„K a r l M a y in Johannisthal“
Besuch auf dem Flugplatz Berlin Adlershof-Johannisthal am Sonntag, 26. September 1909. Beginn des Luftrennens anlässlich der „Großen Berliner Flugwoche“.
Herausgeber & Autoren: Alexander Kauther, Berlin und Paul Wirtz, Jülich. Heft 7 aus der Dokumentenreihe über den Flugplatz Berlin-Johannisthal 1909-1914. © September 2011, 1. Auflage
Deckblatt- und Homepagegestaltung: D&M agentur, www.dundm-agentur.de 12487 Berlin-Johannisthal, Winckelmannstraße 70.
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Anmerkungen der Autoren
Der Johannisthaler Flugplatz - der erste Motorflugplatz Deutschlands - existiert nicht mehr. Er hat 1945 mit der letzten Landung des Flugzeugs Lissunow Li-2 aus Moskau und 1995 mit einer historischen Flugschau endgültig ausgedient. Am 26. September 2009 wurde der 100. Jahrestag des ehemaligen Flugplatzes Adlershof-Johannisthal begangen.
Heute stehen viele neue Häuser auf dem Flugfeld und fast nichts erinnert mehr an diesen historischen Ort. Kennen die jetzt dort angesiedelten Haus- und Grundstückbesitzer die Geschichten, die mit den Straßen - benannt nach Luftfahrtpionieren - verbunden sind? Obwohl dort selbst auf dem Platz nicht wohnhaft, interessierte uns, ob noch zeitgeschichtliche Bilder und Dokumente aufzufinden wären, die über diese Personen Auskunft geben. Wir begannen zu recherchieren, nachzulesen und zusammenzutragen.
So ist eine Dokumenten-Buchreihe über den Flugplatz von 1909-1914 entstanden.
Dieser Kurzbericht über die Eröffnung des Flugplatzes und über den Besuch des berühmten Karl May in Berlin-Johannisthal am 26. September 1909 soll den interessierten Lesern zum Zurückschauen und Erinnern an den Flugplatz Adlershof-Johannisthal dienen.
Zur Vervollständigung und Ergänzung sind wir weiterhin an Erlebnisberichten, Dokumenten und Fotografien über den Besuch von Karl May auf dem Flugplatz Johannisthal interessiert. Danke insbesondere dem Dipl.-Lehrer Herrn Hartmut Schmidt aus Berlin und dem Karl-May-Museum Radebeul gGmbH, Kustos Dipl.-Ing. Hans Grunert.
Berlin-Johannisthal im August 2011
www.johflug.de
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Inhalt
Anmerkungen der Autoren 4
Inhaltsverzeichnis 5
Biografie Karl May 6
Karl und Klara May in Berlin Adlershof-Johannisthal am 26. September 1909 8
Kurzdarstellung der Entstehung des Flugplatzes Adlershof-Johannisthal 11
Major Georg von Tschudi beschrieb die Entstehung des Flugplatzes 16
Eröffnung der Flugwoche 26. September bis 3. Oktober 1909 23
Schaufliegen der ausländischen Flugzeugführer 26
Hubert Latham - Sein Überlandflugvon Tempelhof nach Johannisthal 29
Teilnehmer des Wettfliegens 30
Postkarten anlässlich der Flugwoche September 1909 35
Personenregister 46
Quellen 47
Zeitungen 47
Literatur 47
Bildnachweis 47
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Karl Friedrich M a y * 25. Februar 1842 in Ernstthal + 30. März 1912 in Radebeul
Kurzbiografie
Karl May
entstammte einer sehr armen Familie in
Ernstthal und war das fünfte von 14 Kindern. Der Vater war Weber; die Großmutter, die Mutter und die Geschwister arbeiteten ebenfalls für den Lebensunterhalt. Im Hause May herrschte größtes Elend und bittere Armut. Von den 14 Kindern starben neun bereits in den ersten Lebensmonaten. Nach eigenen Angaben erblindete der Junge um 1844 und konnte erst in seinem fünften Lebensjahr von Spezialisten in Dresden geheilt werden. Nach der Schulzeit studierte er als Proseminarist am Lehrerseminar in Waldenburg. Dort wurde er wegen Unterschlagung von Kerzen ausgeschlossen. Es konnte aber auf dem Gnadenweg ein Weiterstudium am Lehrerseminar in Plauen ermöglicht werden. Karl May um 1909. 1
Die Anzeige durch einen Zimmergenossen wegen angeblichen Diebstahls einer Taschenuhr kostete ihn die Laufbahn als Lehrer.
