Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis IV
Abbildungsverzeichnis V
1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Intention der Arbeit 1
2. Kulturkonzept 3
2.1 Grundlage und Merkmale 3
2.2 Kulturebenen 6
2.3 Kultur als Orientierungssystem 8
2.4 Kulturdefinition nach Hofstede 8
2.5 Der Kulturbegriff dieser Arbeit 9
3. Interkulturelle Kompetenz 11
3.1 Kompetenzbegriff 12
3.2 Grundlage 12
3.3 Strukturmodell 13
3.4 Entwicklungsmodell 14
3.5 Prozessmodelle 14
3.6 Der Begriff der interkulturellen Kompetenz in dieser Arbeit 16
4. Interkulturelle Trainingskonzepte 17
4.1 Definition 18
4.2 Entwicklung interkultureller Trainingskonzepte in Deutschland 18
4.3 Trainingsziel 19
4.4 Trainingsinhalt 19
4.5 Trainingsmethoden 19
4.6 Trainingszeitpunkt 20
II
4.7 Interkulturelle Trainingskonzepte für Studierende 21
5. Der ZIM Ansatz 21
5.1 Methodischer Ansatz des ZIM 22
5.2 Trainingskonzepte des ZIM 23
6. Empirische Erhebung 25
6.1 Fragestellungen / Hypothesen 25
6.2 Probanden 26
6.3 Methode der Datenerhebung 27
6.4 Methode der Datenanalyse 29
7.Darstellung der Ergebnisse 29
7.1 Ergebnisse der Fragebögen: Teil 1 29
7.2 Ergebnisse der Fragebögen: Teil 2 34
8. Analyse und Diskussion der Ergebnisse 36
8.1 Analyse der Fragebögen: Teil 1 36
8.2 Analyse der Fragebögen: Teil 2 38
8.3 Besondere Aspekte der einzelnen Studiengänge 39
9. Fazit und Handlungsempfehlungen 43
Anlagenverzeichnis 48
Anlage 1 49
Anlage 2 55
Anlage 3 60
Quellenverzeichnis 63
Literaturverzeichnis 63
Internetverzeichnis 65
III
Abkürzungsverzeichnis
AWS Angewandte Wirtschaftssprachen (Japanisch, Chinesisch, Arabisch)
BIM Betriebswirtschaftslehre / Internationales Management
DMIS Development Model of Intercultural Sensitivity
ESWV Europäischer Studiengang Wirtschaft und Verwaltung
HS Hochschule
IFIM Institut für Interkulturelles Management
ISGM Internationaler Studiengang Global Management
ISTM Internationaler Studiengang Tourismusmanagement
ISVW Internationaler Studiengang Volkswirtschaftslehre
ISWI Internationaler Studiengang Wirtschaftsingenieurswesen
ZIM Zentrum für Interkulturelles Management
IV
Abbildungsverzeichnis
Abb. 2.1 Drei Ebenen der Verhaltensprägung 6 Abb. 2.2 Deskriptive und explikative Kulturaspekte 7 Abb. 2.3 Die Kulturzwiebel 9 Abb. 2.4 Der ZIM Ansatz multipler kultureller Prägungen 10 Abb. 3.1 Dimensionen der interkulturellen Kompetenz 13 Abb. 3.2 Prozessmodell interkulturelle Kompetenz 16 Abb. 7.1 Haben sich die Inhalte der Module gut ergänzt? 28 Abb. 7.2 Haben sich die Inhalte der Module häufig überschnitten? 29
Abb. 7.6 Welche Übungsform empfanden Sie als besonders hilfreich? 33 Abb. 7.7 Haben Sie sich auf Ihren Auslandsaufenthalt gut vorbereitet gefühlt? 33
Abb. 7.11 Wie hoch schätzen Sie den Wirkungsgrad eines Zertifikats für
1. Einleitung
Kulturelle Überschneidungssituationen wie Migration, Tourismus, berufliche Auslandsaufenthalte, Internationalisierung von Studiengängen und grenzübergreifende Kooperationen von Unternehmen sind nur einige Beispiele und schon lange keine Seltenheit mehr. Internationale strategische Allianzen und Fusionen bestimmen das wirtschaftliche Handeln wie nie zuvor. Der Prozess der Globalisierung führt zu einem Aufeinanderprallen verschiedener Kulturen in den unterschiedlichsten Situationen.
