I
Inhaltsverzeichnis
I
Gliederung
1
1. Einleitung
1
2. Berlin im Wandel
1
2.1 Wasserversorgung und Kanalisation
4
2.2 U-Bahn
6
2.3 Rohrpost
7
2.4 Brauereien
8
2.5 Bunkeranlagen
11
3. Fazit
4. Anhang
II
4.1 Literaturverzeichnis
II
4.2 Internetquellen
III
4.3 Erklärungen
IV
4.4 Abbildungen
- 1 - 1. Einleitung
Der Begriff „Berliner Unterwelten“ lässt sich auf den Namen eines gemeinnützigen Vereins in Berlin zurückführen, der es sich zur Aufgabe gemacht hat zu ergründen und nachzuvollziehen wie sich „aus einem kleinen, unbedeutenden Fischerdorfe die heutzutage - mit Abstand - größte deutsche Metropole“ 1 entwickeln konnte. Dabei konzentriert er sich schwerpunktmäßig auf die Erforschung und Dokumentation dessen, was sich unter der Stadt befindet. Also beispielsweise die Geschichte der Kanalisation, der U-Bahn oder der Reste des letzten Krieges, die Bunkeranlagen. 2 Im Rahmen dieser Facharbeit will ich mich in Anlehnung an den „Berliner Unterwelten e.V.“ mit dem Berliner Untergrund und dessen Entwicklungsgeschichte beschäftigen. Ich werde versuchen, dem Facettenreichtum dieses Themas gerecht zu werden und auch die Bedeutung dieser unterirdischen Bauwerke für die Stadtentwicklung Berlins zu verdeutlichen. Hierfür werde ich die Entwicklungsgeschichte von fünf ausgewählten Beispielen, im Zeitraum vom Anfang des 19. Jahrhunderts bis heute, darstellen. Bei meinen weiteren Recherchen werde ich mich auf die Literatur- und Internetrecherche konzentrieren, da diese Informationsquellen, nach meinen Erfahrungen mit der Hausarbeit, für dieses Thema am besten geeignet sind.
2. Berlin im Wandel
Die Spuren unter Berlin reichen bis in die Zeiten der ersten Siedlungen zurück. Doch den größten Wandel erfuhr Berlins Untergrund mit Einsetzen der Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Aufkommende Landflucht und die Entstehung von Industriebetrieben führten zu einem explosionsartigen Bevölkerungsanstieg in den Städten, so auch in Berlin.
2.1 Wasserversorgung und Kanalisation
Die hygienischen Zustände in Berlin waren in der ersten Hälfte des 19. Jhd. geradezu mittelalterlich. Die Berliner Bevölkerung bezog ihr Wasser aus den
1 Siehe Anhang II (4.2.1), Zeile 3 f
2 Vgl. Quelle 6, S.1
- 2 -mehr als 5000 Brunnen 3 der Stadt und leitete ihr Abwasser sowie den Inhalt von Toiletten in Sickergruben und in die breiten Rinnsteine (ca. 0,6 m breit und 0,5 m tief), welche entlang der Straßen verliefen. Die Rinnsteine sollten die Abwässer aus der Stadt leiten, dies gelang jedoch nur dort, wo ein Abfluss in einen Kanal oder direkt in die Spree möglich war, meistens jedoch konnten die Abwässer durch das zu geringe Gefälle der Rinnsteine nicht richtig abfließen. Dies führte neben dem Gestank auch zu erheblicher gesundheitlicher Gefährdung der Bevölkerung durch Cholera und Typhus, 4 da der Inhalt der Rinnsteine sowie der Sickergruben das Wasser der nahe gelegenen Brunnen zunehmend verunreinigte. Mit dem Zuwachs der Bevölkerung, den Berlin im Zuge der Industrialisierung erfuhr, 5 wuchsen auch die Probleme in hohem Maße. Die ersten Überlegungen zur Einrichtung einer Wasserleitung hatten ihren Fokus lediglich auf der Bewältigung des Verschmutzungsproblems der Straßen, 6 von einer zentralen Wasserversorgung oder gar einer Kanalisation, wie es sie bereits in anderen europäischen Städten gab, war in Berlin noch nicht die Rede.
