Einsatz von Computerprogrammen im Musikunterricht
der Realschule am Beispiel von Band-in-a-Box
Anwendungsbeispiele und Lehrgangsskript
Zulassungsarbeit in der Philosophischen Fakultät und Fachbereich Theologie
der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
vorgelegt von
Barbara Weidler
Prüfungstermin: Herbst 2010
1
Einsatz von Computerprogrammen im Musikunterricht
der Realschule am Beispiel von Band-in-a-Box
Anwendungsbeispiele und Lehrgangsskript
1. Musiksoftware im Musikunterricht
4
2. Softwaretypologie
4
2.1 Allgemeine Softwareübersicht nach Gerald Joswowitz
5
2.1.1 Notensatzprogramme
5
2.1.2 Recording und Editing
7
2.1.3 Sequenzer
7
2.1.4 Software zur Musikproduktion
9
2.1.5 Multimedia
9
2.2 Softwaretypologie nach Auerswald
11
2.3 Softwaretypologie nach Ahlers
12
2.4 Vergleich der Typologien
12
2.5 Typologie von Band-in-a-Box
13
3. Anwendung von Band-in-a-Box im Musikunterricht der Realschule
14
3.1 Vorausgehende Überlegungen
15
3.1.1 Technische Voraussetzungen
15
3.1.2 Methodische Voraussetzungen
16
3.1.3 Finanzierung
19
3.1.4 Zeitfaktor
19
3.2 Unterrichtsentwürfe mit Band-in-a-Box
20
3.2.1 Harmonielehre
20
3.2.2 Arbeiten mit Playbacks
24
3.2.2.1 Erklärung des Begriffs ,,Playback"
24
3.2.2.2 Vor- und Nachteile von Playbacks
25
3.2.2.3 Beispiel aus der Unterrichtspraxis
27
3.2.3 Vergleich von automatisierter Musik und Originalmusik
27
3.3 Einsatz in Schülerbands
30
2
4. Lehrgangsskript zu ausgewählten Themen
32
4.1 Intro erstellen
32
4.2 Arbeiten mit MIDI
35
4.2.1 Definition MIDI
35
4.2.2 Bearbeitung eines MIDI-Arrangements
36
4.2.2.1 Zuordnung von Instrumenten
38
4.2.2.2 Kanäle ein- und ausblenden
39
4.2.2.3 Piano Handsplit
43
4.2.3 Import einer einzelnen MIDI-Melodie
44
4.3 Arbeiten mit Karaoke
46
4.3.1 Dateiformat
46
4.3.2 Quellen
47
4.3.3 Öffnen einer Karaoke-Datei
47
4.3.4 Erstellen einer Karaoke-Datei
48
4.4 Der Audioakkord-Wizard
50
4.5 Melodist/ Solist
54
4.6 Erstellen eines Multistylesongs
58
4.7 Notation und Druck
60
4.7.1 Darstellungen
61
4.7.2 Bearbeiten einer vorhandenen Melodiestimme
63
4.7.3 Manuelle Eingabe einer Melodie
66
4.7.4 Druckoptionen
68
4.7.4.1 Einstellungen für einzelne Stimmen
68
4.7.4.2 Erstellung einer Partitur
73
5. Ausblick
76
6. Anhang
77
6.1 Literaturverzeichnis
78
6.2 Arbeitsblätter
80
3
1
Musiksoftware im Musikunterricht
,,Jedem Kind ein Instrument" ist ein Projekt im Ruhrgebiet, das bis zum Jahr 2010
jedem Grundschüler ermöglichen soll, ein selbst gewähltes Instrument zu
erlernen. Für weiterführende Schulen ist zu überlegen, ob die Forderung nicht
,,Jedem Schüler einen Computer" heißen könnte. Denn mit dem breiten Angebot
von Musiksoftware zur heutigen Zeit kann man inzwischen jeden Computer in ein
Musikinstrument verwandeln. Musik aufzunehmen, zu bearbeiten, oder durch den
Computer Musik erstellen zu lassen, ist in der heutigen Zeit mit der richtigen
Software durch wenige Mausklicks möglich. Was die Schüler mitbringen müssen?
Erfahrung im Umgang mit dem Computer, die die Schüler von heute ohnehin
haben, oft sogar mehr als der Lehrer. Eine musikalische Vorbildung ist jedoch
nicht unbedingt notwendig, da der Computer die Musik macht. Mit Band-in-a-Box
kann der Schüler ein paar Akkorde eingeben, einen passenden Stil auswählen und
im Handumdrehen hat der Schüler seinen eigenen Song geschaffen. Vielleicht ist
das nicht die Art von Musik, die die Politiker im Rahmen des Projekts ,,Jedem Kind
ein Instrument" gefordert haben, jedoch hat ist das Ergebnis ähnlich: Motivation
und die Erfahrung selbst Musik machen zu können. Diese Arbeit soll nun nach
Klärung des Softwarebegriffs veranschaulichen, wie im Musikunterricht das
Programm Band-in-a-Box eingesetzt werden kann.
