Vorwort
Derzeit wird an der Bergischen Universität Wuppertal durch das Lehrgebiet Baubetriebslehre, zusammen mit verschiedenen Partnerunternehmen aus der Wirtschaft, ein von dem Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Forschungsprojekt mit dem Titel „Wertschöpfungspartnerschaften durch vertikale Kooperationen zwischen General- und Nachunternehmern im Schlüsselfertigbau“ bearbeitet.
Zusätzlich unterstützt durch das „Betriebswirtschaftliches Institut der Bauindustrie“ (BWI-Bau) und durch den „Zentralverband Deut sches Baugewerbe“ (ZDB) wird der Frage nachgegangen, inwiefern durch Kooperationen und Partnerschaften von General-und Nachunternehmern bisher ungenutzte Potenziale der Kosteneinsparung freigesetzt werden können, um angesichts der angespannten Situation auf dem deutschen Arbeitsmarkt dem internationalen Wettbewerb trotzen zu können.
Motiviert wird diese Diplomarbeit durch den Ansporn, einen grundlegenden Einblick in die ausländische Bauwirtschaft und deren Funktionsweisen zu gewähren. Es werden wichtige Grundlagen für das oben genannte Forschungsprojekt geschaffen, auf denen dann aufbauend weitere Forschungen basieren können.
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
1.1 Bedeutung des Themas und Einordnung in den übergeordneten
Kontext. 1
1.2 Begründung der thematischen Abgrenzung 2
1.3 Ziele und Gliederung 3
2 Volkswirtschaftliche Bedeutung und strukturelle Gliederung der
Bauwirtschaft im angloamerikanischen Wirtschaftsraum 5
2.1 Zusammenhänge und Bewertungskriterien einer modernen
Volkswirtschaft. 5
2.2 Die derzeitige Situation der Volkswirtschaft in Großbritannien und in
den USA und deren zeitliches Wachstum 5
2.2.1 Definition und Bedeutung des Wirtschaftswachstums 5
2.2.2 Chronologie des Wirtschaftswachstums in Großbritannien und den USA. 7
2.3 Volkswirtschaftliche Kenngrößen in der britischen und amerikanischen
Bauwirtschaft 10
2.3.1 Bautätigkeit. 10
2.3.1.1 Preisindices für Baustoffe und Bauleistungen 10
2.3.1.2 Auftragseingänge 12
2.3.1.3 Abgeschlossene Bautätigkeiten. 14
2.3.2 Betriebsgrößenklassen, Beschäftigte und Umsatz. 17
2.4 Marktlage und Wettbewerbssituation 21
2.4.1 Insolvenzquoten. 21
2.4.2 Liquidationssicherung 24
2.4.3 Arbeitslosenquoten. 25
2.5 Bedeutung der Bauwirtschaft für die angloamerikanische
Volkswirtschaft. 26
I
Inhaltsverzeichnis
2.6 Wichtige Besonderheiten der britischen und amerikanischen
Bauwirtschaft 28
2.7 Kausalität des strukturellen Wandels und kritische Bewertung der
Entwicklungstendenzen in der angloamerikanischen Bauwirtschaft 29
3 Vertragliche Beziehungen und Wettbewerbsmechanismen der
angloamerikanischen Baubeteiligten. 33
3.1 Die charakteristischen Tätigkeiten der Baubeteiligten 33
3.1.1 Bauherr 35
3.1.2 Architekt 36
3.1.3 Ba uingenieur 37
3.1.4 Fachplaner 38
3.1.5 Sonderfachleute 38
3.2 General- und Nachunternehmer als Fachfirmen der Bauausführung 39
3.2.1 Definition und Abgrenzungskriterien. 39
3.2.2 Das Leistungsangebot. 46
3.2.3 Die Gründe des Bauherren für die Beauftragung eines
Generalunternehmers. 50
3.2.4 Der Nachunternehme r 51
3.2.5 Vorteile und Risiko des Nachunternehmereinsatzes aus Sicht des
Generalunternehmers. 54
3.3 Vergabeformen und Wettbewerbsgrundlagen. 57
3.3.1 Traditionelle Vergabeform (traditional method) 59
3.3.2 Gesamtvergabe von Planungs- und Bauleistungen (design and build
methods ) 60
3.3.2.1 Entwerfen und Errichten (design and build) 61
3.3.2.2 Schlüsselfertige Vergabe (turnkey) 62
3.3.3 Getrennte Vergabe von Planungs- und Bauleistungen (management
methods ) 62
II
Inhaltsverzeichnis
3.3.3.1 Koordination durch einen construction manager (construction
manage ment) 62
3.3.3.2 Koordination durch einen management contractor (management
contracting ) 65
3.3.4 Planen und Koordinieren (design and management method) 67
3.4 Vertragsarten 67
3.4.1 Preisbasierte Leistungsverträge (price based contracts) 69
3.4.1.1 Einheitspreisvertrag (admeasurement contract) 69
3.4.1.2 Pauschalverträge (lump sum contract) 69
3.4.2 Kostenbasierte Aufwandsverträge (cost based contracts) 70
3.4.2.1 Stundenlohnverträge mit vorgegebenen Einheitspreisen (schedule of
rates contract) 70
3.4.2.2 Stundenlohnvertrag ohne vorgegebene Einheitspreise (schedule of
prices contract) 71
3.4.2.3 Kostenrückerstattungsverträge (cost reimbursable contracts) 71
3.4.3 Zielsetzende Verträge (target contracts) 73
3.4.3.1 Ziel-Kostenvertäge (cost target contracts) 74
3.4.3.2 Ziel- Zeitverträge (time target contracts) 74
3.4.3.3 Ziel- Leistungsverträge (performance target contracts) 75
3.4.4 Britische Standardverträge 77
3.4.4.1 Vertragswerke des FIDIC. 77
3.4.4.2 ICE Conditions of Contract. 79
3.4.4.3 New Engineering Contract. 80
3.4.5 Amerikanische Standardverträge 85
4 Aktuelle Beziehungen angloamerikanischer General- und
