Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
Abbildungsverzeichnis 5
Tabellenverzeichnis 6
Abk ürzungsverzeichnis 7
1 Einleitung 9
1.1 Motivation 9
1.2 Untersuchungsgegenstand und Zielsetzung 10
1.3 Quellenwahl 11
2 Begriffsdefinitionen 13
2.1 Deutsche Begriffe 13
2.1.1 Tradition Poln.: tradycja 13
2.1.2 Usus Poln.: uzus 14
2.1.3 Brauch Poln.: obrzęd 14
2.1.4 Ritual/ Ritus Poln.: rytuał 14
2.1.5 Feiertag Poln.: święto 15
2.2 Polnische Begriffe 15
2.2.1 tradycja Dt.: Tradition 15
2.2.2 obrzęd Dt.: Brauch 15
2.2.3 święto Dt.: Feiertag 16
2.2.4 zwyczaj - obyczaj Dt.: Gewohnheit - Brauch/ Sitte 16
2.2.5 uzus Dt.: Usus 17
2.3 Kurze Zusammenfassung 17
3 Populäre Bräuche in Deutschland 19
3.1 Das Oktoberfest 19
3.1.1 Über die Tradition 20
3.1.2 Vergleich mit Polen 22
3.2 Reformationstag 24
3.2.1 Über die Tradition 25
3.2.2 Vergleich mit Polen 26
3.3 Martinstag 27
3.3.1 Über die Tradition 29
2
3.3.2 Vergleich mit Polen 30
3.3.3 Spruchweisheiten zum Martinstag 31
4 Populäre Bräuche in Polen 33
4.1 Imieniny Dt.: Namenstag 33
4.1.1 Über die Tradition 34
4.1.2 Vergleich mit Deutschland 35
4.1.3 Andrzejki Dt.: Andreastag 36
4.2 Studniówka 40
4.2.1 Über die Tradition 42
4.2.2 Vergleich mit Deutschland 45
5 Gemeinsame Bräuche in Polen und Deutschland 48
5.1 Aprilscherz 48
5.1.1 Über die Tradition 49
5.2 Ostern 51
5.2.1 Über die Tradition 54
5.2.2 Die Symbole des Osterfestes 58
5.2.3 Sorbische/ wendische Osterbräuche in Deutschland 60
5.2.4 Śmigus-dyngus in Polen Dt.: „nasser Montag“ 67
5.3 Sommersonnenwende und Johannestag Poln.: letnie przesilenie i Noc
Świętojańska 70
5.4 Importiertes Brauchtum 73
5.4.1 Valentinstag 73
5.4.2 Halloween 75
6 Aberglaube 78
7 Abschließende Analyse in Bezug auf Gemeinsamkeiten 81
7.1 Grundlegende Informationen zur Analyse und Übersicht aller Traditionen 81
7.2 Gemeinsamkeiten der Traditionen 85
7.2.1 Gemeinsamkeiten in Bezug auf Religion 85
7.2.2 Gemeinsamkeiten in Bezug auf die Wettervorhersage 88
7.2.3 Gemeinsamkeiten in Bezug auf den Aberglauben 90
7.2.4 Gemeinsamkeiten in Bezug auf die Symbolik 91
7.2.5 Ergebnis der Analyse 92
7.3 Weitere wichtige Traditionen 93
8 Zur Bedeutung von Traditionen, ihrer Vergangenheit und Zukunft 95
8.1 Braucht eine moderne Gesellschaft überhaupt Traditionen? 96
8.2 Wozu braucht eine Gesellschaft Traditionen? 97
3
8.3 Werden alle Traditionen überleben? 98
8.4 Beruht unsere Gesellschaft auf falschen Traditionen? 101
9 Fazit und Ausblick 103
10 Internetquellen 105
11 Literaturverzeichnis 113
4
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Sorbisches Siedlungsgebiet und die nieder- und obersorbische
Sprachenlandschaft 62
5
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Übersicht über den Konsum beim Oktoberfest 22
Tabelle 2: Übersicht der behandelten Traditionen, ihre Einordnung in
Traditionsarten , ihre Anwendung und Veranstaltungstermine 82
Tabelle 3: Weitere wichtige Fakten 84
6
Abkürzungsverzeichnis
Dt. Deutsch Poln. Polnisch hl Hektoliter l Liter Mio. Million kWh Kilowattstunde t Tonne St. Sankt Bd. Band Kap. Kapitel SWb. Das Synonymwörterbuch BWb. Das Bedeutungswörterbuch GFWb. Das große Fremdwörterbuch ZuA. Zitate und Aussprüche Państwowe Wydawnictwo Naukowe PWN
[Dt.: Staatlicher Wissenschaftsverlag] EM-PWN Encyklopedia Multimedialna PWN [Dt.: Multimedia Enzyklopädie PWN] SWO-PWN Słownik wyrazów obcych PWN [Dt.: Fremdwörterbuch] Słownik synonimów PWN [Dt.: Synonymwörterbuch] SS-PWN Dz.U. Dziennik Ustaw [Dt.: Gesetzblatt] poz pozycja [Dt.: Position]
Główny Urząd Statystyczny [Dt.: Hauptstatistikamt] GUS
Ośrodek Badania Opinii Publicznej OBOP
[Dt.: Zentrum für Meinungsforschung] EKD Evangelische Kirche in Deutschland
7
TVP Telewizja Polska [Dt.: Polnisches Fernsehen]
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1 Einleitung
1.1 Motivation
Die Menschheit befindet sich bereits seit längerem im Zeitalter der Globalisierung. Alles wird schneller, einfacher, präziser und bequemer. Nicht umsonst wird häufig die Formulierung von der‚ Welt als Dorf„ benutzt, denn die Kommunikation schreitet immer weiter voran und verbindet somit die Menschen aus den entferntesten Winkeln der Welt miteinander. Doch weder die Kommunikation selbst, noch der Terminus „Dorf“ sind das, was sie einmal waren. Früher verstand man unter Kommunikation, dass Menschen sich persönlich gesehen und miteinander kommuniziert haben, später war es auch das Telefonieren, das viele Menschen stundenlang beschäftigt und auch näher gebracht hat. Heute ist es das Internet, welches vollkommen neue Wege eröffnet. Der Unterschied zu früher besteht indes darin, dass heute niemand mehr aus dem Haus gehen muss, um einen Bekannten zu sehen, Einkäufe zu erledigen, um mit hunderten anderer Menschen gleichzeitig zu diskutieren oder dringend benötigte Informationen bei Bedarf sofort abzurufen. Videotelefonie, Chatten, das Versenden von Kurznachrichten, soziale Netzwerke oder das Online-Banking sind nur einige von vielen Kommunikationsmethoden, die es ermöglichen, das Haus nicht zu verlassen und dennoch andere Menschen kennenzulernen und sie zu sehen und zu hören. Auch der Begriff „Dorf“ wird heute oftmals anders verstanden als es noch vor einigen Jahren der Fall war. „Dorf“ stand früher immer für eine Gemeinschaft, die sich gegenseitig hilft, gemeinsame Ziele verfolgt, zu bestimmten Anlässen zusammenkommt und Meinungen austauscht, aber auch oft unter sich ist, was eine gewisse Abschottung von der urbanisierten Welt bedeutet hat. Davon kann bei der aktuellen Formulierung „die Welt ist ein Dorf“ nicht mehr die Rede sein.