2
Softwaretypologie
Genauso lang wie der Computer mit der entsprechenden Software zum
Bearbeiten von musikalischen Daten eingesetzt wird, gibt es auch zahlreiche
Versuche, die verschiedenen Softwaretypen in Kategorien zusammen zu fassen.
Bereits im Jahr 1989 unterschieden Bernd Enders und Wilfried Gruhn zwischen
,,Programmen, die den Computer in ein Musikinstrument verwandeln oder eine
musiktechnische Symbiose von steuerndem Computer und angeschlossenen
Musikinstrumenten gestatten, Programme, die den Computer zum Komponieren
verwenden und Programme, die den Computer in eine Notendruckmaschine
verwandeln."
1
1 Enders, Gruhn 1989: S. 285-286 in
Ahlers, Michael: Schnittstellenprobleme im Musikunterricht. Wißner-Verlag, Augsburg 2009
4
Heutzutage gibt es immer mehr Musiksoftware, die möglichst viele Funktionen in
sich vereint. Der Trend entfernt sich von Programmen, die nur eine Funktion, wie
z.B. Aufnahme und Wiedergabe von Audiospuren haben, und geht hin zu
Softwaretypen, die möglichst viele Funktionen unter einem Dach vereinen. Gerade
aus diesem Grund wird es mit zunehmender Softwaretechnologie immer
schwieriger, Musiksoftware in Kategorien zu unterteilen. Die Versuche zur
Kategorisierung spiegeln die Subjektivität desjenigen wieder, der die Einteilung
vorgenommen hat. Je nachdem auf welchen Bereich der Musiksoftware der
Kategorisierende Wert legt, ist dort die Unterteilung präziser gestaltet. Im
Folgenden werden nun drei Versuche zur Kategorisierung von Musiksoftware
vorgestellt und im Anschluss daran steht ein Einordnungsversuch von Band-in-a-
Box.
2.1
Allgemeine Softwareübersicht nach Gerald Joswowitz
Gerald Joswowitz klassifiziert in seinem Buch ,,Computer im Musikunterricht"
2
die
verschiedenen Musiksoftwaretypen nach ihren Funktionen, bzw. Leistungs-
schwerpunkten. Dadurch ergeben sich folgende Bereiche: Notensatzprogramme,
Recording und Editing, Sequenzer, Software zur Musikproduktion und Multimedia.
Er weist jedoch darauf hin, dass es nur schwer möglich ist, genaue Grenzen
zwischen den einzelnen Softwaretypen zu setzen, da viele Anwendungsgebiete
von mehreren Programmen gleichzeitig abgedeckt werden. Anhand dieser
Kategorisierung sollen nun die einzelnen Softwaretypen und deren Funktions-
weisen zum leichteren Verständnis im folgenden Text erklärt werden.
2.1.1 Notensatzprogramme
Ein Notensatzprogramm beschäftigt sich hauptsächlich mit der grafisch korrekten
und übersichtlichen Darstellung von Noten. Bei dieser Art von Programmen kann
man Notentext manuell über Tastatur oder Maus eingeben, als MIDI-Datei
(Erklärung MIDI s. Kap. 5.2.1) importieren, oder mit einem MIDI-Keyboard
einspielen.
