INHALT
1. Bedeutung des Grimmschen Schaffens 3
2. Einfluss der Kinder und Hausmärchen auf Film und Fernsehen 4
2.1. Das europäische Märchen: Eine kurze Definition nach Max Lüthi 4
2.2. Die Grimmschen Märchenfiguren: Ein Überblick 5
2.3. Verwendung von Märchenfiguren in aktuellen Filmen 7
3. Die Figur der Prinzessin in aktuellen Film- und Fernsehproduktionen 11
3.1. Die Prinzessin am Beispiel von Sechs auf einen Streich: Der Froschkönig 11
3.2. Die Prinzessin am Beispiel von Küss den Frosch 12
3.3. Die Prinzessin am Beispiel von Shrek - Der tollkühne Held 13
3.4. Die Prinzessin am Beispiel von Verwünscht 14
4. Die Emanzipation der Prinzessinnen-Figur 16
5. Quellenverzeichnis 18
5.1. Bibliographie 18
5.2. Filmographie 19
5.3. Internetquellen 20
6. Anhang 23
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1. Bedeutung des Grimmschen Schaffens
Kaum ein Name wird in Deutschland so sehr mit Märchen assoziiert wie der der Brüder Grimm. 3852 Treffer nennt allein das Online-Versandhaus Amazon auf eine entsprechende Suchanfrage 1 . Doch darunter befinden sich keineswegs nur diverse Sammlungen der populären Kinder- und Hausmärchen 2 , die seit ihrem Erscheinen im 19. Jahrhundert einen festen Platz in der Weltliteratur behaupten, sondern auch zahlreiche Werke ihrer einflussreichen Arbeit im Bereich der Germanistik. Bis heute kann man ihre Spuren in Literatur, Fernsehen und Film lesen. Gerade letztere haben im 20. Jahrhundert signifikant an Bedeutung gewonnen - aus einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach geht hervor, dass Kinder bereits 1976 ihr Märchenwissen primär aus dem Fernsehen beziehen 3 , was wiederum den Schluss provoziert, dass die Urversionen vieler Märchen heute kaum noch bekannt sind. Dem entgegen steht, dass im Jahr 2003 83% der Bevölkerung der Meinung war, es wäre wichtig, seinen Kindern Märchen vorzulesen 4 .
In dieser Arbeit wird die Frage behandelt, ob es traditionelle Märchenfiguren in der neuesten Filmgeschichte gibt, die sich von ihrem Ursprung abgekoppelt und verselbstständigt haben. Die Entscheidung, für diese Thesis die KHM 5 und nicht etwa die Hauffsche oder Perraultsche Sammlung heranzuziehen, begründet sich hauptsächlich in deren Popularität 6 . Zu Beginn wird kurz dargestellt, wie Max Lüthi das Märchen definiert. Im Anschluss wird nach einem kurzen Überblick über die Grimmsche Märchenwelt ausgeführt, welche Rolle ihre Figuren in Filmen der letzten zehn Jahre spielen. Am Beispiel der Prinzessin folgt eine Darstellung, wie vier aktuelle Film-, bzw. Fernsehbeispiele mit dieser Figur umgehen.
1 http://www.amazon.de/s/ref=nb_sb_noss?__mk_de_DE=%D1&url=searchalias%?__mk_de_DE%C3%91 &url=searchalias%3Dstripbooks&fieldkeywords=br%der+grimm&rh=n%36%2Ck%3Abr%der+grimm, Zugriff mit dem Suchwort „Brüder Grimm“ am 28.02.2011.
2 Erstausgabe 1812/15, Ausgabe letzter Hand 1857.
3 Schmitt, Adaptionen klassischer Märchen im Kinder- und Familienfernsehen, S. 8.
4 Allensbacher Archiv, IfD-Umfrage 3620, April/Mai 2003.
5 KHM steht für Kinder- und Hausmärchen. Im weiteren Verlauf der Thesis wird lediglich diese Abkürzung verwendet.
6 Allensbacher Archiv, IfD-Umfrage 7042, April/Mai 2003.
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2. Einfluss der Kinder- und Hausmärchen auf Film und Fernsehen
2.1. Das europäische Märchen: Eine kurze Definition nach Max Lüthi
Nach Max Lüthi zeichnet sich das Märchen besonders in Europa durch eine ausgeprägte Handlungsfreude aus 7 , d.h. das Märchen hält sich nicht lange mit der Beschreibung des Innenlebens seiner Figuren oder deren Umwelt auf, sondern lässt die Handlung der Geschichte zügig verlaufen. Letztere wird häufig nicht durch die Gefühle der agierenden Personen, sondern durch äußere Umstände determiniert. So muss sich der Protagonist mit ungewöhnlichen Situationen auseinandersetzen und sie bewältigen. Dies geschieht meist in episodischen Abschnitten mit Hilfe von formelhaften Handlungen, die ihrerseits auf spezifische Eigenschaften des jeweiligen Charakters schließen lassen. Dabei herrscht anstelle des in vielen Erzählformen verbreiteten „Ineinander und Miteinander“ das „Nebeneinander und Nacheinander“ 8 von Aktionen und Reaktionen, was zu einer Flächenhaftigkeit führt, die Lüthi mit dem Begriff „Eindimensionalität“ beschreibt und als typisches Merkmal des Märchens definiert. 9
Die Integration übernatürlicher Dinge in die Handlung teilt das Märchen mit einer Reihe benachbarter Gattungen, wie der Sage oder der Fabel. Das wichtigste Abgrenzungskriterium ist hierbei nach Lüthi die „Selbstverständlichkeit, mit der der Märchenerzähler das Ungewöhnliche, Wunderbare berichtet und die Märchenfigur ihm begegnet“ 10 . Es handelt sich keineswegs um Geschichten mit Wahrheitsanspruch und, wie Wilhelm Grimm selbst meint, auch nicht ursprünglich um „Lehrstücke für die Gegenwart“. 11 Dennoch wurden Märchen bis in die heutige Zeit oft als solche interpretiert, wodurch sich das überraschend positive Ergebnis der Umfrage, ob es wichtig wäre, seinen Kindern Märchen vorzulesen, erklären lässt. 12
Letztlich ist eine exakte Definition und Abgrenzung des Märchens gegenüber anderen Gattungen wissenschaftlich umstritten. Dennoch sollen Lüthis Erkenntnisse als Grundlage für die folgende Arbeit fungieren.
