Inhaltsverzeichnis
ZUR ORGANISATION DIESER DIPLOMARBEIT
Inhaltsverzeichnis i
Abbildungsverzeichnis iv
Tabellenverzeichnis vii
Begriffserl äuterungen viii
1 EINLEITUNG. 1
1.1 Ziel der Arbeit. 2
1.2 Aufbau der Arbeit 2
2. ZUSAMMENFASSUNG 5
3. DIE PROGNOSE DER DEMOGRAPHISCHEN
ENTWICKLUNG IN DEUTSCHLAND 11
3.1 Bestimmungsfaktoren der demographischen
Entwicklung 11
3.1.1 Die Verhaltenskomponente 11
3.1.2 Die Strukturkomponente 12
3.2 Die bisherige Bevölkerungsentwicklung in
Deutschland. 12
3.3 Prognose der Demographischen Entwicklung 17
3.3.1 Die Prognose der gesamtdeutschen Entwicklung. 17
3.3.2 Prognose der Bevölkerungsentwicklung in Ostdeutschland. 21
3.3.3 Die Bevölkerungsentwicklung im weltweiten Vergleich 23
3.4 Einschätzung der Treffsicherheit von
Bev ölkerungsprognosen 24
3.5 Zusammenfassung 29
4. AUSWIRKUNGEN DER DEMOGRAPHISCHEN
ENTWICKLUNG AUF DEN IMMOBILIENMARKT 31
4.1 Bestimmungsfaktoren der Nachfrageentwicklung 31
4.2 Die derzeitige Marktlage für Wohnimmobilien. 34
4.2.1 Einschätzung der Angebotsseite. 34
4.2.2 Einschätzung der Nachfrageseite 37
4.2.3 Räumliche Verteilung der Nachfrage 39
4.2.4 Bilanz 41
i
4.3 Prognose der Entwicklung des Immobilienmarktes 46
4.3.1 Prognose für Deutschland 48
4.3.2 Prognose für Ostdeutschland 55
4.4 Prognose der räumlichen Verteilung von Angebot und
Nachfrage 58
4.4.1 Einschätzung der räumlichen Entwicklung in Deutschland. 60
4.4.2 Einschätzung der räumlichen Entwicklung in Ostdeutschland 63
4.5 Konsequenzen der dargestellten Entwicklung für die
Wohnungswirtschaft 65
4.6 Zusammenfassung 67
5. HANDLUNGSMÖGLICHKEITEN DER PRIVATEN
IMMOBILIENWIRTSCHAFT IN SCHRUMPFENDEN
R ÄUMEN 69
5.1 Allgemein anerkannte Raum- und
Stadtentwicklungsziele 69
5.1.1 Internationale und nationale Vereinbarungen zur Raum- und
Stadtentwicklung 69
5.1.2 Stadtentwicklungsziele 72
5.1.3 Konflikt der Stadtentwicklungsziele mit den Interessen der
Wohnungswirtschaft 73
5.2 Handlungsmöglichkeiten für die Immobilien-
wirtschaft. 74
5.2.1 Aufwertung 74
5.2.2 Rückbau 78
5.2.3 Stillegung 82
5.2.4 Veräußerung. 83
5.2.5 Umnutzung. 86
5.3 Förderprogramme 89
5.3.1 EU-Strukturfonds und Gemeinschaftsinitiativen 89
5.3.2 Förderprogramme des Bundes 90
5.3.3 Förderprogramme der Länder 94
5.4 Auswirkungen der Handlungsoptionen auf den
Immobilienmarkt................................................................. 94
5.5 Zusammenfassung 95
6. EINSCHÄTZUNG DER VERMARKTBARKEIT VON
WOHNIMMOBILIEN IN SCHRUMPFENDEN RÄUMEN 97
6.1 Wohnpräferenzen der Menschen. 97
6.1.1 Wohnwünsche und Wohnbedürfnisse. 97
6.1.2 Lebensstilgruppen 102
6.1.3 Bedeutung der Wohnpräferenzen für den Immobilienmarkt 104
6.2 Wohnqualität verschiedener Gebäude 107
6.2.1 Anforderungen an eine soziale Architektur 108
6.2.2 Geschossbauten. 109
6.2.3 Flachbauten. 114
6.2.4 Schlussfolgerungen 115
ii
6.3 Prognose der Nachfrageverteilung. 115
6.3.1 Flachbauten 116
6.3.2 Geschossbauten 117
6.3.3 Großsiedlungen 118
6.4 Ökologische Qualität verschiedener Wohnformen 122
6.4.1 Flächenverbrauch 123
6.4.2 Energieverbrauch 124
6.4.3 Verkehrserzeugung. 125
6.5 Ökonomische Perspektive. 126
6.5.1 Eigentumsbildung. 126
6.5.2 Mietwohnungsmarkt. 128
6.6 Schlussfolgerungen für die Vermarktbarkeit von
Wohnimmobilien 130
6.7 Zusammenfassung 131
7. UNTERSUCHUNG DER RÜCKBAUOPTION IN
GRO ßSIEDLUNGEN. 133
7.1 Rückbaukosten 133
7.2 Neuerrichtung kleinteiliger Bebauung 135
7.3 Profitabilität verschiedener Handlungsoptionen. 138
8. FAZIT: IN SCHRUMPFENDEN MÄRKTEN STELLT
SICH DIE RÜCKBAUOPTION ALS SINNVOLLSTE
HANDLUNGSM ÖGLICHKEIT DAR 143
LITERATURVERZEICHNIS 145
Literatur 145
Internetrecherche 149
Sonstiges Material 152
ANHANG. IX
Daten der Graphiken zur Bevölkerungsentwicklung. ix
Daten der Graphiken zum Immobilienmarkt. xiv
Daten zur Abschätzung der Vermarktbarkeit. xvii
iii
Abbildungsverzeichnis
1 Methodischer Aufbau der Arbeit. 3
2 Die Bevölkerung in Deutschland ab 1950. 13
3 Die zusammengefasste Geburtenziffer 1997 in Deutschland. 14
Der Altersaufbau der deutschen Bevölkerung in Ost- und Westdeutsch-
4
land. 15
Bev ölkerungsentwicklung in Deutschland unterschieden nach Ost und
5
West. 16
6 Lebendgeborene pro Jahr in Deutschland seit dem Jahr 1841. 17
7 Der Altersaufbau der deutschen Bevölkerung 1910, 1999 und 2050. 18
8 Prognose der Bevölkerung in Deutschland bis 2050. 19
9 Prognose der Bevölkerungsentwicklung in Ostdeutschland bis 2050. 22
10 Entwicklung der Bevölkerung auf den einzelnen Kontinenten. 23
11 Prozentuale Veränderung der Bevölkerung in Europa bis zum Jahr 2050. 24