1.1 Problemstellung
Um die Studierenden der Hochschule (HS) Bremen auf eben diese interkulturellen Herausforderungen vorzubereiten, sei es während des Auslandsaufenthaltes oder vor Ort im Umgang mit Austauschstudenten oder Menschen aus verschiedenen Kulturen im täglichen Leben, finden in den Studiengängen der Fakultät I der HS Bremen sowohl Vorlesungen im Bereich des interkulturellen Management und der interkulturellen Kommunikation als auch spezifische Ländervorbereitungskurse für die Studierenden statt.
Es stellt sich die Frage, ob die interkulturelle Lehre der Hochschule Bremen auch die Wünsche und Anforderungen der Studierenden erfüllt und sie auf Ihr Auslandsstudium und spätere berufliche Herausforderungen im interkulturellen Kontext angemessen vorbereitet.
1.2 Intention der Arbeit
Die Messbarkeit interkultureller Kompetenz ist in der Fachliteratur nach wie vor hoch umstritten. Ziel dieser Arbeit ist es vor diesem Hintergrund, eine Bestandsaufnahme der interkulturellen Lehre der Fakultät I der Hochschule Bremen zu erstellen und mit Hilfe eines Fragebogens Verbesserungsmöglichkeiten aufzudecken, um daraus resultierend Handlungsempfehlungen zu entwickeln. Diese Verbesserungsmöglichkeiten werden anhand der Zufriedenheit der Studierenden mit den einzelnen Aspekten der interkulturellen Lehre gemessen.
Um ein besseres Verständnis für die Inhalte der interkulturellen Lehre zu schaffen, werden zu Beginn dieser Arbeit die Begriffe Kultur und interkulturelle Kompetenz näher betrachtet und definiert, um anschließend ein Konzept des interkulturellen Trainings vorzustellen. Da sich bis heute keine allgemeingültigen Definitionen von Kultur und interkultureller Kompetenz durchsetzen konnte, werden verschiedene Ansätze zur Begriffsklärung vorgestellt. Zusätzlich wird das Trainingskonzept des Zentrums für
1
Interkulturelles Management (ZIM) der Hochschule Bremen vorgestellt, um anhand dessen Vorgänge und Inhalte interkultureller Trainingskonzepte zu erläutern. Das ZIM wurde für diese Darstellung ausgewählt, da es sich an der Hochschule Bremen befindet und schon jetzt mit einigen Studiengängen im Bereich der interkulturellen Lehre kooperiert.
Im zweiten Teil der Arbeit werden Ergebnisse einer empirischen Studie vorgestellt. Mit der an die Studierenden gerichteten quantitativen Erhebung wird das Ziel verfolgt herauszufinden, wie zufrieden die Studierenden mit dem Lehrangebot im interkulturellen Bereich ihres jeweiligen Studiengangs sind. Zunächst wird in einer Übersicht der Ergebnisse aller Befragten dargestellt, wie die interkulturelle Lehre der Fakultät I der HS Bremen allgemein wahrgenommen wird. In einem nächsten Schritt werden einzelne Teilaspekte der interkulturellen Lehre der verschiedenen Studiengänge hervorgehoben, um darzustellen, wo Unterschiede im Lehrangebot bestehen und wie diese sich in der Zufriedenheit der Studierenden widerspiegeln. Anschließend wird die Frage diskutiert, inwiefern eine bessere Koordination der Inhalte und eine Variation der genutzten Formate und Methoden, die Qualität der interkulturellen Lehre der Fakultät I der HS Bremen verbessern könnte.
Die Studierenden wurden im Rahmen der Erhebung auch gefragt, was sie von einem
Blended-Learning 1 Ansatz halten würden, um mögliche Strukturänderungen der interkulturellen Lehre der HS Bremen in Betracht zu ziehen. Anhand der Antworten der Befragten soll untersucht werden, ob eine Einführung dieses Ansatzes auch an der HS Bremen sinnvoll wäre.
Auch die Frage nach einem interkulturellen Hochschulzertifikat wurde mittels des Fragebogens gestellt. Dieses Zertifikat könnte eine Zusatzqualifikation im interkulturellen Kontext bescheinigen. Die entsprechenden Ergebnisse werden vorgestellt und in die Handlungsempfehlungen mit eingeschlossen.
