Rekonstruktion einer Flügelhaube der Lüneburger Gruppe aus der älteren Bronzezeit (etwa 1500 bis 1200 v. Chr.), die nach Angaben des Prähistorikers Friedrich Laux im Hamburger Museum für Archäologie, Hamburg-Harburg, angefertigt wurde.
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Inhalt
Vorwort / 9
Fl ügelhauben und Totenhäuser
Die Lüneburger Gruppe
in der älteren Bronzezeit
von etwa 1500 bis 1200 v. Chr. / 13
Mit angeschmiedetem Schmuck ins Bett
Die Lüneburger Gruppe
in der mittleren Bronzezeit
von etwa 1200 bis 1100 v. Chr. / Seite / 39
Selbstausstattungen für das Jenseits
Die Lüneburger Gruppe
in der jüngeren Bronzezeit
von etwa 1100 bis 800 v. Chr./ 61
Anmerkungen / 77
Literatur / 83
Bildquellen / 93
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Die wissenschaftliche Graphikerin Friederike Hilscher-Ehlert / Seite 95 Der Autor Ernst Probst / Seite 97 Bücher von Ernst Probst / Seite 99
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Vorwort
R und 700 Jahre Urgeschichte von etwa 1500
bis 800 v. Chr. passieren in dem Taschenbuch »Die Bronzezeit in der Lüneburger Heide« in Wort und Bild Revue. Geschildert werden die Siedlungen, Kleidung, der Schmuck, die Keramik, Werkzeuge, Waffen, der Handel und die Religion der damaligen Ackerbauern, Viehzüchter und Bronzegießer. Verfasser dieses Taschenbuches ist der Wiesbadener Wissenschaftsautor Ernst Probst. Er hat sich vor allem durch seine Werke »Deutschland in der Urzeit« (1986), »Deutschland in der Steinzeit« (1991) und »Deutsch-land in der Bronzezeit« (1996) einen Namen gemacht. Das Taschenbuch »Die Bronzezeit in der Lüneburger Heide« ist dem Hamburger Prähistoriker Dr. Friedrich Laux gewidmet, der den Autor mit Rat und Tat bei den Recherchen für sein Buch »Deutschland in der Bronzezeit« unterstützt hat. Es enthält Lebensbilder der wissenschaftlichen Graphikerin Friederike Hilscher-Ehlert aus Königswinter.
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Der dänische Archäologe Christian Jürgensen Thomsen (1788-1865) hat 1836 die Urgeschichte nach dem jeweils am meisten verwendetem Rohstoff in drei Perioden eingeteilt: Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit.
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FRIEDRICH HOLSTE,
geboren am 30. April 1908 in Tann a. d. Rhön, gefallen am 22. Mai 1942 bei Semenowka. Er absolvierte eine zweijährige Banklehre und studierte in Wien, Breslau und Marburg. 1934 promovierte er und arbeitete danach in Mainz, Landshut und München. 1939 habilitierte er sich in München, war ab 1940 Dozent in München und ab 1942 außerordentlicher Professor in Marburg. Holste sprach 1939 von der Lüneburger Bronzezeit, heute sagt man statt dessen Lüneburger Gruppe.
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Flügelhauben und Totenhäuser
Die Lüneburger Gruppe in der älteren Bronzezeit
I n der Lüneburger Heide existierte während der älte-ren Bronzezeit von etwa 1500 bis 1200 v. Chr. die nach dieser Region bezeichnete Kulturstufe namens Lüneburger Gruppe. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckte sich von der Lüneburger Heide über die Weser hinweg bis zur Wildeshausener Geest. Es umfasste die heutigen Kreise Celle, Soltau-Fallingbostel, Uelzen, Lüneburg, Harburg und teilweise auch Lüchow-Dannenberg. Die Hinterlassenschaften der Lüneburger Gruppe ähneln jenen der süddeutschen Hügelgräber-Kultur. Deshalb wird sie von manchen Autoren als eine Lokalgruppe der Hügelgräber-Kultur betrachtet (etwa 1600 bis 1300/1200 v. Chr.). Die zentrale Lüneburger Gruppe bestand auch in der mittleren Bronzezeit von etwa 1200 bis 1100 v. Chr. weiter.