Nachunternehmer. 87
4.1 Grundlegende Geschäftsbeziehungen und übliche
Generalunternehmer -Praktiken. 87
III
Inhaltsverzeichnis
4.2 Die gegenseitige Abhängigkeit und Erwartungshaltung von
angloamerikanischen Generalunternehmer und Nachunternehmer. 89
4.3 Submission 91
4.3.1 Ablauf und gebräuchliche Formen der Submission 93
4.3.2 Verhalten und Preispolitik der Nachunternehmer 101
4.3.3 Wichtige Kriterien der Generalunternehmer bei der Auftragsvergabe 102
4.3.4 Faktoren für die wiederholte Auftragserteilung 106
4.4 Konfliktschwerpunkte und Lösungsansätze 107
4.4.1 Zahlungsmoral und Liquiditätssicherung. 109
4.4.2 Preisdruck 111
4.4.3 Termindruck 112
4.4.4 Qualität 113
4.4.5 Mangelhafte Weitergabe von Informationen und unvorteilhafte
Kommunikation. 114
4.4.6 Fehlende Anerkennung von Erfahrung, Kompetenz und Know-how. 115
4.5 Ursachen und Folgen der Interessenkonflikte 116
4.5.1 Bauablauf- und Terminverzögerungen. 117
4.5.1.1 Häufigkeit von Terminverzögerungen. 117
4.5.1.2 Ursachen für Terminverzögerungen. 119
4.5.2 Nachträge 122
4.5.2.1 Ursachen von Nachträge 122
4.5.2.2 Nachtragshäufigkeit 125
4.5.2.3 Nachtragshöhe 127
4.6 Partnerschaftliche Kooperationsbeziehungen als Entschärfung der
Konfliktpotentiale ? 128
4.7 Schlichtungsmechanismen 133
4.7.1 Die Schlichtung durch einen Mediator 134
4.7.2 Der engineer in der Rolle des Schlichters nach der FIDIC 134
IV
Inhaltsverzeichnis
4.7.3 Die Schlichtung mittels Adjudicators nach dem NEC des ICE 135
4.7.4 Das britische Schlichtungsmodell „Dispute Adjudication Board“ 137
4.7.5 Das amerikanische Schlichtungsmodell „Dispute Review Board“ 137
4.7.6 Vorteile der Schlichtungsmechanismen. 138
5 Resümee. 140
5.1 Zusammenfassung 140
5.2 Perspektiven 142
V
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 2-1: Auftragseingänge im britischen Bauwirtschaft von 1990 bis 2000 zu konstanten Preisen von 1995 (in Mrd. Englischen Pfund)....................12 Abbildung 2-2: Wert der jährlichen neuen Auftragseingänge der amerikanischen Bauindustrie von 1990 bis 2000 (in Millionen US-Dollar) ...................14 Abbildung 2-3: jährlich fertig gestellte Bauobjekte in Großbritannien...........................15 Abbildung 2-4: jährlich fertig gestellte Bauobjekte in den USA....................................16 Abbildung 2-5: Insolvenzrate im britischen Baugewerbe von 1990 bis 2000 ................22 Abbildung 2-6: Kreditvergabe amerikanischer Banken an Bauunternehmen.................24 Abbildung 2-7: Vergleichende Darstellung der Arbeitslosenquote von 1990 bis 2000..25 Abbildung 3-1: Überblick der wichtigsten Baubeteiligten in Großbritannien und in den USA .......................................................................................................33 Abbildung 3-2: Die Anwendungsformen des integrierten Construction Managements und deren vergleichbare deutschen Unternehmenseinsatzformen ........42 Abbildung 3-3: Kostenentwicklung und die Einflussnahme während der Projektdauer 48 Abbildung 3-4: Vergleichende Gegenüberstellung der Vergabearten in Deutschland und Großbritannien / USA............................................................................58 Abbildung 3-5: Strukturierte Darstellung der angloamerikanischen Vergabearten........59 Abbildung 3-6: Schematische Darstellung des management contracting .......................66 Abbildung 3-7: Systematische Darstellung der angloamerikanischen Vertragsarten.....68 Abbildung 3-8: Vergleichende Gegenüberstellung der Vertragsformen in Deutschland und Großbritannien / USA.....................................................................76 Abbildung 3-9: Die verwendeten Vertragsarten in Großbritannien................................85 Abbildung 4-1: NU Beurteilung der GU-Kriterien bei der Auftragsvergabe................103 Abbildung 4-2: Faktoren der GU für die wiederholte Zuschlagserteilung nach Abwägung der NU...............................................................................106 Abbildung 4-3: Projektbezogene Terminverzögerungen ..............................................118 Abbild ung 4-4: Ursachen für Terminverzögerungen und deren kausale Zuordnung der Verantwortlichkeit aus Sicht der NU ..................................................119 Abbildung 4-5: Ursachen für Nachträge aus Sicht der NU...........................................123
VI
Abbildung 4-6: Projektbezogene Nachtragshäufigkeit .................................................126 Abbildung 4-7: Nachtragshäufigkeit und Nachtragshöhe in Abhängigkeit der Auftragssumme bei Pauschalverträgen ...............................................127 Abbildung 4-8: Bedeutung der Soft-Skills der GU-Bauleitung aus Sicht der NU........131
VII
Tabellenverzeichnis