Neben den Studierenden wurden auch die im interkulturellen Bereich tätigen Lehrenden über bestimmte Aspekte ihrer Arbeit an der HS Bremen befragt. Die Ergebnisse werden ebenfalls vorgestellt und mit in die anschließenden Betrachtungen und die Handlungsempfehlungen aufgenommen. Das Hauptaugenmerk der Untersuchung liegt jedoch auf den Ergebnissen aus der Befragung der Studierenden.
1 Blended Learning bezeichnet Lehr- / Lernkonzepte, die eine didaktisch sinnvolle Verknüpfung von 'traditionellem Klassenzimmerlernen' und virtuellem bzw. online Lernen auf der Basis neuer Informations-und Kommunikationsmedien anstreben (Sabine Seufert / Peter Mayr, 2002).
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2. Kulturkonzept
Das folgende Kapitel beschäftigt sich mit der Definition des Kulturbegriffs. Da jedes Forschungsgebiet unterschiedliche Ziele und Zwecke verfolgt und auch unterschiedliche Methoden der Analyse nutzt, existiert eine Vielzahl unterschiedlicher Begriffserklärungen. Einige ausgewählte Definitionen und Anmerkungen sollen im Folgenden vorgestellt werden, um einen groben Überblick der unterschiedlichen Ansätze aufzuzeigen. Im Anschluss daran wird die in dieser Arbeit maßgebliche Verwendung des Kulturbegriffs vorgestellt.
2.1 Grundlage und Merkmale
Wenn man die Welt durch zwei Begriffe beschreiben sollte, wären diese gemäß Hansen Natur und Kultur. Natur steht demnach für alles, was materiell vorgefunden wird, Kultur für alles was vom Menschen geschaffen wurde (vgl. Hansen 2003, S. 19). Der Begriff Kultur leitet sich von dem lateinischen Wort „cultura“ (Bearbeiten, Landwirtschaft, Ausbildung, Anbau) ab. Hergeleitet wird dieser Begriff aus dem Verb „colere“ (drehen, wenden, bebauen, veredeln), der früher für die Beschreibung agrarischer Tätigkeiten genutzt wurde. Erstmalig wird der Begriff Kultur im 18. Jahrhundert verwendet und weist auf eine „Verbesserung des Geistes bzw. des Geschmacks hin“ (Buchegger 2006, S. 3).
Im Folgenden entwickelte sich der Kulturbegriff weiter und fand bereits im 19. Jahrhundert durch Tylor eine seiner ersten Definitionen, die auch heute noch oft den unterschiedlichen Verständnissen des Kulturbegriffs zu Grunde liegt.
„Culture […] is that complex whole which includes knowledge, belief, art, morals, law, custom, and any other capabilities and habits acquired by a man as a member of society” (Tylor 1871, S. 1).
Bereits 80 Jahre nach der Entstehung Tylors Zitat, hatten Kroeber und Kluckholm über 150 unterschiedliche inhaltliche Auslegungen des Kulturbegriffs zusammengetragen (vgl. Kroeber/Kluckhohn, 1952, S. 43ff). In den darauffolgenden Jahrzehnten entstanden unterschiedliche Vorstellungen von Kultur und somit auch verschiedene Herangehensweisen, den Kulturbegriff zu definieren. Eine allgemein anerkannten Definition hat sich bis heute nicht durchgesetzt und an dieser Stelle wäre es mühelos möglich, unzählige unterschiedliche Ansätze zur Erörterung und Erklärung des Kulturbegriffs vorzustellen. Diese Definitionsvielfalt zeigt deutlich auf, dass der Terminus Kultur quasi undefinierbar ist und es immer auch auf die jeweilige Absicht der Definition
3
ankommt. Im Folgenden sollen daher unterschiedliche Herangehensweisen der Definition des Kulturbegriffs zum Verständnis dargestellt werden.
Eine sehr allgemeine Definition formuliert Prott (2004) indem er sagt:
„Unter Kultur kann man die Art und Weise verstehen, wie Menschen leben und arbeiten.“
Keller entwickelte einen Kulturansatz, der durch die Aufzählung von charakteristischen Kennzeichen seine Vorstellung von Kultur präzisieren sollte (vgl. Rothlauf 2006, S. 19ff.).