Das globale Dorf wird wohl wahr, aber anders, als man sich das einmal vorgestellt hatte. Es wird nicht die Welt zu einem einzigen großen Dorf, sondern die ganze Informationsgesellschaft splittert sich auf in lauter kleine Dörfer, deren Bewohner über die ganze Welt verstreut sind: statt des einen globalen Dorfs viele global verteilte Dörfer. (Zimmer 2000: 40).
Diese Aussage von Zimmer macht deutlich, dass es trotz fortschreitender Technik oder gerade wegen dieser, zu einer gewissen Isolierung kommt, die die Definition eines Dorfes neu belegt. Die Beschleunigung unserer Welt, die Bequemlichkeit und die mit großen Schritten fortschreitende Technik lässt uns häufig vergessen, welche Werte und
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Traditionen uns von unseren Vorfahren hinterlassen worden sind. Diese Arbeit soll einen Überblick über Traditionen geben, die von unseren Eltern gefeiert wurden und heute immer häufiger „untergehen“. Die Ursachen für das (Ver-) Schwinden der Traditionen können unterschiedlicher Natur sein. Viele Traditionen werden noch heute praktiziert, allerdings sind deren Ursprünge vielen Menschen weitgehend unbekannt, weil jene sich mit den Jahren so stark verändert haben. Andere wiederum geraten in Vergessenheit, weil sie entweder von älteren Generationen nicht weitervermittelt oder so kommerzialisiert worden sind, dass die eigentliche Bedeutung nicht überdauert hat. Dies kann man an den wohl wichtigsten Feiertagen des Christentums, nämlich Weihnachten und Ostern, am deutlichsten aufzeigen. Heutzutage wird in den Geschäften häufig bereits im Januar die Dekoration für Ostern vorbereitet, im September oder Oktober lassen sich dementsprechend die ersten Weihnachtsmänner entdecken. Es ist nicht mehr nötig auf das Fest zu warten, da dieses praktisch das ganze Jahr über in den Geschäften präsent ist und die Menschen auf diese Weise lange vor dem eigentlichen Datum darauf einstimmt. Dies führt dazu, dass der eigentliche Feier-tag an Bedeutung verliert und weniger geschätzt wird, da eine gewisse Übersättigung bei den Menschen vorherrscht. Weihnachten besteht nicht nur aus Weihnachtsmännern und Geschenken unter dem Tannenbaum und Ostern hat ursprünglich nichts mit dem Osterhasen zu tun. Auch stellen weder Tannenbaum noch Osterhase ursprüngliche Symbole für diese Feste dar. Um auf die Anfangsformulierung zurückzukommen: Es gibt noch einen weiteren Grund, warum gerade dieses Thema eine wichtige Rolle für mich spielt und dieser ist meiner persönlichen Lebenssituation geschuldet. Da ich mit sechs Jahren nach Deutschland gekommen bin, weiß ich, was es bedeutet, zwischen zwei Ländern aufgewachsen zu sein. Einerseits bin ich in Deutschland aufgewachsen, andererseits habe ich meine Wurzeln in Polen. Ich weiß, dass viele Menschen mein Schicksal teilen und habe somit beschlossen, die wichtigsten Aspekte der Traditionen beider Länder hier zusammenzufassen und miteinander zu vergleichen.
1.2 Untersuchungsgegenstand und Zielsetzung
Das Ziel dieser Diplomarbeit besteht darin, einige ausgewählte populäre Traditionen in den Ländern Polen und Deutschland miteinander zu vergleichen und zu analysieren, dabei bilden diese Traditionen den konkreten Untersuchungsgegenstand. Weiter sollen auch die unterschiedlichen Traditionsarten miteinander verglichen und im Hinblick auf Gemeinsamkeiten untersucht werden.
Da die Bedeutung von Traditionen in beiden Gesellschaften, sowohl in Polen als auch in Deutschland, in den letzten Jahren stark abgenommen hat und diese sich in einem Prozess befinden, in welchem „Traditionelles“ durch „Modernes“ ersetzt wird, soll
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diese Arbeit einen Einblick in die deutschen und polnischen Traditionen ermöglichen. Dabei werden die jeweiligen Traditionen bzw. Bräuche dort, wo die Literatur Informationen in polnischer Sprache liefert, aus dieser in die deutsche Sprache übertragen, mit dem jeweils anderen Land verglichen und unter den Gesichtspunkten von Herkunft, Aktualität und Umsetzung in der Praxis untersucht und, wenn möglich, auf eine bestimmte Region eingegrenzt.