Im Rahmen einer, von König Friedrich Wilhelm IV. 1836 angeordneten, Studienreise nach England und Frankreich gelangten 1843 erste konkrete Erkenntnisse zur Problemlösung nach Berlin. Im Jahre 1852 wurde ein Vertrag mit englischen Unternehmern über die Versorgung Berlins mit fließendem Wasser abgeschlossen 7 , 1853 begann der Bau und 1856 nahm Berlins erstes Wasserwerk (am Stralauer Tor) seinen Betrieb auf. Wurde die Wasserversorgung der Berliner Bevölkerung nun auch zunehmend besser, so entstanden dadurch noch mehr Abwässer, die in die Rinnsteine flossen. Ein Plan für die Anlage einer Kanalisation wurde somit noch dringender. 8 Die Kanalisation, deren Bau im Jahre 1873 dann endlich begann, wurde als ein System aus 12 von einander getrennten Bereichen, den Radialsystemen, geplant, 9 welche jeweils über ein Pumpwerk an ihrem am tiefsten gelegenen
3 Vgl. Quelle 5, S. 32, linke Spalte
4 Vgl. Quelle 2, S. 32, linke Spalte und Quelle 5, S. 42, linke Spalte
5 Siehe Abbildung Einwohnerzahlentwicklung, Quelle 3, S. 28
6 Vgl. Quelle 5, S. 38 f
7 Siehe Vertrag (Quelle 5, S. 45 f)
8 Um die seltsame Entwicklung der Berliner Infrastruktur noch etwas zu verdeutlichen, möchte ich ein Beispiel anführen: Erst im Jahre 1887 erhielt das ehemalige Rixdorf einen Anschluss an die Wasserversorgung durch die Charlottenburger Wasserwerke AG, doch gab es in Rixdorf bereits 1878 einen Gasanschluss. (vgl. Quelle 5, S. 41)
9 Vgl. Quelle 1, S. 31 f
- 3 -Punkt verfügten. Die Planung als geschlossenes System, welches die Abwässer auf Rieselfelder 10 pumpt und sie somit nicht wie bisher in die Spree fließen lässt, kam dem Umstand, dass die Spree auch zur Trinkwassergewinnung entgegen. Mit Ausbau der Kanalisation, 11 deren letztes diente, sehr
Radialsystem 1909 fertig gestellt wurde, verschwanden die Rinnsteine und Sickergruben zunehmend aus Berlin, was wiederum bei der Bevölkerung zu einer deutlichen Verbesserung der Gesundheit führte. 12 Für die Rieselfelder wurden große Landflächen aufgekauft, 13 die zusätzlich, mit Blick auf die rasch steigende Einwohnerzahl, als Baulandreserve angesehen wurden. 14 Anfang des 20. Jhd. wurden dann zur Entlastung der Rieselfelder Kläranlagen gebaut, welche die Abwässer physikalisch sowie chemisch reinigten.
