Förderung, Bildung und Entwicklung schwerstbehinderter Menschen - eine Einführung
zur Erlangung des Weiterbildungszertifikates der Fernuniversität Hagen.
Thema der Arbeit:
Bedeutung und Möglichkeiten Unterstützter Kommunikation für Menschen mit Körperbehinderungen unter besonderer Berücksichtigung von Kindern und Jugendlichen mit cerebralen Bewegungsstörungen
Vorgelegt von:
Kristina Laudan
Kiel, den 31.08.2003
Gliederung
0. Einleitung 3
1. Begriffsbestimmung: cerebrale Bewegungsstörungen 6
2. Entwicklung der kommunikativen Fähigkeiten unter erschwerten
Bedingungen bei Kindern und Jugendlichen mit einer cerebralen
Bewegungsst örung 8
2.1 Kommunikation und Bewegung 9
2.2 Kommunikation und Körpererfahrung 9
2.3 Kommunikation und Wahrnehmung: 10
2.4 Kommunikation und Kognition 10
2.5 Kommunikation und Sozialerfahrung: 11
2.6 Kommunikation und Emotion 12
3. Unterstützte Kommunikation zur Anbahnung, Erweiterung
und Ersetzung von Lautsprache 12
3.1 Begriffsbestimmung, Personenkreis und Ziele 12
3.2 Möglichkeiten unterstützter Kommunikation 14
3.2.1 Körpereigene Kommunikationsformen (ohne Hilfsmittel) 14
3.2.2 Externe Kommunikationshilfen 15
3.2.2.1 nichtelektronische Kommunikationshilfen 15
3.2.2.2 elektronische Kommunikationshilfen 16
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4. Charakteristische Besonderheiten der Kommunikationssituationen bei Verwendung von Kommunikationshilfen zwischen nichtsprechenden Benutzern und ihren sprechenden Partnern 22 4.1 Veränderte Rollenverteilung 22 4.2 Reduzierte Kommunikationsgeschwindigkeit 23 4.3 Eingeschränktes Vokabular 24 4.4 Veränderte und fehlende nonverbale Signale 24 4.5 Mangel an Erfahrung über kommunikative Regeln auf Seiten der nichtsprechenden Menschen 25 4.6 Gewichtung der kommunizierten Inhalte durch die sprechenden Gesprächspartner 25
5. Diagnostische Fragen 26
6. Förderung der kommunikativen Kompetenzen von Benutzern mit unterstützenden Kommunikationshilfen 28 6.1 Grundlegende Überlegungen und Prinzipien der Sprach- und Kommunikationsförderung 29 6.2 Aufbau eines differenzierten Ausdrucksrepertoires mit Hilfe der Unterstützen Kommunikation 31
6.2.1. Lernen im und für den Alltag 31
6.2.2 Das sprachliche Umfeld 31
7. Schlussbemerkung 33
Literatur
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0. Einleitung
Sprechen und Kommunizieren ist für die meisten Menschen etwas Selbstverständliches. Nur selten, wenn überhaupt, wird darüber nachgedacht, was es für einen Menschen bedeutet, ohne Sprache und somit meist ohne die Möglichkeit, sich mitteilen zu können, leben zu müssen.
Da es aber Menschen gibt, die genau von dieser Sprachlosigkeit und deren Folgen betroffen sind, ist es wichtig, über alternative Möglichkeiten des Kommunizierens nachzudenken. Denn das Unvermögen, sich lautsprachlich zu äußern, darf weder gleichgesetzt werden mit dem Unvermögen, sich mitteilen zu können noch mit dem Unwillen, sich mitteilen zu wollen. Auch Menschen ohne Lautsprache haben etwas zu erzählen; sie haben das Bedürfnis und das Recht, ihre Gedanken, Gefühle und Wünsche anderen Menschen mitzuteilen. Die „Unterstützte Kommunikation“ bietet Menschen ohne Lautsprache, also Nicht-Sprechenden Menschen eine Möglichkeit dazu.
