3
1 Einleitung. 4
2 Grundüberlegungen des Modells 5
3 Die „statische Modellkomponente : Die valenzrelevanten Parameter“ (s. ebd.:260-273) 5
3.1 Wissensbezogene Parameter (s. ebd.:261-267) 5
3.1.1 „GS / S (Gesetzesbereich des Sprechers)“ (s. ebd.:265-266) 6
3.1.2 „GS / H / S (Der Gesetzesbereich des Hörers aus Sprechersicht)“ (s. ebd.:266-267) 6
3.1.3 „INF / S (Informationsstand des Sprechers)“ (s. ebd.:263-264) 7
3.1.4 „INF / H / S (Der Informationsstand des Hörers aus Sprechersicht)“ (s. ebd.:264-265) 7
3.2 „Situationsbezogene Parameter“ (s. ebd.: 267-273) 8
3.2.1 „t-p/U: Raum-Zeitliche Koordination der Äußerung“ (s. ebd.:269-270) 8
3.2.2 „Sit-Typ(Sit): Situationstyp der Äußerungssituation“ (s. ebd.:270-271) 9
3.2.3 „AM / (t/U): Momentaner Aufmerksamkeitsbereich“ (s. ebd.: 271-272) 9
3.2.4 „INT (t/U) / S : Momentane Interessenlage des Sprechers“ (s. ebd.: 272-273) 9
4 „Dynamische Modellkomponente : Das Zusammenspiel der Parameter“ (s. ebd.: 273-292) 10
4.1 „Schritt 1 : Situationsangemessene Rollenwahl“ (s. ebd.:274-281) 10
4.1.1 „Sprecherwissens-Filter“ (s. ebd.:277) 11
4.1.2 „Hörerwissens-Filter“ (s. ebd.:277-278) 11
4.1.3 „Relevanz-Filter“ (s. ebd.:278) 12
4.1.4 „Situations-Filter“ (s. ebd.:278) 12
4.1.5 „Gesetzeswissen-Filter“ (s. ebd.:278-279) 12
4.1.6 „Interessens-Filter“ (s. ebd.:279) 12
4.1.7 Das Ende der Filterstrecke 13
4.2 „Schritt 2 : Wahl eines valenzgeeigneten Verbs“ (s. ebd.:281-292) 14
4.2.1 Die „Frames“ - Basis für das „Pattern-Matching“ 15
4.2.1.1 „Pattern-Matching 1“ (s. ebd.:289-291) 17
4.2.1.2 „Pattern-Matching 2“ (s. ebd.:291-292) 17
4.2.2 Die endgültig gewählten Verben. 18
5 Zusammenfassung. 18
6 Die Bedeutung des Modells für die Valenztheorie 19
7 Der geistige Charakter des Modells der Situationsvalenz. 20
8 Fazit 23
9 Literatur 24
4
Einleitung 1
„Man kann so das Verb mit einem Atom vergleichen, an dem Häkchen angebracht sind, so daß es - je nach der Anzahl der Häkchen - eine wechselnde Zahl von Aktanten an sich ziehen und in Abhängigkeit halten kann. Die Anzahl der Häkchen, die ein Verb aufweist, und dementsprechend die Anzahl der Aktanten, die es regieren kann, ergibt das, was man die Valenz des Verbs nennt.“ (Tesniere 1980:161)
Mit diesem Bild begann 1959 eine linguistische Strömung ihre Geschichte, die bis heute als einflussreichste grammatische Theorie neben Chomskys generativer Grammatik bezeichnet werden kann. Zwar formulierte bereits Bühler im Jahre 1934 die Grundgedanken der Dependenzgrammatik oder Valenztheorie, indem er in der Sprache „Wahlverwandschaften“ (Bühler 1993:173) sah und „Leerstellen“ (ebd.: 173), die jedes Wort um sich eröffne und die durch andere Wörter gefüllt werden müssten. Dennoch begann der Siegeszug der Valenztheorie mit Tesnieres Metapher und öffnete ein Feld für unzählige offene Fragen. Welche Verben verteilen welche Rollen ? Wann ist eine Ergänzung fakultativ und wann obligatorisch ? Wo liegt die Grenze zwischen manchen fakultativen Ergänzungen und Angaben ? Wie ist das Verhältnis von Valenzpotenz und Valenzrealisierung ? Unzählige verschiedene Differenzierungen und Einzeltheorien liessen Joachim Jacobs 1986 die grosse „Valenzmisere“ (Jacobs 1986:S.xx) ausrufen. Im Jahre 1992 trat schliesslich eine Theorie auf den Plan, die Linguisten weltweit aufhorchen liess und sogar als „theoretisch-methodisches Meisterstück“ (Agel 1992:388) und „richtungsweisend“ (ebd.:388) bezeichnet wurde - Angelika Storrers Modell der „Situationsvalenz“ (s. Storrer 1992:257ff.).
Die vorliegende Arbeit möchte dieses Modell vorstellen und zusammenfassen. Nach diesem eher referierenden Teil, welcher das Modell durchgehend mit eigenen Beispielen illustriert, soll nach der Bedeutung von Storrers Theorie und ihrem Charakter in Hinblick auf die Valenztheorie gefragt werden. Abschliessend soll der Blick über den Tellerrand der Valenztheorie hinausgehen und darüber nachgedacht werden, welchen Charakter diese Theorie in Hinblick auf andere Sprachtheorien und Sprachphilosophien hat.
Die Arbeit gibt zwar die Theorie Storrers in eigenen Worten wieder, orientiert sich aber terminologisch sowie strukturell an Storrers Arbeit, da es unsinnig wäre, deren logische Abfolge und Argumentation künstlich umzustellen. Die Termini „Rollen“ und „Ergänzungen“ werden hierbei synonym benutzt, der Terminus „Aktant“ dafür ausgespart.