Von der »Lüneburger Bronzezeit« sprach 1939 erstmals der damals in München tätige Prähistoriker Friedrich Holste (1908-1942). Den heute gebräuchlichen Begriff »Lüneburger Gruppe« prägte 1971 der zu jener Zeit am Museum Lüneburg arbeitende Prähistoriker Friedrich Laux. Er grenzte 1989 durch den Vergleich unterschiedlicher Tracht-, Bewaffnungs- und Bestattungssitten mehrere Lokalgruppen der älteren und mittleren
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FRIEDRICH LAUX,
geboren am 8. März 1938 in Roth bei Nürnberg. Er arbeitete 1969 bei der Römisch-Germanischen Kommission in Frankfurt/Main, 1970 bis 1975 am Museum Lüneburg, 1976/77 am Institut für Vor- und Frühgeschichte in Saarbrücken und wirkte von 1977 bis 2001 am Hamburger Museum für Archäologie. Laux benannte 1971 den Sögel-Wohlde-Kreis und die Lüneburger Gruppe sowie 1987/90 die Südhannoversche Gruppe, die Oldenburg-emsländische Gruppe und die Allermündungs-Gruppe.
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Bronzezeit in Niedersachsen voneinander ab. Der 1949 vom damals in Bonn wirkenden Prähistoriker Kurt Tackenberg (1899-1992) vorgeschlagene Ausdruck Ilmenau-Kultur hat sich nicht durchgesetzt. Die Angehörigen der Lüneburger Gruppe pflegten mit Bewohnern anderer Gegenden rege Kontakte. Dabei kam es nicht nur zu Tauschgeschäften, sondern manchmal auch zu Hochzeiten. Dies schließt man aus fremdartigen Arm- und Beinringen mit deutlichen Tragespuren, die weit entfernt vom Herstellungsgebiet in Frauengräbern geborgen wurden. So ist durch Schmuckfunde in Oldendorf bei Amelinghausen 1 (Kreis Lüneburg) die Einheirat einer Frau aus Südthüringen in die Lüneburger Heide belegt. Andererseits kennt man aus Heimatregionen benachbarter Gruppen auch Frauengräber mit typischen Flügelhauben oder Schmuckstücken der Lüneburger Gruppe, die ebenfalls durch Einheirat dorthin gelangten. Bei den Kopfbedeckungen waren Flügelhauben aus Wolle oder Leder nur Frauen der Oberschicht vorbehalten. Funde aus Frauengräbern bei Bleckmar 2 (Kreis Celle) zeigten, dass in jeder Generation lediglich einer Frau das Recht zustand, eine Lüneburger Flügelhaube zu tragen. Solche Kopfbedeckungen bestanden aus einem fezartigen Mittelstück, auf dessen beide Seiten schmale längliche Flügel genäht wurden. Die Flügel endeten in Höhe des Kinns der Frau und waren reich mit bronzenen Blechröhrchen, kegelförmigen Hütchen und Spiralröllchen besetzt.
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Die teilweise sehr zerbrechlichen Schmuckgehänge wurden auch auf Stoff- oder Lederbänder genäht. Manchmal reichten mit kegelförmigen Hütchen verzierte Bänder bis über den Rücken der Frau und verhinderten, dass die Flügel beim Neigen des Kopfes nach vorne klappten. Nach der Anordnung von Spiralkopfnadeln und kegelförmigen Hütchen am Kopf von manchen Frauen zu schließen, könnten mitunter an Kappen auch Tücher oder Schleier festgesteckt worden sein.