7 Vgl. Lüthi, Märchen, S. 29.
8 Vgl. ebd. S. 30.
9 Vgl. ebd. S. 17.
10 Ebd. S. 7.
11 Vgl. W. Grimm, Deutsche Volksmärchen, S.10.
12 Vgl. Allensbacher Archiv, IfD-Umfragen 3620 und 7042.
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Grimmschen Märchen ist. Tatsächlich kommt dieser aber nur in neun der 210 KHM (abs. 4,3%) vor. Der Fuchs (B 11.) hingegen, der in immerhin 15 Geschichten (abs. 7,1%) eine Rolle spielt, ist in der Hitparade gar nicht vertreten. Der Diener (B 14.) ist niemals Protagonist eines Märchens, sondern tritt immer in Verbindung mit einem Mitglied einer Monarchenfamilie auf. Selten auftauchende aber dennoch populäre Figuren sind z.B. der Zwerg (in fünf Geschichten), der Drache (in drei Geschichten) oder das Einhorn, das nur in einer einzigen Geschichte vorkommt. Einzig die Mitglieder idealisierter Herrscherhäuser sind omnipräsent. Insbesondere König (B 1.) und Prinzessin (B 2.) tauchen in etwa jeder vierten Erzählung auf und sind mit Schneewittchen (C 1.), Aschenputtel (C 4.) und Dornröschen (C 5.) auch in den oberen Rängen der Hitparade vertreten. Sie können daher als charakteristisch für die Grimmsche Märchenwelt bezeichnet werden.
Letztlich werden zwei Kriterien, für die Relevanz einer Grimmschen Märchenfigur herangezogen: Die Bekanntheit der Geschichte, in der sie vorkommt und die Häufigkeit ihres Vorkommens in der Märchensammlung. Insbesondere die Figuren König, Prinz und Prinzessin erfüllen diese Voraussetzung. Letztere soll in dieser Thesis als Untersuchungsobjekt dienen.
2.3 Verwendung von Märchenfiguren in aktuellen Filmen
Unterzieht man das westliche Film- und Fernsehspektrum der letzten zehn Jahre einer näheren Betrachtung, so fällt auf, dass die Figuren aus der Grimmschen Märchensammlung erstaunlich präsent sind - wenn auch meist nur noch lose mit ihrem ursprünglichen Kontext verknüpft oder absichtlich verfremdet.
Besonders die letzten beiden Zeichentrickfilme des Disney Studios, das im 20. Jahrhundert einige seiner größten Erfolge mit Märchenfilmen gefeiert hat, stechen dabei heraus. Küss den Frosch 35 basiert auf dem Märchen Froschkönig 36 . Rapunzel - Neu Verföhnt 37 , stützt sich auf das Märchen Rapunzel 38 . Um gerade bei jungem männlichem
35 The Princess and the Frog, John Musker, Ron Clements, USA 2004.
36 KHM 1.
37 Tangled, Nathan Greno, Byron Howard, USA 2010.
38 KHM 12.
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Publikum nicht den Anschein eines weiteren „Prinzessinnen-Films“ zu erwecken, wurde Originaltitel jedoch von Rapunzel in Tangled 39 geändert. Der 3D-Animations-Film steht auf der Liste der teuersten Produktionen aller Zeiten auf Platz zwei 40 , was auf das Potential, das Disney Märchenstoffen zurechnet, schließen lässt. Doch trotz des Erfolgs wurde die seit mehreren Jahren in Vorbereitung befindliche Verfilmung Snow White and the Seven Dwarfs 41 auf unbestimmte Zeit verschoben - nach offiziellen Angaben, weil die Akzeptanz von Prinzessinnen-Filmen vorerst ausgereizt sei. 42 Die erfolgreiche Filmreihe um den computeranimierten Oger Shrek stammt von Disneys Konkurrenzfirma DreamWorks und persifliert neben den traditionellen Disney-Märchen auch aktuelle Kino-Filme. Abgesehen von der Prinzessin kommen hier eine ganze Reihe weiterer Figuren aus dem Grimmschen Universum vor. Der Umgang mit den KHM ist jedoch sehr frei und oft verhalten sich Figuren exakt entgegengesetzt ihrer Vorlage. Auf der Basis des Gestiefelten Katers 43 , der im Film große Ähnlichkeiten mit dem Helden Zorro aufweist, erscheint 2011 ein eigenständiger Film: Puss in Boots: Story of an Ogre Killer 44 , 45 . Ein weiterer computeranimierter Film aus dem Jahr 2005, der ironisch mit den Geschichten der Brüder Grimm umgeht, heißt Die Rotkäppchen-Verschwörung 46 . Angelehnt an die Geschichte von Rotkäppchen 47 geht es hier darum, ein Verbrechen aufzudecken. Wie bei Shrek werden neben den Märchen auch eine Reihe von Filmen bzw. Persönlichkeiten aus Film und Fernsehen persifliert.
