K u m a z o H I N O
Ein japanischer Flieger in Berlin-Johannisthal
von
Alexander Kauther () und Paul Wirtz ( )
Kumazo HINO im Alter von 25 Jahren (1903).
© Ausgabe April 2012 www.johflug.de info@johflug.de
3
Inhaltsverzeichnis
Anmerkungen der Autoren 5
Biografie HINO und sein Aufenthalt in Johannisthal 8
Die Japanische Delegation bei der Wright-Fluggesellschaft 14
Die Entwicklung der Flugtechnik in Japan 21
Kumazo HINO als Erfinder 27
Vortrag und Zeitungsartikel über HINO in Japan 27
Fotos aus dem Buch von Shibuya, Atsushi 34
2012 - Die Ehrenbürgerschaft Kumozo Hino in Hitoyoshi 40
Quellen 46
Zeitungen und Periodika 46
Literatur 42
Bildnachweis 47
Personenregister 47
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Anmerkungen der Autoren
Im Oktober 2009 erhielten wir von Christin Tewes (eine E-Mail auf unserer Homepage www.johflug.de. Sie lernte während ihres Studienaufenthaltes in Südjapan Anfang 2007 den Japaner Hiroyuki TSUTSUMI () 1 kennen.
Über ihren Studienaufenthalt und über das Kennenlernen TSUTSUMI’s kann in ihrem Tagebuch „Big in Japan“ 2 nachgelesen werden. Sie erfuhr von ihm, dass Hauptmann Kumazo HINO aus Hitoyoshi stammte und ihm um 1910 als ersten Japaner ein Flug auf dem Flugfeld in Berlin-Johannisthal gelungen war. Hiroyuki TSUTSUMI (54) interessiert sich sehr für diese Geschichte und bat Christin, in Deutschland zu recherchieren. Sie sollte für ihn herausfinden, ob es noch irgendwelche Dokumente von HINO’s Aufenthalt und seinen Flugversuchen gibt.
beschrieben und mit einigen Fotos belegt.
1 Homepage von TSUTSUMI: www.ginnokura-hitoyoshi.com.
2 „Big in Japan“ - Mein Studienjahr zwischen Kimonos und Kakerlaken, Verlag Monsenstein und
Vannerdat, 2009, ISBN 3865826970.
3 Ein Hauptmann S. MASUDA gehörte im August 1911-Mai 1912 ebenfalls zur japanischen
Militärdelegation in Berlin. Wir vermuten, dass es sich um einen Verwandten handelt.
5
Im Heimatort von HINO gibt es einen Gedenkstein, der zu seinem 120. Todestag im Jahre 1998 im Beisein seiner Tochter und seines Sohnes eingeweiht wurde. HINO ist in seiner Heimat ein Held und ein berühmter Sohn seiner Stadt.
Übersetzung des Textes auf dem Denkmal für HINO:
Kumazo Hino wurde hier am 9. Juni 1878 geboren. Im Dezember 1910 lenkte er beim ersten Testflug unseres Landes in Yoyogi, Tokyo, ein Hans Grade-Flugzeug aus Deutschland und wurde dadurch gemeinsam mit Yoshitoshi Tokugawa, der in einem Farman-Flugzeug flog, zum ersten Piloten Japans.
1946 starb er im Alter von 67 Jahren. In Erinnerung an seinen 120. Geburtstag wurde
Ein weiteres Denkmal HINO’s (Bronzestatue) steht auf dem ehemaligen Exerzierplatz in Tokio.
HINO führte am 19. Dezember 1910 als erster Japaner in Tokio mit der Eindecker-Maschine, Typ „Libelle“ einen erfolgreichen Flug durch.
Später versuchte HINO dieses Flugzeug nachzubauen und weiterzuentwickeln. Mit diesen Flugmaschinen gelangen ihm aber keine Flüge.
6
Am 1. Februar 1910 empfing der deutsche Kaiser Wilhelm II. in Berlin den japanischen Prinzen Hiroyasu FUSHIMI (siehe Bild rechts).
Dieser überreichte Prinz Adalbert von Preußen den japanischen Sonnenorden und überbrachte dem Kaiserpaar kostbare Geschenke.
Der Besuch war Ausdruck für die enger werdenden Beziehungen beider Staaten. So wurde in diesem Jahr Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg, der Präsident der Deutschen Kolonialgesellschaft, als erster ausländischer Fürst am japanischen Kaiserhof empfangen.
Die folgende Kurzbiografie über den japanischen Kumazo HINO wurde von den Autoren für Hiroyuki TSUTSUMI zusammengestellt.
Am 12. Dezember 2009 gab es von HINO anlässlich des 100. Jahrestages der Flugversuche einen Vortrag. Darüber ist in der japanischen Ortspresse, der „Hitoyoshi-Zeitung“, am 15. Dezember 2009 berichtet worden. Viel Material der Autoren ist dort verwendet und gewürdigt worden.
Zwischen Hiroyuki TSUTSUMI und Alexander Kauther entwickelte sich eine feste E-Mail Freundschaft. In HINO’s Heimatort Hitoyoshi wurde Ende 2010 neben einer Vortragsreihe und Presseveröffentlichungen u. a. eine Filmdokumentation über HINO erstellt.
Hino Kumazo .mp4 4
4 Unter http://www.youtube.com/results?search_query=Kumazo+Hino&aq=f
7
Biografie
* 9. Juni 1878 in Hitoyoshi, 43. Präfektur Kumamoto auf der Insel Kyushu
+ 15. Januar 1946 in Hitoyoshi, gestorben während der Massenarmut und an Mangelernährung. Berufe: Kaufmann, Erfinder, Militärflieger, Hauptmann in der japanischen Armee.
