Einleitung
Inhalt
1 Einleitung. 2
2 Definition „Praxeologie“ 3
3 Die Idee einer auf Prinzipien beruhenden Pädagogik 5
3.1 Prinzip der Bildsamkeit 7
3.2 Prinzip der Aufforderung zur Selbsttätigkeit. 8
3.3 Prinzip der Überführung gesellschaftlicher in pädagogische
Determination 9
3.4 Prinzip der nicht-hierarchischen und nicht-teleologischen
Ordnung der menschlichen Gesamtpraxis. 11
3.5 Die Verbindung zur Praxeologie 11
4 Darstellung der Theorie zur Lebensweltorientierung 12
4.1 Der Lern-Ansatz von MEYER-DRAWE 12
4.2 Der kommunikative Ansatz von MOLLENHAUER 15
5 Die Verbindungslinien zwischen BENNERs Praxeologie und der
lebensweltorientierten Pädagogik. 16
6 Literaturverzeichnis 21
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Einleitung
1 Einleitung
Schon immer hat es unterschiedliche Auffassungen darüber gegeben, in welchem Verhältnis Theorie und Praxis der Pädagogik zueinander stehen (vgl. dazu z.B. den Zeitschriftenartikel „Das Verhältnis von Theorie und Praxis im Wandel von der prinzipienwissenschaftlichen zur skeptischen Pädagogik“ von BREINBAUER (BREINBAUER (1994)) oder den Artikel „Auf der Suche nach ihrer Praxis. Zum Gegensatz von ‚ermutigender Pädagogik’ und ‚enttäuschter Erziehungswissenschaft’“ von FLITNER (Flitner (1991))).
In dieser Arbeit werde ich mich mit dem Theorie-Praxis-Verständnis von Dietrich BENNER auseinandersetzen und näher beleuchten, in welchem Verhältnis sein Konzept einer Allgemeinen Pädagogik zu dem Konzept der lebensweltorientierten Pädagogik, wie sie beispielsweise Käte MEYER-DRAWE oder Klaus MOLLENHAUER vertreten, steht. Die Arbeit ist überschrieben mit „Der Praxeologiebegriff bei Dietrich Benner und die Lebensweltorientierung“. Doch was bedeutet der Begriff „Praxeologie“? Diese Frage versuche ich im zweiten Kapitel zu klären. Dort wird zuerst eine allgemeine Definition gegeben, bevor auf die Definitionen von Josef DERBOLAV und Dietrich BENNER eingegangen wird. Josef DERBOLAV habe ich herangezogen, weil sich Benner in seiner „Allgemeinen Pädagogik“ (Benner (2001), S. 22) auf ihn bezieht und meines Erachtens seine Definition der Praxeologie auf DERBOLAVs Differenzierung der menschlichen Gesamtpraxis in Einzelpraxen fußt. Im dritten Kapitel gehe ich auf die prinzipiengerichtete Pädagogik BENNERs ein, da BENNER mit einer auf Prinzipien beruhenden Pädagogik sein Konzept der Praxeologie beschreibt. Pädagogik ist seiner Meinung nach nur dann eine menschliche Pädagogik, wenn sie ihre Praxis, aber auch ihre Theorie an den vier beschriebenen Prinzipien ausrichtet und reflektiert. Deshalb sind die Prinzipien grundlegend für das Verständnis des BENNERschen Praxeologiebegriffs. Mit den Ansichten der lebensweltorientierten Pädagogik (insbesondere mit den Ansichten von MEYER-DRAWE und MOLLENHAUER) beschäftigt
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Definition „Praxeologie“
sich das vierte Kapitel. Hier geht es darum, aufzuzeigen, mit welchen Grundannahmen die Autoren ihre Pädagogik füllen und die Praxis gestalten wollen. Ich werde explizit auf MEYER-DRAWEs Begriff des Lernens eingehen, da ihr Bezug zur Lebenswelt an diesem Beispiel deutlich wird. Aber auch der kommunikative Ansatz MOLLENHAUERs weist Parallelen zur prizipiengeleiteten Pädagogik BENNERs auf, die ich abschließend im fünften Kapitel darstelle. Dieses fünfte Kapitel widmet sich abschließend dem Vergleich der Auffassungen der
lebensweltorientierten Pädagogik und den von BENNER aufgestellten Prinzipien und seiner mit diesen Prinzipien entwickelten Pädagogik.
2 Definition „Praxeologie“
Bevor ich den Begriff der „Praxeologie“ überhaupt verwende, möchte ich versuchen, eine Definition des Begriffes zu geben. Etymologisch bedeutet ‚Praxis’ „Erfahrung, tatsächliche Betätigung“. ‚logie’ deutet auf eine „Wissenschaft von, Lehre von“ hin (Seebold (2002)). So kann man den Begriff der Praxeologie deuten als die Lehre der Praxis.
