I
Inhalt
1. Einleitung 1
2. Vorgehensweise und Begrifflichkeiten 3
2.1. Allgemein 3
2.1.1. Sport 3
2.1.2. Sport-Marketing 4
2.1.3. Sport-Sponsoring 4
2.1.4. Sportrechtevermarktung 4
2.2. Tennis 4
2.2.1. ATP 4
2.2.2. WTA 5
2.2.3. Open Era 5
2.2.4. Grand Slams 5
2.2.5. ATP World Tour 5
2.3. World Team Cup 6
2.4. Davis Cup 6
2.5. Federation Cup 6
2.6. Hopman Cup 6
3. Entwicklung der Sportart Tennis unter historischen und wirtschaftlichen Aspekten 7
3.1. Allgemein 7
3.2. Vergleich Deutschland und International 10
4. Wirtschaftsfaktor Sport - Darstellung verschiedener Einnahmequellen 15
4.1. TV-Gelder bzw. TV-Rechte 15
4.2. Werbeeinnahmen 16
4.3. Sponsoring 17
4.4. Ausrüsterverträge 18
4.5. Antrittsgelder 19
4.6. Sportartikelmarkt 20
4.7. Sonstiges 21
II
5. Darstellung und Auswertung Umfrage 22
6. Interview mit Sascha Bandermann 26
7. Einflussfaktoren 30
7.1. Erschließung von neuen Märkten 30
7.2. Einflussfaktoren der Medien 31
7.2.1. durch Fernsehzeiten 32
7.2.2. auf Regeln 33
7.2.3. auf Sportstätten 35
7.3. Sportler 37
7.3.1. Idole und Botschafter des Sports 37
7.3.2. Testimonial 39
8. Auswirkungen 41
8.1. auf den Sport 41
8.2. auf den internationalen Tennismarkt 42
8.3. auf den nationalen Tennismarkt 43
9. Abschließende Bemerkung 44
10. Anhang 47
11. Literaturverzeichnis 74
11. 74
III
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Struktur ATP World Tour Quelle: ATP World Tour (Hrsg.) 2011 Online:
[http://www.atpworldtour.com/Corporate/About.aspx] .............................................................. 5 Abb. 2 Zuschauerentwicklung Herren-Profiturniere (Deutschland), in Anlehnung an TENNIS
MAGAZIN März 2011, S. 36-37 ............................................................................................. 10 Abb. 3 ATP-Tour - Wachstum, In TENNIS MAGAZIN (April 2010). Die Tour blüht. S. 34. ... 12 Abb. 4 WTA-Tour - Wachstum, In TENNIS MAGAZIN (April 2010). Die Tour blüht. S. 35. .. 13 Abb. 5: "Das kostet ein Wimbledon-Sieg" Quelle: Kicker (o.J.). In Trosien (2003).
Sportökonomie. S. 61 ............................................................................................................. 18 Abb. 6 Der Tennismarkt in Deutschland - "Bröckelnder Umsätze" Quelle: Sports Tracking
Europe. In Trosien (2003). Sportökonomie. S. 67 .................................................................. 20 Abb. 7: Markt in Deutschland Quelle: Sports Tracking Europe, In TENNIS MAGAZIN (März
2010). Ein Markt frischt auf. S. 40. ......................................................................................... 21 Abb. 8: Meinung über Berichterstattung im TV, Quelle: Eigene Umfrage (2011), siehe
Anhang ................................................................................................................................... 23 Abb. 9: Wo sollte die Berichterstattung größer sein? Quelle: Eigene Umfrage (2011), siehe
Anhang ................................................................................................................................... 23 Abb. 10: Bereitschaft für Tennisübertragungen zu zahlen, Quelle: Eigene Umfrage (2011),
siehe Anhang ......................................................................................................................... 24 Abb. 11: Gründe für die nachlassende Berichterstattung, Quelle: Eigene Umfrage (2011),
siehe Anhang ......................................................................................................................... 25 Abb. 12: So funktioniert das Hawk-Eye, Quelle: Der Tagesspiegel (Hrsg.) 2007, Online: [http://www.tagesspiegel.de/sport/das-dritte-auge/1062162.html] ......................................... 34 Abb. 13 Wimbledon Quelle: Dunhill (Hrsg.) 2011 Online: [http://sites.dunhill.com/day8/wp- content/blogs.dir/8/files/website-populous/wimbledon-2009_2_credit-aeltc_land.jpg] ........... 36
IV
Anhangsverzeichnis