In den Kapiteln „Populäre Bräuche in Polen“ und „Populäre Bräuche in Deutschland“ folgt auf jede Beschreibung einer Tradition die entsprechende Analyse unter den zuvor erwähnten Gesichtspunkten. Im Abschnitt „Gemeinsame Bräuche in Polen und Deutschland“ findet die Analyse schon während der Beschreibung statt. Eine Ausnahme stellt hier das Kapitel „Ostern“ dar, welches ebenfalls eine getrennte Beschreibung und Analyse auf Grund des Umfangs und der Komplexität besitzt. Zum Schluss folgt eine abschließende Analyse, die alle behandelten Traditionen im Hinblick auf einen „gemeinsamen Nenner“ untersucht. Diese Analyse soll vor allem die Frage nach den Gemeinsamkeiten der Traditionen beantworten. Dazu werden diese aus verschiedenen Perspektiven betrachtet und kollektiv unter der jeweiligen Gemeinsamkeit subsumiert. Zu den zu untersuchenden Gemeinsamkeiten zählen u.a. Religion, Aberglaube und die Wettervorhersage. Im letzten Kapitel soll eine Interpretation und Deutung der durchgeführten Untersuchungen folgen, die auch eine persönliche Sichtweise beinhaltet. Diese soll als eine Art abschließende Schlussfolgerung angesehen werden. Auf Grund der Tatsache, dass zum Thema Traditionen keine repräsentativen Statistiken zur Entwicklung, aber auch zur Zukunft von Traditionen vorliegen, soll das letzte Kapitel unter Vorbehalt als Substitut dienen. Der Vergleich beginnt mit der Gegenüberstellung und Erläuterung der Terminologie zum Thema Tradition und Brauchtum beider Länder.
1.3 Quellenwahl
Die zu diesem Thema verfügbare Literatur ist sehr begrenzt, daher stützt sich diese Diplomarbeit auf die im Folgenden genannte Literatur und wird durch seriöse Internetquellen und Dokumente ergänzt. Die genutzten Internetquellen sind zumeist offizielle Internetseiten einer Stadt (Posen, München), Region (Spreewald), eines Staates (Sejm Rzeczypospolitej Polskiej, Außenministerium Polen, Bundeszentrale für politische Bildung), eines Vereins (Bayerischer Brauerbund) oder eines Verlages (St. Benno-Verlag). Eine Ausnahme stellt das Kapitel studniówka dar, zu welchem keine Literatur gefunden werden konnte. Daher lehnt sich die Beschreibung ausschließlich an persönliche Erfahrungen und Berichte aus dem Bekanntenkreis, mit Ausnahme der gekennzeichneten Stellen, zu denen Nachweise im Internet gefunden werden konnten. Die Untersuchung der Traditionen konnte in vielen Fällen durch Zeitungsberichte und
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Zeitungsartikel namhafter Verlage bekräftigt werden (Spiegel Online; Focus Online, Sächsische Zeitung Online, Gazeta Krakowska). In diesen erscheinen jedes Jahr Statistiken zur Praxis und Erläuterungen zu bestimmten Ritualen im Jahresverlauf, die an einige, bereits vergessene Bräuche erinnern sollen. Die Presseberichte wurden in den meisten der genannten Fälle zum Nachweis der Aktualität und der gegenwärtigen Praxis von Traditionen genutzt. Wo die Möglichkeit bestand, wurde versucht, literarische Beispiele bekannter Schriftsteller und Theologen einzubeziehen (J. Kochanowski, M. Rej, M. Luther), um die Kontinuität und Bedeutung des jeweiligen Brauches zu akzentuieren. Zur Begriffsklärung wurden überwiegend offizielle Wörterbücher verwendet (etymologische Wörterbücher, Duden, Lexika, PWN). Bei der Fachliteratur diente vor allem Ogrodowska und Szymanderska bei den polnischen Bräuchen und Bieritz, Läpple, Rias-Bucher und Woll bei den deutschen Bräuchen als Haupt-orientierung. Da das Themengebiet der Traditionen und Bräuche äußerst umfangreich ist, musste sich diese Arbeit auf einige ausgewählte Bräuche und Traditionen konzentrieren, die jeweils stellvertretend für ein ganzes Genre stehen. Dabei wurde versucht, aus jedem größeren Genre mindestens ein Beispiel zu nennen. Auf diese Weise konnten religiöse, volkstümliche und familiäre Bräuche und Traditionen abgedeckt werden.
Insgesamt war es einfacher deutsche Literatur zum Thema Traditionen zu finden als polnische. Obwohl die Suche nach Literatur sowohl im Internet als auch in polnischen Büchereien und Bibliotheken stattgefunden hat, gibt es direkt zu diesem Thema nur sehr wenig zugängliche Literatur. Hinzu kommt noch, dass sich die meisten davon nur auf kirchliche Feste und Rituale konzentrieren. Auch in Deutschland beinhaltet der größere Teil der Literatur das Thema kirchliche Bräuche, doch es ließ sich auch Literatur finden, die neben der kirchlichen auch Traditionen anderer Art beschreibt. Regionale Bräuche müssen zumeist in der jeweiligen Region nachgeforscht werden, da sie häufig nicht in der landesweiten Literatur vertreten sind. Dazu gibt es jedoch Verlage, die sich speziell auf bestimmte Regionen konzentrieren und in einigen Fällen sogar eine bestimmte Volksgruppe repräsentieren, so z.B. der Domowina-Verlag (Böhme, Adam, Fascyna & Matschie), welcher Literatur zum Thema Sorben/ Wenden und den dazugehörigen Regionen anbietet.
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2 Begriffsdefinitionen
Zunächst möchte ich die relevantesten Begriffe vorstellen, die im Zusammenhang mit der Beschreibung und Analyse von Bräuchen unumgänglich sind. Sowohl in der deutschen als auch in der polnischen Sprache müssen mehrere Begriffe definiert werden, um festzustellen, wie sich diese voneinander abgrenzen und wo die Gemeinsamkeiten liegen. Dabei gibt es sowohl im Polnischen als auch im Deutschen innerhalb der jeweiligen Sprache Ähnlichkeiten zwischen den einzelnen Begriffen, aber auch zwischen den beiden Sprachen gibt es viele Übereinstimmungen. Bei der Betrachtung der folgenden Terminologie wird evident, dass beide Sprachen auf ähnlichen Begriffen zum Thema Traditionen beruhen und dass ihre Anwendungsgebiete nahezu gleich sind. Im Folgenden werden die relevantesten Begriffe zur Bezeichnung einer Tradition genannt, übersetzt und erklärt.
