Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Die E-Mail in Abgrenzung zum Webchat und zum Webblog 2
2.1 Ausdrucksform 2
2.2 Distanzbereich 2
2.3 Kommunikationsform 4
3. Die E-Mail kontrastiv zum Postbrief 5
3.1 Allgemeine Vor- und Nachteile 5
3.2 Schematischer Aufbau 6
3.3 Sprachökonomie 7
4. Fazit 12
Literaturverzeichnis
Julian Greve „E-Mail und Brief im Vergleich“
1. Einleitung
Unsere alltägliche Kommunikation ist inzwischen stark durch den Gebrauch der Neuen Medien geprägt. Früher nutzten vor allem Fachpersonal der Computerbranche oder auch Angestellte von größeren Firmen diese neuen Medien, doch heute sind Computer und das Internet auch in Privathaushalten Standard. Jugendliche bedienen sich schon lange dieser neuen Kommunikationsform, inzwischen haben jedoch auch viele Erwachsenen nachgezogen, die bis dahin aus verschiedenen Gründen computerfern lebten. Die Neuen Medien sind ein Phänomen, das die Bevölkerung inzwischen generations- und schichtenübergreifend nutzt. Durch die neuen Randbedingungen der Kommunikation 1 erfuhr die Sprache selbst einen Wandel und wurde so auch für die Linguistik zum Thema höchsten Interesses. Bittner stellte 2003 fest, dass die „E-Mail […] wohl die mit Abstand populärste Kommunikati-onsform im Bereich digitaler Medien [ist].“ 2 Der Grund hierfür findet sich zum einen in der mannigfaltigen Einsetzbarkeit der E-Mails, und zum anderen ist sie die Kommunikationsform der Neuen Medien, die den meisten bekannt erscheint, d.h. mit der sie sich schon vertraut fühlen. „So rührt natürlich die Vorstellung von E-Mail als ‚digitale Post‘ oder ‚digitalen Briefen‘ gerade von der Übertragung des analogen Brief-Konzeptes auf das digitale Medium her.“ 3 Aber bietet die E-Mail aufgrund ihrer neuen Randbedingungen nun eine erweiterte oder doch eine defizitäre Form des Briefes? Oder bietet sie etwas vollkommen Neues und hat nichts mehr mit dem ‚klassischen‘ Brief gemein? Diese Fragen sollen im Folgenden erörtert werden.
Der erste Teil der Arbeit thematisiert den Schwerpunkt Neue Medien. Hier wird die E-Mail anhand formaler Kriterien gegenüber dem Webchat und dem Webblog, zwei weiteren Hauptarten der Internetkommunikation, abgegrenzt, um darzulegen, dass sich der Vergleich zwischen E-Mail und Brief nicht nur auf eine Namensähnlichkeit gründet. Darauf aufbauend wird die E-Mail im zweiten Teil dem ‚klassischen‘ Brief gegenübergestellt. Da in den Prozessen des in den Neuen Medien zu beobachtenden Sprachwandels der Sprachökonomie eine tragende Rolle zukommt, wird ihr hier auch besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Des Weiteren wird der schematische Aufbau von E-Mails und Briefen verglichen und dabei die Vor-und Nachteile der beiden Kommunikationsformen gegeneinander abgewogen.
1 Kommunikation in (simulierten) Dialogen war vor den Neuen Medien fast nur medial mündlich, aber nicht schriftlich mög-
lich.
2 Bittner 2003, S. 133.
3 Bittner 2003, S. 135.
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Julian Greve „E-Mail und Brief im Vergleich“
2. Die E-Mail in Abgrenzung zum Webchat und zum Webblog
2.1 Ausdrucksform
Das „Medium der Realisierung sprachlicher Äußerungen“ 4 ist in E-Mails genauso wie bei den meisten Kommunikationsformen im Internet, wie zum Beispiel Webchat und -blog, die Schriftlichkeit. Zwar besteht die Möglichkeit, durch Attachments Audio- oder Videodateien an die E-Mail anzuhängen und sich so auch medial mündlich mitzuteilen 5 , jedoch wird diese Funktion nur selten zur primären Kommunikation genutzt.