Auswertung der Befragung ..................................................................................................... 47 Interview mit Sascha Bandermann ......................................................................................... 57
1
1. Einleitung „Tennis ist tot!“
„Tennis ist nicht mehr interessant.“ „Der Tennisboom ist vorbei!“
oder
„Erfolg in der Doppelrolle - Wimbledon-Sieger Petzschner“ (Spiegel-Online) 1 „Ein Sternchen greift nach den Sternen“ (Julia Görges in der Bild) 2 „Tennis-Stern Petkovic“ (Andrea Petkovic in der Bild) 3
An den obigen Schlagzeilen, welche man in diesem oder in leicht verändertem Wortlaut in der Vergangenheit gehört hat, lässt sich erkennen, wie unterschiedlich die öffentliche Wahrnehmung sein kann. Bis vor kurzem waren vor allem die ersten drei Schlagzeilen meinungsbildend, wenn es darum ging, den aktuellen Stand im Tennissport zu beschreiben. Seit einigen Monaten gibt es aber auch bereits wieder andere Schlagzeilen und Stimmen, die die Runde machen. Grund dafür sind z.B. der Wimbledonsieg 2010 von Philipp Petzschner zusammen mit Jürgen Melzer im Doppel 4 , aber vor allem auch die Erfolge unserer jungen Damen in den letzten Wochen. Andrea Petkovic, aktuell die deutsche Nummer 1 im Damentennis und vor den French Open 2011 die Nummer 12 der Weltrangliste. 5 Julia Görges die Siegerin des Porsche Tennis Grand Prix 2011 6 steht ebenfalls unter den zwanzig besten Spielerinnen der Welt. 7
Ob die letzten drei Schlagzeilen die ersten drei Schlagzeilen über kurz oder lang ersetzen werden, wird in dieser Arbeit nicht die Frage sein, sondern es wird vor allem auch die Zeit zeigen. Entscheidend ist aber, dass über die Jahre ein Meinungsbild geschaffen wurde, welches mit Sicherheit nicht nur ein solches darstellt, sondern auch durch Zahlen und Fakten belegbar ist. Beispielsweise hat Tennis als Sportart an Wert verloren, als die großen Erfolge, der Becker, Graf und Stich’s nicht mehr das Geschehen prägten.
1 Spiegel Online (Erfolg in der Doppelrolle 2010), Online.
2 Bild (Ein Sternchen greift nach den Sternen 2011), Online
3 Bild (Tennis-Stern Petkovic 2011), Online.
4 Vgl. Spiegel Online (Erfolg in der Doppelrolle 2010), Online.
5 Vgl. Top20 Andrea Petkovic
6 Vgl. TENNIS MAGAZIN (Neue deutsche Welle 06/2011), S. 16-23
7 Vgl. WTA Tour (WTA Singles Rankings 2011), Online
2
Im Rahmen dieser Arbeit soll es primär darum gehen, dass positive oder negative Faktoren aufgezeigt werden, die Einfluss auf die Entwicklung einer Sportart haben können. Um dies beantworten zu können, muss man sich natürlich mit der Entwicklung der Sportart „Tennis“ auseinandersetzen. Dabei ist eine Trennung zwischen nationaler und internationaler Entwicklung und Wahrnehmung vorzunehmen.
Gerade im Tennissport lässt sich hier ein klarer Unterschied in den verschiedenen Entwicklungen erkennen. Lange Jahre sprach man von einem Tennisboom und dann sprach man aber schnell auch von genau dem Gegenteil. Wie kommt es zu eben diesem genannten „Boom“ und wie kommt es dann zu der konträren Negativentwicklung? Fragen, welche ebenso beantwortet werden sollen.
Worauf bezieht sich diese Meinung? Ist das nur eine Momentaufnahme der Medien? Bezieht sich dieses Meinungsbild auf den Weltmarkt Tennis, oder ist das nur reduziert auf Deutschland? In der vorliegenden Arbeit ist es nicht die primäre Aufgabe, die eben genannten Fragen zu beantworten. In Teilen muss man sich aber trotzdem mit der aktuellen Situation und der Entwicklung auseinandersetzen. Die Kernfrage befasst sich aber letztlich damit, wie es zu diesem Meinungsbild kommen kann, sprich welche Faktoren Einfluss, egal ob positiven oder negativen, auf eine Sportart nehmen. Beispielhaft wird hierzu der Profitennissport herausgegriffen. So müssen wir uns eher damit beschäftigen, was überhaupt ursächlich für die obige Meinung ist. Wie kommt es dazu, dass man von einer sogenannten „Boomsportart“ spricht und was ist dann auch wieder für den angeblichen Abstieg der Sportart verantwortlich.