2.1 Deutsche Begriffe
2.1.1 Tradition [Poln.: tradycja]
Der Begriff Tradition wurde laut Seebold im 16. Jahrhundert vom lateinischen Verb „tradere“ entlehnt‚ was so viel bedeutet wie „übergeben, überreichen“ (vgl. Seebold 2002). Laut Duden besagt das entsprechende Nomen „traditio“ so viel wie „Übergabe“, „Auslieferung“, „Überlieferung“, „Gewohnheit“ (vgl. GFWb. 2007: 1363). Der Duden fügt außerdem hinzu, dass damit die Weitergabe (das Tradieren) an spätere Generationen gemeint ist (vgl. GFWb. 2007: 1363), also die Weitergabe von Handlungsmustern, Überzeugungen und Glaubensvorstellungen. Laut Duden ist Tradition das, was im Hinblick auf Verhaltensweisen, Ideen, Kultur o.Ä. in der Geschichte von Generation zu Generation entwickelt und weitergegeben wird (vgl. BWb. 2010: 933). Traditionen existieren sowohl in privaten wie auch in religiösen und politischen Lebensbereichen. Dazu beschreibt die Bundeszentrale für politische Bildung in einem Politiklexikon, dass Menschen, die sehr traditionsorientiert seien, zumeist eine konservative Haltung besäßen, das Gewohnte, Herkömmliche und Vertraute bevorzugten und dementsprechend Neuerungen skeptisch gegenüber stünden 1 . Dem Duden zufolge gelten Traditionen im Christentum „als außerbiblische, von der katholischen Kirche als ver- 1 Bundeszentralefür politische Bildung. (2006). Tradition. Abgerufen am 14. Januar 2011 um 14.30
von Politiklexikon: http://www.bpb.de/wissen/H75VXG
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bindlich anerkannte Überlieferung von Glaubenslehren seit der Apostelzeit.“ (GFWb. 2007: 1363).
2.1.2 Usus [Poln.: uzus]
Laut Seebold stammt der Begriff Usus vom lateinischen „usus“ ab und bedeutet „Brauch, Übung, Praxis“. Er wurde Seebold zufolge im 17. Jahrhundert vom lateinischen Verb „uti“ abgeleitet, welches die Bedeutung „gebrauchen“ trägt (vgl. Seebold 2002). Im Duden wird Usus als durch häufiges Wiederholen übliche Verhaltensweise einer kleineren Gruppe von Personen bezeichnet (vgl. BWb. 2010: 1004). Die durch den Duden im Weiteren genannten Synonyme für diesen Begriff sind u.a. „Brauch, Tradition“ und „Gewohnheit“ (vgl. BWb. 2010: 1004), welche hier ebenfalls unter Punkt 2 behandelt werden.
2.1.3 Brauch [Poln.: obrzęd]
Der Begriff „Brauch“ bzw. „Brauchtum“ entwickelte sich laut Seebold (2002) in Deutschland im 17. Jahrhundert in der Form und Bedeutung, in der man ihn heute kennt, nämlich durch die Verwendung von verneinten Sätzen („etwas nicht nötig haben“). Ursprünglich benutzte man hierfür das Verb „brauchen“, das „genießen, sich erfreuen“ und „gebrauchen“ bedeutete. Daraus ergab sich später das Substantiv „Brauch/Brauchtum“. Weiter erklärt Seebold die Entwicklung der Bedeutungswandlung von „Verwendung“ zu „Sitte“ durch Wendungen wie „rechter Brauch“ und „unser Brauch“ (vgl. Seebold 2002). Der Duden zählt hier die folgenden Begriffe als Synonyme auf „Brauchtum, Ritual, Tradition, Usus, Sitte, feste Gewohnheit“ und „Überlieferung“ (vgl. SWb. 2004), von denen die meisten in Punkt 2 dieser Arbeit ebenfalls separat behandelt werden.
2.1.4 Ritual/ Ritus [Poln.: rytuał]
Laut Seebold wurde „Ritus“ im 16. Jahrhundert in Deutschland vom lateinischem „ritus“ übernommen und bedeutet „der religiöse Brauch, die Zeremonie“ und wird im Kollektiv als „Ritual“ bezeichnet (vgl. Seebold 2002). Der Duden beschreibt die Bedeutung des Begriffs als „religiöser [Fest]brauch in Worten, Gesten und Handlungen“ sowie „das Vorgehen [bei feierlichen Handlungen] nach festgelegter Ordnung“ (GFWb. 2007: 1189).
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2.1.5 Feiertag [Poln.: święto]
Gemäß der Definition von Seebold entwickelte sich der Begriff „Feiertag“ aus dem lateinischen Begriff „festum“, welcher die Bedeutung „feierlich“ bzw. „der religiösen Feier gewidmet“ trägt (vgl. Seebold 2002).
2.2 Polnische Begriffe
2.2.1 tradycja [Dt.: Tradition]
Das Universalwörterbuch PWN beschreibt den Begriff „tradycja“ als Abfolge von Vorgangsregeln, als Sitten, Ansichten und Informationen, die von Generation zu Generation weitergegeben würden. Laut PWN sind das in der katholischen Kirche Schriften, die von Theologen in den ersten Jahrhunderten des Christentums verfasst wurden sowie Beschlüsse des Konzils und der Päpste, die neben der Bibel als zweite Quelle der Offenbarung angesehen werden (vgl. PWN 2008, Bd. T- Ż: 97). Die Definition eines Traditionalisten [Poln.: tradycjonalista] ist PWN zufolge ein Mensch, der großen Wert auf bereits bekannte Regeln und Gesetze legt und sich stets an diese, und mit ihr an die Traditionen, hält. Hierbei wird der Konservative dem Traditionalisten gleichgestellt (vgl. PWN 2008, Bd. T- Ż: 97). Gemäß der Beschreibung des polnischen Fremdwörterbuches PWN wurde „tradycja“, wie im Deutschen, auch hier vom lateinischen Begriff „traditio“ entlehnt (vgl. SWO-PWN 2008).