Im Allgemeinen wird der Begriff mit „Wissenschaft vom Handeln“ (Duden (1997), S. 654) beschrieben. Diese Definition lässt erst einmal darauf schließen, dass die Wissenschaft Handlungsanweisungen bereitstellt und so die Praxis (das Handeln) anleitet. Josef DERBOLAV spricht von einer Unterscheidung zwischen „Erkenntniswissenschaften (wie Physik, Biologie, Psychologie, Soziologie, Geistes- oder Gebildewissenschaften usw.) und praktischen Wissenschaften (wie Technik, Ökonomie, Medizin, Pädagogik, Rechts-und Wehrwissenschaften, Journalistik und Szientistik, Kunst- und Religionspraxis). (Dabei; JV) stellen (die praktischen Wissenschaften; JV) wissenschaftliche Reflexionsformen von Aufgaben dar, die sich zur Behebung konstitutiver Notstände bzw. zur Erfüllung zentraler gesellschaftlicher Bedürfnisse konstituiert haben“ (Derbolav (1984), S. 503). DERBOLAV unterscheidet in der Pädagogik zwischen der Erziehungswirklichkeit und der Erziehungswissenschaft. Die
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Definition „Praxeologie“
Erziehungswissenschaft soll seiner Meinung nach „die implizite vorwissenschaftlich-normative Theorie dieser Praxis (die der Erziehungswirklichkeit; JV) auf ein reflektiertes Niveau heben und das pädagogische Handeln unter eine kritisch vermittelte Verantwortung stellen“ (ebd., S. 504). Praxeologie wird von DERBOLAV also definiert als eine Wissenschaft, die wissenschaftlich fundierte Reflexionsformen bereitstellt, an denen sich eine tätige Praxis orientieren kann und an denen die ‚praktischen Theorien’ der Praxis überprüft werden können. Auch bei Dietrich BENNER kann man eine Definition der Praxeologie ableiten, wenn er fordert, dass die „Pädagogik als praktische Wissenschaft von der und für die Erziehung (…) als eine praxeologischexperimentelle Wissenschaft verstanden werden“ muss (Benner (1972), S. 26). Diese Forderung resultiert aus den damaligen (der Artikel ist von 1972) Tendenzen der pädagogischen Wissenschaft, sich zu einer technologischen Wissenschaft zu entwickeln, die die subjektiven Elemente der Wissenschaft ausklammern wollte und alle Forschung darauf richtete, pädagogische Wirkungen objektiv zu erklären. BENNER hat den Wandel der Pädagogik von einer praktischen Wissenschaft zu einer technischen Disziplin in dem oben genannten Artikel beschrieben und fordert von der Pädagogik, sich zu einer praktischen Erfahrungswissenschaft zu erweitern, denn nur so könne sie die ihr gestellten Aufgaben, die erzieherische Praxis anzuleiten und ihr eine Orientierung zu geben, erfüllen (vgl. ebd. S. 25 f.). BENNER beschreibt mit dem Begriff der Praxeologie das praktisch orientierte Verhältnis von Theorie und Forschung und Praxis. Eine praxeologisch ausgerichtete Pädagogik muss also auch nach BENNER handlungsleitend und orientierend für die erzieherische Praxis sein und es ihr ermöglichen, auf einer allgemeinen Ebene ihre Praxis reflexiv zu überprüfen.
Somit ist der Begriff, den der Duden gebraucht, zu eng gefasst. Sowohl BENNER als auch DERBOLAV beschreiben mit dem Begriff der Praxeologie eine Reflexionsebene, die sich die Pädagogik zunutze machen kann, um ihre alltägliche Praxis kritisch zu hinterfragen.
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Die Idee einer auf Prinzipien beruhenden Pädagogik
3 Die Idee einer auf Prinzipien beruhenden Pädagogik
Um die Forderung, einer erzieherischen Praxis auf einer allgemeinen Ebene Orientierung und Reflexion zu bieten, verwirklichen zu können, muss eine allgemeine Pädagogik entwickelt werden, die sich nicht versteht als eine konkrete Handlungsanweisungen gebende Disziplin, sondern die sich nach einem Grundgedanken richtet, der sich im menschlichen Handeln selbst schon befindet. BENNER geht in seiner Allgemeinen Pädagogik von sechs Grundpraxen aus, die konstitutiv für das menschliche Zusammenleben sind. Es sind die Praxen der Ökonomie, der Ethik, der Politik, der Kunst, der Religion und der Pädagogik. Da Benner zufolge diese sechs Grundpraxen grundlegend für das menschliche Dasein sind, die Praxen unter sich aber nicht in einer gegebenen, vorher festgesetzten Ordnung und Harmonie zueinander stehen, ist es notwendig, eine praxeologische Theorie zu entwerfen, die jedoch nicht die menschlichen Handlungsvollzüge in die einzelnen Praxen einzuordnen versucht, sondern die nach dem Verhältnis der Einzelpraxen und der sich daraus ergebende Einheit menschlichen Handelns fragt. (vgl. Benner (2001), S. 22 ff.)
BENNER geht davon aus, dass diese einzelnen Praxen der menschlichen Gesamtpraxis in einem nicht-teleologischen und nichthierarchischen Verhältnis zueinander stehen müssen (er hat also ein anderes Verständnis von der Ordnung der Einzelpraxen zueinander als DERBOLAV, der der politischen Praxis einen Primat einräumt (vgl. dazu Benner (1976))). Die nicht-hierarchische Verhältnisbestimmung der einzelnen Praxen der menschlichen Gesamtpraxis entlehnt BENNER Eberhard GRUBER, der sich in seiner Abhandlung „Nichthierarchische Verhältnistheorie und pädagogische Praxis“ mit dem MARXschen Begriff des Wesens und dessen Auseinandersetzung mit der es umgebenden Natur befasst. Dabei wird festgestellt, dass ein Wesen, welches nur für sich allein lebt und in keinem Verhältnis zu anderen Wesen steht, ein „Unwesen“ sein muss und nicht existieren kann (vgl. Gruber (1997),
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Arbeit zitieren:
Jan Versteegen, 2003, Der Praxeologiebegriff Dietrich Benners und die Lebensweltorientierung, München, GRIN Verlag GmbH
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