Stimmen diese Aussagen und wenn ja, was sind die Ursachen dafür? Kann man dies einzig und allein mit den Erfolgen von deutschen Tennisprofis verknüpfen? Damit wird sich die folgende Arbeit auseinandersetzen und versuchen die entscheidenden Einflussfaktoren auf die Entwicklung einer Sportart darzustellen.
3
2. Vorgehensweise und Begrifflichkeiten
Vorab soll darauf hingewiesen werden, dass im Rahmen dieser Bachelorarbeit eine Umfrage durchgeführt wurde, bei der es letztlich darum ging, Meinungen zum Tennissport und dessen aktuellen Status zu bekommen und zu ermitteln. Hierzu wurden 529 vollständig ausgefüllte Umfragen ausgewertet. Die gesamte Umfrage und deren Ergebnisse sind im Anhang zu finden. Neben dieser Umfrage wurde auch mit dem Moderator Sascha Bandermann ein Interview geführt. Sascha Bandermann war früher selbst Tennisprofi und ist mittlerweile für Sport1 und Sky als Moderator in den Bereichen Fußball, Tennis, Golf und Eishockey tätig. Auf Grund seiner persönlichen Nähe zum Tennissport und seiner beruflichen Tätigkeit hat sich das Interview angeboten, um hier eine zusätzliche fachlich fundierte Meinung einzuholen. Dieses Interview ist ebenfalls in vollem Umfang im Anhang zu finden. Sowohl das Interview, wie auch die Umfrage fließen in Teilen in die nachfolgende Arbeit mit ein. Vorab sollten noch ein paar Begrifflichkeiten geklärt werden, welche zum einen im allgemeinen Zusammenhang mit Sport stehen oder aber aus der Welt des Tennis stammen und verschiedene Organisationsformen und Turnierformate bezeichnen.
2.1. Allgemein
Sobald über den professionellen Sport geschrieben wird, werden verschiedene Begriffe genannt, die zum Teil aus einer Verknüpfung von Wirtschaft und Sport entstanden sind. Einige wenige sollen hier vorab erläutert werden.
2.1.1. Sport
Sport kann auf verschiedene Art und Weise definiert werden, je nachdem aus welcher Sichtweise man den Sport betrachtet. Eine meines Erachtens passende Definition fand Walter Freyer: „Die gängige Auffassungen, dass zum Sport - im weitesten Sinne - alle (organisierten) körperlichen Bewegungen zählen, oder die pragmatische Definition, Sport sei das „was die Menschen darunter verstehen“,…. Unter ökonomischen Aspekten sind vor allem die Sportleistungen von Interesse, die zu Tauschprozessen (Geld oder andere Gegenleistungen) zur Verfügung gestellt werden. Die Palette reicht von Übungsstunden, Wettkämpfe bis zu Mitgliedschaften, Erfolgen, Geselligkeit, Sportberichterstattung usw.“ 8
