Inhalt
1. Einleitung 2
2. Frauenbild und Frauenideologie der beiden Regime im Überblick 3
3. Frauenorganisationen 4
3.1 Italien 4
3.2 Österreich 5
3.3 Gegenüberstellung 7
4. Bevölkerungspolitik 8
4.1 Reale und ideologische Hintergründe 8
4.1.1 Ökonomische Aspekte 8
4.1.2 Der Einfluss des Militarismus 9
4.1.3 Eugenik 9
4.1.4 Moralisch-ideologische Grundsätze 10
4.2 Bevölkerungspolitische Maßnahmen 10
4.3 Auswirkungen 10
5. Beschäftigungspolitik 12
5.1 Der Arbeitsmarkt 12
5.2 Ideologie 13
5.3 Maßnahmen 14
5.4 Reaktionen und Auswirkungen 16
6. Eingriffe in die Freizeitverwendung - mit besonderer Berücksichtigung
des Sports 17
6.1 Einmischung des italienischen faschistischen Regimes in verschiedene
Bereiche S. 18
6.2 Frauensport in Italien und Österreich 19
7. Zusammenfassung und Konklusionen 20
Bibliographie
S. 21
1
1. Einleitung
In dieser Arbeit möchte ich einige Aspekte der Frauenpolitik des italienischen Faschismus und des Austrofaschismus vergleichen. Bereits beim Titel wird jedoch eine sprachliche Schwierigkeit manifest: es existiert keine „handliche“ Benennung für das österreichische Regime zwischen 1934 (bzw. 1933) und 1938, die nicht zugleich ein Urteil über sein Wesen beinhalten würde. Die Bezeichnung Austrofaschismus ordnet das österreichische Regime bereits unter die Faschismen ein, so dass man eigentlich nicht mehr darüber diskutieren könnte, ob es sich hier wirklich um einen Faschismus handelt. Der Gebrauch des Wortes Ständestaat weist den Verwender nicht nur als konservativ aus, sondern ist auch sachlich nicht richtig, da die Verwirklichung eines korporativen Staatswesens ja erst in den Anfängen stand. 1 Es bleiben also im Grunde nur umständliche Umschreibungen oder die Verwendung von Anführungszeichen. Der besseren Lesbarkeit wegen verzichte ich in meiner Arbeit meist auf die Anführungszeichen, doch sind diese wegen der Problematik der Einordnung immer mitgedacht.
Was die Einordnung betrifft, so hat meiner Meinung nach die Sprachregelung von Seiten der politischen Linken, nicht vom Nationalsozialismus, sondern vom deutschen Faschismus zu sprechen, die Debatte erschwert. Gebraucht wird höchstens das Wort „Nazismus“, was aber wegen seiner stark wertenden Aussage nicht von allen als in wissenschaftlichen Arbeiten akzeptabel betrachtet wird. Implizit steht dadurch hinter jeder Aussage, mit der etwas als faschistisch bezeichnet wird, die Aussage, es sei nationalsozialistisch. Und gerade wenn es um Österreich geht, in dem die nationalsozialistische (und die deutschnationale) Bewegung schon in dieser Zeitperiode stark war und das dann tatsächlich nach dem deutschen Einmarsch nationalsozialistisch wurde, liegt eine solche Assoziation besonders nahe.
Im Rahmen einer so kurzen Arbeit ist es mir selbstverständlich nicht möglich, das Thema umfassend zu behandeln. Ich greife daher einige Schwerpunkte der Politik des jeweiligen Regimes heraus, die mir für die Einstellung gegenüber den Frauen und für deren Situation besonders signifikant erscheinen. Im wesentlichen stehen sie in Zusammenhang mit der Bevölkerungs- und der Beschäftigungspolitik, auf die ich daher ausführlicher eingehe. Was die Seite des italienischen Faschismus in meinem Thema betrifft, so stütze ich mich dabei hauptsächlich auf die italienische Übersetzung des Buches „How Fascism Ruled Women“ von Victoria De Grazia, auf italienisch „Le donne nel regime fascista“. Dass ich eine italienische Ausgabe für meine Arbeit herangezogen habe, obwohl das Original in englischer Sprache geschrieben wurde, ist nicht nur darin begründet, dass diese Ausgabe für mich leichter zugänglich war. Ich halte es auch für einen Vorteil, Bezeichnungen von Organisationen u. ähnl. sowie Zitate nicht über eine dritte Sprache vermittelt zu bekommen. Für den Austrofaschismus konnte ich einige Arbeiten finden, die ausführlich auf Teilaspekte des behandelten Themas eingehen.
