Zur Bedeutung der Salutogenese für die Gesundheitswissenschaft am Beispiel des Leistungsangebots der Gesetzlichen Krankenversicherung
Elsmarie Metternich - Matrikelnummer 1075263 Seite 2 von 39
Inhaltsverzeichnis
INHALTSVERZEICHNIS 2
TABELLENVERZEICHNIS 3
EINLEITUNG 4
1 DEFINITION GESUNDHEIT UND KRANKHEIT 6
1.1 GESUNDHEIT 6
1.2 KRANKHEIT. 7
2 DAS KONZEPT DER SALUTOGENESE VON AARON ANTONOVSKY. 8
2.1 GESUNDHEIT IM SALUTOGENETISCHEN MODELL 9
2.1.1 Das Gesundheits-Krankheits-Kontinuum 9
2.1.2 Gesundheitsfaktoren und Risikofaktoren 10
2.1.3 Stressoren und Spannungszustand. 11
2.1.4 Generalisierte Widerstandsressourcen. 12
2.1.5 Das Kohärenzgefühl 12
3 GESUNDHEITSWISSENSCHAFT. 14
3.1 AUFGABEN DER GESUNDHEITSWISSENSCHAFT 15
3.1.1 Gestaltung des Gesundheitssystems. 16
3.1.2 Gesundheitsförderung. 18
3.1.3 Gesundheitsaufklärung und -beratung 19
4 AUFGABEN DER GESETZLICHEN KRANKENVERSICHERUNG 20
4.1 LEISTUNGEN DER AOK. 20
5 RELEVANZ DES KONZEPTES DER SALUTOGENESE FÜR DIE
GESUNDHEITSWISSENSCHAFT. 24
5.1 POTENTIALE DER SALUTOGENESE FÜR DAS DEUTSCHE GESUNDHEITSSYSTEM 24
5.2 PROBLEMATIK BEI DER UMSETZUNG. 26
6 SCHLUSSBETRACHTUNG. 28
LITERATURVERZEICHNIS 29
ANHANG 1 33
ANHANG 2 38
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TABELLENVERZEICHNIS
Tab. 4.1: AOK-Ausgabenverteilung 2001 und Veränderung zum Vorjahr in %.; Gesamtausgaben ohne RSA 1 112,335 Mrd. DM -Quelle: KV 45 BMG in AOK-BUNDESVERBAND: Zahlen und Fakten 2002, S. 5................……………………...…………………...22
1 RSA = Risikostrukturausgleich
Elsmarie Metternich - Matrikelnummer 1075263 Seite 4 von 39 Einleitung
Die finanzielle Situation des Sozialversicherungssystems in Deutschland hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich verschlechtert. Insbesondere die Kosten im Gesundheitswesen sind von den gesetzlichen Krankenkassen kaum noch aufzubringen. Sinkende Einnahmen einerseits sowie steigende Lebenszeit und Multimorbidität andererseits machen eine Neustrukturierung der Finanzierung im Gesundheitswesen erforderlich.
Seitens der Politik wird nach Lösungen gesucht, die die Leistungsfinanzierer nachhaltig entlasten. Gegenstand gegenwärtiger Reformbemühungen ist z.B. die Verlagerung der Kosten bei Zahnbehandlungen durch private oder staatliche Zusatzversicherungen auf die Patienten selbst und pauschale Zuzahlungen beim Arztbesuch. Damit soll kurzfristig eine finanzielle Entlastung der Krankenkassen erreicht werden sowie langfristig das Verantwortungsbewusstsein der Versicherten für die eigene Gesundheit gefördert werden.
Ob eine finanzielle Mehrbelastung als Motivationsgrundlage für ein ge-sundheitsförderndes Verhalten ausreicht, muss allerdings sowohl politisch als auch sozial kritisch betrachtet werden.
Daher ist zu überlegen, ob das gegenwärtige Gesundheitssystem durch neue Ansätze entlastet werden kann und ob Krankenkassen die geeignete Organisationsform sind, um neue Konzepte einer breiten Bevölkerungsschicht zugänglich zu machen. Die Gesundheitswissenschaft als noch junge Disziplin in Deutschland könnte hier möglicherweise neue Impulse in die politische Diskussion bringen.
Da in der Salutogenese Gesundheit und Krankheit und deren Interpretation von besonderer Bedeutung sind, soll zunächst beschrieben werden, welche Vorstellungen von diesen Begriffen im gegenwärtigen Gesundheitssystem bestehen. Anschließend wird ANTONOVSKYS Konzept der Salutogenese vorgestellt. Danach folgt die Auseinandersetzung mit der Ge-sundheitswissenschaft unter besonderer Berücksichtigung der Differenzie- rung zu den Gesundheitswissenschaften.