8 Vgl. Freyer (Sport-Marketing 2011), S. 50.
4
2.1.2. Sport-Marketing
„Sport-Marketing ist die Anwendung betriebswirtschaftlicher Methoden (des Marketings) für verschiedene Organisationen des Sports. Es ist eine Führungskonzeption, die Sportinstitutionen vermehrt „vom Markt her“ oder auf den „Markt ausgerichtet“ leiten will. Es verlangt langfristiges und konzeptionelles Handeln.“ 9
2.1.3. Sport-Sponsoring
„Unter Sport-Sponsoring werden diejenigen Maßnahmen von Unternehmenskommunikation verstanden, für die der Sport Plattformen bietet und für deren Nutzung er von den werbenden bzw. kommunizierenden Unternehmen Entgelt (ggf. auch in Form von Sachleistungen) erhält.“ 10
2.1.4. Sportrechtevermarktung
Im Rahmen der Sportrechtevermarktung gibt es Unternehmen und Anbieter, die sich damit befassen, den Sportunternehmen (Vereine, Clubs, Verbände, etc.) die wirtschaftliche Arbeit abzunehmen bzw. sie dabei zu unterstützen. Hierbei geht es primär darum die Rechte so optimal wie möglich auszunutzen und somit die größtmögliche wirtschaftliche Grundlage und Sicherheit für den Sportbetrieb zu schaffen. Ein Beispiel hierfür sind unter anderem Ausrüsterverträge. Teil der Sportrechtevermarktung ist die Vermarktung der medialen Rechte, sprich Fernsehrechte, welche gerade heutzutage eine wichtige Rolle einnehmen. 11
2.2. Tennis
Nach einigen allgemeinen Begrifflichkeiten nun noch ein paar Begriffe und deren Erläuterung aus dem Bereich des Tennissports, welche in der Arbeit des Öfteren Erwähnung finden und deshalb vorab behandelt werden sollten.
2.2.1. ATP
ATP steht für Association of Tennis Professionals und bezeichnet damit die Spielervereinigung der männlichen Profis, welche im Jahr 1972 gegründet wurde. Seit 1990 wird auf der sogenannten ATP Tour bzw. mittlerweile ATP-World-Tour gespielt, welche die ehemalige Grand-Prix-Serie der ITF ablöste. Nach der Gründung traten ebenfalls die Turnierdirektoren der ATP bei. 12
9 Vgl. Freyer (Sport-Marketing 2011), S. 59.
10 Vgl. Krüger/Dreyer (Sportmanagement 2004), S. 67.
11 Vgl. Richter (Sportrechtevermarktung 2004), S.58-61.
12 Vgl. BTV (Tennislexikon 2011), Online.
5
2.2.2. WTA
WTA steht für Women Tennis Association und steht für die Spielervereinigung der Profi-Tennisspielerinnen. Sie wurde 1970 gegründet und umfasst derzeit 62 Turniere, die in der sogenannten WTA-Tour zusammengefasst sind. 13
2.2.3. Open Era
Open Era (dt. offene Ära) oder auch Open Tennis steht für die Öffnung der Turniere sowohl für Amateure, wie auch für Profis, welche im Jahr 1968 von statten ging. 14
2.2.4. Grand Slams
Als Grand Slams werden die 4 Grand Slam Turniere bezeichnet. Australian Open in Melbourne, French Open in Paris, Wimbledon in London, US Open in Flushing Meadows/New York. Als Grand Slam wird des Weiteren noch der Gewinn aller 4 Grands Slam Turniere innerhalb eines Jahres bezeichnet. 15
2.2.5. ATP World Tour
Die ATP World Tour bezeichnet die Turnierserie der ATP. Die folgende Grafik hilft dabei etwas bei der Erklärung.
Im Rahmen der ATP World Tour gibt es 4 Arten von Turnieren, die sich auf Grund ihrer Größe, der Preisgelder und der zu gewinnenden Punkte unterscheiden. An der Spitze stehen die vier sogenannten Grand Slams, bei denen für den Sieger 2000 Weltranglistenpunkte
13 Vgl. BTV (Tennislexikon 2011), Online.
14 Vgl. BTV (Tennislexikon 2011), Online.
15 Vgl. BTV (Tennislexikon 2011), Online.
6
warten. Darunter gibt es dann die ATP Tour 1000, ATP Tour 500- und ATP 250-Turniere, bei denen es dann entsprechend 1000, 500 und 250 Weltranglistenpunkte für den Sieger gibt. Am Ende der Saison findet die sogenannten Barclay World Tour Finals statt, welche derzeit jährlich in London ausgetragen werden. Hier treten die besten 8 Doppelpaarungen und die besten 8 Einzelspieler gegeneinander an. Im Rahmen der Barclay World Tour Finals wird dann die Nummer 1 der Saison gekürt. 16
2.3. World Team Cup
Der World Team Cup ist die offizielle Mannschaftsweltmeisterschaft und wurde im Jahr 1978 ins Leben gerufen. Seit diesem Jahr findet die Veranstaltung alljährlich im Düsseldorfer Rochusclub statt. 17
2.4. Davis Cup
„Der Davispokal-Wettbewerb, der als jährliche Team-Weltmeisterschaft mit je vier Einzeln und einem Doppel an drei aufeinanderfolgenden Tagen in mehreren Runden ausgetragen wird, geht auf eine Idee des Amerikaners Dwight F. Davis zurück, der auch den Pokal stiftete. Erstmals wurde er 1900 zwischen den USA und Großbritannien ausgetragen.“ 18
2.5. Federation Cup
Der Federation Cup (kurz Fed Cup) ist das Gegenstück zum Davis Cup bei den Damen und wird seit 1963 ausgetragen. 19
2.6. Hopman Cup
Der Hopman Cup ist ein Mixed-Mannschaftswettbewerb der jährlich im australischen Perth stattfindet und bei dem Damen und Herren gemeinsam für Ihre Nation gegeneinander antreten. Erstmals fand der Hopman Cup 1990 statt. 20
