Inhaltsverzeichnis
Einleitung. 3
Der Mythos Hindenburg. 3
Die Wahlen zum Reichspräsidenten. 4
Hindenburg als Reichspräsident. 5
Die Vereidigung. 5
Die Verfassung. 6
Die Politik. 7
Schluss. 8
Literatur. 9
2
Einleitung
In der Weimarer Republik hatten zwei Personen das Amt des Reichspräsidenten inne: Friedrich Ebert und Paul von Hindenburg. Ebert war Befürworter der parlamentarischen Demokratie, eine Stiftung zur politischen Bildung sieht sich in seiner Tradition 1 . Hindenburg hingegen habe den Geist der Verfassung Weimars nie verstanden, wie Winkler und Zaun darlegen. 2 Der Feldmarschall, der mit 77 Jahren Reichspräsident wurde, könnte durchaus als „Ersatzkaiser“ gelten. Wie als Beleg ist das Ende seiner Amtszeit, sein Tod, zugleich Ende des Amtes des Reichspräsidenten und Ende der Weimarer Republik. Eberts Tod und die Wahl des Nachfolgers versteht Winkler dementsprechend als eine „der tiefsten Zäsuren in der Geschichte der ersten deutschen Demokratie“ 3 . Doch wie verstand sich Hindenburg selbst? Wie brachte er es in dieser „Zäsur“ bei seiner Vereidigung zur Sprache? Und wie handelte er in der Zeit danach? Diese Interpretation wird Verbindungen zwischen seiner Vereidigung und seiner Politik suchen, um Hindenburgs Amtsverständnis besser verstehen zu können.
Der Mythos Hindenburg
Paul von Hindenburg galt bei seiner Amtsübernahme als Reichspräsident als lebende Legende: Sein Ruf als „Held von Tannenberg“ und als „Retter Ostpreußens“ 4 beruhte auf einen Sieg im Ersten Weltkrieg. In der Schlacht von Tannenberg vom 26. bis 30. August 1914 hatte die 8. Armee unter Hindenburg als Oberbefehlshaber die 2. Russische Armee vernichtend geschlagen. Die Kriegsniederlage erklärte er mit der Dolchstoßlegende, die er 1919 vor der Nationalversammlung vorbrachte 5 - eine antirepublikanische Haltung, die Hindenburg damit vertrat. Für ihn selbst war die militärische Laufbahn beendet - im Sommer 1919 schied er aus der Obersten Heeresleitung aus und verbrachte seinen Ruhestand in Hannover. 6
Hindenburg verkörperte in gewisser Weise eine „Symbolfigur eines [...] untergegangenen Wilhelminismus“ 7 , die unterschiedlich wahrgenommen wurde - einerseits wurde ihm selbst von „ausländischen konservativen und militärischen Kreisen gehuldigt“ 8 , andererseits löste
1 Vgl. http://www.fes.de/sets/s_stif.htm (08.10.2006)
2 Vgl. Winkler, S.609 und Zaun, S.96.
3 Winkler, S.278.
4 Zaun, S.62.
5 Vgl. Peukert, S.212.
6 Vgl. Winkler, S.280.
7 Peukert, S.212.
8 Zaun, S.66.
3
seine Nominierung bei der Wahl zum Reichspräsidenten 1925 große Sorgen im In- und Aus-land aus. 9
Die Wahlen zum Reichspräsidenten
Am 29. März 1925 fand die erste direkte Wahl eines Reichspräsidenten der Weimarer Republik statt. Friedrich Ebert wurde 1919 von der Nationalversammlung zum vorläufigen Reichspräsidenten gewählt, 1922 wurde seine Amtszeit durch den Reichstag bis 1925 verlängert. Als er 1925 unerwartet starb, wurden Neuwahlen notwendig. Im ersten Wahlgang konnte keiner der Kandidaten die notwendige absolute Mehrheit auf sich vereinen, am besten schnitt Karl Jarres ab, der Kandidat der DVP erhielt fast 39% der Stimmen. 10
Für den zweiten Wahlgang schlossen sich die Parteien zu Blöcken zusammen, um Wählerstimmen zu konzentrieren. Der Volksblock, bestehend aus SPD, Zentrum und DDP nominierte den zuvor Drittplazierten Wilhelm Marx 11 , einen Zentrumspolitiker, der 1925 zweimal zum preußischen Ministerpräsidenten gewählt worden war. 12 Hindenburg, im ersten Wahlgang nicht dabei, wurde Kandidat des Rechtsblocks. Es soll nicht leicht gewesen sein, ihn von der Kandidatur zu überzeugen 13 , obwohl sich verschiedene Gruppen um ihn bewarben: Dazu zählten altpreußische Kerntruppen der DNVP und Großagrarier aus der Führung des Reichsland-bundes und des Militärs - Kräfte, die die Demokratie 1920 gewaltsam beseitigen wollten. Hindenburg versicherte sich aber erst der Zustimmung des ehemaligen Kaisers, ehe er sich am 7. April bereit erklärte, zu kandidieren. 14
Mit Hindenburg als Symbolfigur geriet die Wahl zu einer „Abstimmung über die mögliche Restaurierung der Monarchie“ 15 . Hindenburg erhielt am 26. April die nun nötige relative Mehrheit, mit 48,3% der Stimmen erreichte er aber nur etwas mehr als Marx mit 45,3%, ein Vorsprung von 900.000 Stimmen. 16 Wenn seine Wahl tatsächlich „Ausdruck des Wunsches nach nationaler Größe und fester Führung“ 17 war, dann war dieser Wunsch nur in einer knap-
9Vgl. Rauscher, S.228.
10 Vgl. Winkler, S.279.
11 Vgl. Rauscher, S.224.
12 Vgl. Winkler, S.279.
13 Vgl. Rauscher, S.224.
14 Vgl. Winkler, S.280f.
15 Zaun, S.65.
16 Vgl. Rauscher, S.232 u. Winkler S.282.
17 Winkler, S.283.
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Arbeit zitieren:
Silvio Schwartz, 2006, Paul von Hindenburg: Vereidigung und politische Praxis als Reichspräsident, München, GRIN Verlag GmbH
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