erreicht (Übergänge zwischen den Versen eins bis vier) und zum anderen durch die
Anapher, mit welche gleichfalls eine parallele Struktur gebildet wird „Niemand hat…/niemand
könnte...“(V. 5,6). Ebenfalls die adversative Konjunktion „auch wenn…“ (V. 7) bestärkt den
Eindruck ihrer Hartnäckigkeit und Unbekümmertheit gegenüber den Meinungen anderer
Leute.
Die darauf folgende Strophe bezieht sich inhaltlich auf die Gedanken des lyrischen Ichs,
welches die Liebe beobachtet und sich nun fragt, wie es dazu gekommen sei, dass sie
erschienen ist. Vergleichend, „selbst die Katze“(V. 8) komme nicht unerwartet, auch „ein
Gedicht auf dem Papier“ erscheine sichtbar, versucht das lyrische Subjekt eine Antwort zu
finden. Besonders hierbei ist, dass die Katze an sich als einziges tatsächlich lebendiges
Lebewesen im gesamten Gedicht auftritt, somit also die Liebe nochmals indirekt als ein
solches beschrieben wird. Ansonsten werden Abstrakta personifiziert (Traum, Liebe). Die
rhetorische Frage in Vers 8 ist eine direkte Forderung nach einer Erklärung für das Verhalten
der Liebe, welche durch die Wiederholung von „kam“ und „sie“ verstärkt wird. Die Chiffre „der
dunkelfüßige Traum“(V. 11) wird ebenfalls personifiziert, selbst er stelle sich nicht aus. Er
hinterlässt sozusagen mit seinen dunklen Füßen Spuren auf dem darauffolgenden, hellen
Tag. Selbst eine schwache Erinnerung an ihn ist also sichtbar. Mit dieser Strophe wird
wiederholt die Eigenständigkeit der Liebe präsentiert, nun aber auch das lyrische Ich
charakterisiert. Es hat keinerlei Einfluss auf das Tun der Liebe, versucht zwar Erklärungen
dafür zu finden, ist ihr gegenüber aber machtlos.
In der dritten Strophe wird nun das plötzliche Verschwinden der Liebe thematisiert. Die
Hilflosigkeit des lyrischen Ichs wird durch das Enjambement zwischen den Versen dreizehn
und vierzehn verdeutlicht. Das lyrische Subjekt scheint überrascht, perplex über das
Verhalten der Liebe zu sein. Wiederholt wird eine rhetorische Frage (V. 15) benutzt, um die
Deutungshypothesen einzuleiten, welche sich wiederum vergleichend an das Abstraktum
Tod sowie die Träne wendet, welche doch auch „eine Spur“ hinterließen (V. 17). Eine
Wiederholung von „selbst“ im Vers 16 hat zur Folge, dass dieser einen anaphorischen wie
auch parallelen Aufbau aufweist. Dieser Aufzählcharakter, verbunden mit einem
Enjambement zwischen den Versen 16 und 17, legt die neu aufkommende
Unverständlichkeit bezüglich der Liebe dar. Ihr augenscheinlicher Wankelmut ist unerklärlich
für das lyrische Ich.
Neben der strophischen Einteilung des Gedichts ist ebenfalls eine Zweiteilung möglich,
welche auf dem von der Autorin benutzten Wortfeld basiert.
Der erste Teil (V. 1- 10) beinhaltet vorwiegend Substantive und Verben, die positiv konnotiert
werden, wie beispielsweise „sich räkeln“(V. 3), Liebe, Sonne, Gedicht und auch das Papier,
welches hell und weiß ist, und mit dem Gedicht eine poetische, freudig kreative Symbiose
eingeht, also nicht als neutraler Gegenstand fungiert. Die Mauer steht symbolisch für eine
Barriere. So wird dem psychologischen „nicht an die Liebe heranreichen“ des lyrischen Ichs
auch ein physischer, sichtbarer „Zaun“ ergänzt, wodurch es für das lyrische Subjekt nicht
denkbar ist, an die Liebe heranzutreten. Die Mauer kann aber ebenso gut als eine Art Podest
oder Bühne für die Liebe sein, worauf sie sich präsentieren kann, damit sie „für jeden zu
sehn“(V. 4) ist und sich in aller Ruhe „in der Sonne/…räkel(n)…“(V. 2,3) kann.
Zudem kommt, dass in diesen Zeilen überwiegend weibliche Kadenzen verwendet werden
(siehe V.1, 2, 5, 6, 7, 9). Dies erwirkt eine leicht vorantreibende Erzählweise, die durch die
unbetonten Endungen als wesentlich angenehmer als die nachfolgenden Verse empfunden
wird. Das lyrische Ich weiß zwar nicht, wie es das Verhalten der Liebe deuten soll, hat aber
trotzdem einen andauernden Gedankenfluss.
Dieser wird in den Zeilen 11 bis 17 durchbrochen und unentschlossen gezeigt. Die
männlichen Kadenzen (ausgenommen V. 16) lassen die jeweiligen Verse mehr wie
Gedankenfetzen erscheinen. Verwundert über das Verschwinden der Liebe, denkt das
lyrische Subjekt mit wehmütiger Stimmung darüber nach, wie es dazu kommen konnte. Dies
unterstützt auch das Wortfeld der angegeben Zeilen. Ab Vers 11 wird die zunächst helle,
muntere Stimmung eingedämmt durch „dunkelfüßig“, was eigentlich im inhaltlichen
Zusammenhang keine derartige Bedeutung hat, aber rein gefühlstechnisch die
„bekümmernde“ Wendung der 3. Strophe einleitet. Begriffe wie „leer“(V.13),
„Tod,…Träne“(V.16) werden einer negativen Konnotation zugeordnet, wodurch die
Arbeit zitieren:
Mitsie Sande, 2010, Die Liebe - Hilde Domin: Gedichtsinterpretation, München, GRIN Verlag GmbH
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