12 Auftragseingang im Bauhauptgewerbe. 35
13 Preise für Baugrundstücke in Mittel- und Großstädten. 35
Die Entwicklung der Wohnungsbautätigkeit in West- und Ostdeutsch-
14
land. 36
15 Personen je Haushalt aufgeschlüsselt nach Kreisen. 38
iv
16 Die Einwohnerdichte je km in Deutschland differenziert nach Kreisen. 40
Das Verhältnis von Haushalten zu Wohnungen in den einzelnen Bundeslän-
17
dern. 41
18 Leerstandsquoten am Gesamtbestand in Ostdeutschland. 42
Mietpreisspannen der Nettokaltmieten in Großstädten Ostdeutschlands
19
1999. 44
Die Prognose der Entwicklung der Zahl der Haushalte in Ostdeutsch-
20
land. 46
21 Siedlungsstrukturelle Regionstypen in Deutschland. 61
J ährlicher Neubaubedarf bis 2015 bei Mehrfamilienhäusern je 1000 Ein-
22
wohner in den Raumordnungsregionen. 62
J ährlicher Neubaubedarf bis 2015 bei Ein- und Zweifamilienhäusern
23
je 1000 Einwohner in den Raumordnungsregionen. 63
24Wohnungsmarkttypen in den Neuen Bundesländern. 64
25 Aufgewerteter Plattenbau in Wolfen-Nord. 76
26 Rückbau eines Plattenbaus. 79
Stadtvillen aus einem ehemaligen elfgeschossigen Plattenbau in Cottbus
27
Sachsendorf -Madlow. 88
28 Wohnwünsche der Deutschen. 99
29 Wohnwünsche der neun Lebensstilgruppen in Ostdeutschland 1996. 102
30 Wohnwünsche der neun Lebensstilgruppen in Westdeutschland 1996. 103
Die Wohnwünsche und die aktuelle Wohnsituation der Menschen in Ost-
31
deutschland 1996. 104
32 Unité d’Habitation „Les Bruneaux“ 1962-68. 110
v
Tabellenverzeichnis
11 Die Entwicklung der Wohnungsbautätigkeit in Deutschland...........................xv
14 Baumaße verschiedener Plattenbautypen in den neuen Bundesländern........xviii
Begriffserläuterungen
Die folgenden Begriffe haben in dieser Arbeit die nachstehende Bedeutung:
Baby Boom Generation gemeint sind die geburtenstarken Jahrgänge der 60er Jahre des
Mortalität (Sterblichkeit) Die Sterblichkeit ergibt sich aus der Zahl der Gestorbenen einer
1 Einleitung
Deutschland steht ein historisch einmali-den Immobilienmarkt machen sich in Leerges, nie da gewesenes Ereignis bevor: Die ständen und massivem Rückbau von Bevölkerung wird langfristig schrumpfen. Wohnimmobilien bemerkbar. Gerade strukturschwache Regionen, deren künstlich Eine dauerhaft zurückgehende Bevölke-erzeugte Industrien nach der Wende bankrung in Verbindung mit einer Verschiebung rott gingen, sind besonders stark von Leerdes Verhältnisses alter und junger Men-ständen betroffen. schen zugunsten der Alten hat e xtreme Auswirkungen auf alle Bereiche des Le-Um durch die abnehmende Nachfrage, vor bens. In der öffentlichen Diskussion ist der allem nach Wohnimmobilien, keinen grödrohende Zusammenbruch des umlagefi-ßeren Schaden für die Städte und die Wohnanzierten Rentensystems wohl am präsen-nungsunternehmen zu verursachen, muss testen. Aber auch die Auswirkungen auf frühzeitig an Handlungskonzepten gearbeidie gebaute Infrastruktur sind nicht minder tet werden. Dies ist in der Vergangenheit besorgniserregend. Die in der Vergangen-nicht in ausreichendem Maß geschehen, da heit geschaffenen Versorgungseinrichtun-heute viele ostdeutsche Städte und Wohgen, Bildungseinrichtungen und Wohnim-nungsunternehmen vor dem Problem einer mobilien werden keine ausreichende Nach-nachlassenden Nachfrage stehen. Die Bunfrage mehr finden und fallen brach. In desregierung hat vor dem Hintergrund Regionen, in denen die natürliche 1Mio. leerstehender Wohnungen in Ost-Abnahme der Bevölkerung durch eine deutschland das Förderprogramm „ Stadtstarke Abwanderung vor allem junger umbau Ost“ ins Leben gerufen, um die Menschen verstärkt wird, werden die betroffenen Kommunen und Wohnungsun-Auswirkungen der D emographischen ternehmen im erzwungenen Stadtumbau-Entwicklung besonders deutlich her-prozess finanziell zu unterstützen. vortreten.
Schon heute gibt es in Teilen Deutschlands, Die spannende Frage für die Zukunft lautet: vor allem in Ostdeutschland, schrumpfende Wie kann Leerstand verhindert werden und Regionen. Sie sind gekennzeichnet von welche Wohnungsbestände sind auch in einer anhaltenden Abwanderung der B e-Zukunft vermarktbar? völkerung, welche die natürliche Abnahme der Bevölkerung noch verstärkt. Die Auswirkungen des Bevölkerungsrückgangs auf
ckeln. Im Hinblick auf einen zu erwarten- 1.1Ziel der Arbeit
den dauerhaften Angebotsüberhang soll Ziel der Arbeit ist die Darstellung der eine Aussage über die zukünftige Ver-Auswirkungen der zukünftigen Demogramarktbarkeit von Wohnimmobilien getrofphischen Entwicklung auf den Immobifen werden.