16 Vgl. ATP World Tour (About the tour 2011), Online.
17 Vgl. BTV (Tennislexikon 2011), Online.
18 BTV (Tennislexikon 2011), Online.
19 Vgl. FedCup (History 2011), Online.
20 Vgl. Hopman Cup (About the Event 2011), Online.
7
3. Entwicklung der Sportart Tennis unter historischen und wirtschaftlichen Aspekten Um die Einflussfaktoren auf den Tennissport näher erläutern zu können, muss auf jeden Fall ein Blick auf die Entwicklung des Sports geworfen werden. Primär natürlich erst einmal bezogen auf die geschichtliche Entwicklung von den Anfängen bis heute. Damit einher geht aber natürlich auch die wirtschaftliche Entwicklung, die in gewisser Weise aus der Geschichte mit hervorgeht. Gerade was die vergangenen Jahre angeht, ist vor allem auch der Vergleich zwischen dem deutschen und dem internationalen Markt interessant. Gab es hier eine ähnliche oder differenzierte Entwicklung?
3.1. Allgemein
Die Geschichte des Tennissports geht zurück bis in das 13. Jahrhundert. Die ersten Schilderungen des Spiels berichten unter anderem von den Anfängen aus Frankreich und England. Die Urform des Tennis, welche in Frankreich unter dem Namen „Jeu de Paume“ bekannt war, wurde vor allem von Mönchen in Klosterhöfen betrieben. Als Spielfeld wurde das halbierte Quadrat des Klosterhofs genutzt und wurde durch eine Mittellinie unterteilt. Wie der französische Name „paume“, der für Handfläche steht, bereits erahnen lässt, wurde der Ball damals mit der flachen Hand gespielt. Diese Art des Tennis wird bis heute unter anderem in England (Real Tennis), Frankreich (Jeu de paume), Australien (Royal Tennis) und in den USA (Court Tennis) gespielt. Erst im 16. Jahrhundert wurde erstmals mit einem Schläger (Racket), welches mit Saiten bespannt war, über ein Netz gespielt. Beschreibungen dieser Art des Spiels gehen auf Erzählungen und Beschreibungen aus den Niederlanden, sowie aus Italien und Spanien zurück. Die Anfänge des heutigen Tennis, liegen im 18 Jahrhundert in England. Für das damals in die Wege geleitete Rasentennis (engl. Lawn Tennis) gab es zu dem Zeitpunkt die entsprechenden technischen Voraussetzungen, wie die Erfindung der Rasenmähmaschine und die Verwendung von Gummibällen. Das Regelwerk, welches zum Teil heute noch Anwendung findet, wurde im Zuge der ersten Meisterschaften, welche vom All England and Lawn Tennis Club in Wimbledon (London) veranstaltet wurden, festgelegt. Die Meisterschaften fanden erstmals vom 09. bis 19.07.1877 statt. Ab dem September des Jahres 1877 wurde Tennis nach den neu festgelegten Regeln in Deutschland gespielt. Zu Beginn spielten in erster Linie englische Kurgäste und später auch die Militärs. Der erste deutsche Club entstand 1881 in Baden-Baden. Im Jahr 1902 wurde der Deutsche Lawn Tennis Bund (DLTB) gegründet, aus dem nach dem ersten Weltkrieg, durch Streichung des Buchstabens L im Namen, der Deutsche Tennis Bund (DTB) hervorging. 21