Tabelle 2-1: Bruttoinlandsprodukt zu Marktpreisen (Mill. US-$) ....................................7 Tabelle 2-2: Prozentuales Wachstum des Bruttoinlandsproduktes ...................................8 Tabelle 2-3: Bruttoinlandsprodukt zu Marktpreisen je Einwohner (in Tsd US-$) und prozentuale Wachstumsraten .......................................................................8 Tabelle 2-4: Preisindex für Baustoffe .............................................................................10 Tabelle 2-5: Preisindex für Bauleistungen......................................................................11 Tabelle 2-6: Bauunternehmen, Beschäftigte und jährlicher Umsatz des britischen Baugewerbes, getrennt nach Betriebsgrößenklassen im Jahr 2000 ............18 Tabelle 2-7: Bauunternehmen, Beschäftigte und jährlicher Umsatz des amerikanischen Bauhauptgewerbes, getrennt nach Betriebsgrößenklassen im Jahr 2000 ...20 Tabelle 2-8: Gewichtung der britischen und amerikanischen Bauindustrie....................26
VIII
1 Einleitung
1.1 Bedeutung des Themas und Einordnung in den übergeordneten Kontext
Seit Mitte der neunziger Jahre befindet sich die deutsche Bauwirtschaft in einer Rezession, deren Ende zur Zeit nicht absehbar zu sein scheint. Die momentane Situation wird im allgemeinen als pessimistisch und desolat angesehen. Die Finanzknappheit der Bauherren, die Osterweiterung des überregionalen Baumarktes und der zunehmende Konkurrenzdruck auf dem heftig umkämpften Baumarkt zwingt sowohl Planer als auch die ausführenden Unternehmen oftmals zur Akquisition von Aufträgen mit Hilfe von Angeboten, die nicht einmal zur Deckung der Fixkosten ausreichen.
Obwohl auf ausländischen Baumärkten ähnliche Situationen zu finden sind zeigen Studien, dass besonders in Deutschland das Bauen vergleichsweise teuer ist 1 . Funktionale Ausschreibung, Schlüsselfertigbau und die Nachfrage nach kompletten Baudienstleistungen sind zwar noch nicht ausschließlich marktbestimmend, bedingen aber heutzutage immer öfter die Involvierung von Hauptunternehmern in das Baugeschehen.
Im Hinblick auf die Zusammenarbeit von General- und Nachunternehmern und ein möglicherweise nutzbares Optimierungspotenzial, welches durch ein verbessertes Miteinander freigesetzt werden könnte, wurden in der Vergangenheit in Deutschland nur wenige Untersuchungen durchgeführt. Ein Grund dafür ist in der konträren Position der beiden Baubeteiligten zu sehen, das durch Misstrauen und Preisdruck gekennzeichnet ist.
Die Beschaffung von zuverlässigen Informationen gestaltet sich somit als sehr kompliziert, weil beide Baubeteiligten befürchten, dass vertrauliche und wettbewerbsfördernde Informationen nach außen getragen werden könnten. Im angloamerikanischen Raum hingegen sind trotz der forschungswidrigen Umstände, die
1 Department of Trade and Industry (Hrsg.), in: Construction Statistics Annual 2001
Edition, London, 2001, S.201
1
diese Thematik mit sich bringt, Versuche unternommen worden, um das Verhältnis zwischen General- und Nachunternehmern zu beleuchten und vermutete Optimierungspotenziale aufzudecken.
1.2 Begründung der thematischen Abgrenzung
Großbritannien und die USA wurden bewusst als Repräsentanten für ausländische Baumärkte gewählt. Zum einen leistet die Baubranche in diesen Ländern ebenso wie in Deutschland einen wesentlichen Beitrag an dem Ergebnis der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Zum anderen darf angenommen werden, dass aufgrund der Zugehörigkeit zum westlichen Kulturkreis durchaus eine gewisse Vergleichbarkeit und u.U. eine Übertragbarkeit auf die deutsche Bauwirtschaft hinsichtlich der Planung und Abwicklung von Bauprojekten gegeben ist.
In dieser Arbeit wird auf eine explizite Differenzierung zwischen dem britischen und dem amerikanischen Baumarkt verzichtet, weil die verwendeten Begriffe und die grundlegende Charakterisierung der Zusammenarbeit von General- und Nachunternehmer nur geringe Unterschiede aufweisen und größtenteils auf identischen Grundlagen basieren. Die prägenden Unterschiede werden an den entsprechenden Textpassagen betont hervorgehoben.
Die Verwendung der englischen Fachterminologie 2 wird durch die Thematik dieser Arbeit begründet. Es soll vermieden werden, dass für ein und dieselbe Sache oder Persone ngruppe unterschiedliche Formulierung unter sonst gleichen Bedingungen entstehen. Daher wird auf eine Übersetzung verzichtet, wenn keine allgemein anerkannte deutsche Begriffsdefinition für einen englischen oder amerikanischen Ausdruck existent ist. Außerdem wird in der vorliegenden Ausarbeitung bereits durch die sowohl verwendete deutsche als auch englische Sprache ersichtlich, ob im speziellen der deutsche oder angloamerikanische Baumarkt angesprochen wird.