Verheiratet, 1 Tochter (um 2007 gestorben), 1 Sohn (93 Jahre, lebt in Tokio). Sein Vater war Samurai des Sagara Clans.
Das Jahr 1909/10
Die japanische Armee erkannte die Bedeutung der Entwicklung der Luftfahrtforschung.
„Die japanische Regierung hatte zur Förderung der Luftschifffahrt die Summe von 1.141.308 Yen bewilligt. Hiervon wurden 471.209 Yen für die Studienreise zweier Offiziere verwandt, die bekanntlich auch längere Zeit in Berlin verweilten und deutsche Apparate ankauften. Eine beträchtliche Summe wurde für den Ankauf und die Herrichtung eines Flugfeldes in Toukourosawa verwandt. Dort sind inzwischen mehrere Schuppen errichtet und ausländische Flugzeuge sowie japanische Konstruktionen untergebracht. In diesem Jahre soll auch eine große Luftschiffhalle erbaut werden, in welcher der Lenkballon des Barons YAMADA Unterkunft finden wird. Es ist außerdem vorgesehen worden, aus dem Fonds unbemittelte japanische Konstrukteure zu unterstützen. Schließlich soll in der Nähe von Tokio eine Militärflugmaschinen-Fabrik errichtet werden.“ 5
Im Auftrag der japanischen Armee reisten Hauptmann Yoshitoshi TOKUGAWA, (1884-1963) nach Frankreich und Hauptmann Kumazo HINO im Mai 1910 nach Deutschland. Ihr Ziel war es, fliegen zu lernen und geeignete Flugzeuge für Japan zu erwerben.
5 „Flugwesen in Japan“, Deutsche Zeitschrift für Luftschiffahrt (DZL) vom 22. März 1911, Ausgabe 6,
Seite 28 (Foto: Y. Tokugawa).
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Auch die Aneignung flugtechnischen Wissens, etwa am Aeronautischen Institut in Lindenberg oder in Johannisthal, verdient Erwähnung. Weitere japanische Offiziere in Deutschland waren: Aibara Shirô (1880-1911), Kumazô Hino, S. Masuda, Nagaoka Gaishi (1858-1933) und Kumao Tokunaga (1873-1946). 6
Die ingenieurtechnischen Kenntnisse fanden im Ersten Weltkrieg praktische Anwendung, als im Kampf um das deutsche Pachtgebiet Qingdao erstmals Militärflugzeuge eingesetzt wurden.
Ende 1910 kaufte Hauptmann TOKUGAWA in Frankreich einen Bleriot-Eindecker und einen Farman-Doppeldecker. Mit einem dieser Flugzeuge flog er am 19. Dezember 1910 auf dem Yogogi-Paradeplatz in Tokio für 3 Minuten auf 70 Meter Höhe eine Entfernung von 3.000 Metern. Zeitgleich flog auch HINO den in Deutschland gekauften Grade-Eindecker, Typ „Libelle“ in Yogogi. Er legte damit eine Strecke von 2.300 Metern in 20 Sekunden mit einer Geschwindigkeit von 27 Kilometern pro Stunden zurück. „Dieses Flugzeug war die erste Flugmaschine, die in Japan geflogen sein soll.“
7
Der bekannte deutsche Ingenieur Hans GRADE (1879-1946) erwarb die deutsche Flugzeugführerlizenz-Nr. 2 am 1. Februar 1910 auf seinem selbst konstruierten und gebauten Grade-Eindecker „Libelle“.
Am 31. Oktober 1909 gewann er mit diesem Flugapparat den „Lanz-Preis der Lüfte“ auf dem Flugplatz Berlin-Johannisthal. Das brachte ihm ein Preisgeld von 40.000 Mark ein. Das Flugzeug war 125 kg schwer und hatte eine Flügelspannweite von 10,2 m.
Die Tragfläche und das Leitwerk war eine segeltuchbespannte Holzrippen-Konstruktion. Der Rumpf bestand aus Stahl- und Bambusrohr. Den Spannstoff erhielt Hans GRADE von der Firma Metzler, die auch Stoffe für Ballons und Luftschiffe herstellte. Das sehr einfach gebaute Flugzeug erwies sich als geeignetes Schulgerät.
6 Auszug aus dem Heft 11 (2007), Jahrbuch „Japonica Humboldtiana“, Seite 93-158, Autor Dr.sc.
Rudolf Hartmann, Humboldt-Universität zu Berlin.
7 „Die Geschichte der Gemeinde Borkheide“. Die Jahre 1900-1945, Manfred Günther, 1997.
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Es war eines der weltweit ersten Ultraleicht-Flugzeuge. Viele der ersten deutschen Piloten haben damit fliegen gelernt. Der Grade-Eindecker war das billigste Flugzeug seiner Zeit. Im Kaufpreis von 12.000 Mark war die Schulung von Flugschülern bereits einbegriffen.
Zunächst fand die Flugmaschine „Libelle“ bei Schauflügen in verschiedenen deutschen Städten Verwendung. Von 1910-1914 fertigte Hans GRADE sie in einer eigens gegründeten Flugzeugfabrik in Borkheide/bei Magdeburg in Serie und setzte sie erfolgreich in seiner Flugschule ein.
Grade-Eindecker „Libelle“, 1909.
Verbesserter Grade-Eindecker“, 1910.
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Arbeit zitieren:
Alexander Kauther, Paul Wirtz, 2011, Kumazo HINO (1878-1946) - Ein japanischer Flieger in Berlin-Johannisthal, München, GRIN Verlag GmbH
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