lienmarkt in Deutschland. Von besonderem Interesse sind die schrumpfenden Regionen Im Ergebnis kann, unter Zugrundelegung innerhalb Deutschlands. Das heißt Regioder Demographischen Entwicklung und der nen, welche in Zukunft durch die natürliche dadurch beeinflussten Vermarktbarkeit von Abnahme der Bevölkerung und durch Ab-Wohnimmobilien, eine Aussage darüber wanderungsprozesse besonders stark unter getroffen werden, welche Handlungsoption der Demographischen Entwicklung leiden der Wohnungswirtschaft, als Reaktion auf werden. Der F okus der hier angestellten die Auswirkungen der Demographischen Betrachtungen soll auf diese Räume gelegt Entwicklung, die sinnvollste ist. werden. Sie können allerdings nur durch regionale oder lokale Wohnungsmarktana-
1.2Aufbau der Arbeit
lysen exakt definiert werden. Daher werden die gemachten Aussagen nicht auf geogra-Grundlage der in dieser Arbeit angestellten phische Räume, sondern auf Raumkatego-Überlegungen ist die zukünftige Demogra- rienbezogen. phische Entwicklung in Deutschland. Der durch die Alterung, die Schrumpfung und In dauerhaft schrumpfenden Räumen steht die Wanderung der Bevölkerung ausgelöste die Immobilienwirtschaft vor dem Prob-Veränderungsprozess bewirkt die Entstelem, für die bereits vorhandenen Wohnim-hung von schrumpfenden R egionen in mobilien auf keine ausreichende Nachfrage Deutschland.
zurückgreifen zu können. Das legt es nahe, über Handlungsoptionen nachzudenken, Die Auswirkungen des Schrumpfungsprowelche eine dauerhafte Vermarktbarkeit zesses auf den
Immobilienmarkt
in diesen von Wohnimmobilien für die Immobilien-Regionen stellt ein zentrales Thema dieser wirtschaft in schrumpfenden Räumen er-Arbeit dar. Durch die natürliche Schrumpmöglichen. Langfristig ist es notwendig, fung und Alterung der Bevölkerung, sowie die Vermarktbarkeit verschiedener Wohn-durch die Abwanderung, entsteht ein Wohimmobilien zu untersuchen, um eine nach-nungsüberangebot, welches strukturell behaltige Lösung für ein wirtschaftlich ren-dingt ist.
Leerstände
sind die Folge. tables Engagement der Immobilienwirtschaft in schrumpfenden Räumen zu entwi-
2
nungswirtschaft. Dieser Tatsache soll durch
interessant ist in diesem Zusammenhang
die Diskussion verschiedener Handlungs-
möglichkeiten entgegengewirkt werden. Dazu werden fünf mögliche Richtungen dargestellt und diskutiert. Neben der Aufwertung, der Stillegung, der Umnutzung und dem Verkauf der Immobilien stellt der
immobilien im wesentlichen eine Kostenfrage. Weiterhin spielen die Qualität verschiedener Immobilien für Wohnzwecke und deren ökologische Verträglichkeit eine gewisse Rolle. Denn die zu ergreifenden Handlungsoptionen können nur im Einklang mit den Stadtentwicklungszielen der Kommune verwirklicht werden.
Als Resultat kann eine Aussage zur Entwicklung der Wohnimmobilienmärkte unter dem Einfluss der Demographischen Entwicklung getroffen werden und die Vermarktbarkeit von verschiedenen Immobilien eingeschätzt werden. Auf dieser Basis ist es möglich eine Empfehlung für eine bestimmte Handlungsoption abzugeben. Um diese Empfehlung mit Fakten untermauern zu können, wird im Anschluss eine Untersuchung der Rückbauoption auf ihre Praktikabilität vorgenommen.
Die hier gemachten Abschätzungen und Aussagen beziehen sich auf Deutschland im allgemeinen und nicht auf einen speziellen Standort. Es muss betont werden, dass jeder Einzelfall spezielle durch den Mikro-standort bedingte Eigenheiten aufweist und die auf der nationalen Betrachtungsebene gemachten Aussagen nicht direkt auf den Einzelfall angewendet werden können.
4
2. Zusammenfassung
Die zukünftige Demographische Entwick-werden dadurch in diesen Regionen noch lung zeichnet sich vor allem durch zwei verstärkt. Ostdeutschland leidet schon heu-Trends aus. Die Bevölkerung nimmt ab und te unter Schrumpfungsprozessen. Vor alaltert. In einigen Regionen Deutschlands lem aufgrund der ungünstigen wirtschaftlitreten diese Veränderungen stärker zu Ta-chen Situation sind viele Haushalte ge, in anderen eher schwächer. Insgesamt abgewandert. Hinzu kommt, dass im Zuge aber ist an einer langfristigen kontinuierli-der Wende die Geburtenrate von einem chen Abnahme der Bevölkerung nicht zu relativ hohen Niveau extrem abgesunken zweifeln. Hauptursache des Schrump-ist und nun im nationalen Vergleich fungsprozesses ist die natürliche Bevölke-unterdurchschnittlich ist. rungsentwicklung. Das Absinken der Geburtenrate auf ein Niveau, welches langfris-Die Folgen der Demographischen Entwicktig nicht mehr zum Bestandserhalt der Be-lung betreffen viele Bereiche. Die Auswirvölkerung ausreicht, bewirkt zusammen kungen auf das umlagefinanzierte Rentenmit nicht ausreichenden Wanderungsüber-system wurden und werden in der Öffentschüssen eine Abnahme der Bevölkerung lichkeit am ehesten wahrgenommen. Aus um etwa 14% bis zum Jahr 2050 und eine raumplanerischer Sicht ist aber das Brachgleichzeitige Alterung. Diese kommt durch fallen von Infrastrukturen viel besorgniserdie Tatsache zustande, dass pro Geburten-regender. Ein Rentensystem ist ein Konjahrgang weniger Menschen geboren wer-strukt aus selbst geschaffenen Regeln und den als notwendig wäre, um die vorhande-damit variabel. Gebaute Infrastruktur ist ne Bevölkerung zu ersetzen. Dadurch er-dagegen sehr unflexibel. Über Wohnimhöht sich das Gewicht der älteren Men-mobilien, Immobilien für Bildungseinrichschen an der Gesamtbevölkerung und führt tungen, Kindererziehung, Versorgung zum dazu, dass der Altersdurchschnitt der Be-täglichen Bedarf bis hin zu Verkehrsinfravölkerung steigt. Die Abnahme der Bevöl-struktur ist alles standortgebunden und in kerung ist im Raum nicht gleichverteilt. In den meisten Fällen für einen speziellen Gebieten, deren wirtschaftliche Entwick-Bedarf konstruiert und auch nur hierfür lung im Vergleich zu anderen unterdurch-nutzbar. Eine Wohnung kann nicht ohne schnittlich ist, kommt es zu stärkeren Be-weiteres als Büro genutzt werden, eine völkerungsverlusten aufgrund von Abwan-Schule nicht als Gewerberaum und ein derungen vor allem junger Menschen. Die Kaufhaus nicht als Kino. Bei einer angebeschriebenen demographischen Prozesse nommenen Abnahme der Bevölkerung und
