INHALTSVERZEICHNIS
„Der Turmbau zu Babel“ - heute noch ein 1. 1
aktuelles Thema?
Methoden der historisch - kritischen Exegese 2. 2
am Beispiel von Gen 11,1-9
2.1 Literarkritik 2
Abgrenzung des Textabschnittes 2.1.1 2
Einheitlichkeit des Textabschnittes 2.1.2 4
2.2 Redaktionsgeschichte 6
2.3 Formgeschichte 8
Aufbau von Gen 11,1-9 2.3.1 8
Sprachliche Phänomene des Textes auf Text- Satz- Wort- und 2.3.2 10
Lautebene
Bestimmung der Gattung des Textabschnittes 2.3.3 12
Interpretation von Gen 11,1-9 3. 13
Eigene Meinung des Verfassers 4. 16
Literaturverzeichnis S. 17
Anhang: Übersetzung des hebräischen Originaltextes Gen 11,1-9 S 18
1
1. „Der Turmbau zu Babel“ - heute noch ein aktuelles
Thema?
Ein in unseren Augen altmodischer Text soll in der heutigen Zeit noch eine Bedeutung haben?
In unserem hektischen Alltag versucht ein jeder, das für ihn Bestmögliche zu erreichen. Es werden Städte, Türme von riesigen Ausmaßen gebaut, „ es wird durchs Weltall geflogen, es entstehen Atomkraftwerke, Weltraumstationen, Satelliten und Raketen, wir bauen ständig in die Breite, in die Höhe und in die Tiefe.“ 1 Im Allgemeinen kann man feststellen, dass das Streben vieler modernen Menschen darauf abzielt, ‚hoch’ hinaus zu gelangen, sei es nun auf die Höhe an sich bezogen oder auf die Größe der Ziele, die wir uns stecken.
Das lebensnotwendige Gefühl des Wohlbehagens braucht jeder Erdbewohner. Meist empfindet der Mensch Letzteres, indem er sich niederlässt bzw. einen Platz zum Wohnen sucht, diesen mit einem Ortsnamen benennt und mit anderen Artgenossen eine Siedlung gründet. Innerhalb eines bestimmten Gebietes sprechen wir die gleiche Sprache, um miteinander kommunizieren zu können. Ähnlich ist es in der Geschichte vom `Turmbau zu Babel´.
Die Menschen in der Erzählung sprechen die gleiche Sprache, siedeln sich an und bauen sich eine Stadt. Auch dort geht es um den Bau eines großen Turmes, der mit seiner Spitze in den Himmel ragen soll.
Auf die Bedeutung der jeweiligen Geschehnisse der Erzählung soll an dieser Stelle nicht eingegangen werden (zusammenfassende Interpretation siehe Gliederungspunkt 3.). Durch die Parallelen zwischen dem Text des Alten Testamentes und der heutigen Lebensweise der Menschen ist der aktuelle Bezug der Erzählung gut zu erkennen.
Im Folgenden soll die Geschichte `Der Turmbau zu Babel´ nach den Methoden der historisch - kritischen Exegese ausgelegt werden: Literarkritik, Redaktionsgeschichte und Formgeschichte stehen zur Diskussion an.
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1 Helen Busslinger - Simmen u.a.: Urgeschichten. Ökumenischer Arbeitskreis für Bibelarbeit. Basel / Zürich - Köln: Friedrich Reinhardt Verlag / Benziger Verlag 1985 (Bibelarbeit in der Gemeinde, Bd. 5), S. 179.
2
Nach einer Abgrenzung des Textabschnittes 11,1-9 ist die Einheitlichkeit als zweiter Unterpunkt der Literarkritik zu behandeln. Die Redaktionsgeschichte versucht im Anschluss an Letzteres aufzuzeigen, wie und nach welchen Gesichtspunkten das vorliegende Material überarbeitet wurde. In der Formgeschichte wird zunächst der Aufbau der Geschichte behandelt, bevor die sprachlichen Phänomene des Textes auf der Text-, Satz-, Wort-, und Lautebene zur Sprache kommen. Danach geht es im letzten Gliederungspunkt der Formgeschichte um die Bestimmung der Gattung. Eine abschließende Interpretation von Genesis (Gen) 11,1-9 soll dem Leser die Erzählung vom `Turmbau zu Babel´ verständlich näher bringen und erklären. Den Schluss dieser Arbeit bildet die Meinung der Verfasserin.
2. Die Methoden der historisch - kritischen Exegese
am Beispiel von Gen 11,1-9
Nach Absprache mit dem Leiter des Seminars werden die Literarkritik, die Redaktionsgeschichte sowie die Formgeschichte behandelt.
2.1 Literarkritik
2.1.1 Abgrenzung des Textabschnittes
Die vorgegebene Abgrenzung ist völlig korrekt.
Nach der wörtlichen Übersetzung aus dem Hebräischen heißen die Eingangsworte des ersten Verses von Kapitel 11: „Da geschah es“. 2 Diese stehen eindeutig für einen
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2 Die deutsche Übersetzung des hebräischen Originaltextes bekamen die Teilnehmer des Seminars „Methoden der Bibelauslegung“ von Herrn Martin Mark in der letzten Sitzung am 5.02.2002 ausgehändigt. Eine Abbildung davon ist im Anhang dieser Arbeit zu finden.
3
Neuansatz des Geschehens. In Vers 2a steht wiederum zu lesen „Da geschah es“. Also für den Leser ein Hinweis auf eine erneut einsetzende Handlung und eine neue Situation.