„Unter Kultur versteht man sämtliche kollektiv geteilten impliziten oder expliziten Verhaltensnormen, Verhaltensmuster, Verhaltensäußerungen, die von einer sozialen Gruppe erlernt und mittels Symbolen von Generation zu Generation weitervererbt werden. Diese - nach innerer Konsistenz strebenden - kollektiven Verhaltensmuster und-normen dienen dem inneren und äußeren Zusammenhalt und der Funktionsfähigkeit einer sozialen Gruppe und stellen eine spezifische, generationserprobte Lösung des Problems der Anpassung an ihre physischen, ökonomischen und sonstigen Umweltbedingungen dar. Kulturen neigen dazu, sich einer Veränderung in diesen Bedingungen anzupassen“(Keller 1981, S. 118-119).
Diese acht Merkmale, die Keller in seine Definition einbezieht, sollen im Folgenden näher erläutert werden, da Teile von ihnen vielen anderen Definitionen zu Grunde liegen und eine gängige Methodik darstellen, Kultur zu erfassen.
Kultur ist die Summe von allem, was Menschen erschaffen haben. Dabei wird unterschieden zwischen einer sichtbaren und einer unsichtbaren Ebene. Die sichtbare Ebene enthält Kulturprodukte wie Kunstgegenstände, Sitten und Gebräuche sowie soziale Organisationsformen und Institutionen, wie Familien, Unternehmen und staatliche Gebilde. Die unsichtbare Ebene wird durch kollektiv geteilte Werte, Normen, Grundannahmen und Einstellungen geprägt (vgl. Schmid 1996, S. 128).
Kultur ist ein überindividuelles, soziales Phänomen. Menschen einer sozialen Gruppe teilen sich eine Kultur, tragen diese und geben sie weiter. Sie existiert zudem unabhängig von einzelnen Individuen (vgl. Hofstede/Hofstede 2005, S. 4).
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Kultur wird erlernt. Ein prägender Begriff in diesem Zusammenhang ist die
Enkulturation 2 . Der Mensch wird also nicht mit bestimmten kulturellen Standards geboren sondern erlernt und übernimmt diese durch sein soziales Umfeld (vgl. Keller 1981, S. 144-150).
Kultur wird durch Symbole übermittelt. Jede Kultur besitzt für sie typische Symbole, die zur Übermittlung der Kultur genutzt werden.
Kultur ist Ergebnis von und Ursache für Handlungen. Mit diesem Merkmal wird darauf hingewiesen, dass sich die relevanten Aspekte gegenseitig beeinflussen. Auf der einen Seite handeln wir aufgrund unseres erlernten und ererbten Wissens, auf der anderen Seite beeinflussen wir durch unser Handeln wiederum Individuen oder Gegebenheiten einer Kultur, die sich somit in einem ständigen Wandlungsprozess befindet (vgl. Keller 1981, S. 152).
Kulturen streben nach innerer Konsistenz. Alle Elemente einer Kultur streben danach sich nicht gegenseitig zu widersprechen, sondern ein in sich nicht kollidierendes Ganzes zu bilden (vgl. Keller 1981, S. 153).
Kultur bietet ein Orientierungssystem. Kultur legt für die Mitglieder einer sozialen Gruppe die Werte, Normen, Wahrnehmungen und Handlungen fest, die von den Angehörigen dieser sozialen Gruppe als charakteristisch empfunden werden (vgl. Thomas 1993, S. 113-115).
Kulturen sind anpassungsfähig. Auch dieses Merkmal geht wieder auf die Wandlungsfähigkeit der Kultur ein. Wenn sich die Gegebenheiten der Umwelt verändern, passt sich das kulturelle System diesen neuen Strukturen an (vgl. Keller 1981, S. 153).
Neben diesen Merkmalen, die einen Überblick über die Definitionsvielfalt des Kulturbegriffs liefern sollen, ist es auf der anderen Seite wichtig, für das bessere Verständnis den Kulturbegriff von dem Begriff der Persönlichkeit einerseits und der menschlichen Natur andererseits abzugrenzen.
Dies versucht Hofstede anhand der folgenden Abbildung zu verdeutlichen. Er sieht die menschliche Natur als jene physische und psychische Funktion an, die alle Menschen gemein haben und zählt Fähigkeiten, wie das Empfinden von Angst, Zorn, Liebe, Freude
2 Enkulturation bedeutet kultureller Lernprozess
5
oder Traurigkeit ebenso zu ihr, wie das Beobachten der Umgebung und den Austausch mit anderen Menschen darüber.