infolgedessen auch einer A bnahme der Für die Wohnungswirtschaft sind die Fol-Zahl der Haushalte, trotz anhaltender Haus-gen der Demographischen Entwicklung haltsverkleinerung, verringert sich die besonders schmerzhaft, denn die Immobili-Nachfrage nach Wohnimmobilien. Der tät und Unflexibilität ihres Produktes, der Bestand an vorhandenen Wohnimmobilien Wohnungen, erschwert es neue Märkte zu kann aber der nachlassenden Nachfrage erschließen. Die vorhandenen Immobilien nicht durch eine Senkung des Angebots können weder auf einem, räumlich betrachangepasst werden. Denn der W ohnungs-tet, anderen Markt angeboten werden, noch markt ist ein Bestandsmarkt und das Pro-ist es ohne Aufwand möglich sie in einem dukt, die Wohnungen, können nicht wie anderen Marktsegment zu platzieren. Daher andere Produkte bei nachlassender Nach-drohen der Wohnungswirtschaft in frage vom Markt genommen werden. Da-schrumpfenden Regionen aufgrund der zu her entstehen in Räumen, die besonders erwartenden Leerstände z.T. erhebliche stark von einer nachlassenden Nachfrage Einnahmeverluste. Die Kosten für Investiim Bereich der Wohnimmobilien betroffen tionen in den Bau, die Modernisierung oder sind, Leerstände. Besonders Regionen mit Sanierung der Immobilien müssen aus geschwacher wirtschaftlicher Entwicklung ringeren Mieteinnahmen gedeckt werden. sind hiervon betroffen, da zur natürlichen Darüber hinaus entstehen laufende Kosten Abnahme der Bevölkerung die Abnahme für die Bewirtschaftung der Gebäude. Aus aufgrund der Abwanderung der zumeist diesem Grund ist es für die Wohnungswirtjungen Menschen kommt. Die über 1.Mio schaft ratsam Handlungsmöglichkeiten zu leerstehenden Wohnungen in Ostdeutsch-entwickeln, mit denen auf eine nachlassen-land sind zum großen Teil durch diese Tat-de Nachfrage reagiert werden kann. Besser sachen entstanden. Räumlich gesehen wer-noch wäre eine Präventivstrategie, die einden nicht alle Immobilien gleichermaßen setzt bevor Leerstände und damit ein Handvon den Nachfragerückgängen getroffen. lungszwang entstehen. Insbesondere die Kernstädte werden weiterhin Einwohner und damit auch Nachfra-Für die Wohnungswirtschaft in schrumpger an das nähere und weitere Umland ver-fenden Räumen bieten sich im wesentlilieren. In Ostdeutschland wird der Subur-chen fünf Handlungsoptionen an, um auf banisierungsprozess stärker als im Westen eine wegbrechende Nachfrage zu reagieren. durch die Wohneigentumsbildung gespeist. Das sind die Veräußerung der Immobilien, Ländliche Räume mit schwacher wirt-die Aufwertung des Bestandes, die Umnutschaftlicher Entwicklung und altindustriali-zung für andere als Wohnzwecke, die Stilsierte Gebiete vor allem in Nordostdeutsch-legung und der Rückbau. Eine Aufwertung land verlieren besonders stark Einwohner. des vorhandenen Bestandes im Sinne einer
6
Sanierung der Gebäudehülle und techni-dürften sich bei einer erwarteten Alterung schen Anlagen sowie einer Modernisierung der Bevölkerung reger Nachfrage erfreuen. des Gebäudes durch den Einbau höherwer-Von einer Zwischennutzung der leerstetiger oder zusätzlicher Einrichtungen bietet henden Gebäude durch subventionierte sich vor allem in Situationen an, in denen Wohnformen ist aufgrund sozialer Konflikviele Immobilien mit geringem Standard te eher abzuraten. Zu den eher weniger am Markt angeboten werden. In Ost-empfehlenswerten Handlungsoptionen deutschland bestand und besteht immer zählt auch die Stillegung von Gebäuden. noch ein z.T. erheblicher Sanierungs- und Stillegung bedeutet, ein Gebäude für eine Modernisierungsbedarf. Die Kosten der gewisse Zeit vom Markt zu nehmen, um es z.T. notwendigen, erheblichen Sanie-zu einem späteren Zeitpunkt unter günstirungsmaßnahmen beeinflussen diese Hand-geren Marktbedingungen wieder anbieten lungsoption aber eher negativ. Eine Veräu-zu können. Da man eine Immobilie nicht ßerung der Immobilien kann sowohl an wie andere Güter vom Markt nehmen und einen professionellen Käufer als auch an einlagern kann, gestaltet sich dieses Unterdie ehemaligen Mieter oder sonstige Privat-fangen schwierig. Besonders problematisch leute erfolgen. Durch die Mieterprivatisie-ist die Tatsache, dass leerstehende Gebäude rung kann g egenüber dem Verkauf des Vandalismus anziehen und laufende Kosten kompletten Objektes an einen Investor ein durch Instandhaltungsmaßnahmen entstehöherer Marktpreis e rzielt werden, denn hen. Da nicht anzunehmen ist, dass sich das der Mieter zahlt in der Regel einen über Verhältnis von Angebot und Nachfrage auf den Ertragswert hinausgehenden Preis. den Immobilienmärkten in Zukunft vorteil-Allerdings besteht die G efahr, nicht alle haft für die Wohnungswirtschaft entwi-Wohnungen eines Objektes veräußern zu ckelt, ist diese Handlungsoption eher negakönnen und so teilweise an die Immobilien tiv zu bewerten. Als letzter Ausweg e r-gebunden zu bleiben. Die Umnutzung von scheint oft der Rückbau leerstehender Ge-Wohnimmobilien für andere Zwecke ist bäude, obwohl diese Option aufgrund psywohl die vielfältigste Handlungsoption. chologischer Bedenken von vielen Men-Allerdings wird eine Einschränkung d a-schen noch nicht als gleichwertige Alternadurch gemacht, dass in schrumpfenden tive wahrgenommen wird. Rückbau kann Regionen nicht nur die Nachfrage nach die Abtragung der obersten Geschosse ei-Wohnraum nachlässt, sondern ebenfalls die nes hohen Gebäudes, die Herausnahme Nachfrage nach Immobilien für gewerbli-einzelner G ebäude aus einem Komplex, che Nutzungen, Freizeitnutzungen und oder Komplettabriss ganzer Siedlungen öffentliche Funktionen. Lediglich Einrich-bedeuten. Gerade bei Großwohnsiedlungen tungen zur Betreuung älterer Menschen bietet sich ein Komplettabriss an, denn
