarks at the National Federation of Independent Businesses.
8
einkommensschwache Familien ebenfalls ein Eigentumshaus leisten können. Sie erhalten $10 000 oder 6% des Kaufpreises von der Regierung, ohne das Geld zurückzahlen zu müssen. Diese Maßnahmen haben dazu geführt, dass von 1994 bis 2004 der Anteil an Eigentumshäusern erheblich gestiegen ist (vgl. Diagramm 1). Vor allem einkommensschwache Familien konnten sich ihren Traum vom eigenen Haus erfüllen. Während zwischen 1965 und 1994 die Prozentzahl der Eigentumshäuser relative konstant bei 64% blieb, kommt es in den folgenden 10 Jahren zu einem Anstieg von 5% auf 69% 3 . Im 4. Quartal 2004 erreicht dieser Anstieg seinen Höhepunkt. Das U.S. Census Bureau konnte einen Anstieg um 1,2% 4 im Vergleich zum Vorjahr vermerken.
1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008
Erst mit der Erhöhung des Leitzinses der Fed ab 2004 auf über 2% nimmt der Anteil der Eigentumshäuser wieder ab. Dies ist ein Vorbote der noch folgenden Entwicklungen, die ab dem Frühjahr 2007 der breiten Öffentlichkeit bekannt werden.
3 Im Vergleich dazu Deutschland 2002: 42,2% Eigennutzerquote (Statistisches Jahrbuch 2002, S. 283)
4 Eigentumshausanteil: 4. Quartal 2003: 68% im Vergleich zu 4. Quartal 2004: 69,2% 5 Quelle: U.S. Census Bureau (Hrsg.): Homeownership Rates for the U.S. and Regions 1965 to Present.
Zusätzlich zu den günstigen staatlichen Vorraussetzung für einen Eigentumserwerb, gab es 2002 - 2004 ebenfalls einen sehr geringen Leitzins der Federal Reserve, der Zentralbank der Vereinigten Staaten. Ab Januar 2001 wurde der Leitzins innerhalb von nur einem Jahr bis Dezember 2001 von 6% auf 1,75% verringert. Einen ähnlich starken Rückgang des Leitzinses kann man auch wieder ab September 2007 erkennen: Innerhalb von nur 7 Monaten sank der Leitzins von 4,75% auf 2,00%. /siehe Anlage 1/
6,50%
6,00%
5,50%
5,00%
4,50%
4,00%
3,50%
3,00%
2,50%
2,00%
1,50%
1,00%
0,50%
0,00%
2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008
Datum
6 Diagramm 2: Federal Funds Rate - Leitzins der USA
Der Leitzins bestimmt maßgeblich die Konditionen, zu denen Banken Geld verleihen. Um den Zinssatz für einen Kredit zu ermitteln, betrachtet der Kreditgeber grundsätzlich den aktuellen Leitzins und addiert zu diesem Prozentsatz eine Marge 7 hinzu. Diese Marge wird hauptsächlich durch die Bonität des Kunden bestimmt. Kunden mit schlechter Bonität bekommen im Allgemeinen nur einen Kredit mit höheren Zinsen, da die Bank auch ein
6 Quelle: Federal Reserve Board: Intended Federal Funds Rate.
7 Spanne zwischen Leitzins und Kreditzins
Die Marge bestimmt den Gewinn, den die Bank macht, wenn sie das Geld der Notenbank an einen Kreditnehmer weiter vergibt.
10
höheres Risiko eingeht. Bei einem sehr niedrigen Leitzins, welcher zwischen Dezember 2001 und November 2004 mit unter 2% gegeben war, erscheinen daher Kredite und Darlehen für den Kreditnehmer sehr günstig. So hatten 2001 noch 65% der Kreditnehmer einen Kredit mit Zinsen von 6 - 7,9%, Kredite mit weniger als 6% Zinsen waren mit einem Marktanteil von 2,7% kaum vertreten. Im deutlichen Gegensatz dazu stehen die üblichen Zinssätze, die man 2005 zahlen musste: Fast die Hälfte (49,3%) aller Kreditnehmer zahlte Zinsen von weniger als 6%. Der durchschnittliche Zinssatz sank von 7,5% (2001) auf 6% (2005).
