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Der Menschenopferkult
Hausarbeit von: Verena Diefenbach
Inhaltsverzeichnis
Erster Teil:
1 Einleitung S. 1
2 Formen und Motive des Menschenopferrituals S. 1-2
2.1 Selbstopfer S. 3
2.2 Bittopfer S. 4
2.3 Sühneopfer S. 4
2.4 Kriegsopfer S. 4
2.5 Ahnenverehrung S. 4-6
2.6 Bau- und Weiheopfer S. 6
2.7 Kannibalismus S. 6-9
3 Die Schwierigkeit bei der Deutung von Knochenfunden S. 9-10
4 Kopfjagd, Schädelopfer und Trophäen S. 10-11
5 Menschenopfer und Kannibalismus in der Literatur S. 11-13
6 Menschenopfer in der Kunst S. 13-14
7 Menschenopfer im Film S. 14
8.1 Umgestaltung von Menschenopfer S. 14-16
8.2 Der Umgestaltungsprozess von kultischen Menschenopferungen am Beispiel der Menschenopfer im römischen Amphitheater S. 16-18
9 Auswirkungen ritueller Opferpraktiken auf die Gesellschaft S. 18
10 Menschenopfer und Kannibalismus heute S. 18-19
Zweiter Teil:
11 Rituelles Menschenopfer am Beispiel der Kultur der brasilianischen Jivaro-Indianer S. 19-30
11.1 Einleitung S. 19-20
11.2 Wohnverhältnisse S. 20
11.3 Wirtschaftsform S. 20-21
11.3.1 Feldbau und Sammeln S. 20-21
11.3.2 Jagd und Fischfang S. 21
11.4 Gebrauchsgüterfertigung S. 21-22
11.5 Formen des Zusammenlebens und geschlechtsspezifische Arbeitsteilung S. 22
11.6 Religion S. 22-30
11.6.1 Der Zusammenhang von magischen Vorstellungen und Rachefeldzügen S. 23-24
11.6.2 Die nekas- und die arutam-Seele S. 24-25
11.6.3 Die muisak-Seele S.25
11.6.4 Herstellung und Funktion einer tsantsa S.25-26
11.6.5 Die Kopfjagdfeste S.26-28
11.6.6 Die Erdmutter nungui und ihre Kinder –eine mythologische Geschichte mit kannibalisch-vampiristischem Gedankengut S. 28-30
11.7 Schlusswort S. 30
11.8 Abschließende Bemerkung S. 30
12 Quellen S. 31-32
Der Menschenopferkult
(Hauptthema)
1 Einleitung
Menschenopfer und der damit häufig verbundene Kannibalismus sind brisante Themen, die sich seit jeher und global leitmotivisch durch Literatur, Kunst und mündliche Überlieferungen ziehen. Auch in der heutigen Zeit hat dieses Thema nichts von seiner einstigen Brisanz eingebüßt. Die Spannung aus Ekel und Faszination, die von diesem Thema ausgeht, zog nicht nur seit jeher Wissenschaftler in ihren Bann, sondern inspirierte auch Künstler, Autoren und Regisseure bis in die Gegenwart. (Man denke nur an den Psychothriller „Das Schweigen der Lämmer“, der mit dem Tabubruch, der Darstellung von kulinarischem Kannibalismus bei einem Intellektuellen, eine neue Ära der subtilen Grausamkeit in der filmerischen Darstellung einläutete und die Leitfigur Hannibal Lecter zur Kultfigur erhob.) Doch Kannibalismus und Menschenopfer sind nicht nur archaische Phänomene; bis in die heutige Zeit werden sie praktiziert (man denke nur an den aufsehenserregenden Fall von Rotenburg)1 und als verleumderisches Element eingesetzt (z.B. in der nationalsozialistischen Propagandazeitschrift „Der Stürmer“ gegen die Juden), wenngleich sich Faktoren wie gesellschaftliche Akzeptanz, Häufigkeit und Art der Vorkommnisse sowie Motive verschoben haben.