Doch nicht nur animierte und gezeichnete Filme bedienen sich der KHM: Der erfolgreichste deutsche Film des Jahres 2004, 7 Zwerge - Männer allein im Wald 48 und dessen Fortsetzung 7 Zwerge - Der Wald ist nicht genug 49 basieren lose auf dem Grimmschen Märchen Schneewittchen 50 . Es handelt sich hierbei um Komödien, in denen satirisch mit der Vorlage umgegangen wird. Die Fernseh-Produktion Die
39 http://herocomplex.latimes.com/2010/03/10/disneys-rapunzel-gets-a-makeover/, Zugriff 01.03.11.
40 http://www.time.com/time/arts/article/0,8599,2033363,00.html, Zugriff 03.03.11.
41 http://articles.latimes.com/2010/nov/21/entertainment/la-et-1121-tangled-20101121, Zugriff 03.03.11.
42 http://herocomplex.latimes.com/2010/03/10/disneys-rapunzel-gets-a-makeover/, Zugriff 01.03.11.
43 KHM 33a.
44 Puss in Boots: Story of an Ogre Killer, Chris Miller, USA 2011. 45 http://www.mirror.co.uk/celebs/latest/2010/04/19/banderas-confirms-puss-spin-off-115875-22196297/, Zugriff 03.03.11.
46 Hoodwinked!, Cory Edwards, Todd Edwards, Tony Leech, USA 2005.
47 KHM 26.
48 7 Zwerge - Männer allein im Wald, Sven Unterwaldt, Deutschland 2004.
49 7 Zwerge - Der Wald ist nicht genug, Sven Unterwaldt, Deutschland 2006.
50 KHM 53.
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Märchenstunde 51 bedient sich ebenfalls sehr frei der KHM und verknüpft einzelne Charaktere in humoristischer Weise mit dem Image bzw. der Mundart der Darsteller, die sie verkörpern. Die Reihe erzielte enorme Zuschauererfolge 52 und zählt mittlerweile bereits vier Staffeln. Auch staatliche Sender gaben jüngst Märchenproduktionen in Auftrag. 2008 wurde zu Weihnachten die erste Auflage der ARD-Reihe auf einen Streich ausgestrahlt: Sechs auf einen Streich 53 . Im Unterschied zu den meisten anderen zeitgenössischen Produktionen entschied man sich hier jedoch gegen eine satirische Behandlung des Vorlagestoffs und inszenierte ausgewählte Märchen der Grimmschen Sammlung weitgehend originalgetreu und historisch. In den Jahren 2009 und 2010 folgten dann acht weitere Märchen: Acht auf einen Streich 54 . Auch das ZDF setzte auf die authentische Inszenierung der KHM und verfilmte in den Jahren 2005 bis 2011 unter dem Titel Märchenperlen 55 jedes Jahr ein anderes Märchen der Brüder Grimm, ohne sich dabei mit der ARD zu überschneiden. Dies soll bis voraussichtlich 2015 fortgeführt werden. 56
Ein US-amerikanisches Beispiel für eine weitgehend originalgetreue Verfilmung eines KHMs ist die 2001 entstandene Produktion Snow White: The Fairest of Them All 57 auf Basis von Schneewittchen 58 , die sich jedoch weder kommerziell noch bei Kritikern durchsetzen konnte. 59 Vielversprechender ist der für 2012 geplante Titel Snow White and the Huntsman 60 , für den bisher unter anderem Julia Roberts und Viggo Mortensen zugesagt haben. Der Film soll in seiner Stimmung erheblich dunkler sein, als die Disney Adaptionen. 61 Unter dem Titel Red Riding Hood 62 kommt außerdem 2011 eine groß angelegte, von Leonardo DiCaprio produzierte Horrorfassung der Rotkäppchen-Geschichte in die Kinos, obwohl bereits 2003 unter demselben Titel ein italienisch-US-
51 DieMärchenstunde, Tommy Krappweis, Erik Haffner, Norman Cöster, Deutschland, Österreich, Tschechien seit 2006.
52 http://www.dwdl.de/zahlenzentrale/8039/mrchenstunde_verabschiedet_sich_ mit_topquoten/, Zugriff 28.02.11.
53 Sechs auf einen Streich, ARD, Ulrich König, Sibylle Tafel, u.A., Deutschland, 2008.
54 Acht auf einen Streich, ARD, Thomas Freundner, Bodo Fürneisen, u.A., Deutschland 2009.
55 Märchenperlen, ZDF, Arend Agthe, Anne Wild, u.A., Deutschland seit 2005.
56 http://www.bankkaufmann.com/a-145106-Weltpremiere-von-Dornroeschen-auf-dem-Muenchner-Filmfest---ZDF-tivi-setzt-erfolgreiche-Maerchenreihe-fort.html, Zugriff 03.03.11.
57 Snow White: The Fairest of Them All, Caroline Thompson, Kanada, USA, 2001.
58 KHM 53.
59 http://www.rottentomatoes.com/m/10003510-snow_white/, Zugriff 03.03.11.