2.2.2 obrzęd [Dt.: Brauch]
Laut Universalwörterbuch PWN (vgl. 2008, Bd. K-Ó: 1081) ist ein Brauch [Poln.: obrzęd; auch obrząd (vgl. Bańkowski 2000: 351)], eine Ansammlung von Handlungen und Praktiken, die durch anerkannte Traditionen häufig als Vorschrift bzw. Regel angesehen werden und eine symbolische Bedeutung tragen. Oft begleiten Bräuche auch eine Feierlichkeit, die sowohl religiösen als auch familiären, politischen oder gesellschaftlichen Charakter besitzen kann. Bańkowski datiert die Herkunft dieses Begriffs in Polen auf das 14./ 15. Jahrhundert. In dieser Zeit soll der Terminus in den St. Florian Psalmen und den Psalmen von Puławy aufgetaucht sein, anfangs überwiegend im Plural „obrzędy“ [Dt.: Bräuche]. Die Bedeutung ist dem polnischen Buch der Etymologie Andrzej Bańkoswkis zufolge eine„ ‚göttliche„ Disposition, im Sinne einer ordnungsgemäßen Ausführung von Ritualhandlungen“ (2000: 351). Ogrodowska (vgl. 2001: 137) beschreibt die Bedeutung als feierliches, symbolisches und ritualisiertes Verhalten und Handeln, welches durch eine Tradition oder einen Brauch bestimmt wird. Sie spricht auch davon, dass ein Brauch Ausdruck einer Weltanschauung und anerkannten
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Werten ist sowie einen wesentlichen Bestandteil der gesellschaftlichen Bindung, der zwischenmenschlichen Kommunikation und der Identität darstellt.
2.2.3 święto [Dt.: Feiertag]
Der Begriff „święto“ entspricht dem deutschen Begriff „Feiertag”. Laut PWN (vgl. 2008, Bd. P-Ś: 1606) ist das ein besonders festlicher Tag, der eher selten über einen Tag hinausgeht, an dem die Mitglieder einer bestimmten Zugehörigkeitsgruppe, wie z.B. einer Religion, Nation, eines Berufes oder einer Familie, am Jahrestag eines wichtigen Ereignisses an diversen Feierlichkeiten teilnehmen. Dieser Tag ist meist arbeits- und schulfrei. Gemäß der Beschreibung im Universalwörterbuch PWN sind die Gläubigen an einem kirchlichen Feiertag dazu verpflichtet, am Gottesdienst teilzunehmen, da dieser Tag durch die Kirche offiziell als Feiertag bestimmt wurde. Weiter gibt PWN an, dass staatliche und meist nationale Feiertage ebenso arbeitsfrei sind und an Tagen begangen werden, die ein wichtiges Datum für die jeweilige Nation oder den Staat darstellen.
2.2.4 zwyczaj -> obyczaj [Dt.: Gewohnheit -> Brauch/ Sitte] Beide polnischen Begriffe, also „zwyczaj“ [Dt.: Gewohnheit] und „obyczaj“ [Dt.: Brauch/ Sitte] sind in den Wörterbüchern von PWN nahezu identisch beschrieben. Dennoch findet man in der Multimedia Enzyklopädie von PWN einen Unterschied, der besagt, dass ein „zwyczaj“ sich mit der Zeit in einen „obyczaj“ umwandeln und dabei in den Bereich der Sittlichkeit und sogar des Rechts übergehen kann (vgl. EM-PWN 1998). Somit muss etwas erst eine Gewohnheit sein, damit es sich zum Brauch bzw. zur Sitte verändert. Das Universalwörterbuch PWN (vgl. 2008, Bd. K-Ó: 1098) beschreibt den Brauch bzw. die Sitte und die Gewohnheit [Poln.: obyczaj] als eine gebräuchliche, vereinbarte Art und Weise, meist durch eine Tradition bekräftigt, die vorgibt, wie bei bestimmten Anlässen zu handeln ist. Als Anlass können unterschiedliche Gelegenheiten angesehen werden, diese sind laut PWN meist abhängig von der Region, Zeit bzw. Epoche und der jeweils praktizierenden Menschengruppe. Das Synonymwörterbuch von PWN gibt sowohl bei „obyczaj“ als auch bei „zwyczaj“ den jeweils anderen Begriff als Synonym an. Auch unter dem Begriff Tradition [Poln.: tradycja] findet man sowohl „zwyczaj“ als auch „obyczaj“ als Synonym (vgl. SS-PWN 2006: 220; 407; 525). Hierzu nennt PWN ein Beispiel in Form einer populären Redewendung: „Co kraj, to obyczaj“ (PWN 2008, Bd. K-Ó: 1098), was wörtlich übersetzt heißt: „Jedes Land hat seine eigenen Sitten.“ In Deutschland existiert jedoch eine äquivalente Redewendung, die wie folgt lautet: „Andere Länder, andere Sitten“. Das Universalwörterbuch PWN (2008, Bd. K-Ó: 1098 und Bd. T- Ż: 1102-1103) ergänzt die bereits beschriebenen Bedeutungen
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um zwei weitere. Die Eine beschreibt ein charakteristisches Verhalten einer Person oder eines Tieres, die mit „obyczaj“ oder „zwyczaj“ bezeichnet werden kann. Die Andere nennt eine Verhaltensweise einer Person oder eine Verhaltensregel, nach der sich ein Mensch richtet und lebt. Laut Ogrodowska (vgl. 2001: 137) ist ein „obyczaj“ eine Verhaltensweise, die in bestimmten Situationen wiederholt wird und mit sozialen Sanktionen belegt ist. Von jedem Mitglied einer Gemeinschaft wird die Einhaltung dieser Bräuche/ Sitten erwartet, die durch eine Tradition aufgezwungen werden. Weiter beschreibt Ogrodowska den Unterschied zwischen den beiden Begriffen, der darin liegt, dass „obyczaj“ im Vergleich zu „zwyczaj“ eine normative Kraft und Funktion besitzt. Das bedeutet, es steht im engen Zusammenhang mit den gesellschaftlich anerkannten Normen und Werten und ist ein spontaner Ausdruck dieser in bestimmten Situationen. Als Beispiel für „obyczaj“ nennt hier Ogrodowska den Respekt gegenüber einer verstorbenen Person oder auch die Anerkennung von fremdem Eigentum, aber ebenso den Kleidungsstil, der auch das Verhüllen der Haare bei verheirateten Frauen impliziert. Die Verletzung dieser Bräuche/ Sitten wird laut Ogrodowska (vgl. 2001: 137) der Verletzung von gesellschaftlichen Normen gleichgestellt und kann dadurch auf Missbilligung oder sogar Verdammung der jeweiligen Person stoßen, die in Form von gesellschaftlichem Druck und vielen anderen informellen Sanktionen ausgeübt wird.