Als eine der größten Schwierigkeiten beim Vergleich der beiden Systeme erscheint mir die unterschiedliche Zeitspanne, in der diese Gelegenheit hatten, ihre Politik den Frauen gegenüber zu realisieren, und in der die Frauen Gelegenheit hatten, darauf zu reagieren. Während die Periode des Austrofaschismus nur vier bis fünf Jahre 2 dauerte, umfasst der italienische Faschismus einen Zeitraum von mehr als zwanzig Jahren - im Italienischen spricht man vom „Ventennio“. Bei De Grazia findet sich eine Fülle von Beschreibungen, wie sich verschiedene Entwicklungen innerhalb des italienischen Faschismus erst im Laufe der Zeit ergeben haben.
1 Tatsächlich realisiert wurden in Österreich nur zwei Berufsstände: der öffentliche Dienst, der eigentlich kein Berufsstand im Sinn der korporativen Konzeption war, da er nur Arbeitnehmer umfasste, und der Berufsstand Land- und Fortwirtschaft (B. Ennsmann, 1993, S.12)
2 Eine zusätzliche Komplikation stellt die Tatsache dar, das sich selbst in diesem kurzen Zeitraum das Regime nicht unwesentlich verändert hat - vgl. E. Hanisch, 1994, S.314
2
2. Frauenbild und Frauenideologie der beiden Regime im Überblick
Das Frauenbild des Austrofaschismus fasst Irene Schöffmann in Anlehnung an Doris Kaufmann kurz und prägnant mit folgenden Worten zusammen: „Während der Nationalsozialismus eine flexible und den wirtschaftlichen Bedürfnissen angepasste Frauenideologie entwikkelte, war bei den im Austrofaschismus Regierenden das Frauenbild festgelegt auf die katholische Hausfrau und Mutter, die mit ihrer qua definitionem selbstaufopfernden Tätigkeit in der Familie gegen die Moderne ankämpfen sollte.“ 3
Ergänzen könnte man noch mit B. Kirchmayer, dass dieses katholische Frauenbild im österreichischen „Christlichen Ständestaat“ besonders stark ideologisch überhöht, auf die „geistige Mutterschaft“ ausgedehnt und im „vaterländischen Sinn“ zum Bild der „österreichischen Frau“ hochstilisiert wurde. 4
Das von Schöffmann geschilderte katholische Frauenbild findet sich auch in der in Italien von der Katholischen Kirche vertretenen Frauenideologie wieder, die sich in weiten Bereichen mit der faschistischen deckte, wodurch die Frauenpolitik in Italien zu einem der Gebiete wurde, in denen die Kirche dem Faschismus eine bedeutende Stütze war. Weit schwieriger ist es, aus dem umfangreichen Werk von De Grazia ein genuin faschistisches Frauenbild herauszuarbeiten bzw. die Frage zu beantworten, ob - und wenn ja, wie - sich das vom Regime vertretene Frauenbild vom katholischen unterschied. Dies mag an der Widersprüchlichkeit der faschistischen Ideologie liegen und an der Tatsache, dass im Laufe des „Ventennio“ realpolitische Forderungen - insbesondere im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg - vor der Ideologie Vorrang hatten bzw. diese veränderten. An einer Schlüsselstelle ihres Buches vergleicht auch De Grazia - wie Schöffmann - den italienischen Faschismus mit dem Nationalsozialismus, zieht jedoch eine Parallele. Da die Autorin den hier dargelegten Gedanken als einen bezeichnet, der „sich wie ein roter Faden durch die Arbeit zieht“, möchte ich diese etwas längere Passage hier wörtlich wiedergeben: „ Die Suche nach den Gründen, warum ein Regime, das durch totalitäre Repression und patriarchalische Reaktion gekennzeichnet ist, so sehr ambivalent erlebt wurde, stellt den roten Faden in dieser Arbeit dar. Sie beschäftigt sich im wesentlichen damit, den Konflikt zwischen dem Streben nach Modernität und dem Wunsch nach der Wiederherstellung der traditionellen Autorität zu erhellen, der die gesamte Geschichte des Regimes durchzieht. Mussolini wollte, ebenso wie Hitler, die wirtschaftliche Entwicklung vorantreiben, um das Volk zu stärken; gleichzeitig jedoch fürchtete und verdammte er die sozialen Veränderungen - und suchte sie zu einzugrenzen -, die mit der rapiden wirtschaftlichen Transformation seit dem Ende des 19. Jahrhunderts verbunden waren. Dieser Widerspruch war in der Haltung des Regimes den Frauen gegenüber besonders deutlich.“ 5
Die verschiedenen Facetten dieser hier nur in groben Umrissen skizzierten Frauenideologie der beiden Regime werden in den folgenden Kapiteln dieser Arbeit immer wieder angesprochen werden.