Im Vorausgehenden, in Kapitel 10, ist von der Völkertafel und von der Verzweigung des Stammes Noah in viele verschiedene Völker die Rede, während das Darauffolgende die Geschichte vom `Turmbau zu Babel´ und der Verwirrung der Sprachen erzählt. Das in Kapitel 10 Erzählte wird in einem abrundenden letzten Vers abgeschlossen. Im Anschluss daran kommen nicht bestimmte Personen oder Volksstämme zur Sprache, sondern die Geschichte dreht sich nur um Menschen im allgemeinen Sinn. Es geht hier also nicht um alle Völker der Erde, die namentlich aufgelistet werden und in ihren Eigenschaften beschrieben werden wie in einer Genealogie. 3 Der Anfang von Kapitel 11 ist also gemäß der Eingangsworte, seines neuen Themas, der neuen Situation und Personen korrekt abgegrenzt.
Gerhard von Rad beschreibt den inneren Anschluss der Turmbauerzählung an die vorausgehende Völkertafel als „locker“. Er erklärt seine Feststellung folgendermaßen: „Diese Geschichte von der Zerstreuung der Menschheit in viele Völker beginnt eigentlich noch einmal bei dem Einsatzpunkt der Völkertafel und geht ihr gewissermaßen ein Stück parallel, denn auch sie will die Aufteilung der Menschheit in viele Völker erklären.“ 4 Der Bau einer Riesenstadt und eines Riesenturmes stehe in Spannung zur vorausgehenden Völkertafel, „welche die Verzweigung der aus den Sippen Noachs hervorgegangenen Völker auf der Erde bereits registriert hat.“ 5 Problematischer findet von Rad den Übergang von der Urgeschichte zur Heilsgeschichte, den er als „schroff und überraschend“ bezeichnet. Mit dem Schluss der Texteinheit ist Gerhard von Rad hier nicht ganz einverstanden. Den eigentlichen Abschluss der Urgeschichte sieht er vielmehr in 12,1-3, „denn von da aus wird dieser universale Vorbau von der Heilsgeschichte in seiner theologischen Bedeutung erst verständlich.“ 6
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3 Ursprung, Folge und Verwandtschaft spielen bei einer Genealogie eine Rolle. Als solche wäre Gen 4,1-2.17-26 anzusehen.
4 Gerhard von Rad (Hrsg.): Das erste Buch Mose: Genesis. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1967 (Das Alte Testament Deutsch. Neues Göttinger Bibelwerk, Tlb. 2/4), S. 126.
5 Lothar Ruppert: Genesis. Ein kritischer und theologischer Kommentar. 1. Tlb.: Gen 1,1-11,26. Würzburg: Echter Verlag 1992 (Forschung zur Bibel), S. 485.
6 Gerhard von Rad (Hrsg.): Das erste Buch Mose: Genesis. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1972 9 (Das Alte Testament Deutsch. Neues Göttinger Bibelwerk, Tlb. 2/4), S. 118.
7 Siehe Textblatt der Seminarsitzung vom 5.02.2002 von Herrn Mark (Anm. 2).
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Doch es lässt sich auch vertreten, wenn man in 11,9 einen abschließenden, begründeten Vers sieht. Das „deshalb“ und das „weil“ können dann als abrundende, den Kausalzusammenhang erklärende Wörter aufgefasst werden. 7
An dieser Stelle hat die Geschichte des `Turmbaus zu Babel´ ihr Ende. Dann folgt wieder eine Genealogie, wie wir sie bereits aus dem 10. Kapitel her kennen. Sie beginnt mit einer parallelen Satzkonstruktion wie im eben erwähnten Kapitel. Die Väter von Sem bis Abraham bilden die neuen Personen und somit auch die neue Handlung der folgenden Verse.
Der Geschehensablauf der Geschichte vom `Turmbau zu Babel´ hat demzufolge berechtigterweise in 11,9 seinen Abschluss. Im folgenden Text ist ein Neuansatz in Handlung, Ort und Personen vorzufinden.
2.1.2 Einheitlichkeit des Textabschnittes
Eine weitere Aufgabe der Literarkritik ist es, die Integrität des jeweiligen Textes zu überprüfen. Ein Text gilt nur dann als einheitlich, wenn in ihm keine Spannungen oder Widersprüche, die gegen diese Einheit sprechen, enthalten sind. Im dem zu untersuchenden Textabschnitt kommen an einigen Stellen Wiederholungen, sogenannte Dubletten vor. Es handelt sich hierbei um Wortwiederholungen, die im späteren Erzählablauf wiederkehren.
Vers 1a ist mit Vers 2a völlig identisch, sogar das Satzzeichen, der Doppelpunkt, ist das gleiche. In Vers 1a setzt mit den Worten „Da geschah es“ eine neue Handlung bzw. ein neues Ereignis ein, das dann in 1b genannt wird. Ein zweites Geschehen beginnt im darauffolgenden Vers ebenfalls mit den Worten „Da geschah es“. Die Geschichte habe einen doppelten Anfang, der jeweils durch „und es geschah“ angedeutet wird. Die zweimalige Wiederholung verbinde sich mit einem doppelten Zweck: Die Menschen wollen sich einen Namen machen und gleichzeitig verhindern, dass sie über die Erde zerstreut werden. 8
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8 Vgl. L. Ruppert: Genesis. Ein kritischer und theologischer Kommentar (Anm. 5), S. 485f. .
Arbeit zitieren:
Monika Reichert, 2002, Der Turmbau zu Babel, München, GRIN Verlag GmbH
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