2 Formen und Motive des Menschenopferrituals
Menschenopferungen sind aus allen Erdteilen überliefert, die Tötungsrituale wiederholen sich in allen Kulturen und reichen vom ertränken oder enthaupten, erdrosseln, erstechen, erhängen bis zum verbrennen. Sie lassen sich nach der Art des Opfers kategorisieren in Bittopfer, Sühneopfer, Kriegsopfer, Ahnenverehrung, Bauopfer und Kannibalismus. Endzweck aller Formen von religiös/kulturell motiviertem Menschenopfer ist die Wiederherstellung beziehungsweise Aufrechterhaltung des Wohlergehens einer Gemeinschaft durch Aufrechterhaltung der Weltordnung. Im Laufe der Menschheitsgeschichte kam es zu einer verstärkten Vermischung von religiösen Motiven mit profanen Motiven beim Menschenopfer. So wurden zum Beispiel im alten Rom bevorzugt Strafgefangene und Kriegsgefangene geopfert und somit Rechtsprechung und Kultopfer verknüpft.2 3
Dem Kult des Menschenopfers liegt die Vorstellung von Göttern zugrunde, die Opfer verlangen oder sogar darauf angewiesen sind, um fortzubestehen. Daraus ergibt sich die Vorstellung von einem Abhängigkeitsverhältnis4 zwischen Göttern und Menschen. Meist fanden Opferungen in Krisenzeiten statt und stellen Bittopfer zur Abwendung der Notlage dar. So zum Beispiel während Naturkatastrophen (Erdbeben, Sturm, Dürre) oder bei Seuchen und Kriegen. Das Ritual der Menschenopferung gründet meist auf eine im Altertum allgegenwärtige Existenzangst, die durch Endzeiterwartungen und furchteinflößende Naturschauspiele (Sonnenfinsternis, Mondfinsternis, Erdbeben) genährt wurde. Aber auch der Tod eines Herrschers oder eine Inthronisation konnte Grund für ein Menschenopfer bieten. Auch im Judentum glaubte man lange Zeit, dass Gott Menschenopfer forderte. Dieses brutale Gottesbild wurde erst durch die Abrahamsgeschichte zu Fall gebracht.(Diese Geschichte, die eine Abkehr vom Menschenopfer hin zum Tieropfer bedeutet, stellt eine Zäsur in der Anthropologie dar und wird auch als Beginn zu höheren Stufen der Zivilisation gewertet.)5 Auffällig sind dabei Parallelen zu griechischen Sagen. Beabsichtigte Funktionen von Menschenopferungen sind unter anderem: die spirituelle Reinigung einer Gemeinschaft durch Sühne, die Wiederholung eines mythischen Urzeitgeschehens zur Erhaltung der Weltordnung6, das Füttern der Elemente (Befruchtungsgedanke), Aufnahme von psychischen und physischen Potenzen des Opfers (beim magischen Kannibalismus) und Kommunikation zwischen Götter und Menschen durch das Opfer als Mittler zwischen den Welten. Die Vorstellung durch ein Menschenopfer mit den Göttern kommunizieren zu können, evozierte auch den Brauch aus den Gedärmen des Geopferten göttliche Botschaften beziehungsweise die Zukunft zu lesen.7
Von entscheidender Bedeutung für den Wert eines Opfers war, vor allem in der Neuen Welt, die Durchführung des Tötungsaktes unter Befolgung magisch religiöser Rituale. Darunter fallen rituelle Speisen, Gesänge, Tänze, Gebete usw. Die Tötungen wurden ursprünglich von Menschen vorgenommen, denen man eine besondere Verbindung zur Geisterwelt nachsagte, wie den Hexen, den Schamanen, Priestern und den Druiden.8 Bei den Opfern handelte es sich meist um Personen, die keinen sozialen Rückhalt in der Gemeinschaft fanden wie zum Beispiel Kriegsgefangene, Sklaven, alleinstehende Frauen, alte Menschen und ungewollte Kinder.9 Dies war wichtig zum Erhalt der Gesellschaft und hatte reinigende Funktion. Bei besonders prekär empfundenen Situationen wurden aber auch Kriegshelden, Priesterkönige und Königskinder dargebracht, weil diese als besonders wertvoll angesehen wurden.10 Im Gegensatz zur Alten Welt legten die Naturvölker der Neuen Welt bei der Auswahl ihrer Opfer besonders viel Wert auf deren physische Reinheit. Daher wurden die zum Opfer Auserkorenen durch reinigende Rituale (Essen bestimmter Speisen, Fasten, Schwitzbäder, Enthaltsamkeit, Bemalung und Schmücken) auf den Ritualmord vorbereitet.11 Wichtig bei der Behandlung dieses Themas ist es sich vor Augen zu führen, dass viele Mutmaßungen über Menschenopferungen und insbesondere Kannibalismus, die auf Knochenfunden gründen sich unter wissenschaftlichen Methoden nicht eindeutig nachweisen lassen. Dies rührt daher, dass Knochenfunde meist nur Spekulationen zulassen, welche dann von den Erwartungen des Forschers, des Zeitgeist und der politischen Situation gefärbt sind.12 Die gleiche Problematik besteht beim Auswerten von historischen Menschenopferberichten, die meist aus der Zeit der Eroberung des amerikanischen Kontinents stammen. Auch diese Quellen sind gefärbt von Unverständnis und ideologisch begründeten Vorurteilen. Daher werde ich mich auch nicht näher mit einzelnen Knochenfunden und Textquellen befassen, sondern vielmehr auf religiöse Weltbilder und Denkschemata eingehen, die sich hinter solchen Ritualen verbergen.
2.1 Selbstopfer
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1 www.m-ww.de/kontrovers/kannibalismus.html?: 08.06.2003
2 Kuhner, Hans-Peter, S. 19
3 Rind, Michael M., S. 62
4 Kuhner, Hans-Peter, S. 20
5 Girard, Rene, http://www.furche.at/fu2000/fu41-00/4.htm:11.02.2003
6 Kuhner, Hans-Peter, S. 181-182
7 Rind, Michael M., S. 62
8 Rind, Michael M., S. 66
9 Kuhner, Hans-Peter, S. 178
10 Rind, Michael M. S. 39
11 Kuhner, Hans-Peter, S. 184
12 Kuhner, Hans-Peter, S. 21
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