3 I. Schöffmann, 1988 4 , S.317
4 B. Kirchmayer, 1996, S.25-29
5 V. De Grazia, 1993, S.18, Übersetzung I. W. Im italienischen Originaltext: „La ricerca delle ragioni per cui un regime caratterizzato dalla repressione totalitaria e dalla reazione patriarcale sia stato vissuto in modo tanto ambivalente, rappresenta il filo conduttore di questo lavoro, essenzialmente rivolto a far luce su quel conflitto tra ansia di modernità e desiderio di restaurazione dell’autorità tradizionale che attraversa l’intera storia del regime. Mussolini, al pari di Hitler, intendeva promuovere lo sviluppo economico come mezzo per elevare la forza della nazione; ma al comtempo temeva, condannava e cercava di limitare i cambiamenti sociali, connessi alle rapida trasformazione economica iniziata alle fine dell’Ottocento. Questa contraddizione era particolarmente visibile nell’atteggiamento del regime verso le donne.”
3
3. Frauenorganisationen
In Italien war das faschistische Regime das erste, das sich an die Frauen als soziale Gruppe mit spezifischen politischen Aktionen wandte und Massenorganisationen für sie schuf. Dies könnte den Anschein einer echten Aufwertung der Frauen durch das Regime erwecken und glauben machen, dass Frauen die Politik entscheidend beeinflusst hätten. Dies trifft jedoch nicht zu. Die leitenden Frauen in den faschistischen Organisationen erlangten niemals die Befugnisse, die den Leitern der männlichen Gruppierungen zugestanden wurden. 6 Wenn man die oben geschilderte Ideologie in Betracht zieht, verwundert dies eigentlich nicht. Allerdings trifft dies noch viel mehr auf den Austrofaschismus zu. Hier konnte nicht einmal der Anschein entstehen, dass Frauen in der Politik entscheidenden Einfluss gehabt hätten - „aufgewertet“ wurden sie nur verbal, in dem ihre (natürliche oder geistige) Mutterschaft in den Himmel gehoben wurde. Im folgenden möchte ich kurz die wichtigsten Daten zur Organisation der Frauen in Italien und Österreich wiedergeben.
3.1 Italien
Die vorher in Italien bestehenden bürgerlichen feministischen Organisationen überlebten noch - allerdings ohne eine starke Organisation - die ersten zehn Jahre des Faschismus. Die in dieser Tradition tätigen Frauen wandten sich sozialer Tätigkeit und Kulturaktivismus zu. In den dreißiger Jahren versuchten sie einen ideologischen Kompromiss mit dem Faschismus, der als „femminismo latino“ bezeichnet wurde. 7 Sie wurden jedoch sehr bald von zwei neuen Frauenbewegungen überholt, der katholischen und der faschistischen. Schließlich wurden sie im Jahr 1938 gesetzlich ausgeschaltet und der historische Feminismus schließlich auch „aus der Erinnerung gelöscht“. 8
Die katholischen Vereinigungen nahmen in den 20er Jahren einen überraschenden Aufschwung, indem sie die Reaktionen in der Gesellschaft gegen die Moderne und den Liberalismus ausnützten. Sie starteten mit allen modernen Mitteln wie Radio, Kino und Presse eine Art „katholischer Gegenreformation“ zur Rechristianisierung Italiens. Die katholische Bewegung bot in den 20er Jahren eine klare Alternative zur faschistischen. Sie stellte sich jedoch nicht gegen den Faschismus. 9
Erst mit der beginnenden Umformung der „fasci femminili“ in eine faschistische Massenorganisation - De Grazia setzt den ersten entscheidenden Schritt in diese Richtung im Jahr 1929 an - begannen Reibereien zwischen der Kirche und den Strukturen der faschistischen Partei. Verstärkt wurde die Transformation der faschistischen Bewegung 1933 durch den Befehl, überall dort, wo es eine männliche faschistische Sektion gab, auch eine weibliche einzurichten. Im Rahmen des Bestrebens nach wirtschaftlicher Autarkie, um den Sanktionen des Völ-kersbundes während des Äthiopienkrieges 1935/36 zu trotzen, folgte eine Intensivierung der Bemühungen, denn man wollte die Frauen als Verantwortliche für den Haushalt zur Verwendung einheimischer Produkte animieren. Schließlich startete im Jänner 1937 eine weitere Kampagne, die zum Ziel hatte, den Faschismus so stark wie möglich unter den Frauen zu verbreiten. 10
In den Korporativismus wurden die Frauen weniger durch die faschistische Gewerkschaft, sondern durch ein Netz von parallelen Organisationen eingegliedert. Die erste dieser Instituti-
6 V.De Grazia, 1993, S.352
7 ebd., S.313-316
8 ebd., S.316-322
9 ebd., S.322-326
10 ebd., S.326-331 und S.352
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Arbeit zitieren:
Ilsemarie Walter, 2002, Frauenpolitik im italienischen Faschismus und im Austrofaschismus. Ein Beitrag zur vergleichenden Faschismusforschung, München, GRIN Verlag GmbH
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