21 Vgl. Der Brockhaus multimedial 2010 (Tennis 2010), DVD.
8
Tennis galt in Deutschland lange Zeit als elitärer Sport, der den Reichen vorbehalten war. Dies hat sich im 20. Jahrhundert nach und nach geändert. Grund dafür war mit Sicherheit auch die Öffnung des Sports im Zuge der Einführung der Open Era Ende der 1960er Jahre. Daraus ergaben sich dann auch eine größere mediale Bekanntheit und ein gesteigertes Interesse. Entscheidend beeinflusst wurde die Entwicklung des Tennissports in Deutschland dann allerdings in den 1980er Jahre, als die deutschen Profis mit großen Erfolgen aufwarteten. 1985 siegte Boris Becker als erster Deutscher und jüngster Spieler aller Zeiten bei den All England Championships in Wimbledon. Diesen Erfolg konnte er im folgenden Jahr gleich wiederholen. 22 Parallel dazu gelangte Stefanie Graf zur selben Zeit in die Weltspitze, gewann 1987 mit den French Open ihr erstes Grand Slam Turnier und lies 1988 erstmals den Sieg in Wimbledon folgen. 23 Graf und Becker schafften 1989 beide jeweils den Erfolg in Wimbledon. Auch Michael Stich zählte in dieser Zeit zu den Besten der Welt und gewann ebenfalls einmal in Wimbledon, 1991 gegen Boris Becker. 24 Beide zusammen gewannen 1992 in Barcelona olympisches Gold im Doppel. 25 Die Erfolge der drei besten deutschen Spieler könnten noch einige Seiten füllen, sollen hier aber nur beispielhaft dafür stehen, was der entscheidende Grund für den Ausbruch des sogenannten „Tennisbooms“ in Deutschland war. Bevor jetzt detaillierter der deutsche Markt betrachtet wird und ein Vergleich zum internationalen Markt gezogen wird, noch ein kurzer Blick auf die Entwicklung des Sports.
Alle Sportarten haben sich in den vergangenen Jahren weiterentwickelt. Das hängt natürlich auch mit der technischen Entwicklung zusammen. Im Tennis hat allein die Entwicklung der Schläger und der verwendeten Materialien das Spiel verändert, bzw. es ermöglicht, dass heutzutage anders gespielt. Bis in die 1980er Jahre wurden Schläger aus Holz verwendet. Diese wurden dann nach und nach von Stahl und Aluminiumschlägern und schließlich von Graphiteschlägern abgelöst. Heutzutage bestehen die meisten Tennisschläger aus einem Materialmix, bei dem unter anderem Kohlefaser (Karbon), Kunststoffharz und Kevlar zum Einsatz kommen. Dadurch wurde erreicht, dass die Schläger heutzutage zum einen extrem steif, sprich stabil und gleichzeitig sehr leicht sind. 26 Die Materialentwicklung hat das Spiel natürlich mitgeprägt und dafür gesorgt, dass inzwischen ganz anders gespielt werden kann, wie etwa vor 40 Jahren. Veränderungen haben sich auch allein dadurch ergeben, dass auf Grund der allgemeinen Generationsentwicklung der Menschheit die Körpergröße der Frauen und Männer zugenommen hat. Diese anderen Körpermaße haben sich auch auf das Spiel verändernd ausgewirkt.
22 Vgl. Der Brockhaus multimedial 2010 (Boris Becker 2010), DVD.
23 Vgl. Der Brockhaus multimedial 2010 (Stefanie Graf 2010), DVD.
24 Vgl. Der Brockhaus multimedial 2010 (Michael Stich 2010), DVD.
25 Vgl. Der Brockhaus multimedial 2010 (Boris Becker 2010), DVD.
26 Vgl. about.com (An Evolutionary History of Tennis Racquets), Online.
9
Ein Beispiel dafür stellt ein verbesserter Aufschlag, oder eine größere Reichweite dar. Die Spieler haben insgesamt, neben der Entwicklung der Körpergröße, auf die sie keinen persönlichen Einfluss haben, auch an Muskelmasse gewonnen und somit insgesamt an Athletik. Durch gezieltes Konditionstraining und Krafttraining ist der Tennissport viel athletischer geworden und unterscheidet sich bereits in Geschwindigkeit und Dynamik deutlich von dem Spiel von vor 10 Jahren und ganz wesentlich von dem Spiel von noch früheren Jahren.