60 Snow White and the Huntsman, USA 2012.
61 http://moviesblog.mtv.com/2011/02/03/julia-roberts-brothers-grimm-snow-white/, Zugriff 04.03.11.
62 Red Riding Hood, Catherine Hardwicke, USA 2011.
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amerikanischer Film veröffentlicht wurde 63 , der klassische Horrorelemente mit diesem Märchen verband. Dass sich die KHM durchaus für dieses Genre eignen, zeigt ein weiteres Märchen, das im Stil eines Gruselfilms gedreht wurde: In dem südkoreanischen Film Hänsel und Gretel 64 bewohnen die niemals alternden Kinder Hänsel und Gretel nach dem Tod der Hexe deren Haus. Auf einer ähnlichen Idee basiert auch der Film Hansel and Gretel: Witch Hunters 65 unter der Regie von Tommy Wirkola, der gerade in Babelsberg realisiert wird. 66 Die beiden Helden sind hier bereits erwachsen und verdienen ihr Geld als Hexenjäger. Denselben Beruf haben auch die Brüder Grimm in Terry Gilliams Film Brothers Grimm 67 . Die Autoren der KHM werden dort unerwartet mit echter Magie konfrontiert.
Diese Auflistung von Filmen, in denen Figuren des Grimmschen Universums vorkommen, ist natürlich nur ein Bruchteil dessen, was sich seit den Stummfilmen im beginnenden 20. Jahrhundert an Märchenadaptionen angesammelt hat. Die Beschränkung auf Spiel- und Animationsfilme der letzten zehn Jahre lässt die großen Disney-Klassiker genauso außer Acht, wie die Produktionen Tschechiens und der DDR, die sich auch heute noch größter Beliebtheit im Fernsehen erfreuen 68 . Auch eine Reihe von Fernsehserien, in denen Märchenfiguren regelmäßig auftauchen, wurden übergangen. Doch auch wenn der Focus auf einen so kleinen Bereich der Filmgeschichte gerichtet ist, ist der Einfluss der traditionellen Figuren aus den KHM deutlich erkennbar. Nicht nur in werktreuen Märchenfilmen sondern in Produktionen beinahe jeden Genres, jeder Nationalität und jeder Budgetkategorie tauchen Figuren aus dem Grimmschen Universum auf. In naher Zukunft wird sich an dieser umfassenden Präsenz auch nichts ändern.
63 Red Riding Hood, Giacomo Cimini, Italien 2003. , Yim Pil-Sung, Südkorea 2007. 64
65 http://www.imdb.com/title/tt1428538/, Zugriff 03.03.11.
66 http://uk.reuters.com/article/2011/02/09/uk-famkejanssen-idUKTRE7180A420110209, Zugriff 04.03.11.
67 http://www.imdb.com/title/tt0355295/, Zugriff 03.03.11.
68 Arbeiten mit DEFA-Kinderfilmen: Märchen, S.15.
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3. Die Figur der Prinzessin in aktuellen Film- und Fernsehproduktionen
3.1. Die Prinzessin am Beispiel von Sechs auf einen Streich: Der Froschkönig 69
In der 2008 von der ARD in Auftrag gegebenen, sechzigminütigen Fernsehversion des Froschkönigmärchens, das in den KHM an erster Stelle steht, geht es um eine sich auf der Schwelle der Adoleszenz befindenden Prinzessin, die ihre goldene Kugel verliert. In Divergenz zur Vorlage sind im Film zusätzliche Ebenen suppliert, die den Druck auf die Protagonistin erhöhen: Die Kugel stellt ein Geschenk der verstorbenen Mutter dar, das ihr am Tag ihres 18. Geburtstags bei einer wichtigen Entscheidung helfen soll - auf Geheiß ihres Vaters verlobt sie sich mit einem der Gäste, einem jungen Prinzen. Das Versprechen an den Frosch wird also nicht nur in kindlichem Unbedacht, sondern unter dem Entscheidungsdruck einer Beinahe-Erwachsenen gegeben.
Wie in der Version der Brüder Grimm wird die Prinzessin rein und unschuldig dargestellt und einzig der Ekel vor einem glitschigen Tier veranlasst sie, dem Amphib den Zugang zum Bett zu verwehren. Die sexuelle Konnotation, die eine Reihe von Psychologen und Psychoanalytikern zu einer Deutung veranlasst hat, wird im Film gänzlich außer Acht gelassen. Dafür kommt eine weitere Aufgabe hinzu: Das Mädchen, das den Frosch nach seiner Verwandlung zum Prinzen annimmt und heiraten will, muss zuvor noch ihre Verlobung mit dem anderen Edelmann auflösen 70 . Der Wandel von der passiven Königstochter, die durch den Wurf des Frosches gegen die Wand in die Aktive übertritt und damit erstmals eine selbstständige Entscheidung trifft, wird im Film somit noch wesentlich erweitert.
Der Froschkönig ist also mit kleinen Unterschieden relativ nahe an der Vorlage der Brüder Grimm inszeniert und liefert dabei ein idealisiertes, naives Bild einer Prinzessin, die an der Schwelle der Adoleszenz steht und erstmals gezwungen ist, eigene Entscheidungen zu treffen. Dieser Aspekt wird sehr viel stärker betont, als in der Vorlage der Brüder Grimm.
69 Sechs auf einen Streich: Der Froschkönig, Franziska Buch, Deutschland 2008.
70 Ebd. 00:47:21.
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3.2. Die Prinzessin am Beispiel von Küss den Frosch 71
In Disneys Verfilmung Küss den Frosch werden die Leitmotive des Froschkönigs wieder aufgegriffen, dabei jedoch in einen völlig anderen Kontext gesetzt.