Im Verlauf des 2. Weltkriegs und der Bombardierung Berlins durch die Alliierten wurden die Wasserleitungen und die Kanalisation nur unwesentlich beschädigt. Die später folgende Teilung Berlins in Ost und West machte sich zunächst nur durch Aufspaltung der Berliner Wasserwerke in Ost- und West-Betriebe bemerkbar, die Leitungen, welche grenzübergreifend verliefen, wurden zunächst nicht unterbrochen oder gesperrt. Erst als sich 1950 Abrechnungsprobleme für die Wasserlieferungen einstellten, für die man zunächst keine Einigung fand, wurden die Leitungen nach Westberlin kurzzeitig gesperrt. 15 Ab 1958 war die Wasserversorgung für West-Berlin durch hohe Investitionen in Rohrleitungsnetz sowie Wasserförderungsanlagen sichergestellt. Heutzutage wird Berlin zusammen mit Teilen des angrenzenden Umlands von neun Wasserwerken versorgt, die das Wasser durch Brunnen gewinnen und in das mittlerweile 7800km lange Rohrnetz leiten. Die Kanalisation an den Grenzabschnitten wurde von Seiten der DDR anfangs nur stellenweise mit Gittern versehen, um Fluchtversuche und das Eindringen von West-Agenten zu unterbinden. Nach dem Bau der Berliner Mauer und
10 Siehe Abbildung des Berliner Abwassersystems (1906), Quelle 1, S. 30
11 Bis 1900 wuchs das Kanalisationsnetz von 30 km auf knapp 890 km (vgl. Quelle 1, S. 32, linke Spalte)
12 Siehe Statistik Typhus-Erkrankungen, Anhang VII
13 Im Jahre 1945 betrug die Größe der Rieselfelder (inkl. Schutzzonen) ca. 20.000 ha. (Quelle 2, S. 39, linke Spalte)
14 „In der Tat sind weite Teile des heutigen nordöstlichen Stadtgebietes auf diese Landerwerbungen in den letzten dreißig Jahren des vorigen Jahrhunderts zurückzuführen.“ (Quelle 1, S. 31, linke Spalte)
15 Für nähere Informationen siehe „Wassernot in West-Berlin“ (Quelle 5 S. 197)
- 4 -Fluchtversuchen folgte eine massive Sicherung der Kanalisation mit Gittern und Alarmanlagen. West-Berlin errichtete später neue Klärwerke, um sich vom Osten unabhängig zu machen. Die DDR ihrerseits unternahm ab 1970 Maßnahmen, um sich von West-Berlin abzukoppeln, dies erforderte den Umbau und Neubau von Kanalisationsanlagen. Die am weitesten gehende Trennung gelang dann in den 1989er Jahren, welche aber nach der Wiedervereinigung wieder rückgängig gemacht wurde.
Das heutige Rohrnetz der Kanalisation hat eine Länge von 9400 km und besitzt 150 Pumpwerke, welche Regen- und Abwasser zu den Kläranlagen befördern. Die Rieselfelder gibt es heute aus ökologischen Gründen nicht mehr, da sich dort über die Jahre giftige Schwermetalle und organische Schadstoffe angesammelt hatten.
2.2 U-Bahn
Mit Einsetzen der Industrialisierung entstanden zunehmend Industriebetriebe in und um Berlin, die wiederum einen großen Bedarf an Arbeitskräften hatten. 16 Dies zog immer mehr Menschen, auf der Suche nach Beschäftigung, nach Berlin, die jedoch immer seltener eine Unterkunft in der Nähe ihrer Arbeitsstelle finden konnten. Hinzu kamen immer weiter steigende Grundstückspreise, 17 aufgrund derer viele Bürger aus dem Stadtzentrum in umliegende Stadtbezirke oder die Vorstädte zogen. 18 Diese immer größeren Distanzen zwischen Wohnort und Arbeitsplatz sowie die steigende Zahl an zu befördernden Personen machten die Erweiterung und den Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel zwangsläufig erforderlich. Die öffentliche Personenbeförderung wurde im 19. Jahrhundert in den Städten durch von Pferden gezogene Busse oder Straßenbahnen bewerkstelligt, deren Beförderungskapazität jedoch im Vergleich zu Eisenbahnen sehr gering war. Der Einsatz von Eisenbahnen war aber innerhalb der Stadt aufgrund ihrer Schwerfälligkeit nicht sinnvoll, da sie den Verkehr auf den Straßen behindert hätten. In London wurde 1863 die erste unterirdische Bahnstrecke eröffnet, welche der Idee einer Bahn in 2. Ebene entsprach, die den Straßenverkehr nicht
16 Vgl. Quelle 3, S. 40 f
17 Vgl. Quelle 3, S. 46
18 Vgl. Quelle 3, S. 42 ff, sowie Abbildung (Quelle 3, S.43)
Arbeit zitieren:
Arne Kretschmann, 2011, Berliner Unterwelten, München, GRIN Verlag GmbH
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