2 Joswowitz, Gerald. Computer im Musikunterricht. Gustav Bosse Verlag, Kassel 2003
5
Anschließend kann man die Notation grafisch bearbeiten und ausdrucken. Im
Detail bedeutet das, dass man unter anderem die Anzahl der Takte pro Zeile,
Anzahl der Zeilen pro Seite und notenbezogenen Songtext eingeben und
festlegen kann. Das Notensatzprogramm übernimmt dabei eine tragende Rolle
was das automatische Layouten der Musik betrifft. Standardfunktionen sind
außerdem automatische Taktnummerierung, Transponieren und der Export in eine
MIDI-Datei. Dieses Dateiformat hat den Vorteil, dass man es in jedem
Notensatzprogramm wieder öffnen kann, der Nachteil ist jedoch, dass das Layout
der Partitur nicht in der MIDI-Datei gespeichert wird. Z.B. kann es vorkommen,
dass Noten mit Balken anders gruppiert werden, oder zwei Stimmen in ein System
zusammengefasst werden. Jedes Notensatzprogramm besitzt daher seine eigene
Dateiendung, die auch die grafische Bearbeitung speichert. Eine genormte
Dateiendung von Notensatzprogrammen kann wohl in näherer Zeit nicht erwartet
werden. Die verschiedenen Hersteller grenzen sich eher voneinander ab. Weit
verbreitete Notensatzproramme für Windows sind z.B. Capella, Finale, Score
Perfect und Sibelius. Die Unterschiede zwischen den verschiedenen
Notensatzprogrammen liegen vor allem im Preis, der dann die maximale
Stimmanzahl pro Arrangement oder Sonderfunktionen, wie das Erkennen von
eingescannten Noten oder das Schreiben von Tabulaturen festlegt. Gerald
Joswowitz weist darauf hin, dass man beim Kauf eines solchen Programms auf
das Preis-Leistungsverhältnis achten sollte. Unter anderem sind dabei folgende
Parameter zu beachten:
Upgradefähigkeit: meistens gibt es von einem Notensatzprogramm
unterschiedliche Versionen, die preislich und nach Leistungsfähigkeit
gestaffelt sind. So kann man mit einer preisgünstigen Version anfangen und
sich für einen Aufpreis die nächsthöhere Version kaufen und muss sich
nicht von vornherein eine teure Version mit Funktionen kaufen, die man zu
diesem Zeitpunkt noch gar nicht benötigt.
Bedienerfreundlichkeit und Visualisierungsmöglichkeiten: darunter
fallen ein übersichtlich gestaltetes Menü, einfach erreichbare Dynamik- und
Notenzeichen sowie die Übersichtlichkeit beim Abspielen der eingegebenen
Noten.
6
Noteneingabe: ein wichtiger Parameter bei der Noteneingabe ist die
Schnelligkeit, denn der Nutzer will in möglichst kurzer Zeit ein gutes
Ergebnis erhalten. Es gibt mehrere Möglichkeiten zur Noteneingabe,
nämlich die Eingabe über die Tastatur, mit der Maus, über ein MIDI-
Instrument oder über einen Scanner. Je nachdem wie man mit der Art der
Noteneingabe bei einem Programm zurecht kommt, sollte man sich
dementsprechend für ein Notensatzprogramm entscheiden.
Zuvor kann man die Demoversionen der einzelnen Programme testen. Diese sind
meistens auf den Herstellerseiten als Download verfügbar. Ein Vergleich der
verschiedenen Programme lohnt sich bei solch einer dauerhaften Anschaffung.
2.1.2 Recording und Editing
Unter Recording und Editing oder dem sogenannten Harddiskrecording versteht
man die Umwandlung von analogen Audiosignalen in die digitale Form. Das
geschieht bei der Aufnahme von Instrumenten oder Stimmen auf mehrere
Tonspuren, die dann anschließend als digitale Daten vorliegen und beim nächsten
Abspielen wiederum als Schall wiedergegeben werden. Beide Prozesse, also
Aufnahme und Wiedergabe werden als Sampling bezeichnet. Die entsprechende
Software übernimmt dabei die Aufnahme und Wiedergabe sowie den Kontakt von
der Aufnahmequelle, dem Mikrofon zum Computer. Im Anschluss an die Aufnahme
kann die Aufzeichnung bearbeitet und z.B. gespeichert oder auf CD gebrannt
werden. Die meisten Harddiskrecording-Programme speichern die aufge-
nommenen Dateien als wave, AIFF oder mp3. Beim Bearbeiten kann man je nach
Software z.B. die Geschwindigkeit, Lautstärke und Tonhöhe verändern,
Störgeräusche entfernen, die Aufnahme schneiden und Effekte, wie Hall und
Verzerrung, einfügen. Für Windows gibt es z.B. folgende sogenannte
Audioeditoren: Acoustica, Adobe Audition, Audacity (freie Software), WaveLab und
Wavosaur (freie Software).
2.1.3 Sequenzer
Als Sequenzer werden nicht nur Software, sondern auch Geräte, also Hardware
bezeichnet, die die Aufnahme, Verarbeitung und Wiedergabe von MIDI-Signalen
ermöglichen. Im Folgenden wird jedoch nur auf die Software eingegangen.