Die Prinzessin aus der Geschichte ist keineswegs adelig, sondern heißt Tiana, ist afroamerikanischer Abstammung und lebt zu Beginn des 20. Jahrhunderts in New Orleans. Die junge Frau arbeitet hart, um sich ihren Traum vom eigenen Restaurant zu erfüllen. So unterscheidet sie sich nicht nur von dem lebenslustigen, aber armen Prinzen, sondern auch von ihrer besten Freundin, der reichen und verwöhnten Blondine, die äußerlich viel eher als Tiana dem etablierten Bild der Prinzessin entspricht. Doch Disney hat anders entschieden: Nicht die vermeintlich „echte“ Prinzessin soll den Prinzen bekommen, sondern das fleißige Mädchen. Dieser evidente Unterschied zum Froschkönig ist einem anderen Märchen entnommen, das von Disney bereits 1950 erfolgreich verfilmt wurde 72 - Aschenputtel 73 . Diese ähnelt wiederum in der charakterlichen Darstellung Schneewittchen in der Verfilmung von 1937 74 , dem ersten abendfüllenden Zeichentrick Film Disneys, der bis heute Platz 10 der erfolgreichsten Filme aller Zeiten belegt. 75 Auch in den Filmen Dornröschen 76 , Arielle - die Meerjungfrau 77 , Die Schöne und das Biest 78 und Aladdin 79 , die zu den erfolgreichsten Zeichentrickfilmen überhaupt gehören, spielen Prinzessinnen von lieblicher, aber passiver Natur eine wichtige Rolle. Disney setzt also auf ein bewährtes Modell. Dass sich die Figuren in Charakter und Handlungsweisen untereinander stark ähneln ist insofern relevant, dass diese spezifischen Eigenschaften in den KHM gar nicht näher definiert sind.
Mit der Prinzessin hat Disney also eine Figur geschaffen, die sich im Laufe der Jahre zum Erfolgsgaranten entwickelte. Eine Prinzessin heute in einem Animationsfilm darzustellen, ist kaum möglich, ohne Bezug zum Modell Disney zu nehmen.
71 The Princess and the Frog, John Musker, Ron Clements, USA 2009.
72 Cinderella, Clyde Geronimi, Wilfred Jackson, Hamilton Luske, USA 1950.
73 KHM 21.
74 Snow White and the Seven Dwarfs, David D. Hand, USA 1937.
75 http://boxofficemojo.com/alltime/adjusted.htm, Zugriff 03.03.11.
76 Sleeping Beauty, Clyde Geronimi, Les Clark, Eric Larson, Wolfgang Reitherman, USA 1959.
77 The Little Mermaid, John Musker, Ron Clements, USA 1989.
78 Beauty and the Beast, Gary Trousdale, Kirk Wise, USA 1991.
79 Aladdin, John Musker, Ron Clements, USA 1992.
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3.3. Die Prinzessin am Beispiel von Shrek - Der tollkühne Held
Drei Jahre nach dem Erfolg des ersten computeranimierten Pixar-Films Toy Story 80 , kreierte DreamWorks mit Antz 81 ein Konkurrenzprodukt und erhöhte den Druck auf den damaligen Zeichentrick-Monopolisten Disney 2001 mit dem bis dahin aufwändigsten Animationsfilm überhaupt: Shrek - Der tollkühne Held 82 .
Basis für das Abenteuer um den Oger Shrek ist eine Welt, die gleichermaßen von Menschen wie von Märchenkreaturen bevölkert wird. Letztere weisen beinahe ausnahmslos visuelle Parallelen zu bekannten Disneyfilmen auf. Dass der Produzent Jeffrey Katzenberg 83 Disney kurz zuvor im Streit verlassen hatte, spielte dabei nach Ansicht vieler Kritiker eine gewisse Rolle. 84 Wie zuvor schon bei Küss den Frosch 85 wird zu Beginn des Films aus einem Märchenbuch vorgelesen, in dem die Vorgeschichte der Heldin dargestellt wird. 86 Dass der Protagonist Shrek die letzte Seite des Buchs jedoch als Toilettenpapier benutzt, zeigt, wie ironisch der Film mit dem Thema umgeht. In einer sehr markanten Szene werden vom magischen Spiegel 87 im Stil einer Fernsehshow „today’s eligible bachelorettes“ 88 vorgestellt, respektive Cinderella 89 , Schneewittchen 90 und die bisher unbekannte Königstochter Prinzessin Fiona. Diese ist bei ihrem ersten Auftauchen im Film noch bemüht, ihre Rolle als beschützenswerte Prinzessin zu erfüllen und hofft auf eine Erlösung von dem Fluch, der sie jede Nacht aufs Neue in eine Ogerfrau verwandelt. Während des Rückwegs wird jedoch sehr schnell klar, dass mehr in der zierlichen Rothaarigen steckt, als der äußere Anschein vermuten lässt. Nach einem kurzen „Rülpswettbewerb“ zwischen ihr und Shrek 91 nimmt sie es mit einer ganzen Bande von Dieben auf und beweist so eine Stärke, die sich nur schwer mit ihrem Aussehen vereinbaren lässt. Shrek selbst sieht sein Problem darin, dass ihn die Menschen falsch
80 Toy Story, John Lasseter, Andrew Stanton, USA 1995.
81 Antz, Eric Darnell, Tim Johnson, USA 1998.
82 Shrek, Andrew Adamson, Vicky Jenson, USA 2001.
83 http://www.imdb.com/name/nm0005076/, Zugriff 28.02.11.
