Gliederung zum Thema „Zweisprachige Kindererziehung“
(Berichtsinhalte werden zusätzlich anhand von Praxiserfahrungen
belegt )
1. Einleitung 1
2. Zweisprachige Erziehung
2.1 Definition von Zweisprachigkeit 1
2.2 Urteile und Vorurteile über Zweisprachigkeit 2 - 5
2.3 Die kindliche Sprachentwicklung 6 - 7
2.4 Lernen zweisprachige Kinder anders sprechen? 7 - 8
2.5 Zweisprachige Erziehung eines Kindes bei Trennung der Eltern 8 - 9
3. Wege zur Zweisprachigkeit
3.1 Schwache Sprache - starke Sprache 9 - 10
3.2 Eine Person - eine Sprache (Partnerprinzip) 10
3.3 Ausnahmen des Partnerprinzips 11
3.4 Familiensprache - Umgebungssprache 11 - 12
3.5 In einer Fremdsprache erziehen 12 - 13
4. Mehrere Sprachen sprechen, mehrere Kulturen leben
4.1 Interkulturelle Erziehung - Interkulturelles Lernen 13 - 14
5. Störungen in den Sprachen 15
5.1 Sprachmischungen und Interferenzen 15 - 16
5.2 Sprachverweigerung 16 - 18
5.3 Stottern 18
6. Eigens durchgeführte Fallstudie zu der unterschiedlichen
Entwicklung zweier Kinder, die zweisprachig aufwachsen (Sprachberg) 19 - 22
7. Resumée 23
8. Literaturverzeichnis 24
Literaturverzeichnis :
Gesundheitslexikon , Verlagsgruppe Bertelsmann, Berlin 1973
Jonekeit Sylvie, Kielhöfer Bernd: Zweisprachige Kindererziehung, 11. Auflage,
Stauffenburgverlag , Tübingen 2002
Montanari Elke: Wie Kinder mehrsprachig aufwachsen, 3. Auflage, Brandes Apsel Verlag,
Frankfurt am Main 2000
Montanari , Elke: Mit zwei Sprachen groß werden, Kösel Verlag, München 2002.
Online im Internet: Maud Hammer 1999: http://www.ecml.at/documents/relresearch/hammer.pdf
Online im Internet: Uta Henkel 2001: http://www sprachtherapie-praxis de/sprachentwicklung htm
1. Einleitung
Während meines Praktikums in der deutsch - französischen „Kinder - Ecole“ habe ich mich eingehend mit dem Thema „Zweisprachige Erziehung von Kindern“ beschäftigt, da dieser Bereich durch Anregungen und Beobachtungen aus der Praxis bei mir ein besonderes Interesse auslöste. Ich hatte die Möglichkeit, die Kinder in Alltagssituationen und dabei im Umgang mit ihren zwei Sprachen zu erleben.
Zunächst werde ich definieren, was es eigentlich bedeutet, zweisprachig zu sein. Anschließend gehe ich dann auf die Verwirklichung von Zweisprachigkeit in der Kindeserziehung ein. Am Ende des Berichtes stelle ich eine eigens durchgeführte Fallstudie dar.
2. Zweisprachige Erziehung
2.1 Definition von Zweisprachigkeit
Es gibt unterschiedliche Definitionen von Zweisprachigkeit. Die eine Definition, die da lauten könnte: „Alle Menschen, die in der Lage sind sich halbwegs verständlich in zwei Sprachen zu artikulieren und die von ihnen gebildeten Sätze Sinnzusammenhänge ergeben, werden als zweisprachig bezeichnet.“ Diese Definition bezieht auch diejenigen mit ein, die nicht mit zwei Sprachen aufgewachsen sind und diese beiden Sprachen von klein auf an vermittelt bekommen haben. Sie bezieht sich auch auf die Menschen, die später neben ihrer Muttersprache, eine zweite Sprache gelernt haben und sich auch mit ihr recht gut verständigen können. Dieser ersten Definition nach zu urteilen, sind viele von uns zweisprachig. Eine, in die entgegengesetzte Richtung verlaufende Definition von Zweisprachigkeit, wäre diese: „Nur die Menschen die zwei Sprachen perfekt beherrschen und in keiner der beiden Sprachen Fehler in der Aussprache haben, sind zweisprachig.“
Zu dieser Definition könnte man höchstwahrscheinlich nur all diejenigen zählen, die mit zwei Sprachen groß geworden sind, ihr Leben lang mit den zwei Sprachen gleichstark konfrontiert werden und somit keine der beiden Sprachen jemals in Vergessenheit gerät, also beide immer ziemlich gleichstark präsent bleiben.
„Es ist schwierig sich auf eine der beiden Definitionen fest zu legen. Eine vernünftige Definition läge wohl irgendwo zwischen diesen beiden, wobei auch hier nicht kategorisch eingeteilt werden kann.“ (Vgl. Jonekeit, Kielhöfer 2002: 11 f) Ich denke, dass alle Kinder in der Kinder-Ecôle, in der ich gearbeitet habe, als zweisprachig zu bezeichnen waren, obwohl es ein paar Kinder gab, die sich in der deutschen Sprache nur halbwegs verständlich machten, aber wiederum keine grammatikalisch richtigen Gespräche führen konnten.