meist befinden sich alle Immobilien in Handlungsoptionen wirken sich auch auf Hand eines Investors und die Gebäude-die Vermarktbarkeit der Wohnimmobilien komplexe sind ohnehin nicht in das Stadt-in schrumpfenden Räumen aus. Für die bild integriert. Gewachsene Strukturen unattraktiven Geschossbauten gerade in werden also nicht zerstört. Der Rückbau sog. Neubaugebieten (Großsiedlungen) von Wohnungen hat positive Folgen für das Ostdeutschlands stellt der Rückbau die Verhältnis von Angebot und Nachfrage auf günstigste der vorhandenen Alternativen dem Immobilienmarkt. Allerdings kommen dar. Unter ökologischen Gesichtspunkten Rückbaumaßnahmen einzelner Unterneh-stellen kleinteiligere Bauformen, insbesonmen allen anderen Immobilienunternehmen dere unter den Auswirkungen einer ebenso zugute (windfall profit), denn das schrumpfenden Bevölkerung eine Alternamarktrelevante Angebot wird insgesamt tive zu verdichteten Bauformen dar. verringert. Rückbau ist mit hohen Kosten verbunden und bewirkt zusätzlich den Ver-Die Nachfrage nach Wohnimmobilien diflust des Vermietergeschäfts für die Woh-feriert aber nicht nur räumlich, sondern nungsunternehmen. auch bezogen auf verschiedene Immobilientypen. Trotz übermäßig vorhandenem Eine ganz wesentliche Bedeutung für die Wohnraum werden daher in Ostdeutsch-Beurteilung der genannten Handlungsopti-land weiterhin Ein- und Zweifamilienhäuonen hat die zukünftige Vermarktbarkeit ser gebaut. Wohnungsbestände die durch von Wohnimmobilien in schrumpfenden ihre Lage, ihre Ausstattung, ihr Umfeld Räumen. Hierbei sind vor allem die Wohn-oder den Preis nicht der Nachfrage entsprepräferenzen d er Menschen entscheidend. chen werden daher in Zukunft schlechter Der seit langem von der Mehrheit der Be-vermarktbar sein als andere. Dies betrifft völkerung geäußerte Wunsch nach einem insbesondere den in Großsiedlungen z u-Einfamilienhaus wird in Zukunft trotz sin-sammengefassten Geschosswohnungsbau. kender Bevölkerung von vielen Menschen realisiert werden. Kleinteiligere Bauformen Die Abschätzung der Profitabilität einer stehen bei den Nachfragern ohnehin höher Rückbauoption von durch Leerstand b eim Kurs, als monotone vielgeschossige drohten oder betroffenen Großsiedlungen Gebäude. Die Wohnqualität eines Gebäu-in schrumpfenden Räumen ergibt ein undes, das heißt seine Fähigkeit den Bedürf-eindeutiges Ergebnis. Im überwiegenden nissen der Nutzer nach Individualität, Si-Teil der untersuchten westdeutschen Großcherheit, Repräsentation, Entfaltung und siedlungen kann durch den Rückbau der Status gerecht zu werden wird immer wich-kompletten Wohnbebauung und den a ntiger werden. Die Kosten verschiedener schließenden Verkauf des Baulandes für
8
die Errichtung kleinteiliger Bauformen ein Gewinn erzielt werden. Das bedeutet, ein Rückbau wäre mehr als kostendeckend zu realisieren. In Ostdeutschland dagegen ist ein Rückbau aufgrund der geringen Bau-landpreise nicht kostendeckend. Da allerdings für den Unterhalt eines teilweise oder vollständig leerstehenden Gebäudes ebenfalls Kosten anfallen, ist die Rückbaulösung dennoch zu empfehlen. Insbesondere vor dem Hintergrund der Vermarktbarkeit verschiedener Wohnimmobilien bietet sich ein frühzeitiger Rückbau der zukünftig nicht marktfähigen Immobilien an.
Im Ergebnis kann festgehalten werden, dass die Bevölkerung schrumpfen und abnehmen wird. Als Folge werden sich schrumpfende Regionen in Deutschland ausprägen. Diese sind unter anderem durch eine abnehmende Nachfrage nach Wohnimmobilien gekennzeichnet. Die Folge wird ein Überangebot an Wohnimmobilien und damit Leerstand sein. Um diesem Phänomen zu begegnen stellt sich der Rückbau vom Markt nicht akzeptierter Bestände als ein wesentliches Mittel dar. Denn unter Berücksichtigung der Wohnpräferenzen zukünftiger Nachfrager und der Kosten verschiedener Handlungsoptionen ist
Rückbau die sinnvollste Strategie.
3. Die Prognose der Demographischen Entwicklung in Deutschland
„Unter Demographie versteht man die sta-Fertilität bzw. der Geburtenrate und der tistische Erfassung der Bevölkerungsstruk-Sterblichkeit. Die Sterblichkeitsrate b etur und -bewegung (Bevölkerungslehre).“
1
zeichnet das Verhältnis der Lebendgebore-Dazu werden u.a. Daten über Geschlecht, nen zu den Gestorbenen im gleichen Zeit-Alter, Haushalt, Einkommen, Familien-raum. Sie ist stark abhängig von der medi-stand, Ausbildung und Kinderzahl ausge-zinischen Versorgung und dem Wohlstand wertet. einer Gesellschaft. Die Fertilität wird ge-
3.1Bestimmungsfaktoren der
demographischen
lung
Die demographische Entwicklung besteht
Qualifikation und je mehr Frauen am Eraus einer Strukturkomponente und einer
werbsleben teilnehmen, desto geringer ist Verhaltenskomponente. 2 Beide Komponendie Anzahl der Frauen, die ein Kind zur ten zusammen bestimmen die Anzahl, die
Welt bringen und desto älter sind die Frau-Zusammensetzung und die räumliche Ver-
en bei der Geburt des ersten Kindes. teilung der Bevölkerung.