84 http://www.suite101.com/content/katzenberg-vs-disney-a55409, Zugriff 02.03.11.
85 The Princess and the Frog, John Musker, Ron Clements, USA 2009.
86 Shrek, USA 2001, 00:00:36 - 00:01:22.
87 Vgl. „Spieglein an der Wand“ in Schneewittchen, KHM 53.
88 Shrek, USA 2001, 00:17:45.
89 KHM 21.
90 KHM 53.
91 Shrek, USA 2001, 00:48:50.
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einschätzen. 92 Dasselbe trifft auch auf die Prinzessin zu. Unbeschwert wandert sie in einer anderen Szene durch die Natur und singt im Duett mit einem Vogel 93 - eine direkte Bezugnahme auf Klassiker wie Cinderella 94 und Schneewittchen und die sieben Zwerge 95 , in denen die weiblichen Helden Lieder zusammen mit Tieren ihrer Umgebung singen. Bei Shrek kreischt die Prinzessin allerdings zuletzt so hoch, dass der Vogel platzt. Die zurückgebliebenen Eier brät sie kurzerhand auf einem Stein. Der Einklang mit der Natur, der bei Disney glorifiziert wird, weicht bei Shrek also einem makaberen, aber pointiertem Humor, die Singfreude der Prinzessin einer auf den ersten Blick vielleicht grausamen aber realitätsnahen Praxis. Wie bereits dargestellt, ist ihr Problem einerseits, dass etwas anderes in ihr steckt, als ihr Äußeres vermuten lässt, andererseits, dass sie dieses zweite Ich nur schwer akzeptieren kann: „Im a princess! And this is not how a princess is meant to look!“ 96 , beklagt sie sich über sie über ihre Ogergestalt und beginnt aber gleichwohl zu merken, dass diese vielleicht doch besser zu ihr passt, als ihr lieb ist.
Letztlich kulminiert der Film mit der endgültigen Verwandlung Fionas in eine Ogerin. Was bleibt ist die Erkenntnis, dass jeder irgendwann akzeptieren muss, wer und was er ist und dass dies keineswegs den Vorstellungen der Masse entsprechen muss. Nicht jedes Mädchen kann eine Prinzessin sein, wie sie in den Disney-Filmen postuliert wird.
3.4. Die Prinzessin am Beispiel von Verwünscht 97
Bei dem Märchenfilm Verwünscht handelt es sich um eine Melange aus Real- und Zeichentrickfilm, die ihre Premiere zwischen dem dritten und dem letzten Teil der Shrek- Reihefeierte.
Dabei zelebriert der Film den Disney-Kitsch, den er zunächst persifliert, freilich auf Dauer selbst und
überzuckert den Erdenalltag mit einer recht großen Portion Naivität. 98
Dies lässt darauf schließen, dass Disney nach einer Antwort auf den Erfolg der
92 Shrek, USA 2001, 00:45:42.
93 Ebd. 00:47:24 - 00:48:04.
94 Cinderella, Clyde Geronimi, Wilfred Jackson, Hamilton Luske, USA 1950.
95 Snow White and the Seven Dwarfs, David D. Hand, USA 1937.
96 Shrek, USA 2001, 01:00:50.
97 Enchanted, Kevin Lima, USA 2007.
98 Koll, Messias: Lexikon des Internationalen Films - Filmjahr 2007, S. 32.
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Konkurrenz-Filmreihe um den Oger gesucht und nach Meinung der meisten Kritiker auch gefunden hat. 99 Im Gegensatz zu DreamWorks geht Disney jedoch sehr viel feinfühliger mit seiner Vergangenheit um und selten tauchen wirkliche makabere Witze auf. Ein Beispiel wäre der Oger, der versucht, die Heldin des Films zu erschlagen: „His loincloth is patched together with remnants of dresses worn by Snow White, Belle, Sleeping and Cinderella, and he's wearing earrings made of Ariel's shells from The Little Mermaid.“ 100 , berichtet der Regisseur von Verwünscht, Kevin Lima. Ihm zu Folge ist der Hauptcharakter der Geschichte, Giselle, auch ein Mix aus ebenjenen Figuren 101 , die sich im Verhalten ausnahmslos durch eine besonders große Naivität und Realitätsferne auszeichnen. Probleme verursacht dies jedoch erst, als Giselle in die wirkliche Welt eintaucht und die Gesetze, an die sie gewohnt ist, zumindest teilweise außer Kraft gesetzt sind. Ist sie zu Beginn des Films als Zeichentrick-Figur noch ein leuchtendes Beispiel für Lüthis Märchen-Charakteristikum der Eindimensionalität, entwickelt sie im Verlauf der Geschichte plötzlich Wünsche und Emotionen, die nicht in der Geschichte ihrer Rettung durch Prinz Edward, sondern einzig in ihrer eigenen Person begründet sind. „I was thinking.“, antwortet sie dem Edelmann, der im letzten Drittel des Films verwirrt bemerkt, dass sie nicht in sein Duett einsteigt 102 und demonstriert damit, dass die Flächenhaftigkeit ihrer Welt und die Bereitschaft, die Konventionen des Disney-Märchens zu erfüllen, endgültig verloren gegangen sind. Dem vorausgegangen war die Entdeckung einer für sie neuen Emotion: Zum ersten Mal in ihrem Leben war sie wütend 103 . Die Vollendung dieser Metamorphose liegt in der Entscheidung, für ihre wahre Liebe zu kämpfen und so steigt sie nicht für Edward, sondern für den aus der realen Welt stammenden Robert auf einen Turm und besiegt den bösen Drachen.