2.2.5 uzus [Dt.: Usus]
Laut Universalwörterbuch PWN (vgl. 2008, Bd. T- Ż: 321) trägt „uzus“ (im Polnischen auch „usus“) im Polnischen die gleiche Bedeutung wie „zwyczaj“ [Dt.: Gewohnheit,
Brauch] und zeichnet sich auch durch gängige bzw. angewandte Praxis aus. Weiter gibt PWN an, dass es auch in Polen vom Lateinischen „usus“ abstammt.
2.3 Kurze Zusammenfassung
Eine feine Differenzierung der Termini ist anhand der genannten Wörterbücher nicht genauer durchführbar, vor allem deshalb, weil alle Begriffe in der Alltagssprache zum größten Teil gleichrangig behandelt werden und somit auch untereinander austauschbar sind. Sowohl die Synonymwörterbücher in Deutschland als auch in Polen erlauben es, nahezu alle Begriffe beliebig auszutauschen, ohne die Bedeutung gravierend zu verändern. Das bestätigt auch Ogrodowska (vgl. 2001: 137), die z.B. die Begriffe „zwyczaj“, „rytuał“, „obrzęd” und „obyczaj” als austauschbar bezeichnet und sowohl in der Wissenschaft als auch in der Alltagssprache nur kaum voneinander unterscheidet. Wie man den einzelnen Begriffserklärungen entnehmen kann, liegt die Wortherkunft der meisten Begriffe in der lateinischen Sprache, zudem ist den Begriffen häufig eine klerikale Herkunft inhärent. Auffallend ist, dass die polnischen Wörterbücher sich über-
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wiegend auf kirchliche Quellen und Ursprünge beziehen, während in Deutschland die Definitionen in der vorliegenden Literatur eher sachlich beschrieben werden und den kirchlichen Aspekt nur nebenbei ansprechen oder sogar ganz auslassen. Die Übersetzung der Terminologie aus der einen in die andere Sprache gestaltet sich recht einfach, da für jeden Begriff ein entsprechendes Äquivalent in der anderen Sprache existiert. Würde man sich nur nach den deutsch-polnischen und polnischdeutschen Wörterbüchern richten, könnte man nahezu alle Begriffe bei der Übersetzung miteinander austauschen, ohne die Bedeutung zu verändern. Deshalb war es an dieser Stelle wichtig, alle Begriffe, die eine Tradition insgesamt bezeichnen, hier einmal zu nennen und kurz zu definieren.
Im alltäglichen Sprachgebrauch werden in den meisten Fällen die Begriffe „Brauch/ Brauchtum“ und „Tradition“ verwendet. Handelt es sich um einen kirchlichen oder gesetzlichen Feiertag, wird auch der Begriff „Feiertag“ [Poln.: święto] in diesen Fällen gebraucht. Auch in dieser Arbeit werden hauptsächlich die zuvor erwähnten Termini gebraucht und von dieser Vorgehensweise wird nur dort, wo es unumgänglich ist, abgewichen.
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3 Populäre Bräuche in Deutschland
3.1 Das Oktoberfest
Das Oktoberfest ist in Deutschland bundesweit bekannt und erfreut sich auch außerhalb deutscher Grenzen großer Popularität. Da es inzwischen einen überaus hohen Bekanntheitsgrad erreicht hat, erscheint es vorteilhaft, das Fest, stellvertretend für andere deutsche Volksfeste, in diese Zusammenstellung aufzunehmen. Laut Rias-Bucher (vgl. 1999: 177-178) sind Pferderennen, die zum Anlass der Hochzeitsfeier von Ludwig I., dem Bayernkönig, und Therese von Sachsen-Hildburghausen am 17. Oktober 1810 in München ausgetragen wurden, der Ursprung dieses Festes. Seitdem entwickelte sich die Stadt München zum Austragungsort des größten Volksfestes der Welt. Auf der offiziellen Internetseite des Oktoberfestes 2 erfährt man, dass das Fest jährlich in den letzten beiden Septemberwochen stattfindet und am ersten Sonntag im Oktober endet. Als Grund wurde die immer länger werdende Dauer des Festes angegeben, weshalb man sich entschloss, es bereits in den milderen Septemberwochen stattfinden zu lassen, da das Wetter in diesem Zeitraum besser geeignet schien. Heute dauert das Oktoberfest 16 Tage. Die Internetseite informiert auch über Besucherzahlen, die den Erfolg der Veranstaltung mit ca. 6 Millionen Gästen jährlich bestätigen. Weiter wird die Statistik für das Jahr 2010 angegeben, aus welcher hervorgeht, dass das Oktoberfest sein 200. Jubiläum mit 6,4 Millionen Besuchern begangen hat, wobei der bis heute erreichte Rekord bei 7,1 Millionen Menschen im Jahr 1985 liegt 3 . Laut oktoberfest.de 4 musste das Oktoberfest bzw. die „Münchner Wiesn“, wie es von den Bayern auch genannt wird, in der Vergangenheit immer wieder abgesagt werden. Zum ersten Mal war dies 1813, also drei Jahre nach Einführung, aufgrund der napoleonischen Kriege der Fall. Als nächstes in den Jahren 1854 und 1873 wegen der Cholera-Epidemie, 1870