7
Sequenzersoftware ist also der Vermittler zwischen MIDI-Instrument und
Computer. Die Programme sind mit ihren Bedienknöpfen meistens einem
Kassettenrecorder nachempfunden. Es gibt demnach die Bedienfelder
,,Aufnahme", ,,Play", ,,Pause" und ,,Vor- und Zurückspulen". Hinzu kommen noch
Felder, die das Tempo, die Taktart und die verstrichene Zeit angeben. Bei der
Aufnahme einer Stimme über ein MIDI-Instrument wird die Aufzeichnung einer
Spur zugeordnet. Es können mehrere Spuren hintereinander aufgenommen
werden und später gleichzeitig abgespielt werden. Die auf die Spuren
aufgenommenen Signale, wie Tonhöhe, Dauer, Lautstärke und Anschlagdynamik
können im Anschluss in der grafischen Oberfläche bearbeitet werden. In den
meisten Sequenzerprogrammen werden die Signale entweder als Noten oder als
sogenannte Pianorolle visualisiert. In dieser Darstellung werden die Parameter
Tonhöhe und Tondauer als horizontale Balken in einer Zeitleiste angezeigt. Damit
man erkennt, welcher Balken welche Note darstellt, ist am linken Rand eine
Klaviertastatur angebracht
3
:
Die einzelnen Balken können leicht durch Klicken und Ziehen mit der Maus,
sowohl vertikal als auch horizontal verschoben werden. Außerdem kann man den
Spuren verschiedene Instrumente zuordnen. Alternativ kann man auch direkt im
Notentext die Aufnahme bearbeiten, jedoch ist die Notendarstellung nicht so
professionell wie bei einem Notensatzprogramm. Gespeichert wird die bearbeitete
Datei als MIDI und erlaubt somit einen Austausch und eine Weiterverarbeitung in
anderen Programmen.
3 Pianorollendarstellung des Sequenzers Samplitude
http://www.samplitude.com/uploads/SAMPLITUDE/basisfeature_pics/basis_pianoroll.jpg
8
2.1.4 Software zur Musikproduktion
Software, mit der man Musik produzieren kann, vereint in sich mehrere
Programmtypen: Sequenzer, Recording und Editing sowie Notensatz. Diese Art
von Software wird auch als Audio/ MIDI-Sequenzer bezeichnet. Das Grundprinzip
sind aufgenommene MIDI- oder Audiodateien, die mit fertigen Patterns des
Programms beliebig miteinander zu einem Musikstück kombiniert und
anschließend bearbeitet werden können.
Aufgrund der vorhandenen Vielfalt dieser Art von Programmen ist es schwierig,
deren Funktionsweise universell zu beschreiben. Deshalb sind die von Gerald
Joswowitz in diesem Zusammenhang aufgeführten Programme Cubase,
Cakewalk, Logic sowie ACID und Band-in-a-Box hier exemplarisch genannt. Im
Folgenden soll nun Cubase kurz charakterisiert werden.
Cubase ist eine Software, mit der man professionell Musik bearbeiten und
komponieren kann. Diese Software vereint etliche Funktionen zur
Musikbearbeitung unter einem Dach, z.B. besitzt das Programm einen MIDI-
Sequenzer, ausgereifte Funktionen zum Recording und Editing von Audiodaten,
einen eingebauten Mixer, mit dem man professionelle Stereo- und
Surroundsounds mischen kann und Effekte, mit denen z.B. Dynamik, Modulation
und diverse Filter in das Arrangement eingebaut werden können. Außerdem stellt
das Programm erstklassige Instrumente und Sounds in nahezu jeder Stilrichtung
zur Verfügung. Das Programm hat zudem einen hochwertigen Notensatz, mit dem
das fertige Arrangement auf MIDI-Basis ausgedruckt werden kann.
2.1.5 Multimedia
Der Computer in der heutigen Zeit kann als Multimedium bezeichnet werden. Er
besitzt durch die entsprechende Software die Fähigkeit, digitale Medien, wie Text,
Grafik, Audio und Video gleichzeitig anzuzeigen. Alle bisher besprochenen
Softwaretypen fallen in diese Kategorie.
Zu weiteren Vertretern dieser Art zählen Abspielgeräte, die nur für das Abspielen
von Audio- und Videodateien und das Anzeigen von Bildern zuständig sind, aber
keine Bearbeitung der Dateien ermöglichen.