Giselle, die sich zu Beginn des Films perfekt in die Ahnenreihe der Disney-Prinzessinnen einfügt, entwickelt sich also nach und nach zu einer selbstbestimmten Persönlichkeit und erfüllt damit den Anspruch, den die moderne Welt an eine Heldin stellt.
99 http://www.rottentomatoes.com/m/enchanted/, Zugriff 02.03.11.
100 http://www.usatoday.com/printedition/life/20071123/wk_enchantedreferences23_sid.art.htm, Zugriff 04.03.11.
101 http://www.mtv.com/news/articles/1574092/enchanted-disney-spoofs-can-spot-them.jhtml, Zugriff 04.03.11.
102 Enchanted, Kevin Lima, USA 2007, 01:07:10.
103 Ebd. 01:03:09.
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4. Die Emanzipation der Prinzessinnen-Figur
Mit der Adaption Grimmscher Märchen für das Kino ist ein signifikanter Schritt vollzogen worden. Lüthis Kriterien, insbesondere die Eindimensionalität der Figuren und die mangelnde Beschreibung der Umwelt, genügten dem neuen Medium nicht, was die Erzählweise maßgeblich veränderte. Die Lücken, die bei einer mündlichen Erzählung oder schriftlichen Überlieferung schnell übergangen und durch die Fantasie des Zuhörers bzw. Lesers gefüllt werden konnten, boten Raum für vielfältige Interpretationen - sowohl in Hinblick auf die visuelle Gestaltung, als auch was die Ausführung der einzelnen Charaktere anbetrifft. Auch wenn schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts verschiedene Märchenadaptionen ihr Publikum fanden, ist der prägnanteste Schritt in dieser Hinsicht wohl der Erfolg von Schneewittchen und die Sieben Zwerge 104 . Seit dieser Zeit hat sich unter maßgeblicher Einflussnahme von Disney eine Entwicklung im Umgang mit Figuren der KHM vollzogen, deren letzter Schritt in dieser Thesis dargestellt wird. Besonders am Beispiel der Prinzessin lässt sich erkennen, dass populäre Identifikationsfiguren immer auch ein Spiegel einer Gesellschaft und ihrer Themen sind und dass diese sich im Laufe der Zeit ändern.
So nah das Märchen Froschkönig am Original inszeniert wurde, so präsent ist dabei jedoch das in den KHM nicht angesprochene Problem des Erwachsenwerdens und der damit verbundenen Verantwortung - ein Thema, das auch in der heutigen Zeit durchaus präsent und relevant ist, während es bei den Brüdern Grimm eine eher untergeordnete Rolle spielte. Die Heldin aus Küss den Frosch muss hingegen dazu bewegt werden, bei ihrem Fleiß und der Verantwortung, die sie trägt, nicht zu vergessen, ihr Leben zu genießen und unterscheidet sich damit wesentlich von erzieherischen Interpretationen der KHM. Ihre zielstrebige Handlungsweise steht kaum mehr in der Prinzessinnen-Tradition der Grimmschen Märchen, sondern ist die Konsequenz einer Reihe von Disney-Filmen, in denen selbstbestimmte, tatkräftige Frauen dominieren. 105 Prinzessin Fiona, die Heldin aus der DreamWorks Tetralogie um den Oger Shrek, scheint auf den ersten Blick wie eine seichte Satire auf die frühen Disney-Märchenadaptionen. Bei näherer Betrachtung fällt jedoch auf, dass die Kritik an den bekannten Heldinnen sehr viel tiefgründiger ist.
104 Snow White and the Seven Dwarfs, David D. Hand, USA 1937.
105 Vgl. Mulan, Tony Bancroft, Barry Cook, USA 1998 und Pocahontas, Mike Gabriel, Eric Goldberg, USA 1995.
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Nicht das Aussehen oder die Nachahmung der etablierten Vorbilder verhelfen zum Glück, sondern einzig die Akzeptanz der eigenen Person mit all ihren Vor- und Nachteilen. Der Beschwerliche Weg zur Selbstfindung ist in keiner Geschichte der KHM thematisiert. Giselle schließlich ist eine Heldin, die zu Beginn der Geschichte visuell wie charakterlich noch in den überholten Disney-Filmen feststeckt, im Verlauf des Films jedoch ihr wahres Ich, bzw. ihre wahren Wünsche entdeckt und sich nicht mehr mit einem einfachen „happily ever after“ begnügen will. Ihr Weg zeigt dabei, wie wichtig es ist, seine eigenen, unabhängigen Entscheidungen zu treffen.