2 Schöninger, Tino; Datenwerk GmbH. (2011). Häufige Fragen von Wiesnbesuchern. Abgerufen am
24. Januar 2011 um 22.00 Uhr von Oktoberfest.de - Die Website zur Wiesn: http://www.oktoberfest.
de/de/article/Das+Oktoberfest/Service/H%C3%A4ufige+Fragen+von+Wiesnbesuchern/1513/
3 Schöninger, Tino; Datenwerk GmbH. (2011). Wiesn-Rekorde und Obskures. Abgerufen am 24. Januar
2011 um 22.00 Uhr von Oktoberfest.de - Die Website zur Wiesn: http://www.oktoberfest.de/de/
article/Das+Oktoberfest/Geschichte/Wiesn-Rekorde+und+Obskures/638/
4 Schöninger, Tino; Datenwerk GmbH. (2011). Kriege, Bomben und Cholera. Abgerufen am 24. Januar
2011 um 23.00 Uhr von Oktoberfest.de - Die Website zur Wiesn: http://www.oktoberfest.de/
de/article/Das+Oktoberfest/Geschichte/Kriege%2C+Bomben+und+Cholera/635/
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aufgrund des deutsch-französischen Krieges, von 1914 bis 1920 in der Zeit des Ersten Weltkrieges sowie in den Jahren 1939 bis 1948 während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Insgesamt ist das Oktoberfest seit 1810 24-mal ausgefallen. Als Ersatz soll des Öfteren ein kleineres Herbstfest gedient haben.
Laut oktoberfest.de wurde im Jahr 1950 erstmalig das Oktoberfestfass durch den Münchner Oberbürgermeister mit den Worten „O´zapft is!“ angezapft. Seitdem ist dies eine traditionelle Eröffnungstradition dieser Veranstaltung. Das Oktoberfest ist ein hervorragendes Beispiel einer langjährigen Tradition, die sowohl Altbekanntes als auch Modernes miteinander verbindet. Zum traditionellen Teil des Festes zählen unter anderem die alten Buden und Schausteller, die auf der offiziellen Internetseite namentlich und einzeln genannt werden, dazu zählt unter anderem das Würstl-Schnappen, das Schubkarrenrennen, das Sacklaufen, das Baumsteigen, der berühmte Flohzirkus, das Teufelsrad, die Krinoline oder das Riesenrad, welches die Silhouette der Wiesn bestimmt. Ergänzt wird all dies durch die Losbude, die dem Oktoberfest einen wohltätigen Zweck verleiht, da der Erlös armen Landleuten zugutekommen soll. Der wohl auffälligste Brauch des Oktoberfestes sind die traditionellen Trachten, die sowohl von den Schaustellern und Wirten als auch von den Besuchern getragen werden. Dazu wird jedes Jahr ein Trachtenumzug organisiert, bei dem die Teilnehmer in den typischen Trachten der Zünfte und Ortschaften in Richtung der berühmten Theresienwiese ziehen. Die andere Seite des Oktoberfestes bietet etwas für Technikbegeisterte, wie z.B. die High-Tech-Anlagen „Alpina Bahn“, auf der der Gast für ca. zwei Sekunden der Erdanziehungskraft entfliehen kann, das Karussell „High Energy“ und den Freifallturm „Power Tower“ 5 .
3.1.1 Über die Tradition
Das Oktoberfest fand ursprünglich als Folge eines christlichen Sakraments statt, nämlich des Ehesakraments. Mit der Zeit jedoch rückte der eigentliche Ursprung der Veranstaltung in den Hintergrund und das Oktoberfest wandelte sich zum volkstümlichen Fest wie man es heute kennt. Derzeit ist nur den wenigen der zahlreichen Wiesn-Besucher bekannt, dass es seinen Anfang als Teil einer Hochzeitszeremonie nahm. Die Deutsche Welle 6 und Spiegel Online 7 berichten, dass das Oktoberfest aktuell
5 Schöninger, Tino; Datenwerk GmbH. (2011). Das Oktoberfest. Abgerufen am 24. Januar 2011 um
12.00 Uhr von Oktoberfest.de - Die Website zur Wiesn: http://www.oktoberfest.de
6 Deutsche Welle. (16. September 2008). Oktoberfest, the World's Biggest Beer Fest, Now Open.
Abgerufen am 14. Februar 2011 um 16.30 Uhr von dw-world.de: http://www.dw-world.de/dw/
article/0,,3648887,00.html
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als größtes Bierfest der Welt gilt. Der Standort Bayern hat zu diesem Bedeutungswandel erheblich beigetragen, denn das größte Bundesland Deutschlands gilt als Mekka für Bierliebhaber aus der ganzen Welt. Laut Angaben des Bayerischen Brauerbundes 8 gab es im Jahr 2002 640 Brauereien in Bayern, die insgesamt über 40 Biersorten und 4000 Biermarken angeboten haben (siehe: Tabelle 1: Übersicht über den Konsum beim Oktoberfest). Demnach ist es nicht verwunderlich, dass sich diese Brauereien auf dem wohl bekanntesten Fest auch außerhalb der Grenzen Deutschlands profilieren wollen. Focus Online zufolge steigen die Preise für Bier auf dem Oktoberfest doppelt so schnell wie die Inflation 9 . Dennoch ist das bayerische Bier trotz stetig steigender Preise heute ein fester Bestandteil des Oktoberfestes und für die meisten Besucher nicht mehr wegzudenken. Aber auch für die Stadt München ist das Fest ein relevanter Wirtschaftsfaktor, auf den man nicht verzichten möchte. So wird während der 16tägigen Dauer der Veranstaltung laut Angaben der offiziellen Internetseite der Landeshauptstadt München 10 über 800 Millionen Euro Umsatz gemacht; ein beachtlicher Wert. Doch die Bezeichnung „Oktoberfest“ oder „Münchener Wiesn“ alleine macht noch kein Oktoberfest im ursprünglichen Sinne aus. Es ist eben nicht nur das Bier, der Jahrmarkt und die Zelte, die das Fest ausmachen, sondern die jahrelange Kontinuität und das Resultat dieser, nämlich eine Tradition aufrechtzuerhalten und zu pflegen.