Abb. 2.1 Drei Ebenen der Verhaltensprägung (vgl. Hofstede 2001, S. 5)
Wie diese Gefühle ausgedrückt werden, wird durch die jeweilige Kultur bestimmt, die nicht ererbt sondern erlernt wird. Sie bildet also ein unbewusstes Regelgerüst für das menschliche Verhalten. Im Gegensatz dazu setzt sich die Persönlichkeit aus Charakterzügen zusammen, die teilweise ererbt und teilweise durch persönliche und somit einzigartige Erfahrungen erlernt sind. Sie macht einen Menschen einzigartig und wird mit keinem anderen Menschen geteilt (vgl. Schneider / Hirt 2007, S. 53ff.).
2.2 Kulturebenen
Anhand der Beschreibung der verschiedenen Merkmale von Kultur, lässt sich bereits erkennen, dass sich Kultur auf verschiedenen Ebenen manifestiert. Auch hierzu finden sich in der Literatur verschiedene Ansätze.
Für Schein ist Kultur „ein Phänomen, das uns jederzeit umgibt und durch unsere Interaktion mit anderen immerfort geschaffen und am Leben gehalten wird“ (Schein, 1995, S. 17). Zudem definiert er folgende Hauptkategorien, die er mit Kultur assoziiert: wiederkehrende Verhaltensweisen in der Interaktion, Gruppennormen, bekundete Werte, offizielle Philosophie, Spielregeln, Klima, verwurzelte Talente, Denkgewohnheiten, geistige Modelle, linguistische Paradigmen, gemeinsame Bedeutungen und Symbole mit Integrationskraft.
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Er ist außerdem der Meinung, dass Kultur auf drei Ebenen analysiert werden kann. Er unterscheidet in seinem Drei-Stufenmodell zwischen Artefakten, bekundeten Werten und Grundprämissen bzw. Basisannahmen. Die Basisannahmen sind unsichtbar, werden unbewusst aufgefasst und als selbstverständlich angesehen. Diese Grundprämissen bilden den Kernbestand einer Kultur, manifestieren sich jedoch in den bekundeten Werten und Artefakten (vgl. Schneider/Hirt 2007, S. 51). Die Werte bilden dabei Vorgaben für das Bewerten und Handeln der Individuen. Unter Artefakten sind nicht nur materielle Symbole zu verstehen, sondern ebenso interaktionale und sprachliche Merkmale (vgl. Schmid 1996, S. 145-146).
Weitere Versuche zur Systematisierung unterscheiden zwischen zwei Ebenen, einer explikativen und einer deskriptiven Ebene von Kultur. Das explikative Konzept wird hierbei als Verhaltensursache beschrieben, welches ein theoretisches Konstrukt, das nicht direkt aus dem Verhalten erschlossen werden kann - eine Art Überbau menschlichen Verhaltens im Sinne geteilter Werte, Normen und Einstellungen - darstellt. Dies ist für Außenstehende auf Grund seiner beschriebenen Eigenschaften nicht sofort erkenntlich. Das deskriptive Konzept wird auf der anderen Seite als soziale oder materielle Kultur bezeichnet, welche sich in Verhaltensergebnissen und sichtbarem Verhalten erkennen lässt. Auf der nachfolgenden Abbildung ist zu erkennen, dass sich die Verhaltensergebnisse durch die materielle Kultur darstellen und sie Dinge wie Werkzeuge, Kleidung, Architektur, Kunstgegenstände, etc. verkörpern. Demgegenüber äußert sich soziale Kultur beispielsweise durch Sprache, Sitten, Gebräuche und Strukturen (vgl. Keller 1982, S. 120).
7
2.3 Kultur als Orientierungssystem
Wie bereits zuvor als eines ihrer Merkmale beschrieben, bietet Kultur in erster Linie ein Orientierungsprogramm. In der Literatur findet man dazu häufig folgende Definition:
„Kultur […] ist ein universelles, für eine Gesellschaft, Organisation und Gruppe aber sehr typisches Orientierungssystem. Es beeinflusst das Wahrnehmen, Denken, Werten und Handeln aller ihrer Mitglieder und definiert somit deren Zugehörigkeit zur Gesellschaft. Kultur als Orientierungssystem strukturiert ein für die sich in der Gesellschaft zugehörig fühlenden Individuen spezifisches Handlungsfeld und schafft damit die Voraussetzungen zur Entwicklung eigenständiger Formen der Umweltbewältigung“ (Thomas 1996, S. 112).
