entstammt und man die oben genannten Indizien auf den vorliegenden lyrischen Text anwendet, so wird sehr schnell klar, dass das oben genannte Thema nur eine Tarnung der eigentlichen Textaussage sein soll und diese nur oberflächlich zu verstehen ist. Meiner Meinung nach will Goethe mit diesem Gedicht Kritik an der damaligen absolutistischen Gesellschaft, ihren Abarten, Bräuchen und Traditionen nehmen. Im
Mittelpunkt seiner Kritik steht die damalige Kirche, welche genau so handelt wie die von Prometheus beschriebenen und kritisierten Götter, weshalb hier eine parallele zwischen augenscheinlicher und eigentlicher Aussage gezogen werden kann.
In der folgenden Analyse werde ich die soeben aufgestellte These mit Hilfe der formellen, sprachlichen und inhaltlichen Aspekte der einzelnen Strophen überprüfen und anschließend belegen oder wiederlegen.
Goethes Gedicht besteht aus insgesamt 7 Strophen mit jeweils unterschiedlich vielen Versen
(12, 9, 7, 9, 9, 5, 7). Außerdem handelt es sich hier um einen freien Rhythmus, dass heißt es ist kein eindeutiges Metrum zu erkennen. Genauso verhält es sich mit dem Reimschema. Außer den beiden Reimen „ An Eichen dich und Bergeshöhn! Mußt mir meine Erde doch lassen stehn…“ (Z. 5/7) und „ Genießen und zu freuen sich, und dein nicht zu achten, wie ich“ (Z. 57/58) lassen sich in dem Gedicht keine Reime finden. All dies hat zwei Wirkungen auf das Gedicht und die damit verbundene Aussage. Zum einen passt es besser in den Sprachrhythmus einer Hymne sowie die damit verbundenen Emotionen, welche durch den gefühlsbeladenen Grundton hervorgehoben werden. Außerdem lässt sich durch die Loseisung Goethes von den damals geltenden lyrischen Normen eine parallele zum Inhalt des Gedichts ziehen, womit die oben angesprochene Aussage noch einmal verstärkt wird. Während in vielen anderen Sturm und Drang Gedichten die Verbundenheit zur Natur eine sehr große Rolle spielt, so ist es in diesem Gedicht die Autonomie und das aufständische Verhalten des lyrischen Ichs sowie die Unabhängigkeit von Autoritäten. Dies lässt sich im Allgemeinen auf Prometheus beziehen, welcher sich als Titan ebenfalls aufständisch gegen die Götter erhob um dann anschließend von Zeus geächtet zu werden. Gleiches wäre mit Goethe geschehen, nur das der Ächter nicht Gott selbst, sondern die Kirche gewesen wäre. Aus diesem Grunde verpackte Goethe seine Kritik gut genug um nicht als Ketzer bestraft zu werden, aber trotzdem die Kritik an Kirche und Staat vermitteln zu können. Genauso ist auch
der Titel geschickt gewählt worden, „Prometheus“, durch ihn kann Goethe indirekt seine Kritik kund tun und im Falle einer Beschuldig sich darauf beziehen, dass es lediglich sein Beitrag zu einer antiken Saga ist.
Das Gedicht beginnt mit einem Ausruf, gerichtet an Zeus: „Bedecke deinen Himmel“ (Z. 1). Hiermit wird von vornerein die Beziehung von dem lyrischen Ich (wahrscheinlich Prometheus) und Zeus deutlich. Sie beruht auf Abneigung und Hass seitens Prometheus und auf Neid seitens Zeus. So stellt das lyrische Ich Zeus auf eine Ebene mit einem „Knaben […] der Disteln köpft“ (V. 3/4). Er befiehlt Zeus sich an „Eichen und Bergeshöhn“ (V. 5) zu üben, da er dessen Verhalten im Umgang mit den Menschen für nicht akzeptabel hält. Außerdem unterstellt Prometheus den Göttern Neid: „Um dessen Glut du mich beneidest“ (V. 12). Zwei Schlüsselwörter dieser Strophe sind „Himmel“ (V. 1) und „Erde“ (V. 6). Sie verdeutlichen nicht nur den räumlichen Unterschied von Zeus und dem lyrischen Ich, sondern auch den Gedanklichen. In dieser Strophe ist die Aussage des Gedichts sehr klar ersichtlich. Mit Zeus wird hier die Kirche gemeint, welche von Goethe in die Richtung hin kritisiert wird, dass es allein die Menschen waren, welche „Hütte“ (V. 8) und „Herd“ (V. 10) gebaut haben und nicht durch Götter/Kirche geleitet worden sind. Dies wird noch einmal durch den Satz „Die du nicht gebaut“ (V. 9) hervorgehoben. Um die Wirkung der gesamten Strophe zu verstärken benutzt Goethe Anaphern und Epiphern, welche sich in den Versen 8-‐12 wiederfinden lassen „Und“ (V. 8/10), sowie der Buchstabe „H“ in Hütte und Herd.
In der zweiten Strophe distanziert sich Prometheus von den Göttern in dem er sie verspottet und beleidigt: „Ich kenne nichts Ärmeres“ (V. 13). Sie verdanken ihre Herrlichkeit und Wesen nicht ihrer eigenen Leistung, sondern sie leben und „nähren“ sich „kümmerlich“ von „Opfersteuern/ Und Gebetshauch“ (V. 16). Diese Beschreibung ist auch eine versteckte Anspielung auf die christliche Kirche. Zum Zeitpunkt der Entstehung des Gedichtes leben Kirche und Klerus von dem Zehnt, der hier mit „Opfersteuern“ angedeutet wird, und weiteren Abgaben, die die Bevölkerung zu leisten hat. Der dritte Stand finanziert mit ihnen das ausschweifende Leben der ersten beiden Stände, die selbst keine Steuern zu zahlen haben und viele Privilegien, wie zum Beispiel das Jagdrecht, besitzen. Ähnlich verhält es sich im Gedicht mit den Göttern, die durch die Opfer von „Kindern“ (V. 20) und „Bettlern“ (V. 20) leben. Damit wird auf die Abhängigkeit der Kirche hingewiesen, welche ohne den Gebetshauch von „Hoffnungsvollen Toren“ (V. 21) nicht existieren würde. Auffallend ist hier
Arbeit zitieren:
Tom Schnee, 2011, Analyse des Gedichts "Prometheus" von Goethe, München, GRIN Verlag GmbH
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