9
Gerald Joswowitz ordnet der Kategorie ,,Multimedia" folgende Unterkategorien zu:
Lexika/ Datenbanken, Lernprogramme, Virtuelle Instrumente und Zubehör. Ein
bekanntes Lexikon für klassische Musik ist z.B. das ,,Ullstein Multimedia Lexikon
der Musik"
4
als CD-Rom. Es enthält eine Chronik der Musikgeschichte, eine
Instrumentenkunde, Text-, Musik- und Bildbeispiele zu klassischen Werken sowie
Klangbeispiele. Je nach Interesse kann man sich in diesem Lexikon durch die
grafische Oberfläche klicken, ähnlich wie in einem Onlinelexikon. Speziell für
Musikpädagogen gibt es eine Musikdatenbank des AfS (Arbeitskreis für
Schulmusik) ,,MUPÄDAT"
5
(Musikpädagogische Datenbank), die ein Literatur-
verzeichnis von musikalischen Unterrichtswerken mitsamt Quellenangaben
beinhaltet. Lernprogramme für Musik gibt es für alle möglichen Bereiche und in
zahlreichen Ausführungen. Vor allem in der Musiktheorie, darunter Intervallkunde,
Gehörbildung, Quintenzirkel, Notenlesen und Instrumentenkunde lassen sich
Lernprogramme gut einsetzen. Sie sind meistens interaktiv und können vom
Schüler selbst ohne Anleitung durch einen Lehrer angewendet werden. Ihre
Aufgabe ist es, einen Sachverhalt zu vermitteln, zu wiederholen, Übungen
durchzuführen und das vermittelte Wissen zu festigen.
Virtuelle Instrumente sind Softwareinstrumente, die echte Instrumentenklänge
enthalten und über MIDI-Informationen ansteuerbar sind. Im Zuge dieser virtuellen
Instrumente nennt Gerald Joswowitz die Synthesizerklänge, die am Anfang der
70er Jahre des 20. Jahrhunderts durch Stockhausen oder Gruppen wie Kraftwerk
bekannt wurden. Auch heute noch werden die künstlich erzeugten Klänge gerne
wieder aufgegriffen, um diese authentischen Klänge von damals mit modernen
Synthesizern nachzubilden.
Der letzten Unterkategorie der Multimediasoftware, dem Zubehör, ordnet Gerald
Joswowitz alle Softwaretypen zu, die noch keinem der Bereiche zugeordnet
werden konnten. Die Schwierigkeit im Zuordnen liegt unter anderem darin, dass
diese Programme Abwandlungen oder Kombinationen aus den genannten
Softwaretypen sind, aber noch keine eigene Kategorie haben.
4 http://www.musica.at/software/cdrom/ullstein.htm
5 http://www.mupaedat.de/
10
Darunter fallen seiner Meinung nach hochprofessionelle Audioanalyseprogramme
und Restaurierungssoftware, mit deren Hilfe man alte Aufnahmen von
Schallplatten, Kassette oder Tonband von Störgeräuschen befreien und wieder auf
CD brennen kann.
2.2
Softwaretypologie nach Auerswald
Stefan Auerswald unterteilt die verschiedenen Softwaretypen anhand von
Tätigkeitsfeldern, wie man mit Musik in Berührung kommt. Mit Musiksoftware kann
man sich demnach informieren, bilden, Musik bearbeiten oder sich unterhalten.
Daraus ergibt sich nach Auerswald
6
eine Kategorisierung in Werkzeugprogramme,
Lehr- und Lernprogramme und Multimediale (Informations-) Programme. Die
Werkzeugprogramme dienen der Aufnahme, Speicherung, Bearbeitung und
Wiedergabe von musikalischen Daten. Auerswald unterteilt diese Werkzeug-
programme in MIDI-basierte Software, darunter fallen Notations- und Sequenzer-
programme sowie Arrangerprogramme und in auf Sampling basierende
Programme wie Software zur Soundbearbeitung und Harddisk-
recordingprogramme. Er weist jedoch darauf hin, dass er nur die Programme
kategorisiert, die für den handlungsorientierten Musikunterricht relevant sind. Der
Begriff ,,Arrangerprogramme" entspricht im Wesentlichen der von Gerald
Joswowitz als ,,Software zur Musikproduktion" bezeichneten Kategorie. Im
Unterschied zu Joswowitz grenzt Auerswald die multimedialen Informations-
programme zu den Lehr- und Lernprogrammen ab.
Neue Formen von Lexika, wie z.B. das ,,Ullstein Musiklexikon"
7
fallen bei
Auerswald in die Kategorie der multimedialen Informationsprogramme. Diese
Unterscheidung ergibt sich durch das gezielte Üben im Bereich der Lernsoftware
und die reine Informationssammlung im Bereich der multimedialen
Informationsprogramme.