In der Folge geriet er auf die schiefe Bahn und wurde wegen Diebstahls, Betrugs und Hochstapelei mehrmals verurteilt. 1865 wurde er zu vier Jahren Arbeitshaus verurteilt und 1868 vorzeitig entlassen.
Ab 1869 trieb er sich in Böhmen herum und wurde 1870 in Niederalgersdorf wegen Landstreicherei festgenommen und ausgewiesen. Von 1870 bis 1874 saß er wegen erneuter Betrügereien im Zuchthaus Waldheim ein. Eine letzte (dreiwöchige) Haftstrafe brachte ihm eine Hochstapelei 1878 ein.
Im November 1874 wurde zum ersten Mal eine Erzählung von May veröffentlicht. In der Zeitschrift „Deutsche Novellen-Flora“ erschien als Fortsetzungsroman „Die Rose von Ernstthal“. Bis zu seinem Tod wurden zahllose Erzählungen und Fortsetzungsromane in diversen Zeitschriften (vor allem im Verlag H. G. Münchmeyer und im Deutschen Hausschatz) sowie verschiedenen „Marienkalendern“ veröffentlicht. Am 17. August 1880 heiratete er Emma Pollmer (1856-1917).
1 Text und Foto Karl May Museum Radebeul.
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Mit den Buchausgaben des Fehsenfeld-Verlags erlebte May erstmals finanzielle Sicherheit - und Ruhm. Allerdings wusste er bald nicht mehr zwischen Realität und Fiktion zu trennen und verstieg sich mehr und mehr in die so genannte „Old-Shatterhand-Legende“. Er hätte das alles wahrhaftig erlebt und er wäre tatsächlich Old Shatterhand und spräche mehr als tausend Sprachen etc. pp. Ein Kötzschenbrodaer Büchsenmacher fertigte die legendären Gewehre für ihn. Selbst Autogrammkarten ließ er für besonders hartnäckige Leser drucken. Im Dezember 1895 erfolgte der Umzug in die Villa „Shatterhand“ in Radebeul, die heute das Karl-May-Museum beherbergt.
Ab 1899 wurde May in der Presse heftig angegriffen, insbesondere von Rudolf Lebius 2 . Man kritisierte seine Selbstreklame und die damit verbundene Old-Shatterhand-Legende sowie seinen „vorgetäuschten“ Katholizismus. Später kamen noch seine Vorstrafen ans Licht und auch Vorwürfe, ein „Schundliterat“ zu sein, dazu. Diese Polemik und diverse Gerichtsverfahren wegen unerlaubter Buchveröffentlichungen sollten letztlich seine Gesundheit zerrütten und ihn bis zu seinem Tode begleiten (das wenig hilfreiche Verhalten seiner Frau Emma dabei trug wesentlich zum Scheitern der Ehe bei).
1899/1900 bereiste er teilweise allein, teilweise mit seiner Frau Emma und dem befreundeten Ehepaar Plöhn den Orient.
Seine zerrüttete Ehe wurde 1903 auf sein Bestreben hin geschieden; im gleichen Jahr am 13. Mai heiratete er Klara Plöhn (1864-1944) 3 , die inzwischen verwitwet war. 1908 unternahm Karl May mit Klara die erste und einzige Amerikareise.
Am 9. Dezember 1902 verlieh die Universitas Germana-Americana in Chicago Karl May den Doctor honoris causa (Dr. h.c. - Ehrendoktor) für sein Werk „Im Reiche des silbernen Löwen“. Man vermutet stark, dass May oder Klara Plöhn diese Verleihung organisierte, um den bis dahin geführten Doktortitel nachträglich auf eine rechtliche Grundlage zu stellen. Die genannte Universität war schon damals eine bekannte „Doktormühle“, wo gegen Entgelt alle möglichen Abschlüsse gekauft werden konnten.