2 im folgenden kursiv dargestellt
2
Um den zeitlichen Rahmen der Diplomarbeit nicht zu sprengen, wird sich der Verfasser auf das Sichten, Sortieren und kritische Bewerten der aktuell vorhandenen Fachliteratur beschränken. Eine eigene empirische Erhebung erscheint angesichts der bereits durchgeführten Befragungen von Generalunternehmern und Nachunternehmern auf den jeweiligen heimischen Baumärkten nicht sinnvoll und wird daher nicht vorgenommen. Statt dessen werden die Ergebnisse aus der heutigen Sicht und mit der Möglichkeit des daraus resultierenden erweiterten Horizontes deskriptiv und kritisch einander gegenüber gestellt, woraus sich die Grundlage für eigene weiterführende Schlussfolgerungen ergibt.
1.3 Ziele und Gliederung
Die vorliegende Arbeit wird dem Ziel gerecht, eine aktuelle Übersicht über die gemeinsame Bautätigkeit von Generalunternehmern und den von ihnen beauftragten Nachunternehmern des angloamerikanischen Baumarktes zu bieten. Zudem wird ausführlich auf die grundsätzlichen Mechanismen der Zusammenarbeit eingegangen. Zu nennen seien z.B. die Beziehungen der Baubeteiligten zueinander sowie die vertraglichen Rahmenwerke der angloamerikanischen Bauwirtschaft. Es werden sowohl Unterschiede als auch Parallelen zu den bekannten deutschen Verhältnissen aufgezeigt, um auf diese Weise zum Verständnis der Sachlage beizutragen und Missverständnissen vorzubeugen.
Im Anschluss an diese einleitenden Worte des ersten Kapitels widmet sich das zweite Kapitel der angloamerikanische Volkswirtschaften im Groben und der Bauwirtschaft im Besonderen. Neben den determinierenden Randbedingungen des Baumarktes werden darüber hinaus aktuelle Kenndaten der Bauwirtschaft angeführt und in Relation zu den Entwicklungen gesetzt, so dass abschließend der Strukturwandel und die Stellung der General- bzw. Nachunternehmer in der Baubranche dargestellt werden können.
Grundlegende Zusammenhänge bezüglich der rechtlichen und vertraglichen Wechselbeziehungen von angloamerikanischen Baubeteiligten werden in Kapitel drei aufgezeigt. Die Baubeteiligten mit Schwerpunkt auf den bauausführenden General- und
3
Nachunternehmer werden erschöpfend vorgestellt und hinsichtlich ihrer Tätigkeiten charakterisiert. Darüber hinaus werden die Vergabeformen von Bauleistungen und die zur Anwendung kommenden Vertragsarten inklusive der häufig verwendeten Standardverträge vorgestellt.
Kapitel vier wird die Geschäftsbeziehungen der General- und Nachunternehmer ausführlich explizieren. Dabei werden sowohl die in der Praxis gebräuchlichen Submissionsverfahren erläutert als auch die gewichtigsten Interessenkonflikte angesprochen. Darüber hinaus werden die resultierenden Folgen verdeutlicht und Möglichkeiten der Konfliktlösung vorgestellt.
Abgeschlossen wird die vorliegende Ausarbeitung durch einen Ausblick auf sich abzeichnende Veränderungen des Baugeschehens und wünschenswerten weiterführende Untersuchungen.
4
2 Volkswirtschaftliche Bedeutung und strukturelle
Gliederung der Bauwirtschaft im angloamerikanischen Wirtschaftsraum
2.1 Zusammenhänge und Bewertungskriterien einer modernen Volkswirtschaft
Moderne Volkswirtschaften nehmen einen großen Einfluss auf die am Markt tätigen Unternehmen und legen die Randbedingungen für den Wettbewerb fest. Die Preisbildung der freien Marktwirtschaft ist determiniert durch Angebot und Nachfrage, die auf ihm ausgeglichen und abgestimmt werden, woraus sich Interaktionen für die wichtigen wirtschaftlichen Tätigkeiten und Vorgänge wie z.B. Produzieren, Investieren und Konsumieren ergeben.
Um ein möglichst umfassendes, tief gegliedertes und aussagefähiges Gesamtbild des wirtschaftlichen Geschehens in Großbritannien und in den USA zu erhalten werden im Folgenden die aktuell vorliegenden volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) der beiden zuvor genannten Länder vergleichend zu Deutschland dargestellt. Dies hilft einerseits die Relationen untereinander einschätzen zu können und andererseits die vorherrschenden Marktbedingungen transparenter gestalten zu können.