6 Auerswald, Stefan: Der Computer im handlungsorientierten Musikunterricht. Wißner-Verlag,
Augsburg 2000, S.37ff
7 http://www.musica.at/software/cdrom/ullstein.htm
11
2.3
Softwaretypologie nach Ahlers
Michael Ahlers unterscheidet die Softwaretypen in Lehr- und Übungsprogramme,
offene Lehrsysteme, Lernspiele, Experimentier- und Simulationsumgebungen,
Kommunikations- und Kooperationsumgebungen, Datenbestände und
Werkzeuge
8
. An dieser Unterteilung erkennt man bereits, dass Ahlers die Lern-
und Übungsprogramme, wie sie von Auerswald und Joswowitz bezeichnet
werden, noch einmal genauer unterteilt. Lehrprogramme haben ein spezifisches
Themengebiet und sollen dem Benutzer neue Inhalte vermitteln. Übungs-
programme sind ebenso wie Lehrprogramme zum Selbststudium gedacht, sollen
aber anders als Lehrprogramme bereits vorhandenes Wissen durch Übungen
festigen. Mit offenen Lehrsystemen sind grafisch visualisierte Themen-
zusammenhänge gemeint. Das bedeutet, dass die Inhalte untereinander vernetzt
und didaktisch und multimedial aufgearbeitet sind. Für den Bereich der
Musikpädagogik gibt es nur wenige Softwareprodukte mit dieser Funktionsweise.
Experimentier- und Simulationsumgebungen sind Programme, bei denen reale
oder fiktive Zustände dargestellt werden. Diese Zustände können verändert und
deren Folgen durch den Nutzer beobachtet werden. So kann ein Nutzer
Hypothesen prüfen und aus seinen Beobachtungen lernen.
2.4
Vergleich der Typologien
Alle drei Kategorisierungen haben gemeinsam, dass sie die hier relevanten Arten
von Musiksoftware erfassen. Nur die Schwerpunkte sind jeweils anders gesetzt.
Gerald Joswowitz ist vor allem am praktischen Einsatz in der Schule interessiert
und gibt sich Mühe, dem Leser sinnvolle Tipps zur Anschaffung von Software zu
geben, indem er die Vor- und Nachteile gegenüberstellt. Wie bereits erwähnt
spezialisiert sich Miachel Ahlers auf die Lehr- und Übungsprogramme. In seine
Unterteilung fließen Erfahrungen aus dem Bereich der Medienpädagogik und der
Anwendung im Musikunterricht mit ein. Stefan Auerswald schafft drei große
Kategorien anhand von Tätigkeitsfeldern in der Musik, die er nochmals genauer
unterteilt.
8 Ahlers, Michael: Schnittstellenprobleme im Musikunterricht, S. 26ff
12
Die Softwaretypen Sequenzer, Notensatzprogramme, Programme zum Recording
und Editing, Arrangerprogramme und Lehr- und Lernsoftware sind bei allen
vorhanden, nur die Namensgebung und die Feinheit der Unterteilung sind
unterschiedlich. Anhand dieser Beschreibungen soll nun versucht werden, Band-
in-a-Box einzuordnen.
2.5
Typologie von Band-in-a-Box
Um das Programm Band-in-a-Box einordnen zu können, muss man zunächst die
Funktionen und die Art der Datenverarbeitung betrachten. Band-in-a-Box ist ein
Programm zum Erstellen von Playbacks. Der Benutzer gibt in ein grafisches
Akkordfenster die Akkorde seines Liedes ein und Band-in-a-Box kreiert daraus
einen Song. Dabei sind die Grundlage vorgefertigte MIDI-Patterns, die zu einem
Arrangement zusammengefügt werden. Der Benutzer kann zwischen etlichen
Styles wählen und so entscheiden, ob das Arrangement z.B. wie ein Walzer, ein
Bossa Nova oder ein Reggae klingen soll. Außerdem hat das Programm einen
integrierten Solisten und Melodisten, die im Stile bekannter Jazzgrößen Soli oder
Melodien über das vorhandene Arrangement spielen können. Der eingebaute
Sequenzer auf der Solo- und Melodiespur erlaubt zudem das Importieren von
MIDI-Arrangements und das Aufnehmen von Gesang oder Instrumenten. Auch
Übungsmöglichkeiten, wie verschiedene Wizards für Gehörbildung, Dirigieren,
oder zum Einüben einer Gitarren- oder Klavierstimme sind in diesem Programm
enthalten. Ein fertiges Arrangement kann im Notationsmodus bearbeitet und
stimmenweise oder als ganze Partitur ausgedruckt werden.