Karl May starb am 30. März 1912 an den Folgen einer Erkältung, die er sich vermutlich auf dem Rückweg von einer Reise aus Wien zugezogen hatte. Er wurde in Radebeul beigesetzt. Sein Grab ist noch heute erhalten. 5
2 Rudolf Lebius (1868-1946), deutscher Journalist, Gewerkschafter, Politiker.
3 Klara Auguste Wilhelmine May geb. Beibler, verw. Plöhn.
4 Fotos aus Wikipedia.
5 www. karl-may-haus.de, Karl-May-Museum in Hohenstein-Ernstthal.
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Karl und Klara May in Berlin-Johannisthal
Überliefert ist, dass er des Öfteren die Stadt Berlin besuchte und sich auch für die Anfänge der Fliegerei interessierte.
So besuchte er am Sonntag, 26. September 1909 gemeinsam mit seiner Frau Klara May die Eröffnungsveranstaltung der Berliner Flugwoche und das erste internationale Wettfliegen auf dem Flugplatz zu Berlin Johannisthal-Adlershof. Ob Karl May noch am 27. September 1909 in Berlin war, ist fraglich. In zeitgenössischen Zeitungen konnte keine Notiz über seinen Besuch in Johannisthal gefunden werden.
Der Dipl.-Lehrer aus Berlin, Hartmut Schmidt, schreibt in seinen Anmerkungen zu der Tagebucheintragung: 8
„Für die Erforschung von Daten und Fakten zum Lebensweg und Schaffen Karl Mays stellen sich in diesem Zusammenhang zwei Fragen, auf die hier erste Antworten gegeben werden sollen.
1. War der Besuch des Flughafens der einige Grund für den Kurzaufenthalt des Ehepaars May in Berlin?
2. Hat das Gespräch mit Fliegern und die Besichtigung ihrer Maschinen Einfluss auf Mays Beschreibung der Flugmaschine des Jungen Adler in „Winnetou IV“ gehabt?
Zur ersten Frage:
Mit größter Wahrscheinlichkeit ist anzunehmen, dass May die Reise unternahm, um sich in Johannisthal ausführlich über Probleme der Aviatik zu informieren. Dafür spricht erstens die Tatsache, daß er diesem Thema seinerzeit höchstes Interesse entgegenbringen mußte. War er doch mitten in der Arbeit zum Abschlussband des „Winnetou“, der als Fortsetzungsreihe in der „Augsburger Postzeitung“ erschienen und in dem das Motiv vom fliegenden Menschen eine dominierende Rolle spielt.
Unterstützt wird diese These zweitens dadurch, dass genau am 26. September der Johannisthaler Flugplatz mit einer „Internationalen Flugwoche“ eröffnet wurde. Einen solchen Leckerbissen ließ sich die zeitgenössische Presse natürlich nicht entgehen und wies schon vorher mit Schlagzeilen darauf hin. Diese Berichte wird May in Dresden gelesen und sich kurzfristig zu einem Besuch entschlossen haben.
6 Richtige Schreibweise ist Latham.
7 Aus Karl-May-Chronik, Band IV 1906-1909 von Dieter Sudhoff und Hans-Dieter Steinmetz, Seite 564
8 Hartmut Schmidt, Anmerkungen zu einer Tagebucheintragung Klara Mays in der Mitteilung der Karl-May-Gesellschaft, Nr. 56, Juni 1983, Seite 25-29.
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Und drittens unterstützt Klara Mays Tagebucheintragung selbst diese These, denn sie ist höchstwahrscheinlich der einzige Hinweis auf den Berlinbesuch. Es ist anzunehmen, daß andere wichtige Gründe für den Aufenthalt in Berlin - etwa im Zusammenhang mit den Prozessen - sich bestimmt im Tagebuch widergespiegelt hätten! 9 Der von Klara May erwähnte Franzose Hubert Latham (im Tagebuch steht Lathan) startete am ersten Tag nicht, muß aber unter den Zuschauern gewesen sein, sonst hätte May ja nicht mit ihm sprechen können.