2001 2005
60,0%
50,0%
40,0%
30,0%
20,0%
10,0%
0,0%
Vor allem einkommensschwache Haushalte können es sich zu diesem Zeitpunkt leisten, Schulden aufzunehmen und die fällige monatliche Tilgung zu finanzieren. Dadurch wurde es erst möglich, dass eine Vielzahl minderbegüterter Haushalte die Chance erhielt, ein Eigenheim zu erwerben.
Jedoch treten gerade bei solchen finanzschwachen Haushalten schon bei kleinsten Zinserhöhungen Finanzierungslücken auf. Der Betrag der
8 Quelle: U.S. Census Bureau (Hrsg.): American Housing Survey for the United States: 2001 und 2005.
11
monatlichen Tilgung wird größer und es kommt im schlimmsten Fall zu einem Zahlungsausfall.
Dies verdeutlicht ein kleines Rechenbeispiel: Angenommen, man nimmt einen variabel verzinslichen Kredit mit 30jähriger Laufzeit über $ 200.000 auf und muss anfangs 4% Zinsen zahlen, so betragen die monatlichen Ratenzahlungen $ 954,83. Wird der Zinssatz dann nach ein oder zwei Jahren angepasst und dabei auf 6% erhöht, so belaufen sich die monatlichen Raten schon auf $ 1.199,10. Der Kreditnehmer muss also pro Monat etwa $ 244 mehr zahlen. In den USA gab es allerdings auch noch viel schwerwiegendere Zinserhöhungen von über 5%. Dies würde in unserem Beispiel bei einem Zinssatz von 9% eine monatliche Ratenzahlung von $ 1.609,25 - also $ 654 mehr als am Anfangbedeuten. Hier wird schnell deutlich, dass finanzschwache Haushalte bei kleinen Zinsschwankungen schnell die Grenze der möglichen Zahlungsbelastung erreicht haben.
Da viele der Kredite von einkommensschwachen Kreditnehmern mit variablem Zinssatz vereinbart wurden und auch Darlehen sich über kurz oder lang wieder an den Leitzins anpassen, kommt es bei einer Zinserhöhung zu mehr Kreditausfällen und folglich zu einer steigenden Zahl an Zwangsversteigerungen. Genau diese Entwicklungen konnte man ab 2005 beobachten. Mit dem kontinuierlich steigenden Leitzins nimmt auch die Zahl der Zwangsversteigerung ab Mitte 2005 leicht zeitversetzt zu. Die Zeitversetzung folgt daraus, dass es bei einem Zahlungsrückstand nicht umgehend zur Einleitung der Zwangsversteigerung kommt. Ende Juni 2006 erreicht der Leitzins den Höchststand bei 5,25%. Auf diesem Stand bleibt er auch über ein Jahr, bis man sich im September 2007 aufgrund der deutlich gewordenen Immobilienkrise wieder zu einer Herabsetzung entschließt.
In den USA gab es ab 2001 einen lang anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung. Es herrschte nach Ende der Internetkrise 9 ein Liquiditätsüberschuss auf dem Markt. Davon beflügelt, vergaben US-Banken immer leichtfertiger Darlehen an Kunden mit schlechter Bonität. Die Vorraussetzungen für Kreditwürdigkeit waren sehr gering: Eigenkapital und bestimmte Sicherheiten des Kreditnehmers sind kaum gefordert. Solche minderwertigen Kredite werden Subprimes oder auch zweitklassige Hypothekendarlehen genannt. Die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls ist bei diesen Krediten jedoch besonders hoch. Sie lag im 3. Quartal 2008 bei 20%, die von erstklassigen Krediten bei nur 4,3% 10 . Trotzdem ist der Marktanteil der Subprimes zwischen 2001 und 2006 von weniger als 5% auf rund 20% 11 gestiegen. US-Banken haben dieses erhöhte Risiko in Kauf genommen, weil die Immobilienpreise stark anstiegen und eine notwendige Zwangsversteigerung den Kredit decken konnte.
9 Auch bezeichnet als Dotcom-Blase.
10 Quelle: Mortgage Bankers Association (Hrsg.): National Delinquency Survey. Press Release vom 05.12.2008.
11 Quelle: Balzli: Der kranke Gorilla. In: Der Spiegel 5/2008, S.25.
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Kristina Riedel, 2008, Die Immobilienkrise in den USA, München, GRIN Verlag GmbH
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