Als Wanderungen werden Standortverän-
3.1.1Die Verhaltenskomponente derungen in einem Gebiet bezeichnet, die im Gegensatz zur Migration immer mit Die Verhaltenskomponente beschreibt das
einem Wohnortwechsel verbunden sind. 3 individuelle Verhalten der Bevölkerung in Unterschieden werden Außen- und Binbezug auf die Fertilität und die Wanderun-nenwanderungen, das heißt Wanderungen gen. Sie hat somit Auswirkungen auf die über Staatsgrenzen hinweg und Wanderunnatürliche Bevölkerungsentwicklung und gen innerhalb der Bundesrepublik. Der auf die Wanderungen. Wanderungssaldo ergibt sich aus der Differenz zwischen den Fortzügen und den Zu-Unter der natürlichen Bevölkerungsentzügen in eine Region im selben Zeitraum. wicklung versteht man das Verhältnis der
1
Pachowsky: Bau- und Immobilienmarketing ;
2000 ; S.68
2 BBR: Raumordnungsbericht 2000 ; 2000
Außenwanderungen sind maßgeblich an 3.1.2 Die Strukturkomponente
der Demographischen Entwicklung betei-Die Strukturkomponente trifft Aussagen
ligt. Sie verändern zum einen die quantita-über den Altersaufbau, den Frauenanteil
tive Anzahl der Bevölkerung, zum anderen
und die Fertilität der Bevölkerung. Die
wirken sie sich auf die Bevölkerungsstruk-natürliche Bevölkerungsentwicklung ist
tur aus. Beispielsweise kann durch die Zu-wesentlich durch die Strukturkomponente
wanderung einer sehr jungen Bevölkerung
gekennzeichnet, welche Aussagen über die
aus einem Kulturkreis, in dem eine mög-Menge an Personen trifft, die potentiell zur
lichst große Kinderzahl gesellschaftlich
Reproduktion der Gesellschaft fähig sind
angesehen ist, zu einer Veränderung der
(Frauen im gebährfähigen Alter /
Fertilitätsrate führen und somit doppelt auf
Verheiratete).
die Demographische Entwicklung einwirken. Eine weitere Auswirkung von starken
Aussagen über die Entwicklung des A l-Außenwanderungen ist die Veränderung
tersaufbaus der Bevölkerung sind wichtig,
der räumlichen Anordnung der Bevölke-
da dieser ein entscheidendes Kriterium für
rung. Denn ausländische Zuwanderer zie-
die Reproduktionsrate darstellt. Je älter
hen zumeist in die Verdichtungsräume und
eine Gesellschaft ist, desto weniger Men-beeinflussen somit die Trends der heutigen,
schen sind potentiell fähig Kinder zu be-durch Suburbanisierung geprägten Sied-kommen und desto geringer ist die Wahr-
lungsstrukturentwicklung.
Binnenwanderungen haben keinen Einfluss
an Neugeborenen gegenüber dem jeweili-
auf die gesamtdeutsche Demographische
gen Vorjahr auf Dauer, so schrumpft die
Entwicklung. „Die Binnenwanderung ist
Bevölkerung.
eher ein Maß für regionale Disparitäten, sie kennzeichnet die Attraktivität und Benach-
teiligung von Regionen.“
4
Binnenwanderungen sind stark von lebenszyklischen Motiven abhängig. In der Phase der Ausbildung und im Erwerbsleben sind Wande-
4 BBR:Aktuelle Daten zur Entwicklung der Städ-
istin der Regel keinen kurzfristigen Verän- te,Kreise und Gemeinden ; 1999 ; S.44
12
derungen unterworfen, so dass eine Prog-1995 wieder in eine Phase der Stagnation nose der B evölkerungsentwicklung durch einzutreten.
Extrapolation der langfristigen Trends möglich ist. Die Natürliche Bevölkerungsentwicklung Die Weltbevölkerung wächst exponentiell. In der unten dargestellten Graphik ist zu Im Oktober 1999 wurde von der UN die erkennen, dass sich die Bevölkerung in Geburt des sechsmilliardsten Menschen verkündet 5 . Allerdings sinken selbst in der Deutschland seit dem Jahr 1950 bis etwa zum Jahr 1975 kontinuierlich vermehrt hat. Dritten Welt die Geburtenraten. Der An-Im Anschluss daran ist es bedingt durch stieg der Bevölkerung ist allein durch die den sog. „Pillenknick“ zu einer Stagnation, absolut gesehen hohen Geburtenraten zu bzw. einem leichten Rückgang der Bevöl-erklären. Die Geburtenraten in Europa sind kerung bis zum Jahr 1990, dem Jahr der seit dem sog. Pillenknick Ende der 60er deutschen Wiedervereinigung, gekommen. Jahre auf konstant niedrigem Niveau, mit Im Zuge der Wende kam es zu starken Zu-räumlichen Unterschieden. In Deutschland wanderungen insbesondere aus den Län-sind in hochverdichteten Räumen und vor dern des ehemaligen „Ostblocks“, so dass allem in Kernstädten eher niedrige, in länddie Bevölkerung über einen kurzen Zeit-lichen Räumen dagegen überdurchschnittraum wieder zunahm, um dann etwa um liche Geburtenraten zu beobachten. Beson-
ders in der DDR war dieser Unterschied bis reicht dieses Geburtenniveau nicht zum zur Wende in extremem Maß vorhanden. 6 Bestanderhalt aus. Hier wäre eine Gebur-Die hohe Geburtenrate hat sich allerdings tenrate von mehr als 2.000 Kindern auf 1.000 Frauen notwendig. 8 im Zuge der deutschen Wiedervereinigung drastisch reduziert und liegt nun weit unter
dem gesamtdeutschen Niveau (vgl. Abb.3).
niedrigen Geburtenraten, dem Nachrücken
Die Fertilitätsrate betrug 1998 im Bundes-
durchschnitt 1.354 Kinder auf 1.000 Frauen im gebährfähigen Alter. 7 Auffällig ist, dass die ostdeutschen Bundesländer alle unter dem Bundesdurchschnitt, die Westdeutschen dagegen, mit Ausnahme der Stadtstaaten Hamburg und Westberlin, darüber
Die Bevölkerungspyramide liefert Aussa-sehr starke Einschnürung bei der Bevölkegen über den Altersaufbau der Bevölke-rung unter 9 Jahren zu erkennen, verursacht rung. Gut zu erkennen sind auch die sich durch die Abwanderungen und das starke durch die verschiedenen Altersklassen zie-Absinken der Geburtenrate nach der Wenhenden Wellen (geburtenstarke Jahrgänge). de (vgl. Abb.4). Die unterschiedliche Al-Im Vergleich der westdeutschen mit der tersstruktur ist für die Bevölkerungsentostdeutschen P yramide ist zu erkennen, wicklung der nächsten 20 Jahre in Ost- und dass die Bevölkerung in Westdeutschland Westdeutschland entscheidend. jünger ist. In Westdeutschland ist aufgrund des sog. Pillenknicks Ende der sechziger Wanderungen
Jahre eine Einschnürung der jungen Bevöl-Seit ca. 30 Jahren stützt sich das Bevölkekerung zu beobachten.