2.2 Die derzeitige Situation der Volkswirtschaft in Großbritannien und in den USA und deren zeitliches Wachstum
2.2.1 Definition und Bedeutung des Wirtschaftswachstums
Das Wirtschaftswachstum ist nach vorherrschender Meinung als die Zunahme des realen Bruttoinlandsproduktes (Gross Domestic Product) definiert. 3 Das Bruttoinlandsprodukt 4 (BIP) misst die Produktion von Waren und Dienstleistungen im
3 Vgl.: Statistisches Bundesamt, Gruppe III A (Hrsg.), Volkswirtscha ftliche
Gesamtrechnungen, Wiesbaden, 2002, Seite 2
4 Anm.: Veraltete Bezeichnung: Bruttosozialprodukt
5
Inland nach Abzug der Vorleistungen 5 und wird daher in erster Linie als ein Produktionsindikator angesehen, der somit Ausdruck für die Wirtschaftskraft eines Staates ist. 6
Das Bruttoinlandsprodukt wird, ebenso wie die weiteren wichtigsten Teilgrößen der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, in konstanten Preisen (von 1995) berechnet und angegeben, um die tendenziellen Veränderungen leichter nachvollziehen zu können 7 , da ansonsten die Entwicklung gegenüber dem jeweiligen Vorjahr angesichts der wechselnden Gewichtung nach der Paasche-Formel 8 nur mit Einschränkungen fassbar wäre. In diesem Fall wird häufig von dem realen Inlandsprodukt im Gegensatz zum nominalen Inlandsprodukt, das in jeweiligen Preisen des betrachteten Zeitraumes ausgedrückt ist, gesprochen. Bei Division der nominalen durch die entsprechenden realen Größen ergeben sich die Preisindices auf der Basis 1995.
Die Bedeutung des Wachstums erklärt sich an Hand der folgenden Zusammenstellung:
• Ein wirtschaftliches Wachstum schafft Verteilungsspielräume auf den Angebots-und Nachfragemärkten, woraus sich mit geringem Aufwand Marktanpassungen ergeben können. Strukturelle Anpassungen werden demnach erleichtert und die Produktionsfaktoren wechseln grundsätzlich von schrumpfenden Branchen in expandierende Branchen über.
• Das Wachstum gilt als Motor für die Beschäftigung, da eine steigende
Produktion eine zunehmende Nachfrage nach Arbeitskräften nach sich zieht, d.h.
5 Unter Vorleistungen ist der Wert der Güter (Waren und Dienstleistungen) zu
verstehen, die inländische Wirtschaftseinheiten von anderen (in- und ausländischen)
Wirtschaftseinheiten bezogen und im Berichtszeitraum im Zuge der Produktion
verbraucht haben.
6 Vgl.: Statistisches Bundesamt, a.a.O., Seite 2
7 Anm.: Daher auch „Wertindex“ genannt
8 Anm.: Misst die Verteuerung der wirtschaftlichen Leistung des Berichtsjahres
gegenüber dem Basisjahr .
6
über ein wachsendes BIP können mehr Arbeitskräfte in die Wirtschaft integriert werden.
• Durch eine Verbesserung der Standortqualität wird vor allem das produzierende
Gewerbe gefördert. Die daraus resultierende erhöhte Nachfrage nach industriellen Anlagen und Produktionsstätten fördert sekundär und zeitlich versetzt die Bauindustrie.
• Wachstum gilt somit als Ausweis wirtschaftlicher Potenz und damit als Magnet
für ausländische Investoren.
• Wachstum schafft einen Zuwachs an politischem Einfluss.
Im Folgenden wird im speziellen das zeitliche Wirtschaftswachstum Großbritanniens und der USA dargestellt.
2.2.2 Chronologie des Wirtschaftswachstums in Großbritannien und den
USA
Die nachfolgende Tabelle 2-1 stellt die Bruttoinlandsprodukte zu konstanten Marktpreisen von Großbritannien und der USA vergleichend zu Deutschland dar.
Tabelle 2-1: Bruttoinlandsprodukt zu Marktpreisen (Mill. US-$) 9,10
Die Darstellung des Bruttoinlandsprodukts zu konstanten Marktpreisen von 1995 lässt erkennen, dass Großbritannien, ebenso wie Deutschland und die USA, eine gefestigte
9 Statistisches Bundesamt, Gruppe III A (Hrsg.), Statistisches Jahrbuch 2001 für das
Ausland, Wiesbaden, 2002, S.351 f.
10 Anm.: in konstanten Preisen und Wechselkursen basiert auf 1995
7
Marktwirtschaft mit stetig steigendem Wachstum präsentieren. Das
Bruttoinlandsprodukt stieg im betrachteten Zeitraum von 1992 bis 1999 ausnahmslos in jedem der drei verglichenen Staaten an.
Dieser Anstieg betrug in Großbritannien ca. 9 %, was einem jährlichen Wachstum von 1,29 % gleichkommt. Deutlich stärker entwickelte sich das Wirtschaftswachstum in Deutschland und in den Vereinigten Staaten. Hier wurde innerhalb von sieben Jahren das Bruttoinlandsprodukt prozentual um 28,43 % bzw. 22,21 % gesteigert. Dies entspricht einem Wachstum von 4,06 % respektive 3,17 % pro Jahr (siehe Tabelle 2-2).
Die absoluten Zahlenwerte des Bruttoinlandsproduktes der Tabelle 2-1 können aufgrund der stark differierenden Einwohnerzahlen der verglichenen Länder über das starke Wachstum der britischen Wirtschaft hinwegtäuschen. Deshalb wird zusätzlich in Tabelle 2-3 das Bruttoinlandsprodukt der einzelnen Staaten zu Marktpreisen von 1995 je Einwohner dargestellt.