Vereinzelt blieben Stoffreste der Kleidung von weniger als Fingernagelgröße an bronzenen Gegenständen in Gräbern erhalten. Die kleinen Fetzen sind durch austretende Bronzesalze konserviert worden. Dabei handelt es sich um Gewebe aus Schafwolle in verschiedener Stärke und Ausführung. Sie belegen die Haltung von Schafen als Haustiere. Funde aus Bleckmar und Wardböhmen 3 (beide Kreis Celle) ergaben, dass die Lüneburger Frauen steife aus Leder oder Filz hergestellte, glockenförmige Umhänge von ponchoartigem Zuschnitt trugen. Sie wurden reich mit bronzenem Zierrat geschmückt. Das Cape aus Wardböhmen war auf der Vorder- und Rückseite mit kegelförmigen bronzenen Hütchen benäht. Da zu Beginn der älteren Bronzezeit Beinringe noch nicht in Mode waren, könnten damals lange bis zu den Knöcheln herabreichende Faltenröcke üblich gewesen sein, wie sie aus Jütland (Dänemark) bekannt sind. Dagegen gehörten später Beinringe oder ganze Sätze
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von Beinschmuck zur Ausstattung der Frauen. Weil dieser Schmuck vermutlich sichtbar sein sollte, dürften sich nun wesentlich kürzere oder sogar knielange Röcke durchgesetzt haben. Andererseits gab es auch nach oben hin verlängerte Röcke, die durch Träger über den Schultern gehalten wurden. Von einem solchen Trägerrock könnten die beiden Knöpfe mit Öse auf der Rückseite stammen, die bei einer Bestattung in Wardböhmen in Höhe der Schultern lagen. Die bronzenen Nadeln sollten die Garderobe der Frauen nicht nur zusammenhalten, sondern auch schmücken. Unter den zur weiblichen Tracht gehörenden Nadeln gab es verschiedene Formen. Bei den Radnadeln endet der Kopf in einer großen, durchbrochenen, radförmigen Scheibe, die bei den Scheibennadeln flächenhaft in Punz-oder Treibtechnik verziert ist. Die Radnadeln waren vielleicht den Müttern oder generell den verheirateten Frauen vorbehalten, weil sie in Gräbern von Mädchen fehlen.
Im Verbreitungsgebiet der Lüneburger Gruppe wurden in einer späten Phase der älteren Bronzezeit von auch sonst reich ausgestatteten Frauen große, flache »Gürtelscheiben« (Hängescheiben) getragen. Sie sind in der Regel mit umlaufenden Spiralen oder konzentrischen Kreismustern ornamentiert. Ein üppig gemusterter und gerippter Halskragen, eine reichverzierte Scheibenkopfnadel und eine große, flache Hängescheibe bildeten offenbar eine zusammengehörige Schmuckgarnitur. Das übereinstimmende Dekor und
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Zeichnung auf Seite 19:
Frauen aus der Umgebung von Bleckmar (Kreis Celle) in Niedersachsen mit einer Flügelhaube als Kopfbedeckung. Nach Funden aus Gräbern bei Bleckmar zu schließen, stand in jeder Generation nur einer Frau das Recht zu, eine Lüneburger Flügelhaube zu tragen. Zeichnung von Friederike Hilscher-Ehlert, Königswinter, für das Buch »Deutschland in der Bronzezeit« (1996) von Ernst Probst
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Zeichnung auf Seite 21:
Bronzene Lüneburger Fibel mit Spiralverzierung aus dem Hügel 5, Bestattung 1, von Wardböhmen (Kreis Celle) in Niedersachsen. Gesamtlänge 16,3 Zentimeter, Bügellänge 12,5 Zentimeter. Original im Niedersächsischen Landesmuseum, Hannover
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Arbeit zitieren:
Ernst Probst, 2011, Die Bronzezeit in der Lüneburger Heide, München, GRIN Verlag GmbH
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