12
Das stabile niedrirungswachstum in Deutschland auf die ge Geburtenniveau führte dazu, dass sich Außenwanderungsüberschüsse. Denn die die Wellen, verursacht durch die geburten-natürliche Bevölkerungsentwicklung reicht, starken Jahrgänge, in der Bevölkerungspy-mit regionalen Unterschieden, schon lange nicht mehr zum Bestandserhalt aus.
13
Insramide nur sehr schwach fortsetzten. In Ostdeutschland ist dieses Phänomen jedoch besondere nach der Wende strömte aus den viel stärker zu sehen. Dafür ist hier eine osteuropäischen Ländern eine große A n-
12 vgl.für hier und nachfolgende Informationen:
BIB: Die demographische Entwicklung in den
ren. 16 Der Verlust vieler junger Menschen zahl an Menschen in die Bundesrepublik und trug zu einem Bevölkerungsanstieg wirkt durch ein drastisches Absinken der bei, der vergleichbar mit dem Bevölke-Fertilität im Abwanderungsgebiet doppelt rungswachstum bis 1970 war. Von diesem negativ (vgl. Abb.3). Zwischen 1989 und Wanderungsüberschuss profitierte aller-1994 sank die Geburtenzahl in Ostdeutschdings überwiegend Westdeutschland. 14 Die land, hauptsächlich durch Wanderungen bedingt, um ca. 60%. 17 Bevölkerungsentwicklung in Ostdeutsch-land wurde seit der Wende vor allem durch die Binnenwanderungen bestimmt. Seit Ostdeutschlands Bevölkerung hat seit 1950 1989 haben die Neuen Bundesländer ca. kontinuierlich abgenommen. Sie erfuhr 1,3 Mio. Menschen verloren, allerdings mit durch die Wende, durch Abwanderung abnehmender Tendenz. 15 Die Ost-Westnach Westdeutschland und durch den star-Wanderungen sind zudem selektiv, dass ken G eburtenrückgang einen einmaligen heißt, es wandern vor allem junge männli-hohen Bevölkerungsverlust. Das gesamtche Erwerbstätige ab. In den 90er Jahren deutsche B evölkerungswachstum wurde haben die Neuen Bundesländer ca. 3,3% also schon seit 1950 nur durch Westaus der Gruppe der Erwerbsfähigen verlo-deutschland getragen (vgl. Abb.5). Wande-
Abb.5:Bevölkerungsentwicklung in Deutschland unterschieden nach Ost und West (Ostdeutschland um-
fasst die Neuen Bundesländer ohne Westberlin) ; Quelle: Stat. Bundesamt (eigene Darstellung)
14 BBR: Aktuelle Daten zur Entwicklung der
Städte, Kreise und Gemeinden ; 1999
15
Stat. Bundesamt: Bevölkerung im früheren
Bundesgebiet, neue Länder und Deutschland ab
1950 ; (o. J.)
16
rungsgewinne konnten die Alten Bundes-Es werden keine eigenen Prognosen e rländer in den neunziger Jahren besonders in stellt, da die Erstellung einer wissenschaftden ländlichen Räumen verzeichnen, und lich fundierten Prognose den Rahmen diehier sehr stark in den ländlich geprägten ser Arbeit sprengen würde. Kreisen im Umland der Agglomerationsräume. 18 Wanderungsverluste haben vor
allem die ostdeutschen und auch westdeutschen Kernstädte, sowie der ländliche
Die zukünftige Demographische Entwick-Raum in Ostdeutschland zu verkraften. 19
3.3 Prognose der Demogra- istmaßgeblich für den historisch einmali-
phischenEntwicklung
gen, hohen Bevölkerungsrückgang in der Zukunft verantwortlich. Wie Abbildung 6
Nach dem kurzen Überblick der histori-
bauquartiere; 2002
ken Jahrgänge um 1940 treten in periodi-rung aus, da die natürliche Bevölkerungsschen A bständen um 1965 und 1990 in entwicklung zur Zeit und bei gleichbleietwas schwächerer Form erneut auf. Gebur-bender oder sinkender Geburtenrate wohl tenschwache Jahrgänge beschleunigen die auch in Zukunft nicht zum Bestandserhalt absolute Abnahme der Bevölkerung , da ausreichen wird (vgl. Kap.3.2). „Steigende weniger Kinder von einer geringen Zahl an Geburtenzahlen oder verstärkte Zuwande-Eltern gezeugt werden. Dieser Effekt steht rungen können das Altern mildern, jedoch nicht in sein Gegenteil verkehren“ 20 . Die in seinen Auswirkungen unmittelbar bevor und verschärft damit kurzfristig die Bevöl-Sterblichkeit wird aller Voraussicht nach, kerungsschrumpfung. Die Bevölkerung vor allem aufgrund der höheren Lebenswird also dem Trend folgend weiter ab-dauer noch weiter zurückgehen. Bis zum nehmen und das besonders stark im Zeit-Jahr 2050 ist mit einem nochmaligen Anraum 2000 - 2010, bedingt durch die ge-stieg der Lebenserwartung um 4 Jahre zu rechnen. 21 Der Altersaufbau der Bevölkeburtenschwachen Jahrgänge. Die sinkende Geburtenzahl hat ihre Ursache in der rung wird sich demnach stark verändern. niedrigen Geburtenrate. Diese wirkt sich Denn das Gewicht der älteren Menschen an
Die 9. koordinierte Bevölkerungsvorausbe-Als Basis einer aktuellen Einschätzung der
rechnung 23 des Statistischen Bundesamtes Demographischen Entwicklung sollen vor von 1997 geht von zwei möglichen Entallem zwei Bevölkerungsprognosen dienen. wicklungsverläufen aus, in denen die Wan-Zum einen handelt es sich um die 9. koorderungen die entscheidende Rolle spielen. dinierte Bevölkerungsvorausberechnung Die Variante 1 nimmt dabei einen langfrisdes Statistischen Bundesamtes, zum andetigen jährlichen Wanderungssaldo von ren um die Modellrechnungen 2000 des 100.000 Personen an, Variante 2 setzt eine Bundesinstituts für Bevölkerungsfor-
schung. Die von BIRG et al. 22 1993 erstelldoppelt so hohe Zuwanderung an. ten Bevölkerungsprojektionen bis zum Jahr Nach den Berechnungen des statistischen 2100 spielen hier keine Rolle. Sie sind zum Bundesamtes wird die Bevölkerung nach einen mit fast 10 Jahren zu alt, zum andedem Jahr 1998 kontinuierlich abnehmen ren ist der Prognosehorizont sehr groß, und in der Variante 1 im Jahr 2050 ledigwodurch die Prognose ungenau wird. Die lich 64,4 Mio. Einwohner zählen, in der beschriebene Tendenz der Prognose stimmt Variante 2 immerhin noch knapp 70 Milliallerdings mit den anderen Prognosen üonen. Auf das Jahr 2000 bezogen nimmt berein.