Band-in-a-Box hat viele Softwaretypen unter einem Dach vereint: einen auf der
Melodie- und Solospur eingebauten Sequenzer, auf den selben Spuren finden sich
Funktionen zum Recording und Editing von Audiosignalen, ein Wizard zum Üben
und Erlernen von Stimmen und musikalischen Besonderheiten und noch einen
Notensatzeditor, mit dem man sein Arrangement als Partitur bearbeiten und
ausdrucken kann. Insgesamt kann man sagen, dass es ein Sequenzer mit vielen
Zusatzfunktionen ist. Der wesentliche Unterschied zu herkömmlichen
Sequenzerprogrammen, wie z.B. Cubase ist laut Dirk Bechtel die Verwendung von
13
,,vorgefertigten Patterns"
9
, die der Benutzer beliebig zu einem Arrangement
kombinieren kann. Die zahlreichen Zusatzfunktionen neben dem Sequenzer als
Basis machen das Programm zu einem Multifunktionswerkzeug zum Erstellen und
Bearbeiten von Arrangements. Die Bezeichnung Arrangerprogramm, das nach
Ahlers und Auerswald zu den Werkzeugprogrammen gehört, trifft meiner Meinung
nach die Funktionsweise dieses Programms am besten.
3
Anwendung von Band-in-a-Box im Musikunterricht
der Realschule
Bevor man Computersoftware im Musikunterricht einsetzt, müssen einige Vorüber-
legungen zur technischen Ausstattung und zu den Methoden geklärt werden.
Darüber hinaus muss man sich als Lehrkraft die Frage stellen, ob man selbst im
Umgang mit dem Computer und der Software kompetent genug ist, den Schülern
Sachverhalte in diesem Bereich zu vermitteln. Gerade die Schüler darf man
heutzutage nicht unterschätzen, was ihre Medienkompetenz angeht. Die meisten
Schüler sind mit dem Computer aufgewachsen und daher im Umgang mit Bild-
und Textverarbeitungsprogrammen sowie mit der Nutzung des Internets vertraut.
Bei den Lehrern ist diese Vertrautheit mit dem Computer nicht unbedingt gegeben.
Kurt Wehle, der in Dillingen Computerfortbildungskurse für Musikpädagogen gibt,
hat schon mit vielen Lehrern am Computer zusammengearbeitet und ist zu dem
Schluss gekommen, dass es zwei Arten von Lehrern gibt. Zum einen die
Generation, die heutzutage ca. 50 Jahre alt ist und zum anderen die
,,nachwachsende Generation"
10
um die 30 Jahre. Zwischen diesen beiden
Gruppen hat Kurt Wehle erhebliche Unterschiede festgestellt. Während die erste
Gruppe zum Teil große Probleme mit dem Umgang des Computers hat, geht die
jüngere Generation viel selbstverständlicher mit dem Computer um. Außerdem ist
die jüngere Generation flexibler im Umgang mit neu gewonnenen Informationen
und Fertigkeiten, die dann meistens aus eigender Motivation heraus vertieft
werden.
9 http://www.dirk-bechtel.de/wiki/index.php/Band-in-a-box
10
Taktlos 46, Sendung des Bayerischen Rundfunks: http://www.nmz.de/taktlos/2001/takt46.shtml
14
Um das Programm Band-in-a-Box erfolgreich in den Unterricht einzubauen, muss
vorausgesetzt sein, dass der Lehrer mit der Funktionsweise dieses Programms
vertraut ist.
3.1
Vorausgehende Überlegungen
Neben der Tatsache, dass man sich in Band-in-a-Box gut auskennen muss, um
damit im Unterricht arbeiten zu können gibt es technische Voraussetzungen und
methodische Vorüberlegungen, die für den Einsatz von Band-in-a-Box im
Musikunterricht erfüllt werden müssen.
3.1.1 Technische Voraussetzungen
Gerade beim Arbeiten mit Software ist man auf die Funktionalität des Computers
mit seinem technischen Zubehör vollständig angewiesen. Matthias Rheinländer
unterscheidet hier strikt zwischen dem Computer als Instrument für den Lehrer
und dem Computer als Instrument für den Schüler.
11
Beide Varianten kommen
beim Einsatz von Band-in-a-Box im Unterricht in Frage und werden genauer im
Kapitel 3.3 (Unterrichtsentwürfe) behandelt. Wenn Band-in-a-Box im Unterricht
eingesetzt werden soll, müssen die Computer der Schüler laut Hersteller PG
Music folgende Mindestausstattung
12
haben:
Windows 98/ ME/ NT/ 2000/ XP/ Vista/ 7, wobei für einige Funktionen
Windows XP oder höher benötigt wird
13
256 MB RAM (Arbeitsspeicher)
Digital-Audio Funktionen benötigen einen schnellen Pentium Prozessor.