Auch wenn neben unzähligen Referenzen zu Grimmschen Märchen auch die Figuren der Tiana, Fiona und Giselle in den KHM begründet liegen, hat die Art und Weise ihrer Darstellung nur noch wenig damit zu tun. Die Prinzessinnen in den bekanntesten Märchen Schneewittchen, Dornröschen und Aschenputtel sind allesamt passiver Natur und ohne nennenswerte eigene Entscheidungen zu treffen, akzeptieren sie ihr Schicksal. Es ist nicht der Wille der Protagonistinnen sondern der jeweilige äußere Umstand, der ihr Schicksal determiniert. Prinzessinnen oder Mädchen, die es zum Ende des Märchens werden, sind in der überwiegenden Mehrzahl der ursprünglichen Geschichten kaum mehr als „Belohnungen“ für die Taten des Helden oder Projektionsfiguren für die Wünsche des Lesers oder vielmehr der Leserin, die Anteil an ihrem verdienten aber keineswegs erkämpften Glück nehmen kann. Anstatt also Bezug auf die ursprünglichen Märchen zu nehmen, beziehen sich die Filme der letzten zehn Jahre fast ausschließlich auf andere (Zeichentrick-)filme, die seit Mitte des 20. Jahrhunderts erschienen sind. Eine Tendenz zu emanzipierten und unabhängigen Frauen ist deutlich erkennbar. Die Figur der Prinzessin, wie sie von den Brüdern Grimm in den KHM beschrieben und verwendet wurde, hat sich letztlich also von ihrem eigentlichen Ursprung abgekoppelt und verselbstständigt.
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5. Quellenverzeichnis
5.1. Bibliographie
Allensbacher Archiv, IfD-Umfrage 3620, April/Mai 2003. Anzahl der Befragten: 1013, Repräsentanz: Gesamtdeutschland, Bevölkerung ab 16 Jahre, Zeitraum der Befragung: 25. April bis 7. Mai 2003.
Ders., IfD-Umfrage 7042, April/Mai 2003. Anzahl der Befragten: 1013, Repräsentanz: Gesamtdeutschland, Bevölkerung ab 16 Jahre, Zeitraum der Befragung: 25. April bis 7. Mai 2003.
Grimm, Jakob/Grimm, Wilhelm. Kinder und Hausmärchen. Zürich: Interbrooks 1984 1 . (= Märchen europäischer Völker, Deutsche Volksmärchen).
Koll, Horst Peter/Messias, Hans. Lexikon des Internationalen Films: Filmjahr 2007. Marburg: Schüren Verlag 2008. (= Lexikon des Internationalen Film).
König, Ingelore/Wiedemann, Dieter/Wolf, Lothar (Hg.). Märchen: Arbeiten mit DEFA-Kinderfilmen. München: KoPäd Verlag 1998 1 (= Arbeiten mit DEFA-Kinderfilmen).
Lüthi, Max. Märchen. Stuttgart/Weimar: Verlag J.B. Metzler 2004 10 . (= Sammlung Metzler, Band 16).
Schmitt, Christoph. Adaptionen klassischer Märchen im Kinder- und Familienfernsehen: Eine volkskundlich-filmwissenschaftliche Dokumentation und genrespezifische Analyse der in den achtziger Jahren von den westdeutschen Fernsehanstalten gesendeten Märchenadaptionen mit einer Statistik aller Ausstrahlungen seit 1954. Frankfurt/Main: HAAG + HERCHEN 1993 1 . (= Studien zur Kinder- und Jugendmedien-Forschung, Band 12).
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5.2. Filmographie
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7 Zwerge - Männer allein im Wald, Sven Unterwaldt, Deutschland 2004.
Acht auf einen Streich, ARD, Thomas Freundner, Bodo Fürneisen, Deutschland 2009.
Aladdin, John Musker, Ron Clements, USA 1992.
Antz, Eric Darnell, Tim Johnson, USA 1998.
Beauty and the Beast, Gary Trousdale, Kirk Wise, USA 1991.
Cinderella, Clyde Geronimi, Wilfred Jackson, Hamilton Luske, USA 1950.
Die Märchenstunde, Tommy Krappweis, Erik Haffner, Norman Cöster, Deutschland, Österreich, Tschechien seit 2006.
Enchanted, Kevin Lima, USA 2007.
Hoodwinked!, Cory Edwards, Todd Edwards, Tony Leech, USA 2005.
Märchenperlen, ZDF, Arend Agthe, Anne Wild, u.A., Deutschland seit 2005.
Mulan, Tony Bancroft, Barry Cook, USA 1998
Pocahontas, Mike Gabriel, Eric Goldberg, USA 1995.
Puss in Boots: Story of an Ogre Killer, Chris Miller, USA 2011.
Red Riding Hood, Catherine Hardwicke, USA 2011.
Red Riding Hood, Giacomo Cimini, Italien 2003.
Sechs auf einen Streich, ARD, Ulrich König, Sibylle Tafel, u.A., Deutschland, 2008.
Shrek, Andrew Adamson, Vicky Jenson, USA 2001.
Sleeping Beauty, Clyde Geronimi, Les Clark, Eric Larson, USA 1959.
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Snow White and the Huntsman, USA 2012.
Snow White and the Seven Dwarfs, David D. Hand, USA 1937.
Snow White: The Fairest of Them All, Caroline Thompson, Kanada, USA, 2001.
Tangled, Nathan Greno, Byron Howard, USA 2010.
The Little Mermaid, John Musker, Ron Clements, USA 1989.
The Princess and the Frog, John Musker, Ron Clements, USA 2009.
Toy Story, John Lasseter, Andrew Stanton, USA 1995.
, Yim Pil-Sung, Südkorea 2007.
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Wigler, Josh. „Julia Roberts Negotiates For Evil Queen Role in ‚The Brothers Grimm: Snow White’.“ In: MTV News 03.02.2011,
http://moviesblog.mtv.com/2011/02/03/julia-roberts-brothers-grimm-snow-white/, Zugriff 04.03.11.
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Tobias Huber, 2011, Die Prinzessin des 21. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag GmbH
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