Die Arbeit bedient sich ausserdem oftmals einer bildlichen Sprache, da Storrers Modell dies an einigen Stellen nahelegt.
5
Grundüberlegungen des Modells 2
Storrer geht davon aus, dass die Valenz eines Verbes und die Art der Ergänzungen, die es an sich bindet, nicht festgelegt sind, sondern von Situation zu Situation variieren. Sie geht davon aus, dass jeder Mensch jede Situation automatisch einem bestimmten „Situationstyp“ (ebd.:258) zuordnet. Jeder Situationstyp verlangt dann nach bestimmten „Situationsrollen“ (ebd.:258) - Ergänzungen, die zu ihm passen - und nach den Verben, die fähig sind, diese Rollen zu realisieren, an sich zu binden. Dies geschieht, indem valenzrelevante Parameter („statische Komponente“) (s.ebd.:259) die Basis für eine konkreten Äusserungssituation („dynamische Modellkomponente“) (s.ebd.:260) bilden und in ihr nach bestimmten Regeln zusammenspielen, um am Ende die Äusserung - also das Verb mit seinen Rollenzu ergeben.
Wie dieses nahezu mathematische Verfahren im Kopf des Sprechers vor sich geht, soll Storrer’s Modell erklären, welches im folgenden erläutert wird.
Die „statische Modellkomponente : Die 3
valenzrelevanten Parameter“ (s. ebd.:260-273)
Die statische Modellkomponente bildet einen Pool von Parametern, auf den alle Entscheidungen innerhalb der dynamischen Modellkomponente zurückzuführen sind. Die dynamische Komponente beschreibt ja zunächst einmal „nur“, dass in der Auswahl der Situationsrollen und der passenden Verben bestimmte Weichen auf der Strecke zum Ziel gestellt werden. Die Parameter aber, die diese Weichen in die ein oder andere Richtung schnappen lassen, sind statisch, da sie als Prinzipien für alle Menschen gelten. Deshalb fasst Storrer sie unter dem Begriff „statische Modellkomponente“ zusammen.
Storrer unterteilt diese Komponente in zwei Gruppen, die im folgenden näher erleutert werden sollen : „wissensbezogene Parameter“ (ebd.:260) und „situationsbezogene Parameter“ (ebd.:261).
3.1 Wissensbezogene Parameter (s. ebd.:261-267)
Diese Parameter bezeichnen den konkreten Wissensstand eines Sprechers, der von Individuum zu Individuum schwanken kann. Das Modell behandelt beide Gesprächspartner als Sprecher. Die Parameter beziehen sich immer nur auf den Wissens- und Informationsstand des aktuell Sprechenden,
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da schliesslich für jeden Menschen gilt, dass ihm der Wissenstand des Hörers nie gänzlich bekannt sein kann. Dieser Wissenstand speist sich aus seinem Wissen über die Sprache und die Welt in der er lebt sowie aus Erfahrungen aus erlebten Zusammenhängen und variiert demnach von Sprachgemeinschaft zu Sprachgemeinschaft. Das Wichtigste ist, dass all diese Parameter valenzrelevant sind und somit ganz klar die Wahl des Verbs und die Anzahl der zu verteilenden Rollen beeinflussen. Im folgenden sollen die wissensbezogenen Parameter in ihrer Unterteilung beschrieben und dazu begründet werden, warum sie valenzrelevant sind.
3.1.1 „GS / S (Gesetzesbereich des Sprechers)“ (s. ebd.:265-266)
Dieser Bereich enthält das Wissen des Sprechers um die Gesetzmässigkeiten seiner Muttersprache. Dazu gehört das Wissen darum, welches Verb welche Rollen verteilen kann, welche Verben und Substantive überhaupt zu welchen Situationen passen und allgemeines Wissen um syntaktische oder morphologische Zusammenhänge. Der Sprecher wählt also Verb und Rollen in Hinblick auf die Situation, wobei er sich auch nach den von Grice formulierten Konversationsmaximen richtet. 1 Da also das Verb und seine Ergänzungen in Hinblick auf die Situation ausgewählt und moduliert werden, ist dieser Bereich valenzrelevant.
3.1.2 „GS / H / S (Der Gesetzesbereich des Hörers aus Sprechersicht)“ (s. ebd.:266-267)
Je nach Situation hat der Sprecher eine mehr oder minder genaue Vorstellung davon, wie der Gesetzesbereich seines Gegenübers aussehen mag. Er wird also automatisch jene Rollen weglassen, die für den Hörer ohnehin bekannt sein dürften, was eben auch die Wertigkeit des Verbs verändert und insofern auch diesen Bereich valenzrelevant macht. Die Gesetzesbereiche von Menschen nähern sich desto mehr an, je mehr sich beide in ähnlichen Lebenswelten befinden und je mehr sie das Wissen um die Rekurssituation teilen. Muss etwa ein Tatzeuge im Polizeipräsidium einen Täter identifizieren, ergibt eine Äusserung wie
1 Grice formulierte 1968 in seiner Schrift „Logic and conversation“ vier Maximen gelungener Kommunikation.
Quantität (nicht zuviele und nicht zuwenige Informationen), Qualität (Wahrheit), Relation/Relevanz (keine
Informationen, die nicht zum Thema gehören) und Modalität (Verständlichkeit)
Arbeit zitieren:
Oliver Uschmann, 2000, Storrers Modell der Situationsvalenz, München, GRIN Verlag GmbH
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Oliver Uschmann's Text Storrers Modell der Situationsvalenz ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
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