Zur zweiten Frage:
Karl May beschreibt an mehreren Stellen im vierten Band seines „Winnetou“ sowohl den Aufbau als auch die Wirkungsweise der Flugmaschine des Jungen Adler. Seinen Lesern versichert May, daß es sich bei dem Flugapparat „um keine der bis jetzt bekannten Konstruktionen“ 10 handle. Er schildert:
„ein großes, vogelähnliches Gebilde mit zwei Leibern, zwei ausgebreiteten, mächtigen Flügeln und zwei Schwänzen. Die beiden Leiber vereinigen sich vorn durch ihre Hälse zu einem einzigen Kopfe, zu einem Adlerkopfe“ 11 .
Kein Wort von einem Propeller, es müsste sich also demnach um ein Schwingenflugzeug handeln. Diese Vermutung bestätigt sich bei der Beschreibung des Flugvorgangs: „Der Vogel begann zu atmen. Noch ein Draht, und die Schwänze breiten sich aus. Die Flügel bewegten sich. Zwei, drei Schläge, und der Vogel stieg auf, verließ das Dach des Turmes und flog ein Stück hinaus, hoch über die Ebene“ 12 . Die von May am 26.09.1909 wahrscheinlich im Flug gesehenen Maschinen - der Voisin-Flugapparat de Carters, Louis Blériots Eindecker und Henry Farmans Doppeldecker sowie Leblancs Flugmaschine aber waren allesamt Propellermaschinen; auch befand sich kein Doppelrumpfflugzeug unter ihnen - das gab es nämlich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht!
Karl Mays „vogelähnliches Gebilde mit zwei Leibern“
13
hatte 1909 kein vergleichbares Vorbild in der Realität. Es ist ein Phantasieprodukt, das May den speziellen Bedingungen am Mount Winnetou angepaßt hat. (…) Wahrscheinlich hat May bei seinen Gesprächen mit Latham und den anderen Fliegern solche Fragen angeschnitten und sich über Möglichkeiten sowie Grenzen einer Propellermaschine erkundigt. Interessant ist in diesem Zusammenhang allerdings, daß kurze Zeit nach dem Erscheinen von „Winnetou IV“ Flugzeuge gebaut wurden, die große Ähnlichkeit mit der
Maschine des Jungen Adler aufweisen. 1910 baute der Konstrukteur Otto Trinks in Johannisthal das welterste (und flugfähige, AK) Doppelrumpfflugzeug. Es zeichnete sich durch gute Flugeigenschaften aus.
Trinks-Doppelrumpf-Eindecker 1910/11. Aufnahme Flugplatzfotograf Franz Fischer.
9 Roland Schmidt, Karl May-Verlag, antwortete auf einen Brief von Hartmut Schmidt: „Unterlagen über die von Ihnen angesprochenen Reise Karl Mays nach Berlin sind mir nicht bekannt.“
10 Karl May, Winnetou IV, Freiburg o. J. (1910), Seite 520.
11 ebenda, Seite 577
12 ebenda, Seite 578
13 Ebenda, Seite 577
9
Mit dem Abschluss von Winnetou IV“ war Karl Mays Interesse am Fliegen mitnichten erloschen: Als im Frühjahr 1910 „sechs Aufsätze….unter dem Titel ‚ Auch „Über den Wassern“ erschienen,(…) verwendete May den Flug als Parabel:
„Hinauf, hinaus! Lernt fliegen!
Gibt es keine Wrights, keine Lathams, keine Farmans, keine Blériots in Kunst und
Literatur?“ 15
14 Schwingenflugzeug. Sammelbegriff für alle Flugzeuge, deren Flügel eine Schlagbewegung ausführen, um sich durch die Reaktion der Schläge einen Auftrieb eventuell auch einen Vortrieb zu erteilen.
15 Anmerkungen zur Tagebucheintragung von Dipl.-Lehrer Hartmut Schmidt, Berlin.
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Arbeit zitieren:
Alexander Kauther, Paul Wirtz, 2011, "Karl May in Johannisthal" - Besuch auf dem Flugplatz Berlin Adlershof-Johannisthal am Sonntag, 26. September 1909. Beginn des Luftrennens anlässlich der "Großen Berliner Flugwoche", München, GRIN Verlag GmbH
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