Kultur bietet den Menschen Halt oder besser gesagt ein Regelgerüst an dem sie sich orientieren können. Thomas (2005) definiert kulturspezifische Orientierungsmerkmale zudem als Kulturstandards, die von der Mehrzahl der Mitglieder einer bestimmten Kultur für sich und andere als normal, typisch und verbindlich angesehen werden. Das eigene Verhalten wird aufgrund dieser Kulturstandards gesteuert, reguliert und darüber hinaus das Verhalten der anderen beurteilt.
2.4 Kulturdefinition nach Hofstede
Eine weitere Theorie entwickelte Hofstede, indem er Kultur als „mentale Software“ bezeichnet. Sie ist nach seiner Meinung die „kollektive Programmierung des Geistes nach der der Mensch aller Wahrscheinlichkeit nach folgerichtig handeln wird“ (Hofstede 2001, S. 4).
„Kultur ist für die Gesellschaft, was die Persönlichkeit für ein Individuum ist“ (Hofstede 2001, S. 10).
Natürlich hat jeder Mensch die Fähigkeit von dieser Programmierung abzuweichen und einen anderen Weg einzuschlagen, was dadurch begründet ist, dass Kultur nur zum Teil ererbt und zum anderen Teil erlernt wird. Geprägt wird diese mentale Programmierung hauptsächlich durch das soziale Umfeld und beginnt bereits mit der frühkindlichen Erziehung in der Familie, gefolgt vom Einfluss durch Freundschaften und dem Arbeitsplatz. Weitergehend unterscheidet auch Hofstede tiefer liegende Elemente einer Kultur von den sichtbaren oberflächlichen Komponenten und nutzt zum Verständnis die Kulturzwiebel, die auf der folgenden Abbildung dargestellt ist.
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Abb. 2.3 Kulturzwiebel (http://www.pentaeder.de/wp-content/uploads/kulturzwiebel.gif) Das Zwiebelprinzip soll veranschaulichen, dass sich Kultur aus unterschiedlichen Schichten zusammensetzt, von denen die ersten drei oberflächlich und für alle sichtbar gelegen, die anderen beiden tiefer und erst nach Durchdringen der höher gelegenen Schichten erkennbar sind. Er bezeichnet dabei die äußere Haut bzw. Schicht als „Symbole“ und meint damit evidente Kulturelemente wie Sprache, Kunst, Architektur u.a. Bei Sichtbarkeit der zweiten Ebene lassen sich die „Helden“ einer Kultur erkennen, die lebende, fiktive oder auch verstorbene Persönlichkeiten darstellen können, die die anerkannten Charakteristika einer Kultur widerspiegeln. Die dritte und somit letzte sichtbare Schicht wird als „Rituale“ bezeichnet und beinhaltet kollektive Bräuche, wie zum Beispiel nationale Feiertage oder Karnevalsumzüge. Die erste „unsichtbare“ und damit vorletzte Schicht spiegelt sich in den „Werten und Normen“ wider. Diese Werte und Normen sind eng verbunden mit dem Kern der Kultur, den „Grundannahmen“. Diese Grundannahmen begründen sich aus dem Grundbedürfnis des Überlebens, wobei jede Gesellschaft ihren eigenen Weg gefunden hat, das Überleben zu sichern und somit aus diesen Grundannahmen auch unterschiedliche Werte und Normen, wie zum Beispiel Aussagen zu Gut und Böse oder Aufregung und Langweile entwickelt hat (Blom / Meier 2002, S. 41ff.).
2.5 Der Kulturbegriff dieser Arbeit
Da es in dieser Arbeit um die Vermittlung interkultureller Handlungskompetenzen geht, wird unter Kultur nicht Kunst, Literatur oder wie nach Hofstede benannt „die Verfeinerung des Geistes“ verstanden, sondern das Orientierungssystem, das einer Gemeinschaft von Menschen zu Grunde liegt und dadurch ihr Handeln, Empfinden, Denken u.a. beeinflusst.
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Alexandra Trautvetter, 2011, Interkulturelle Lehre der Fakultät I der Hochschule Bremen, München, GRIN Verlag GmbH
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