Tabelle 2-3: Bruttoinlandsprodukt zu Marktpreisen je Einwohner (in Tsd US-$) und
11 Statistisches Bundesamt, Gruppe III A (Hrsg.), a.a.O., S.353 f.
12 In konstanten Preisen und Wechselkursen basiert auf 1995
8
Auf diese Weise wird deutlich ersichtlich, dass Großbritannien trotz der vorherrschenden europäischen Wirtschaftsschwäche 1995/1996 eine durchschnittliche Wachstumsrate von etwa 2,83 % vorweisen konnte. Eine Gegenüberstellung mit dem amerikanischen Wirtschaftswachstum von durchschnittlich 2,88 % pro Jahr zeigt nur noch marginale Unterschiede. Deutschland hingegen wies im selben Zeitraum nur ein Wachstum von 1,01 % vor, obwohl in Westeuropa zum Vergleich das Bruttoinlandsprodukt insgesamt dagegen um 2,0 % anstieg. 13
Aktuelle Prognosen, die derzeitig noch nicht in den jüngsten Veröffentlichungen der statistischen Bundesämter erschienen sind, schätzen für die US-Wirtschaft im Jahre 2002 eine Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukt von 1,5 % bis 2,0 % voraus.
Nach der schweren Rezession der britischen Wirtschaft zu Beginn der neunziger Jahre hat eine expansive Geldpolitik 14 bis Mitte 1996 zu einem lang anhaltenden Aufschwung in Großbritannien beigetragen, doch nun ist eine harte Konjunkturlandung in Sicht. Im Verlauf dieses Jahres dürfte das Wirtschaftswachstum allenfalls stagnieren.
Gemäß der OECD (Organization for Economic Cooperation and Development) wird der deutschen Wirtschaft ein realistisches Wachstum von 0,6 % bis maximal 0,8 % prognostiziert. Derzeitig belegt Deutschland im europäischen Vergleich der BIP den letzten Platz. 15 Trotz der allgemein vorherrschenden Meinung kann allerdings noch nicht von einer gesamtwirtschaftlichen Rezession in Deutschland ausgegangen werden.
13 Vgl. dies und das folgende: Volz, Joachim, Konjunkturelle Abschwächung auch in
Großbritannien, in: Wochenbericht des DIW, Nr. 11, 2001
14 Anm. : Eine expansive Geldpolitik bezeichnet den Anstieg der durch die
Bundeszentralbank herausgegebenen Geldmenge. Mit dieser Maßnahme wird im
allgemeinen ein Rückgang der Zinsen erreicht, was sich in aller Regel positiv auf
das Wirtschaftswachstum auswirkt.
15 Vgl.: OECD, Paris, 2002
9
Aus makroökonomischer Sicht wird diese durch eine negativ reale Wachstumsrate für zwei aufeinander folgende Quartale definiert. 16,17
2.3 Volkswirtschaftliche Kenngrößen in der britischen und amerikanischen Bauwirtschaft
2.3.1 Bautätigkeit
Der jährliche Preisindex für Baustoffe und Bauleistungen sowie der Umfang der Auftragseingänge und die Zahl der abgeschlossenen Bauprojekte pro Jahr geben Aufschluss über die zeitliche Entwicklung der Bauwirtschaft.
2.3.1.1 Preisindices für Baustoffe und Bauleistungen
Mittels der auf 1995 basierten und von Inflationseinflüssen bereinigten Preisindices für Baustoffe (siehe Tabelle 2-4) und Bauleistungen (Tabelle 2-5) lässt sich übersichtlich vergleichen, wie sich das Preisniveau in der Baubranche über die vergangenen Jahre hinweg entwickelt hat.
16 Vgl.: Hamilton, J. D., A new approach to the economic analysis of nonstationary
time series and the business cycle, in: Econometrica,Vol. 57, 1989, S. 365 17 Über die exakte Definition einer Rezession gibt es jedoch zwei Auffassungen.
In den USA vergleichen die Statistiker die beiden Quartale, in welchen die
Wirtschaft schrumpft, meist mit dem gerade vorangegangenen Quartal. In
Deutschland wird der gleiche Zeitraum des Vorjahres als Vergleich herangezogen.
Aufgrund dieses Unterschiedes wird in den USA schneller von einer Rezession
gesprochen als in Deutschland.
18 Statistisches Bundesamt, a.a.O., S.346
10
Die Preise für Bauleistungen und die zur Herstellung notwendigen Baustoffe stiegen im Gegensatz zu Deutschland sowohl in Großbritannien als auch in den USA kontinuierlich stark an. So nahmen die britischen und amerikanischen Preise für Baustoffe innerhalb der vergangenen Dekade um ca. 17 % zu und lagen somit weit über der durchschnittlichen Inflationsrate der Wirtschaft von ca. 2 % 20 . Das bedeutet, dass die Verteuerung der Baustoffe nicht nur eine Folge aus Inflationseinflüssen darstellt, sondern das eine reale Verteuerung vorliegt. Zwar zeigen sich nach vorherrschender Meinung gewisse Signale einer diesbezüglichen Trendwende, doch derzeitig verharren die Preisindices auf einem annähernd gleich bleibenden Niveau. 21
Eine Betrachtung der Preisindices für Baustoffe in Tabelle 2-5 zeigt hingegen, dass die Preise für Bauleistungen in Großbritannien einer Fluktuation unterworfen waren und ab 1998 einen sprunghaften stetigen Anstieg vollzogen. Dies kann auf überproportional steigende Lohnkosten hindeuten oder aber ein Hinweis auf eine wechselnde Nachfrage nach Bauleistungen sein.