Die konzeptionelle Einteilung in Mündlichkeit oder Schriftlichkeit lässt sich dagegen nicht so einfach durchführen, da die konzeptionelle Ausdrucksform zum einen vom Thema und zum anderen vom Empfänger der Nachricht abhängig ist. So werden E-Mails, die an Freunde oder Verwandte versendet werden, häufig umgangssprachlicher verfasst als solche, die für Vorgesetzte oder Fremde bestimmt sind. Ebenso erfordert ein wissenschaftliches Thema zumeist eine höhere Eloquenz als banaler Smalltalk 6 . „[…] weil das Textsortenspektrum so groß geworden ist, gibt es mittlerweile auch in der E-Mail die ganze stilistische Variations- breite,wie wir sie aus herkömmlichen Briefen kennen“ 7 , und daher kann eine eindeutige Verortung nicht vorgenommen werden. 8
Die Kommunikation im Webchat hingegen ist konzeptionell größtenteils mündlich geprägt. Zwar ist die Ausdrucksform hier ebenfalls vom Diskussionsgegenstand abhängig, doch da der Webchat meist zur alltäglichen Kommunikation genutzt wird, kommt es nur selten zur konzeptionell schriftlichen Kommunikation. 9 „Artikel, die in den Newsgroups [bzw. Webblogs] erscheinen, sind im allgemeinen konzeptionell schriftlich“ 10 , da an diesen Beiträgen meist länger geschrieben wurde und häufig auch anspruchsvolle Themen behandelt werden. 11 So nimmt die E-Mail unter dem Aspekt der Ausdrucksform eine Stellung zwischen diesen beiden Formen der Internetkommunikation ein.
2.2 Distanzbereich
Die Endpole der Skalierung sind kommunikative Distanz und kommunikative Nähe, wobei die Zuordnung von Parametern wie „Öffentlichkeit, Vertrautheitsgrad der Kommunikationspart- ner,Emotionalität, Dialoge/Monologe, Spontaneität, u.a.“ 12 abhängig ist. Weingarten stellt fest, dass die „zentralen Begriffe der konzeptionellen Mündlichkeit und Schriftlichkeit […] auf
4 Weingarten 1997, S. 59.
5 vgl. Weingarten 1997, S. 53.
6 vgl. Weingarten, 1997, S. 60.
7 Schlobinski 2006, S. 105.
8 vgl. ebd.
9 vgl. Weingarten 1997, S. 60.
10 ebd.
11 vgl. ebd.
12 ebd.
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Julian Greve „E-Mail und Brief im Vergleich“
die Begriffe der Nähe und Distanz abgebildet werden [können]“
13
, und die E-Mail je nach Situation zwischen kommunikativer Distanz und Nähe variieren kann. Denn durch die schnel-
leDatenübertragung wird eine Nähe simuliert, die auch ein Grund dafür ist, „daß in E-Mails Merkmale konzeptioneller Mündlichkeit auftreten“.
14
E-Mails werden außerdem häufig anstelle anderer Kommunikationsformen wie Briefen oder Postkarten, aber auch medial mündlicher Kommunikation wie Telefonaten oder Face-to-Face-Gesprächen genutzt. Hieraus ergibt sich, dass ein und dieselbe E-Mail sowohl Merkmale konzeptionell mündlicher als auch schriftlicher Kommunikation beinhalten
kann (s. Abb. 1: formale Anrede und Verabschiedung bei gleichzeitigem Einsatz von Ellipsen und Ideogrammen). Schlobinski spricht von einem Zwitterstatus der E-Mail 15 , jedoch herrscht in der Forschungsliteratur Uneinigkeit, ob die E-Mail als eigene neue Sprachge-brauchsform zu zählen ist oder dieser Zwitterstatus nur durch den veränderten Gebrauch von Sprachnormen entstanden ist. 16 Bittner schreibt hierzu, dass die „E-Mail eine umfassende digitale Kommunikationsform [ist], die viele unterschiedliche Realisierungen und Verwendungen zuläßt und so in Abhängigkeit von situativen, kommunikativpragmatischen, medialen und soziokulturellen Faktoren zur Ausbildung ver- schiedenerTextsorten führt.“ 17 Die durch die E-Mail entstehenden Textsor-
ten sind zu divergent, als dass sie einheitlich klassifiziert werden könnten. 18
Während sich Webblogs im Bereich der kommunikativen Distanz bewegen, stellt Schlobinski beim Webchat hingegen eindeutig fest, dass „es sich um phatische Kommunikation der Nähe
13 Weingarten 1997, S. 60.
14 Dürscheid 1999, S. 23.
15 vgl. Schlobinski 2006, S. 105, 108.
16 vgl. Chrystal 2001 als Vertreter der Meinung, dass die E-Mail eine neue Sprachgebrauchsform ist, und Elspaß 2001 als
Vertreter der Meinung, dass nur die Einstellung zu den Sprachgebrauchsnormen verändert wurde.
17 Bittner 2003, S. 135.
18 vgl. ebd.
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Julian Greve, 2011, E-Mail und Brief im Vergleich, München, GRIN Verlag GmbH
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