22
Birg et al.: Bevölkerungsprojektionen für das
vereinigte Deutschland bis zum Jahr 2100 ; 1993
die Bevölkerung somit bis zum Jahr 2050 Modellrechnungen 2000 in der Variante 1 um 21,4% und in der Va-Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforriante 2 um 14,7% ab (vgl. Abb.8). Die schung (BIB) betrachtet in den „Modellostdeutschen Bundesländer Sachsen-rechnungen zur Bevölkerungsentwicklung Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und in der Bundesrepublik Deutschland bis zum Jahr 2050“ 26 auf der Basis des Jahres 1997 Thüringen liegen mit über 24% Bevölkerungsverlust gegenüber 1998 an der Spitze, drei mögliche Entwicklungsverläufe. Das während Baden-Württemberg, Niedersach-Modell A entspricht dabei in etwa der Vasen und Brandenburg mit immerhin noch riante 1 des Statistischen Bundesamtes, das 8,5 - 12% am unteren Ende liegen. 24 Modell B der Variante 2 und das Modell C geht von einem langfristigen jährlichen Aber nicht nur die absolute Anzahl der Zuwanderungsgewinn von 300.000 Perso-Bevölkerung verändert sich, auch die Zu-nen aus. Zusätzlich betrachtet man hier sammensetzung ist starken Veränderungen noch eine sogenannte Kontrollvariante, in unterworfen. Insbesondere die Altersstruk-der eine Nullwanderung angenommen tur verschiebt sich und führt dazu, das der wird.
Altenquotient (Verhältnis der Bevölkerung im Rentenalter (ab 60 Jahre) zur Bevölke-Die Modellrechnungen 2000 gehen von rung im Erwerbsalter (20 - 59 Jahre)) von den gleichen Grundannahmen aus, wie die 0,4 im Jahr 2000 auf 0,8 bzw. 0,75 im Jahr 9. koordinierte Bevölkerungsvorausberech-2050 steigen wird.
25
Damit verschiebt sich nung. Allerdings unterscheiden sie sich in das Gewicht der Gruppe der älteren Men-zwei Punkten: 1. Die Modellrechnungen schen (ab 59 Jahre) gegenüber den Jünge-2000 differenzieren zwischen der deutren (bis 20 Jahre) erheblich. Waren 1950 schen und der ausländischen Bevölkerung. noch doppelt so viele Menschen der Grup-2. Sie untergliedern nur in Alte und Neue pe der jüngeren Menschen zuzuordnen wie
24 BIB: Die demographische Entwicklung in den
Bundesländern Deutschlands ; 2000
25 vgl. für hier und folgende Information: BIB:
Informationen aus dem Bundesinstitut für Bevöl-
kerungsforschung ; 2000
20
gewaltige Verschiebung der Zusammenset-Bundesländer, nicht auf Länderebene. Dazung der Bevölkerung deutlich. Bei einer her kommen die Modellrechnungen 2000 angenommenen Zuwanderung von 300.000 zu etwas anderen Ergebnissen, als die 9. Personen pro Jahr verdreifacht sich der koordinierte Bevölkerungsvorausberech-Anteil der ausländischen Bevölkerung in nung (vgl. Tab.1). Prozentual gesehen Deutschland innerhalb von 50 Jahren. nimmt die Bevölkerung nach den Annahmen des BIB auf der Basis des Jahres 1999 Die niedrigen Geburtenraten von 1,35 Kinin Variante A um 21%, in der Variante B dern (Deutsche) und 1,5 Kindern (Auslänum 14,3% und in Variante C um 8,7% ab. der) führen über den Prognosezeitraum Selbst bei einer Zuwanderung von 300.000 betrachtet zu erheblichen Sterbeüberschüs-Personen pro Jahr kann die Bevölkerungssen. Die dadurch bedingte Abnahme der abnahme demnach nicht verhindert werden. Bevölkerung durch Sterbeüberschüsse be-Besonders stark ist Ostdeutschland von der trägt je nach Modell im Jahr 2050 zwischen Bevölkerungsabnahme und auch von der 630.000 und 686.000 Personen, was in Alterung der Bevölkerung betroffen. Es etwa einer Verzehnfachung des heutigen wird angenommen, dass die intranationalen Niveaus gleichkommt. Der Altenquotient Wanderungen zugunsten Westdeutschlands verhält sich ähnlich wie in den Modellweiterhin bestehen werden, aber bis zum rechnungen des Statistischen Bundesamtes. Prognoseende eine ausgeglichene Wande-Er steigt vom heutigen Niveau aus gesehen rungsbilanz entsteht. Die internationalen kontinuierlich auf das Doppelte an. Zuwanderungsüberschüsse kommen dagegen zu 80% Westdeutschland zugute.
Die „Prognose“ befasst sich unter anderem mit der Veränderung des Ausländeranteils in Deutschland. Bei allen Varianten
wird eine sog. Sockelwanderung von 400.000 Menschen angenommen. Das heißt, jedes Jahr wandern selbst bei einer Nettozuwanderung von Null Personen sowohl 400.000 Menschen ab, als auch zu. Die Anzahl der derzeit in Deutschland lebenden Ausländer wird sich von 7,3 Mio.
(1999 = 8,9%) auf 7,9 Mio. (Modell A = 12,2%) bzw. auf 16 Mio. (Modell C = 21,4%) erhöhen. Diese Zahlen machen die
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Ingo Zabel, 2002, Auswirkungen der Demographischen Entwicklung auf den Immobilienmarkt - unter besonderer Betrachtung der Vermarktbarkeit von Wohnimmobilien in schrumpfenden Räumen -, München, GRIN Verlag GmbH
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