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2.2 Urteile und Vorurteile über Zweisprachigkeit
Jonekeit und Kielhöfer haben in ihrem Buch „Zweisprachige Kindererziehung“ vielerorts bestehende Urteile und Vorurteile über das Erlernen von zwei Sprachen zusammengefasst. Hiermit habe ich mich anschließend auf meinen Erfahrungen beruhend ,auseinander gesetzt. Einige dieser Hypothesen werde ich anhand meiner eigenen Erfahrungen bestätigen, widerlegen oder einfach nur kommentieren. Die Hypothesen, zu dessen Behauptung oder Inhalt ich keine Erfahrungen oder Bobachtungen machen konnte, lasse ich unbeachtet. „Wir fangen mit den positiven Urteilen für Zweisprachigkeit an. Die wichtigsten Argumente für die Zweisprachigkeit sind:
1. Zweisprachige Kinder lernen spielend leicht eine zweite Sprache, die andere Kinder später in der Schule nur mit Mühe erlernen.“ (Jonekeit, Kielhöfer 2002: 9 f) Aufgrund meiner Erfahrungen und Beobachtungen kann ich sagen, dass die meisten Kinder keine Probleme mit der Erlernung dieser zweiten Sprache haben. Keins der Kinder schien mir wirklich überfordert zu sein. Fast alle Kinder haben mit Leichtigkeit von einer in die andere Sprache gewechselt.
„2. Sie erlernen diese zweite Sprache besser und vollkommener, als das später möglich ist.“ (Jonekeit, Kielhöfer 2002: 9 f)
Dies ist nur möglich, weil die sensiblen Phasen im Gehirn des Kindes ausgenutzt werden, das heißt das Gehirn wird sozusagen so programmiert, dass es imstande ist, zwei Sprachen aufzunehmen.
Die Urteile betreffen aber auch allgemeine Sprachfähigkeiten und Persönlichkeitsmerkmale der Kinder. So wird behauptet:
3. Zweisprachige Kinder sind sprachinteressierter und sprachgewandter, als einsprachige. 4. Zweisprachige Kinder sind toleranter und offener, als einsprachige. Es scheint mir, als wären die zweisprachig aufgewachsenen Menschen in kultureller und lebensgestalterischer Hinsicht viel offener und toleranter. Das mache ich u.a. daran fest, dass alle Kinder die Möglichkeit haben, sich untereinander zu treffen und sie ihre Verabredungen meist selbständig organisiert haben. Die Eltern waren damit fast immer einverstanden. Der einzige Faktor, warum eine Verabredung mal nicht statt finden konnte, war Zeitmangel. Des weiteren denke ich, dass die Zweisprachigen durch das Kennen lernen und Erleben von Menschen aus unterschiedlichen Ländern mit vielleicht verschiedenen Lebensweisen, Sitten und Gebräuchen, sehr die Einstellung in Richtung Offenheit und Toleranz prägt. „5. Zweisprachige Kinder sind flexibler und anpassungsfähiger als einsprachige.“ (Jonekeit, Kielhöfer 2002: 9 f)
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Dass Zweisprachige allerdings flexibler und anpassungsfähiger sind, kann ich nicht unbedingt bestätigen. Ich denke, dass sie in Sachen Kommunikation natürlich flexibler sind, als andere. Jedoch kann man nicht behaupten, dass sie in jederlei Hinsicht flexibler und anpassungsfähiger sind. Ich denke, dies kann keine Charaktereigenschaft sein, die einem Zweisprachigen in die Wiege gelegt wird. Auch in der Kindergartengruppe gab es zweisprachige Kinder, die von ihren Eltern fast jeden Wunsch erfüllt bekommen haben. Außerdem haben sich einige von ihnen scheinbar für wichtiger gehalten haben, weil sie sich dessen bewusst waren, dass sie eine zweite Sprache beherrschen, wie viele andere Kinder nicht. Dadurch wirkten sie auf mich teilweise nicht gerade sehr flexibel und anpassungsfähig, sondern manchmal eher verwöhnt und egozentrisch.
„6. Zweisprachige Kinder sind intelligenter als einsprachige.“ (Jonekeit, Kielhöfer 2002: 9 f) Genauso wenig kann man, meines Erachtens, die Intelligenz eines Kindes pauschal an der Beherrschung einer zweiten Sprache fest machen. Viele Kinder, die nicht diese Möglichkeit hatten, eine zweite Sprache zu erlernen, wären sicher in der Lage dazu gewesen. Jedoch verkümmert dieses Talent bei ihnen, weil es nicht frühzeitig gefördert wird. Man kann in diesem Fall vielleicht sagen, dass die Zweisprachigen einen größeren Wortschatz haben, aber nicht allgemein fest legen, dass sie intelligenter sind.