Durch die höhere Dynamik im Spiel hat sich auch die Länge der Ballwechsel verändert. So wurde im Rahmen von Untersuchungen festgestellt, dass im Jahr 1988 bei den US Open ein durchschnittlicher Ballwechsel 12,2 Sekunden gedauert hat. Diese Zeit hat sich innerhalb von 15 Jahren deutlich verändert. Im Jahr 2003 lag die durchschnittliche Ballwechseldauer bei den US Open nur mehr bei 5,99 Sekunden. Eine eindeutige Verkürzung, die sich auch in der Matchdauer niederschlägt, die von 294 auf 101,46 Minuten gesunken ist. So konnte bereits innerhalb dieser 15 Jahre eine dramatische und deutliche Veränderung des Tennisspiels festgestellt werden. Die Art zu spielen ist deutlich dynamischer, schneller, härter und aggressiver geworden. 27 Ohne die statistische Betrachtung kann auch festgestellt werden, dass bestimmte Spieltypen nicht mehr existieren. Beispielsweise der Spieltyp des Serve-an-Volley-Spielers 28 , der nach seinem Aufschlag direkt ans Netz läuft. Früher gab es eine Vielzahl an Spielern die auf Rasen, bzw. zum Teil auf allen Belägen, so agiert haben. Einige Namen die diese Art des Spiels vertreten haben waren, Boris Becker, Stefan Edberg, Patrick Rafter, Tim Henman und noch einige mehr. Demzufolge kann man in den verschiedensten Bereichen die Entwicklung und Weiterentwicklung des Tennissports feststellen. Insbesondere handelt es sich hierbei um eine historisch gewachsene Entwicklung in Verbindung, mit neuen Materialien, neuen Techniken und gestiegener Athletik.
27 Vgl. Schönborn (Optimales Tennistraining 2006), S. 13-17.
28 Vgl. BTV (Tennislexikon 2011), Online.
10
3.2. Vergleich Deutschland und International
Bei dem Vergleich zwischen Deutschland und dem Rest der Welt sollte jetzt primär der Vergleich aus wirtschaftlicher Sicht und aus Interessenssicht im Mittelpunkt stehen. Wie verhielt sich das Interesse für Tennis und wie haben sich die Märkte entwickelt? Gibt es parallelen, oder liefen die Entwicklungen konträr zueinander? In Deutschland hat das Tennis in den vergangenen 20 Jahren eine beispiellose Berg- und Talfahrt erlebt. Dank deutscher Stars gelang es in den 1980ern und 1990ern die Leute für Tennis zu begeistern, vor den Fernsehen zu bekommen und auch dazu zu bewegen, selbst in den Vereinen aktiv zu werden. Im neuen Jahrtausend fehlten dann die Siege der Profis und die Einschaltquoten gingen zurück, bzw. die Medien haben sich aus der Berichterstattung zurückgezogen. Zum Teil wurden Turniere aus Deutschland in andere Länder verlegt. 29 Wieso es zu dieser Talfahrt gekommen ist, wird später versucht, an Hand verschiedener Einflussfaktoren zu ermitteln.
Den Rückgang des Zuschauerinteresses bis zum Jahr 2010 kann man sehr gut an Hand der folgenden Grafik erkennen, welche die Zuschauerentwicklung bei den 5 deutschen Profi-Herrenturnieren, München, Stuttgart, Düsseldorf, Hamburg und Halle darstellt.
