Inhaltsverzeichnis
Einleitung. 3
Hauptteil 4
Der Techniker Walter Faber 4
Sabeths Einfluss auf Fabers Weiterentwicklung 5
Die Gefühlswelt des Walter Faber. 6
Die Entwicklung vom Techniker hin zum Menschen 8
Die Natur aus der Sicht von Walter Faber. 9
Auszug aus dem ersten Tagebuch von Max Frisch 11
Literaturverzeichnis 12
2
Max Frischs Roman „Homo Faber“ erschien im Jahre 1957 und wurde ein noch größerer Erfolg als sein zuvor veröffentlichter Roman „Stiller“. Ebenso wie „Stiller“ ist der Roman „Homo Faber“ eine in Tagebuchform konzipierte „Ich“-Erzählung. Frisch versucht, die Problematik einer Zeit aufzuzeigen, in der zwei Grundeinstellungen zum Leben miteinander in Konkurrenz stehen: einerseits die vorwiegend rational bestimmte Lebensweise, in der Wissenschaft, Technik und Mathematik fast ausschließlich die Denkweise beeinflussen; auf der anderen Seite Kunst, Mystik, Religion und Fantasie, die in der Anerkenntnis auch unerklärlicher Phänomene gipfeln.
Allein die Bezeichnung „Homo Faber“ impliziert den Typus, welcher der Protagonist Walter Faber verkörpert. „Faber“, lateinisch: der Schmied, steht für den produzierenden, erfolgreich schaffenden und arbeitenden Menschen; der Ingenieur Faber steht somit für den erfolgreich tätigen, allein vom Verstand bestimmten und geleiteten Menschen der damaligen und auch noch heutigen Zeit.
Bei vielen Arbeiten Frischs findet sich der Grundgedanke der jeweiligen Erzählung im „Tagebuch 1946 - 1949“ wieder, so dürfte es auch bei der Entstehung des Romans „Homo Faber“ der Fall gewesen sein.
Der Inhalt in Kürze: Walter Faber, ein Ingenieur von 50 Jahren, ist seit Anfang seines Lebens daran gewöhnt, Menschliches technisch zu sehen und zu handhaben. Doch bei dem Besuch einer Plantage in Mexiko findet er seinen Jugendfreund und späteren Ehemann seiner Jugendliebe Hanna erhängt vor. Während der anschließenden Schiffsüberfahrt nach Europa lernt er das Mädchen Sabeth kennen, welches seine Geliebte wird und mit der er spätere Heiratspläne schmiedet. Erst als sie durch einen Unfall auf ihrer beider Hochzeitsreise ums Leben kommt, erfährt Faber von Hanna, dass es sich bei Sabeth um seine Tochter handelt, von deren Existenz er, aufgrund der angenommenen Abtreibung, keine Kenntnis hatte und muss, schuldlos schuldig geworden, den Zusammenbruch nicht nur seines bisherigen Lebens ins Auge fassen und für sich selbst realisieren.
Ziel meiner Arbeit soll es sein, zum einen die Wandlung und Weiterentwicklung des Vollbluttechnikers Walter Faber vom mathematisch und rational denkenden Menschen, der alles durch Statistik und Rechnung bewiesen sehen will, zum naturbewussten und fiktionalen Gefühlsmenschen aufzuzeigen; zum anderen eben jenen Gegensatz von Natur und Technik, mitunter verkörpert durch den Protagonisten sowie andere vorkommende Charaktere, in seiner Entwicklung, Änderung und Darstellung aufzuzeigen und zu verdeutlichen.
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Der Techniker Walter Faber
Der gesamte Roman ist von der Erzählform her einer Form von Tagebuch ähnlich, nicht umsonst trägt die Erzählung den Untertitel „Ein Bericht“. Walter Faber ist der Protagonist der um 1955/57 stattfindenden Erzählung. Er beschreibt die Sicht der Dinge aus seiner Perspektive in Form einer „Ich“-Erzählung, die häufig von Analepsen (z.B. Beschreibung seiner Heiratspläne mit Hanna) und teilweise Prolepsen (z.B. der Tod seiner Tochter Sabeth) geprägt ist. Dadurch erlangt der Roman zeitweise den Charakter einer iterativen, repetitiven, vorrangig jedoch singulativen Erzählung. Die Handlung setzt in medias res ein und erzeugt von Beginn an sehr viele und umfangreiche Leerstellen, die großen Raum für Spekulationen bieten, jedoch nach und nach durch obig erwähnte Analepsen gefüllt werden. Der Leser erhält Einblicke in Fabers Leben, nimmt Teil an seinen Erinnerungen / Gedanken und sieht die Welt durch die Brille des Technikers. Walter Faber ist ein Vollbluttechniker, wie er besser in keinem Buch stehen könnte. Er ist ein Realist, der alle Geschehnisse und Ereignisse niemals mit Zufall oder Fügung in Verbindung bringt, sondern sie durch rationale Rechenaufgaben und sture Statistik auf Wahrscheinlichkeiten herunterbricht, die - bloß weil sie einen Grenzfall der Möglichkeiten bilden - keinen Grund zur Verwunderung, Hysterie oder Mystifikation bieten; er liefert sogar Quellenangaben als Beleg seiner Berechnungen. 1 Der Begriff „Schicksal“ ist ihm unbekannt und fremd, verläuft wider seiner nüchternen Weltanschauung als Perfektionist, der in Gesprächen und Erzählung immer wieder sein Business-English als Zeichen seiner fachlichen Kompetenz und seines Intellektes durchklingen lässt. Er legt keinen Wert auf zwischenmenschliche Kontakte, lediglich sein beruflicher Erfolg steht für ihn im Vordergrund, was ihn Menschen wie Gegenstände behandeln lässt. Unfähig seine Mitmenschen zu charakterisieren oder ihre Gefühle nachzuempfinden, entwickelt er selbst eine sehr kühle und distanzierte Lebenseinstellung, die sich auch in seinem Schreibstil ausdrückt: immer wieder stich-wortartig verkürzte, abgehackte Sätze, die einer Aufzählung gleichen. Dieses Phänomen lässt sich besonders an kausal verknüpften Gliedsätzen erkennen „…, weil unnötig.“. Fabers Leben verläuft in festen, eingelaufenen Bahnen, die keine Überraschungen oder Fehlschläge zulassen. Er würde niemals gegen althergebrachte Überzeugungen verstoßen, was sich in Gedankengängen wie „ich heirate grundsätzlich nicht“ äußert. Der Techniker verliert niemals den Faden, macht sich nichts aus Träumen oder fiktiven Romanen, vertraut auf das von ihm Ge-
1 vgl.mathematische Wahrscheinlichkeitsdarstellung des Würfelwurfs, S. 22
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Arbeit zitieren:
Mirko Krotzky, 2003, Homo Faber - Untersuchungen zum Roman, München, GRIN Verlag GmbH
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