19 Umbasiert auf 1995 = 100
20 Statistisches Bundesamt, a.a.O., S.118
21 Vgl.: Construction Industry Board (CIB) (Hrsg.), The State of the Construction
Industry, London, 2000, Seite 2
22 Statistisches Bundesamt, Gruppe III A (Hrsg.), a.a.O., S.346 23 Anm.: Umbasiert auf 1995 = 100
11
Bei einem Vergleich der amerikanischen Preisindices untereinander fällt auf, dass die Bauleistungen im Laufe der Jahre schneller anstiegen als die Baustoffpreise.
Die deutschen Vergleichswerte beider angegebenen Preisindices divergieren hingegen nur in geringem Maße. Die Größenordnung und der Verlauf unterliegen aber demselben Trend.
2.3.1.2 Auftragseingänge
Die Nachfrage nach Bauleistung drückt sich in der Summe der Auftragseingänge aus. Die Abbildung 2-1 und Abbildung 2-2 verdeutlichen grafisch die Auftragseingänge im britischen bzw. amerikanischen Bauwirtschaft von 1990 bis 2000.
Abbildung 2-1: Auftragseingänge im britischen Bauwirtschaft von 1990 bis 2000 zu
24 Department of Trade and Industry (Hrsg.), a.a.O., S.15
12
Als Auftragseingänge gelten die im Berichtsmonat eingegangenen und vom Betrieb fest akzeptierten Bauaufträge zur Erstellung von Neubauten. Die Zuordnung fand aufgrund der vertraglichen Vereinbarungen zwischen den privaten bzw. öffentlichen Auftraggebern und den Hauptunternehmern statt. Ein Ausgleich für die im Baugewerbe auftretenden jahreszeitlichen Schwankungen ist durch die statistischen Erhebungen ebenso berücksichtigt.
Die hellblaue Fläche zeigt den Anteil der Auftragseingänge zur Herstellung von öffentlichen Gebäuden und Verkehrswegen. Die dunkelblaue Fläche repräsentiert die kumulative Menge aller privaten Bautätigkeiten.
Es ist in Abbildung 2-1 zu erkennen, dass der Wert der Auftragseingänge im britischen Baugewerbe für private als auch öffentliche Bauvorhaben denselben konjunkturellen Schwankungen unterliegen. Somit liegen keine Hinweise auf besondere Ereignisse in der Vergangenheit vor, die auf eine der beiden dargestellten Kategorien einen besonderen individuellen Einfluss zu nehmen schienen. Eine schwach ansteigende Nachfragezunahme ist beiden Kurven gemein. Die unregelmäßige Entwicklung der in Tabelle 2-5 dargestellten Preisindices für Bauleistungen hat scheinbar keinen Einfluss auf den Wert der Auftragseingänge im britischen Baugewerbe ausgeübt.
Die Abbildung 2-2 der folgenden Seite stellt den Wert der jährlichen Auftragseingänge im amerikanischen Baugewerbe von 1990 bis 2000 in Millionen US-$ dar.
Anhand der Darstellung zu konstanten Preis von 1996 ist ersichtlich, dass der Wert aller Bauaufträge innerhalb von 10 Jahren von 480 000 Mil. US-$ auf annähernd 800 000 Mil. US-$ gestiegen ist. Dies ist separat gesehen noch kein Beleg für einen Zuwachs der Bautätigkeit, sondern muss im Zusammenhang mit der im selben Zeitraum von Inflation berichtigten Preissteigerung 25 für Bauleistungen gesehen werden. Verglichen mit dem in Kapitel 2.3.1.1 angegebenen Preisindices und die dort ersichtliche Zunahme des Preisindex für amerikanische Bauleistungen um ca. 22 % wird verdeutlicht, dass nicht nur relativ, sondern auch absolut betrachtet, der Wert der Bautätigkeiten gestiegen ist.
25 Siehe Kapitel hierzu 2.3.1.1
13
Circa drei Viertel dieser Bautätigkeit entfiel auf den privaten Wohnungsbau mit einem Gesamt-Bauvolumen von 323 708 Mil. US-$ im Jahre 2000. Dies bekräftigt demzufolge die bedeutsame Stellung der privaten Investoren und potentiellen Auftrageber für am amerikanischen Baumarkt aktive Unternehmen.
Abbildung 2-2: Wert der jährlichen neuen Auftragseingänge der amerikanischen
Bauindustrie von 1990 bis 2000 (in Millionen US-Dollar) 26
2.3.1.3 Abgeschlossene Bautätigkeiten
Auch der Umfang der abgeschlossenen Bautätigkeiten kann als ein Maß zur Beurteilung der Bautätigkeit auf angloamerikanischen Baumärkten herangezogen werden. In den Statistiken werden die Bauprojekte berücksichtigt, die im Berichtsjahr abgeschlossen wurden.
Die Anzahl der jährlich abgeschlossenen Bauprojekte in Großbritannien wird für den Zeitraum von 1949 bis 2000 in Abbildung 2-3 dargestellt.
26 U.S. Census Bureau (Hrsg.), in: Statistical Abstract of the United States: 2001,
Washington DC, 2002, S. 592
14
Abbildung 2-3: jährlich fertig gestellte Bauobjekte in Großbritannien 27
Der in der Nachkriegszeit vorhandene Boom in der britischen Bauindustrie erreichte mit über 350.000 jährlich fertig gestellten Bauobjekten Mitte der 1960er Jahre einen vorläufigen Höhepunkt und konnte sich bis hin zum Jahr 1967 auf fast 440.000 Objekte erhöhen. Von diesem Zeitpunkt an unterlag die britische Baukonjunktur einem bis in die 1980er Jahre reichenden starken Abwärtstrend, der letztendlich in der Weltrezession von 1980 endete. Trotz der leicht fallenden Trendlinie zeichnet sich eine Konsolidierung ab, die auf eine Marktsättigung hindeutet.