Hier lässt sich bei allen Turnieren im Vergleich zu den frühen 1990ern eine negative Entwicklung feststellen. Einzig und allein das Turnier in Halle/Westfalen hat einen positiven,
29
Vgl. SPORT+MARKT (Auf und Ab im deutschen Tennis aus SPORT+MARKT Market Insights 1/2009), Online
11
bzw. zumindest gleichbleibenden Trend. In Hamburg kam es im Jahr 2009 zu einem eklatanten Einbruch, nachdem das Turnier von Seiten der ATP zurückgestuft wurde und nun kein Masters ATP-1000-Turnier mehr war, sondern nur noch ein ATP-500-Turnier. Durch diese Rückstufung kamen dann weniger Topspieler nach Hamburg, was auch den Zuschauerrückgang erklärt. 30
In München konnte dieses Jahr wieder eine Trendwende eingeleitet werden. Auf Grund des schönen Wetters, aber auch wegen der guten Leistungen der deutschen Spieler, konnte mit 38.000 Zuschauern ein großer Erfolg gefeiert werden. 31
Ebenso verlief die Entwicklung im Damen-Tennis in Deutschland innerhalb der vergangenen Jahre negativ. So fiel das größte deutsche Damen-Tennisturnier, die German Open in Berlin, im Jahr 2009 weg. 32 Das hat zur Folge, dass in Deutschland nur noch ein Damenturnier ausgetragen wird. Der Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart, der bei den Spielerinnen 2010, wie auch schon 2007 und 2008, zum beliebtesten Turnier auf der WTA-Tour gewählt wurde. 33 Bei den Damen scheint es insgesamt, wie bereits auch schon in der Einleitung erwähnt, einen Aufschwung zu geben. Man kann vielleicht sogar von einem Mini-Tennisboom sprechen. Zwei deutsche Spielerinnen unter den Top20, den besten zwanzig Spielerinnen der Welt. Siege gegen die Nummer 1 der Welt, Turniersieg in Stuttgart durch Julia Görges, Davis Cup Sieg gegen die USA, das sind einige positiven Meldungen der letzten Wochen bzw. Monate, die einen optimistisch stimmen können und möglicherweise die Basis dafür sind, dass nach einer langen Talfahrt der Weg wieder nach oben geht. Wenn man nun im Vergleich dazu das internationale Tennis betrachtet, stellt sich dort ein ganz anderes Bild dar. Eine stetig positive und ansteigende Entwicklung in den vergangenen 10 Jahren, sowohl bei den Männern, wie auch bei den Damen. Es gab zwar auch hier eine Phase, welche im Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise zu Beginn des Jahres 2009 stand, als die einen oder anderen Sponsoren Ihre Engagement zurückgezogen haben. Doch diese kurze Krise hatte keine großen Auswirkungen auf den internationalen Tennissport. Schon wenig später ging die Superlative weiter. Die Australian Open, das erste Grand Slam Turnier des Jahres, verzeichneten im Jahr 2010 neue Rekorde. Die meisten Zuschauer (653.860) in der Geschichte des Turniers und das höchste jemals in Australien ausgeschüttete Preisgeld (24 Millionen australische Dollar). 34 Parallel dazu konnte die ATP im Februar 2010 wieder einen neuen Hauptsponsor mit ins Boot holen. Corona extra, eine bekannte Biermarke einer mexikanischen Brauerei hat einen
30 Vgl. TENNIS MAGAZIN (Ende des Rothenbaums 09/2008), S 30-31.
31 Vgl. BMW Open by FWU Takaful (Zuschauerrekord und Vertragsverlängerung 2011), Online.
32 Vgl. German Open (Startseite German Open Berlin 2009), Online.
33 Vgl. Porsche Tennis Grand Prix (Pressemitteilung - Porsche-Tennis-Grand-Prix
beliebtestes Turnier 2010), Online.
34 Vgl. TENNIS MAGAZIN (Die Tour blüht 4/2010), S 34.
12
Vertrag über 5 Jahre mit der ATP geschlossen und wird ca. 70 Millionen Dollar in die ATP-Tour investieren. 35 Die Tour boomt, bzw. die Touren, ATP und WTA-Tour, boomen. Beide erleben eine Zuschauerresonant, die es in dieser Form noch nicht gegeben hat. Die Zuschauerzahlen sind in den vergangenen 10 Jahren auf der ATP-Tour von 3,7 Millionen im Jahr 2000 auf 4,4 Millionen im Jahr 2009 gestiegen, was einer prozentualen Steigerung von 16% entspricht. Auf der WTA-Tour gab es ebenso eine Steigerung um 15% im gleichen Zeitraum (2000: 2,2 Millionen, 2009: 2,6 Millionen). Dies kann an Hand der beiden folgenden Grafiken aus dem TENNIS MAGAZIN noch besser verdeutlicht werden.
Beide Grafiken, die zur WTA-Tour befindet sich auf der nächsten Seite, zeigen einen ebenfalls sehr starken Anstieg bei den Preisgeldern. Der beträgt auf der ATP-Tour 22% und auf der WTA-Tour sogar 48% innerhalb der vergangenen 10 Jahre.
35
Vgl. SPONSORs (ATP findet neuen Platinum Partner 2010), Online.
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Bernhard Mathias, 2011, Einflussfaktoren für die positive und negative Entwicklung einer Sportart, München, GRIN Verlag GmbH
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