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Um die mögliche Relevanz der Salutogenese für die Gesundheitswissenschaft exemplarisch zu verdeutlichen, wird als Handlungsfeld das Leistungsspektrum der gesetzlichen Krankenversicherung am Beispiel der AOK dargestellt.
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1 Definition Gesundheit und Krankheit
Gesundheit und Krankheit sind geläufige Begriffe im alltäglichen Sprachgebrauch, die jedoch mit ganz unterschiedlichen Bedeutungen belegt sein können. Es existieren Vorstellungen von Gesundheit als das Fehlen von Krankheit, aber auch Interpretationen, in denen das Wohlbefinden eine erhebliche Rolle spielt.
1.1 Gesundheit
Im PSCHYREMBEL wird „Gesundheit“ in dreierlei Weise beschrieben: Zunächst wird die WHO-Definition herangezogen, die sich schwerpunktmäßig auf körperliches, geistiges, seelisches und soziales Wohlbefinden bezieht. Dann folgt die Beschreibung der biomedizinischen Auffassung, die einen engeren Rahmen steckt im Sinne des Fehlens von Störungen oder Veränderungen bzw. der Nicht-Nachweisbarkeit von Krankheiten und pathologischen Veränderungen. Schließlich wird der sozialversicherungsrechtliche Sinn aufgeführt, der Gesundheit als Voraussetzung für Arbeitsbzw. Erwerbsfähigkeit sieht (vgl. PSCHYREMBEL 2002).
Bereits hier wird deutlich, dass sehr unterschiedliche Interpretationen von Gesundheit bestehen. Betrachtet man die in Deutschland üblichen medizinischen Behandlungsverfahren, so ist festzustellen, dass überwiegend symptom- bzw. krankheitsbezogen gearbeitet wird. Dieser biomedizinische Ansatz findet sich auch bei den Leistungsfinanzierern wieder. Insbesondere im Bereich der von den gesetzlichen Krankenversicherungen getragenen Behandlungen sind kaum Anwendungen aufgeführt, die einen ganzheitlichen Ansatz haben und nicht nur auf die „Reparatur“ eines Defektes abzielen. Erst seit einigen Jahren ist es z.B. möglich, bei einigen Krankenkassen die Kosten für eine Akupunkturbehandlung geltend zu machen. Maßnahmen der Gesundheitsförderung beziehen sich in der Regel auf die Vermeidung von Risikofaktoren, die die Entstehung von Krankheiten be- günstigen.
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1.2 Krankheit
Im Gegensatz zur früheren Medizin, als Leib und Seele, Materie und Bewusstsein noch in einen Zusammenhang gebracht wurden, kam es um 1900 zu einem entscheidenden Einschnitt in der europäischen Medizingeschichte und in der Deutung von Gesundheit und Krankheit, „… der Kranke wurde immer mehr zu einem Objekt, wurde auf Naturgeschichte und Krankheitsgeschichte reduziert und immer weniger als Subjekt, als Krankengeschichte wahrgenommen.“ (Engelhardt 1995, S. 24 ff.) Der Mensch wurde wie eine Maschine verstanden, die man schlicht „reparieren“ kann, wenn ein Defekt vorliegt. Beseitigt man diesen Defekt, so ist die Krankheit geheilt.
Im Zentrum medizinischen Handelns innerhalb dieses Modells liegt also das Erkennen und Beseitigen solcher Defekte. Dabei wird der Mensch als Individuum mit seinen sozialen und psychischen Einflussfaktoren nur unvollständig wahrgenommen.
In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts kam es vermehrt zu einer kritischen Auseinandersetzung mit dem biomedizinischen Krankheitsmodell. Nun wurden neben den somatischen Ursachen für Krankheit auch psychische und soziale Einflussfaktoren in die Untersuchung von Krankheitsentstehung einbezogen. Außerdem erforschte man nicht mehr nur krankmachende Faktoren, sondern befasste sich auch mit Ressourcen, die Krankheit vermeiden können. Verstärkt setzte man sich mit den Möglichkeiten der Prävention auseinander. Allerdings ist auch diese Denkweise noch immer stark verbunden mit dem defizitorientierten Ansatz des biomedizinischen Modells, das sich bis in die heutige Schulmedizin durchgesetzt hat.
Die Begriffe Gesundheit und Krankheit werden strikt getrennt. Entweder ist der Mensch gesund oder er zeigt körperliche oder geistige Defizite, dann ist er krank.
ANTONOVSKY lehnt diese Dichotomie von Gesundheit und Krankheit ab und findet eine neue, zweidimensionale Beschreibung für die Beziehung zwischen beiden, auf die im nächsten Kapitel näher eingegangen werden soll.
Arbeit zitieren:
Elsmarie Metternich, 2003, Das Gesundheitskonzept von A. Antonovsky , München, GRIN Verlag GmbH
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