Den meisten Menschen, auch Pädagogen und Therapeuten, ist der Begriff „Unterstützte Kommunikation“ sowie deren Bedeutung und Inhalt fremd. Auch nach der Erläuterung des Begriffes, des Inhaltes und der Bedeutung dieser Form von Kommunikation für die betroffenen Menschen können sich nur Wenige etwas Konkretes darunter vorstellen.
Bevor ich in dieser Arbeit auf diesen Begriff eingehe, möchte ich zunächst einmal die Begriffe „Sprache“ und „Kommunikation“ sowie deren Funktion und Bedeutung für den Menschen anhand einiger Definitionen darstellen, da insbesondere diesen Begriffen eine zentrale Bedeutung in der Unterstützten Kommunikation zukommt.
„Was Sprache auch immer sonst noch sein mag, sie ist ein
systematisches Verfahren, mit anderen zu kommunizieren, fremdes
und eigenes Verhalten zu beeinflussen, Aufmerksamkeit zu lenken
und Realitäten zu schaffen...“ (BRUNER 1987, S. 102)
Aus dieser Definition geht hervor, dass Sprache vor allem kommunikative Funktion hat, d.h. als Mittel zur Verständigung dient. Sprache wird also nicht um der Sprache
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Willen erlernt, sondern um mit seiner Umwelt in Kontakt treten, mit ihr kommunizieren zu können.
Nach WUNDERLICH ist Kommunikation
„nicht nur Austausch von sprachlichen Inhalten, (das ist sie auch),
zuallererst ist sie aber Herstellen von zweiseitigen
Beziehungen...“(WUNDERLICH 1974, zit. nach HEIDTMANN 1996, S. 3).
Nach BERNTGES-BRECHT bedeutet Kommunikation „die Vermittlung und der Austausch von Informationen und
Nachrichten zwischen Kommunikationspartnern mittels sprachlicher
oder nicht-sprachlicher Symbole oder Zeichen. [...] Kommunikation
ist eine lebensnotwendige Form menschlichen Daseins und
Ausdruck von interaktionalen Beziehungen in sozialen
Handlungsbereichen. Der Mensch bedient sich zum Austausch von
Gedanken, Gefühlen oder Meinungen sprachlicher Elemente und
begleitet oder ersetzt diese durch nicht-sprachliche
Verständigungsmittel.“(BERNTGES-BRECHT 1993, S. 328 nach
LUKASCYK 1984)
BUßMANN bezeichnet Kommunikation als „zwischenmenschliche Verständigung mittels sprachlicher und
nichtsprachlicher Mittel.“(BUßMANN 1983, zit. nach HEIDTMANN 1996,
S. 3).
Zusammenfassend können diese, insbesondere für Menschen ohne Lautsprache bedeutsamen Aspekte folgendermaßen stichpunktartig dargestellt werden:
Sprache dient der Kommunikation und wird nicht um sich selbst willen gelernt.
Sprache und somit Kommunikation dienen der Herstellung von Beziehungen
Kommunikation ist eine lebensnotwendige Form menschlichen Daseins Zwischenmenschliche Verständigung ist über verschiedene Kommunikationskanäle, nämlich verbale und nonverbale sowie Zeichen und Symbole, möglich
Zum Aufbau dieser Arbeit:
In dieser Arbeit wird zunächst der Begriff der cerabralen Bewegungsstörungen erläutert (Kap. 1).
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Anschließend stelle ich die Entwicklung der kommunikativen Fähigkeiten unter erschwerten Bedingungen bei Kindern und Jugendlichen dar, die von einer cerebralen Bewegungsstörung betroffen sind (Kap. 2)
Im dritten Kapitel erfolgt die Erläuterung des Begriffes „Unterstützte Kommunikation“ und die Darstellung verschiedener Möglichkeiten, unterstützt zu kommunizieren.