Man könnte sagen, dass die zweisprachigen Kinder durch die zweite, erlernte Sprache eine höhere Bildung erlangt haben. Die angeborene Intelligenz ist bei diesen Kindern nicht zwangsmäßig höher, aber vielleicht doch die im Laufe des Lebens erworbene. In der Praxis habe ich aber die Erfahrung gemacht, dass zweisprachige Kinder sehr wissensdurstig sind. Ich habe z.B. ein Gespräch über den Irak - Krieg zwischen vier 5jährigen Kindern mit angehört. Der eine Junge berichtete: „Les allemandes sont contre la guerre, les francaises sont un peu contre la guerre, les anglaises sont un peu pour la guerre et les americaines sont vraiment pour la guerre, « was soviel heisst wie : « Die Deutschen sind gegen den Krieg, die Franzosen sind ein bisschen gegen den Krieg. Die Engländer sind ein bisschen für den Krieg und die Amerikaner sind wirklich für den Krieg!“ Ich war in dieser Situation völlig verblüfft und sprachlos, weil ich niemals für möglich gehalten hatte, dass ein 5jähriger Junge so eine gute Auffassungsgabe hat bzw. derartige politisch wissenswerten Dinge in einer Familie dem Kind auf diese Weise vielleicht schon erklärt und vermittelt werden.
Diese Aussagen sind in der Mehrzahl in der kanadischen, amerikanischen und belgischen Fachliteratur nach 1960 anzutreffen.
Die folgenden Negativurteile über Zweisprachigkeit stammen größtenteils aus älterer, deutscher Fachliteratur (vor 1950), sie haben sich aber bis heute als Vorurteile gehalten. Zunächst stelle ich die Hypothesen zur Sprachfähigkeit von Zweisprachigen dar. 1. Durch das gleichzeitige Erlernen von zwei Sprachen sind die Kinder überfordert.
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Die meisten Kinder in der „Kinder-Ecôle“ können sich mit grammatikalisch korrekten Satzstrukturen und einem reichen Wortschatz in dieser zweiten Sprache sehr gut ausdrücken. Auf diese Art und Weise wird sich wohl jemand, der eine Sprache als Schulsprache erlernt, sich nur schwer ausdrücken können.
2. Zweisprachige Kinder lernen weder die eine, noch die andere Sprache richtig. Sie sind halbsprachig - semilingual. 3. Diese Kinder sind sprachlich verspätet. 4. Diese Kinder haben keine Muttersprache 5. Diese Kinder können sprachlich nicht kreativ sein.
Viele Kinder haben, um ihren Wortschatz zu erweitern, ständig nach einzelnen Worten gefragt, die sie nicht parat hatten und auch im Stuhlkreis stellten sie der Pädagogin häufig die Frage „Was heißt das?“, wenn sie etwas in der deutschen Sprache erzählte und die Kinder ein Wort oder einen Satz nicht verstehen konnten. Es folgen Annahmen, die die ganze Persönlichkeit des Kindes betreffen: 6. Zweisprachige Kinder sind intelligenzmäßig zurück. 7. Diese Kinder sind phantasielos und gefühlsarm.
Von einer Phantasielosigkeit oder Gefühlsarmut kann man nicht im geringsten sprechen. Ganz im Gegenteil. Ein paar der Kinder haben mir dermaßen phantasievolle Geschichten erzählt und beeindruckende Sachen gebastelt und gemalt. Viele der Eltern dieser Kinder sind übrigens freischaffende Künstler, Ärzte oder Modedesigner, welche Berufe ja durchaus mit Kreativität verbunden werden können. Die Kinder hatten genauso lebendige und echte Gefühle, wie einsprachige Kinder sie haben und waren auch den anderen Kindern gegenüber sehr emphatisch. Sobald ein Kind in der Gruppe geweint hat, sind mehrere Kinder zu ihm gelaufen und haben gefragt: „Qu´est qu-il y a?“!, was bedeutet „Was ist denn los?“ 8. Diese Kinder sind doppelzüngig, berechnend und verlogen. 9. Diese Kinder sind entwurzelt und heimatlos, ohne Identität.
Des weiteren musste ich leider auch fest stellen, dass es durchaus Menschen gibt, die mit ihrer Identität Probleme zu haben scheinen, wenn sie zweisprachig aufgewachsen sind. Es geht hierbei, um meine Zimmermitbewohnerin Sabine aus Südtirol, die sich halb deutsch, halb italienisch fühlt, eigentlich sagt, dass sie eine Italienerin ist, aber überwiegend deutsch bzw. südtirolerisch spricht und nicht genau weiß, wohin sie gehört. Ich habe einige Gespräche mit ihr geführt und mir ihre Situation beschreiben lassen.
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Arbeit zitieren:
Daniela Baumgartl, 2003, Zweisprachige Kindererziehung, München, GRIN Verlag GmbH
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