7 Spiegel Online. (18. September 2004). Münchner Wiesnzeit: Das größte Bierfest der Welt. Abgerufen
am 14. Februar 2011 um 16.00 Uhr von Spiegel Online: http://www.spiegel.de/fotostrecke/
fotostrecke-936.html
8 Bayerischer Brauerbund e.V. (2002). Braustätten. Abgerufen am 14. Februar 2011 um 17.00 Uhr von
bayerisch-bier.de: http://www.bayerisch-bier.de/index.php?StoryID=168
9 Focus Online; mhe. (29. September 2009). Wiesn-Preise steigen stärker als Inflation. Abgerufen am
27. März 2011 um 23.00 Uhr von Focus Online: http://www.focus.de/finanzen/news/oktoberfest-
wiesn-preise-steigen-staerker-als-inflation_aid_440011.html
10 Landeshauptstadt München - Referat für Arbeit und Wirtschaft. (kein Datum). Das Münchner
Oktoberfest in Zahlen. Abgerufen am 2. Februar 2011 um 17.00 Uhr von muenchen.de - Das
offizielle Stadtportal: http://www.muenchen.de/Rathaus/raw/Tourismusamt/oktoberfest/123440/
oktoberfest_Zahlen_Statistiken.html#Wiesn%202004
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Tabelle 1: Übersicht über den Konsum beim Oktoberfest 11
3.1.2 Vergleich mit Polen
Das Oktoberfest wurde in Deutschland erfolgreich eingeführt und gilt seit langem als „deutscher Exportschlager“; diesen Titel bestätigen zahlreiche Medien, so auch Focus Online 12 . Trotz vieler Nachahmer bleibt das Münchner Oktoberfest das einzige Original seiner Art. In Polen organisiert bereits das Deutsche Generalkonsulat Krakau 13 , die
11 Landeshauptstadt München - Referat für Arbeit und Wirtschaft. (kein Datum). Das Münchner
Oktoberfest in Zahlen. Abgerufen am 2. Februar 2011 um 17.00 Uhr von muenchen.de - Das
offizielle Stadtportal: http://www.muenchen.de/Rathaus/raw/Tourismusamt/oktoberfest/123440/
oktoberfest_Zahlen_Statistiken.html#Wiesn%202004
12 Haas, C. (5. Oktober 2009). Die Wiesn, ein Exportschlager. Abgerufen am 02. Februar 2011 um 17.20
Uhr von Focus Online: http://www.focus.de/reisen/urlaubstipps/oktoberfest/international/tid-7066/
wiesn-international_aid_69199.html
13 Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland. (kein Datum). Oktoberfest in Krakau. Abgerufen
am 15. März 2011 um 15.00 Uhr von Deutsches Generalkonsulat Krakau: http://www.krakau.diplo.
de/Vertretung/krakau/de/Oktoberfest__Krakau.html
22
Deutsch-Polnische Industrie- und Handelskammer, das Goethe Institut in Krakau, das Nürnberger Haus [Poln.: Dom Norymberski] sowie die Kanzlei Rödl & Partner ein Oktoberfest in der Stadt Krakau, in Kleinpolen. Die Feier wird größtenteils von deutschen Veranstaltern organisiert und ist in Polen zurzeit noch wenig bekannt. Auch in anderen Städten wird versucht, vom Ruhm des Oktoberfestes zu profitieren, indem man den Namen für die Veranstaltungen nutzt und darauf hofft, wenigstens einen Bruchteil des weltweiten Erfolges auch auf regionaler Ebene zu erzielen. So informiert die Zeitung „Gazeta Krakowska“ 14 , dass die Stadt Brzesko, ebenfalls in der Woiwodschaft Kleinpolen gelegen, bereits seit 2009 ein Oktoberfest nach dem deutschen Vorbild plant. Geplant war dieses Festival ursprünglich für September 2010, das Jahr, in dem das deutsche Oktoberfest sein 200. Jubiläum und die Brauerei Okocim, eine Brauerei aus der Region Brzesk, ihr 165 jähriges Bestehen beging. Doch bis zum heutigen Tage gibt es keine konkreten Hinweise darauf, ob dieses Vorhaben de facto zu Stande gekommen ist oder aufgegeben wurde. Die Niederländisch-Polnische Industrie und Handelskammer hingegen berichtet auf ihrer offiziellen Internetseite 15 , dass im Jahr 2010 in Breslau das „International Oktoberfest“ für Geschäftsleute, welches von mehreren Industrie- und Handelskammern aus der ganzen Welt organisiert wird und unter dem Patronat der Bayerischen Vertretung in Breslau steht, bereits zum siebten Mal erfolgreich stattgefunden habe.
Insgesamt ist zu konstatieren, dass das Oktoberfest sich in Polen noch nicht durchgesetzt hat. Häufig fehlt es an Organisationstalent, aber letztlich ist es vor allem der Tatsache geschuldet, dass die Polen das traditionsreiche Original in Bayern bevorzugen. Diesen Sachverhalt beweisen in erster Linie die vielen Angebote der polnischen Reiseveranstalter kurz vor dem Oktoberfest in Deutschland, die sich dann verstärkt in ganz Polen häufen. Diese Angebote werden von den Polen gern und häufig genutzt, denn da das Oktoberfest im Nachbarland stattfindet, halten sich Reisedauer und Reisekosten in Grenzen.
14 Więcek-Cebula, M. (04. November 2009). W Brzesku chcą mieć własny Oktoberfest. Abgerufen am
24. Februar 2011 um 16.00 Uhr von gazetakrakowska.pl: http://www.gazetakrakowska.pl/tarnow/
brzesko/181960,w-brzesku-chc-mie-w-asny-oktoberfest,id,t.html
15 Netherlands-Polish Chamber of Commerce. (2010). INTERNATIONAL OKTOBERFEST WROCŁAW
2010. Abgerufen am 04. Februar 2011 um 12.00 Uhr von Netherlands-Polish Chamber of
Commerce: http://www.nlchamber.com.pl/event/international-oktoberfest-wroc%C5%82aw-2010
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Arbeit zitieren:
Tomasz Konrad, 2011, Deutsche und polnische Bräuche, München, GRIN Verlag GmbH
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