MIDI Features benötigen einen mindestens einen 500 GHz Prozessor
75 MB Festplattenspeicher (viel mehr, wenn Digital-Audio aufgenommen
wird)
MIDI-System (MIDI Interface/ MIDI Synthesizer) oder PC Soundkarte
Digital Audio System (16-bit Windows kompatible Soundkarte)
11 Rheinländer, Matthias: Der Computer als Instrument des Musikunterrichts und als Instrument im
Musikunterricht. Dissertation Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2001
12 Empfehlung des Herstellers http://www.bandinabox.com/de/ ergänzt durch aktuelle technische
Standards
13 Diese Zulassungsarbeit bezieht sich auf Band-in-a-Box 2009 für Windows XP
15
Kopfhörer oder verstärktes Lautsprechersystem
CD-Laufwerk zum Installieren der Software
Internetzugang und USB-Anschlüsse sind optional, aber heutzutage an fast jedem
Rechner vorhanden und zum Austausch von Daten sehr praktisch. Der
Arbeitsplatz des Lehrers sollte zudem mit einem Beamer ausgestattet sein, damit
er die Vorgehensweise im Programm für alle Schüler sichtbar machen kann.
Matthias Rheinländer schlägt außerdem noch folgende Ergänzungen
14
zum
Arbeitsplatz des Lehrers vor:
1
17 Zoll Monitor
CD-Brenner (opt.)
1
Beamer
1
MIDI-Keyboard mit integriertem Soundmodul
1
USB-Interface
1
Farbtintenstrahldrucker
1
optional Scanner
1
Minimischpult
2
Mikrophone
1
Verstärkeranlage
2
Lautsprecherboxen (fest installiert)
An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass die technischen Voraussetzungen in
der Unterrichtspraxis nicht immer gegeben sind. Viele Schulen sind unzureichend
mit entsprechender Hard- und Software ausgestattet. Der hohe Kostenaufwand
zur Aufrechterhaltung des zeitgemäßen technischen Standards kann von einigen
Schulen nicht regelmäßig genug aufgebracht werden. In solchen Fällen ist dann
oft nur der Einsatz von Band-in-a-Box durch den Lehrer und kein selbstständiges
Arbeiten mit dem Programm durch Schüler möglich.
3.1.2 Methodische Voraussetzungen
Neben den technischen Voraussetzungen müssen auch Fragen zur Methodik
geklärt werden.
14 Rheinländer, Matthias, S. 140
16
Darunter fallen Fragen zur Didaktik, wie man eine Software vermittelt und Fragen
zur Sozial- und Aktionsform. Software ist nicht immer so beschaffen, dass ein
Schüler ohne fremde Hilfe mit ihr arbeiten kann. Gerade bei Programmen, die
komplizierter gestaltet und mit vielen unübersichtlichen Funktionen ausgestattet
sind, braucht der Schüler Anweisungen vom Lehrer.
Diese sollten so konzipiert sein, dass der Lehrer zunächst kurze Lehreinheiten
z.B. über einen Beamer vorstellt, und der Schüler im Anschluss daran eine
konkrete Übungsaufgabe zur Lehreinheit erhält, die er dann selbstständig
erarbeiten kann. Kurt Wehle schlägt im Zusammenhang zur Methodik für das
Lernen am Computer einige Grundsätze vor, die auf dem ,,self-directed learning"
von Malcolm Knowles basieren.
15
Knowles versteht ,,self-directed learning" nicht
als isoliertes autonomes individuelles Lernen, sondern als aktives,
selbstbestimmtes Lernen im Austausch mit Beratern, z.B. Lehrern und
Informationsquellen. Die von Kurt Wehle aufgestellten Grundsätze sowie die
hinzugefügten Ergänzungen können als methodische Grundlage für den Einsatz
von Band-in-a-Box gelten:
,,Der Lernende bestimmt sein eigenes Tempo, den Umfang seines Tuns und
vor allem den Transfer selbst." Hier ist zu beachten, dass dem Lernenden
genug Zeit zum Nachvollziehen der vorgestellten Funktionen und zum
Erarbeiten der Übungsaufgabe gegeben wird.
,,Der Lehrende entwickelt ein Curriculum für alle grundlegend wichtigen
Kenntnisse und Fähigkeiten um Umgang mit einem Programm." Ein gut
strukturiertes Konzept, das z.B. bei den einfachen Funktionen des
Programms beginnt und sich dann nach Schwierigkeit steigert, kann
durchaus sinnvoll bei einem Programm mit so vielen Funktionen sein.
,,Der Lernende eignet sich sein Können anhand des Nachvollziehens von
Projekten, die der Lehrende bereits ausgearbeitet und dokumentiert hat, an.
Diese stehen in Form eines Skriptes zur Verfügung." Diese Projekte sollten
für den Schüler nachvollziehbar sein, d.h. leicht verständlich gestaltet sein
und dem Schüler sinnvoll erscheinen.
15 Wehle, Kurt: Computer & Musikunterricht. Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung
Dillingen. Akademiebericht Nr. 360. 2001
17
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