Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Public Schools und gentleman-sports 3
2.1 Public School - Begriffsbestimmung 3
2.2 Gründung der Public Schools 4
2.3 Transformation der Public Schools 4
2.4 Die Anfänge des Sports in England 6
3. Public School Sport und Erziehung 8
3.1 Public School Games 8
3.2 Die headmasters - Feinde des Sports 10
3.3 Die Reformen des Thomas Arnold 12
4. Schlussteil 15
5. Bibliographie 17
1. Einleitung
Ziel der vorliegenden Arbeit soll es sein einen Einblick in die Entstehung und geschichtliche Entwicklung des englischen Public-School-Wesens zu geben. Dies geschieht mit dem Hauptaugenmerk auf den Sport, der schon früh an englischen Privatschulen in vielfältiger Form und Ausprägung vertreten war, sich dort weiterentwickelt hat, und maßgeblich im Bereich der schulischen Institution und weit darüber hinaus Berücksichtigung fand.
Zunächst soll auf die Anfänge, welche ausgehend mit Gründung der Public School in Winchester 1382 durch William of Wykeham mehrere Schulgründungen nach sich zogen, bezug genommen werden. Es soll dabei erläutert werden von wem die Schulen geleitet wurden, welche Klientel sie ansprachen, d.h. die Frage welcher Klassen die Jungen die jene Schulen besuchten entstammten, und wie und zu welchem Zweck dort Sport getrieben wurde. Da wir uns auf einen relativ langen Untersuchungszeitraum stützen, der über mehrere Jahre geht muss von einem Wandel, ausgelöst durch sich verändernde politische und gesellschaftliche Gegebenheiten, ausgegangen werden.
Der Sport wurde in vielerlei Hinsicht für bestimmte Zwecke instrumentalisiert. Die Erziehungsziele des Thomas Arnold, Rektor an der Public School in Rugby von 1827-1839, wurden unter Einbezug des Instruments games and sports verwirklicht. Arnold war unter anderem für die Abschaffung des grausamen sogenannten prefectfagging system (Synonyme: fagging system; prefectorial system, K.M.). Es bezeichnete ein unter den Public School Schülern vorherrschendes, strikt hierarchisches Machtgefüge. In Anlehnung an dieses traditionell anerkannte System gaben sich die älteren und somit zumeist auch stärkeren Schüler das Recht die jüngeren, schwächeren Schüler zu Untertanen zu machen und von ihnen Dienstleistungen einzufordern.
They [the boys, K.M.] ... insisted on the fagging system in which small
boys served an apprenticeship as slaves to bigger ones. 1 Dies alles geschah unter Einbezug von körperlicher Gewalt und Härte. Gewalt dominierte den Schulalltag und war lange Zeit vor Arnold, dessen Reformen schließlich eine maßgebende Veränderung brachten, eine anerkannte Disziplinarmaßnahme unter Schülern, Lehrern und den Direktoren, den sogenannten headmasters. Unter diesem Hintergrund ist es interessant sich einmal dem
1 Birley, Derek: Sport and the making of Britain, p. 187.
Machtgefüge zwischen Lehrkörper und Schülern, wie es sich an den Public Schools darstellte, zu widmen.
Dass das Verhältnis der Schuloberen und den Schuljungen nicht frei von Spannungen war, liegt auf der Hand. Was unter anderem zu Feindschaften führte war die strikte Ablehnung und Inakzeptanz seitens der headmasters gegenüber den Spielen, die den Wert dieser entweder nicht anerkennen wollten oder sie als leidiges Ärgernis betrachteten. Wenn Dr. Samuel Butler, headmaster von Shrewsbury von 1798-1836 sagt, football sei „only fit for butcher boys“ 2 und „more fit for farm boys and labourers than for young gentlemen“ 3 , so repräsentiert es diese, wenngleich auch wenig später von den meisten headmasters revidierte, feindliche Gesinnung ihrer den Spielen gegenüber. Ironischerweise war es bereits Butler´s direkter Nachfolger als headmaster, Dr. Kennedy, der 1841 in einem Brief den Jungen für ihr unschuldiges Amüsement und sportliche Übungen in ihrer Freizeit ein überaus positives Zeugnis bescheinigt. 4
2 McIntosh, Peter C.: Physical Education in England since 1800, p. 25.
3 Holt, Richard: Sport and the British. A Modern History, p. 75.
4 vgl. McIntosh, Peter C.: op. cit., p. 29.
2. Public Schools und gentleman-sports
2.1 Public School - Begriffsbestimmung
Seit dem ersten überlieferten Gebrauch des Begriffs „Public School“ vom Jahre 1180 an herrschte Uneinigkeit über dessen Definition. Trotz mehrerer Versuche genau und unmissverständlich einzugrenzen, ob und wann eine Schule die Voraussetzungen erfüllt um sich Public School zu nennen, blieben Unsicherheiten bestehen. Vor allem mit dem Ende des 18. und dem beginnenden 19. Jh., als die Engländer ihren Schulen immer mehr Wert beimaßen und sie als ihrer Person zugehörig betrachteten, war man bestrebt durch eine einheitliche Definition auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. 5 Derlei Bestrebungen lesen sich, wie hier von Sydney Smith der im Edinburgh Review 1810 schreibt, wie folgt: ...by a public school we mean an endowed place of education of old standing to which the sons of gentlemen resort in considerable number and where they continue to reside from eight or nine to eighteen years of age. 6
Trotz das solche Art von Definition wie oben beschrieben allgemein akzeptiert wurde, blieben Unsicherheiten zwecks Verwendung des Begriffs bestehen. Als die Clarendon Commission 1861 ins Leben gerufen wurde um das Management von Public Schools zu überwachen, beschränkte man sich auf neun Schulen. Zu diesen gehörten: Eton, Winchester, Westminster, Charterhouse, St. Paul´s, Merchant Taylors´, Harrow, Rugby und Shrewsbury. 7 Warum nun diese neun als Public Schools gelten sollten, dafür aber andere Schulen unberücksichtigt blieben und in dem Sinne keine Public Schools waren, das blieb ein umstrittenes Thema. Es geschah nicht vor 1942, dass Klarheit über dieses Problem geschaffen wurde: The President of the Board of Education then ruled that membership of the Headmasters’ Conference or of the Governing Bodies’ Association entitled a school to call itself a Public School. 8
Bezeichnenderweise wurde das Problem also über Ausschüsse, welche die Aufgaben hatten die Schulen auf Erfüllung bestimmter Normen hin zu prüfen, gelöst. Der Terminus public ist nicht dergestalt aufzufassen, dass die Schulen einer gewissen klassenübergreifenden Klientel offen standen. Folgendes Zitat verdeutlicht dies:
These schools were not state ventures aimed at widening access but private boarding schools for the sons of the wellto-do. They were public only in the sense that their headmasters,
5 vgl. McIntosh, Peter C., op. cit., pp. 16, 17.
6 ibid., p.16.
7 vgl. ibid., p.17.
8 ibid., p. 16.
Arbeit zitieren:
Kai Mühlenhoff, 2002, Die Public-School Bewegung - Jugend und Sport in England, München, GRIN Verlag GmbH
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