Ludwig-Maximilians-Universität München Historisches Seminar, Abt. Neuere und Neueste Geschichte Proseminar: Politik, Wirtschaft und Gesellschaft im Zonendeutschland 1945-1949
Entnazifizierung in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands
Inhaltsverzeichnis
A EINLEITUNG 3
B
I. Der Zusammenbruch und der Aufbau neuer Strukturen 4
1. Die Beschlüsse der Siegermächte
2. Spontane Entnazifizierung
3. Erste gesetzliche Grundlagen
II. Frühe Bemühungen um gesellschaftliche Wiedereingliederung 7
1. Die Parteien als Weg zur schnellen Rehabilitierung
2. Das Problem der jugendlichen Nazianhänger
III. Ende 1946: Die verspätete Verschärfung der Entnazifizierung durch die 8
Kontrollratsdirektive Nr. 24
1. Gesamtdeutsche Richtlinien zum Umgang mit ehemaligen Nazis
2. Die Entnazifizierungskommissionen
IV. „Die Zeit ist reif“ - der SMAD-Befehl Nr. 201 (16. August 1947) 9
und die Kontrollratsdirektive Nr. 38
1. Hintergründe und Grundlagen
2. Die Durchführung
V. Das offizielle Ende der Säuberungen - der SMAD-Befehl Nr. 35 12
(26. Februar 1948)
VI. Schwerpunkte der Entnazifizierung 13
1. Verwaltung
2. Justiz
3. Bildungswesen
VII. Antifaschismus und gesellschaftliche Umwälzung 15
C RESÜMEE 16
D QUELLENVERZEICHNIS 17
E LITERATURLISTE
2
A EINLEITUNG
Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges standen die vier Besatzungsmächte in Deutschland vor einer schwierigen Aufgabe: Ein ganzes Volk hatte sich von der nationalsozialistischen Propaganda beeinflussen lassen. Die einen mehr, die anderen kaum. Die Verantwortlichen des NS-Regimes wurden schnell zur Rechenschaft gezogen. Doch was sollte mit den Hunderttausenden von begeisterten Anhängern geschehen und vor allem was mit der noch viel größeren Masse von Mitläufern? Die Unterscheidung in nominelle und aktivistische Parteigenossen wurde vor allem in der Sowjetischen Besatzungszone zu einem entscheidenden Kriterium der Entnazifizierung. Doch in wieweit konnte hierbei überhaupt eine gerechte Trennung vorgenommen werden? Welche Kriterien machten aus einem Parteimitglied einen aktiven Nazi? Und wer entschied darüber? Die oftmals unklare Differenzierung stellte die Verantwortlichen in der SBZ vor schwere Probleme, vor allem, als es darum ging, sie der Bevölkerung plausibel zu machen. Bleibt die Frage, ob es überhaupt möglich war, eine „gerechte“ und konsequente Entnazifizierung durchzuführen, wie sie der DDR-Historiker Wolfgang Meinicke in seiner Dissertation von 1984 beschreibt. 1 Geschichtsforscher sind sich bis heute auch nicht einig darüber, ob die Entnazifizierung schon von Beginn an nur ein Mittel war, die Gesellschaft in der Sowjetischen Besatzungszone umzustrukturieren und einen Elitentausch einzuleiten, der die spätere kommunistische Hegemonie begründete. Helga Welsh ist beispielsweise überzeugt davon, dass eine Umwälzung schon lange zuvor von der Sowjetunion geplant war. 2 Christoph Kleßmann hingegen sieht eine von Anfang an beabsichtige Sowjetisierung nicht als gesichert an. 3 Die durch die Wende neu hinzugekommenen Quellen lassen für diesen Bereich der deutschen Geschichte ganz neue Schlüsse und Betrachtungsweisen zu. Dies hat sich in einer Vielzahl neuer Forschungsarbeiten niedergeschlagen, die nun mit DDR-Veröffentlichungen verglichen werden können. Anhand eines chronologischen Abrisses der einzelnen Entnazifizierungswellen in
1 Wolfgang Meinicke: Die Entnazifizierung in der sowjetischen Besatzungszone 1945 bis 1948, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 11/84.
2 Helga A. Welsh: Revolutionärer Wandel auf Befehl? Entnazifizierungs- und Personalpolitik in Thüringen und Sachsen (1945-1948), München 1989, (= Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, Bd. 58).
3 Christoph Kleßmann: Die doppelte Staatsgründung. Deutsche Geschichte 1945-1955, 5. überarb. und erw. Aufl., Bonn 1991.
3
der SBZ soll in dieser Arbeit erörtert werden, inwieweit die zu Kriegsende in die Entnazifizierung gesetzten Erwartungen erreicht wurden. Durch die Untersuchung der Säuberungsschwerpunkte soll außerdem dargestellt werden, in welchem Umfang die Entnazifizierung die antifaschistisch-demokratische Umwälzung der Gesellschaft vorangetrieben hat und welche Auswirkungen dies auf die Bevölkerung der späteren DDR hatte. Denn das Ende der Entnazifizierung bedeutete in der Deutschen Demokratischen Republik nicht das Ende der politischen Säuberungen. Was waren also die wirklichen Ziele der Entnazifizierung?
B
I. Der Zusammenbruch und der Aufbau neuer Strukturen
1. Die Beschlüsse der Siegermächte
Bei ihrem Treffen auf der Potsdamer Konferenz im Mai 1945 waren sich die teilnehmenden Siegermächte Großbritannien, die Sowjetunion und die USA einig, dass sämtliches nationalsozialistische Gedankengut und vor allem die Anführer des Nazi-Regimes entfernt werden müssten, damit ein demokratischer Neuanfang in Deutschland stattfinden könne. Das Potsdamer Abkommen umfasste die Grundsätze einer einheitlichen Entnazifizierung. Parteiführer und einflussreiche Nazianhänger sollten interniert, Amtsleiter und aktive Nazis aus verantwortlichen, öffentlichen Positionen entfernt werden. Dabei wurde unterschieden zwischen nominellen Mitgliedern der Partei und aktiven Nazis. Die Entlassenen sollten „durch Personen ersetzt werden, welche nach ihren politischen und moralischen Eigenschaften fähig erscheinen, an der Entwicklung wahrhaft demokratischer Einrichtungen in Deutschland mitzuwirken.“ 4
2. Spontane Entnazifizierung
Nach Kriegsende wurde die NSDAP sofort verboten, ebenso ihre Gliederungen und diskriminierende Gesetze aus der NS-Zeit. Parteifunktionäre und SS-Ange-
4 AmtlicheVerlautbarung über die Konferenz von Potsdam vom 17. Juli bis 2. August 1945, in: Clemens Vollhals (Hg.): Entnazifizierung. Politische Säuberung und Rehabilitierung in den vier Besatzungszonen 1945-1949, München 1991, S. 107.
4
Arbeit zitieren:
M.A. Ellen Stickel, 2002, Entnazifizierung in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands, München, GRIN Verlag GmbH
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Die Entnazifizierung in der SBZ 1945-1948
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