Danach stelle ich charakteristische Besonderheiten der Kommunikationssituationen bei der Verwendung von Kommunikationshilfen zwischen nichtsprechenden Benutzern und ihren sprechenden Partnern dar (Kap. 4)
Den Abschluss der Arbeit bilden die Kapitel der Diagnostik (Kap. 5) und der Förderung von kommunikativen Kompetenzen von Benutzern mit unterstützenden Kommunikationshilfen. Hier wird auch die Bedeutung des Umfeldes für das Gelingen einer Unterstützten Kommunikation deutlich (Kap. 6).
Während meines Studiums der Sprachheilpädagogik an der Universität zu Kiel habe ich durch eine Tätigkeit in der Einrichtung der Unterstützten Kommunikation Erfahrungen im Umgang mit und der Förderung von Menschen, die sich lautsprachlich nicht mitteilen können sammeln können. Vieles in dieser Arbeit gründet sich auf diese eigenen Erfahrungen, so dass nicht für alle Aspekte die hier genannt werden, Literaturangaben genannt werden können.
Bemerkung:
In dieser Arbeit werden für Menschen, die auf Unterstützte Kommunikation angewiesen sind, verschiedene Bezeichnungen verwendet. Dies geschieht nicht aus Unachtsamkeit, sondern dient der besseren Lesbarkeit. Gemeint sind immer Menschen, die sich lautsprachlich nicht oder nur unzureichend verständigen können und somit auf unterstützende Kommunikationsmittel angewiesen sind.
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1. Begriffsbestimmung: cerebrale Bewegungsstörungen
Der Begriff cerebralen Bewegungsstörung wird als Synonym für infantile Cerabralparesen (ICP) verwendet. Es handelt sich dabei um Koordinationsstörungen, die ihre Ursache zentral in sensomotorischen Zentren des Gehirns haben. Die Schädigung des Gehirns, die zu einer solchen Störungen führen kann, kann auf dreierlei Weise erfolgen:
Vor der Geburt (pränatal) kann sie durch eingenommene Medikamente oder Infektionskrankheiten der Mutter während der Schwangerschaft erfolgen.
Während der Geburt (Perinatal) kann eine solche Schädigung z.B. durch Sauerstoffmangel, eine zu frühe oder späte Geburt, Nabelschnurkomplikationen oder ähnliches entstehen. Eine Schädigung nach der Geburt (Postnatal) hat ihre Ursache häufig in einer Meningitis oder in Schädel-Hirn-Verletzungen (vgl. V. EICKSTEDT, D./ STEMME, G. o.J.).
Eine Cerebralparese wird dann als infantil bezeichnet, wenn die Schädigung im Zeitraum vom Beginn der Schwangerschaft bis zur Beendigung des 2. Lebensjahres verursacht wurde.
Eine Auswirkung der ICP ist ein fehlerhafter Muskeltonus. Dieser kann entweder Hyper- oder Hypoton bzw. schnell wechselnd sein. Als Folge dieser gestörten Koordination der Muskeln untereinander treten abnorme Haltungs- und Bewegungsmuster auf, so dass ein betroffenes Kind kaum in der Lage ist, gezielte und beabsichtigte Bewegungen ausführen. Die motorische Entwicklung beschränkt sich auf wenige abnorme Bewegungsmuster, die sich durch stetiges Wiederholen einprägen, wie z.B. die spastische Bewegungsstörung, die Athetose oder Ataxie.
Die spastische Bewegungsstörung ist gekennzeichnet durch einen erhöhten Muskeltonus, der besonders bei Anstrengung oder Erregung bemerkbar wird. Bewegungen können nur mühsam, steif, verkrampft und verlangsamt ausgeführt werden. Oft treten auch assoziierte Reaktionen auf, d.h. auch willkürliche Bewegungen werden von ungehemmten
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Arbeit zitieren:
Kristina Laudan, 2003, Bedeutung und Möglichkeiten Unterstützter Kommunikation für Menschen mit Körperbehinderungen unter besonderer Berücksichtigung von Kindern und Jugendlichen mit cerebralen Bewegungsstörungen, München, GRIN Verlag GmbH
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