Ein vergleichbarer Chart j ährlich fertig gestellter Bauobjekte in den USA ist durch Abbildung 2-4 gegeben.
27 geänd. nach: Office of the Deputy Prime Minister (Hrsg.), a.a.O., Seite 201
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Auffallend ist die über den Zeitraum von 1968 bis 2001 auftretende ungewöhnlich ausgeprägte Fluktuation. Die Ölkrise 1973 und deren weltweiten Auswirkungen auf die Wirtschaft beeinflussten den amerikanischen Baumarkt negativ und war hauptverantwortlich für dessen ersten Einbruch, der bis 1975 anhielt. Die Anzahl der fertig gestellten Bauobjekte fiel in diesem Zeitraum von jährlich über 2 100 000 auf weniger als 1 500 000 beendete Bauvorhaben. Der folgende bauwirtschaftliche Abwärtstrend ging mit der Weltrezession zu Beginn der achtziger Jahre einher. Erst 1982, bei einem Tiefstand von knapp 1 000 000 fertig gestellten Bauobjekten pro Jahr, entspannte sich die Marktlage.
Um dennoch anschaulich eine Entwicklung zeigen zu können, ist zusätzlich eine lineare Trendlinie eingefügt worden. Mit ihrer Hilfe ist ersichtlich, dass über die vergangenen
28 U.S. Census Bureau (Hrsg.), in: New Residential Construction, Washington DC,
2002, Seite 28
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Dekaden hinweg die Anzahl der jährlich fertig gestellten Bauobjekte langsam und kontinuierlich abnahm.
Eine vergleichende Betrachtung des steigenden Auftragswertes der jährlichen neuen Auftragseingänge des Kapitels 2.3.1.2 mit der abnehmenden Anzahl der jährlich fertig gestellten Bauwerke bestätigt durch die gegensätzliche landesunabhängige Entwicklung, dass die Kosten für Bauleistungen, wie bereits in Kapitel 2.3.1.1 gezeigt, stetig anwachsen. Die zunehmenden Baukosten können durch die gestiegenen Sicherheitsanforderungen, das verstärkte Umweltbewusstsein, die technisch aufwendigeren Bauverfahren und nicht zuletzt durch die gewünschte Qualitätssteigerung der Bauherren begründet werden.
2.3.2 Betriebsgrößenklassen, Beschäftigte und Umsatz
Die in Tabelle 2-6 und Tabelle 2-7 aufbereiteten Zahlenwerte geben nur einen Auszug dessen wieder, was die nationalen statistischen Bundesämter bereits als umfangreiche Datensammlungen zu der Struktur der einzelnen Industriezweige vorweisen können. Zum leichteren Verständnis muss bedacht werden, dass in den folgenden beiden Tabellen dieses Kapitels unter „Beschäftigte“ alle direkt einem Bauunternehmen angeschlossenen und für dieses freiberuflich tätigen Personen verstanden werden. Der angegebene erwirtschaftete Umsatz stellt den Gesamtbetrag aus dem Umsatz aus Bauleistungen 29 , den Umsätzen aus sonstigen eigenen Erzeugnissen und Leistungen aus Nebengeschäften dar. Des weiteren weicht die Einteilung der Größenklassen von Bauunternehmen in Großbritannien von der in Amerika üblichen Einteilung ab, da die statistischen Erhebungsverfahren von Land zu Land differieren. Eine Überführung oder Umrechnung der Daten auf eine einheitliche Klassenverteilung ist nicht möglich. Daher werden beide Länder mit den ihnen zugrunde gelegten Betriebsgrößenklassen für den Bausektor aufgeführt. Die Ergebnisse sind somit nicht exakt vergleichbar, aber die wesentlichen Angaben zur Struktur der Bauwirtschaft sind für jedes Land getrennt ersichtlich.
29 Anm.: auch baugewerblicher Umsatz genannt
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Nach der offiziellen Einteilung des britischen „ Department of Trade and Industry“ (DTI) werden in Großbritannien Betriebe mit bis zu 13 Mitarbeitern als Kleinbetriebe und ab 115 Angestellten als Großbetriebe bezeichnet. Alle Unternehmen, die sich zwischen diese Grenzen eingliedern lassen, werden als mittelständige Unternehmen angeführt. Eine offizielle Klassifizierung wird in den USA durch die Standard Industry Classification (SIC) vorgenommen. 30 Diese nimmt allerdings nur eine Zuordnung der Beschäftigten in eine der vordefinierten Betriebsgrößenklassen vor und bietet keine allgemein anerkannte Einteilung von kleinen, mittelständische und großen Unternehmen an.
Tabelle 2-6: Bauunternehmen, Beschäftigte und jährlicher Umsatz des britischen
Bauindustrie, getrennt nach Betriebsgrößenklassen im Jahr 2000 31
30 Vgl.: Kale, S./ A., D., General contractors’ relationship with subcontractors: a
strategic asset, in: Construction Management and Economics, Vol. 19, 2001, Seite
544
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Tabelle 2-6 schlüsselt die Anzahl der Bauunternehmen, Beschäftigte und den jährlichen Umsatz des britischen Baugewerbes auf. Die Betriebsgrößenklassen wurden auf der Basis der Beschäftigtenzahl pro Unternehmen gebildet.
Von den über 160 000 Unternehmen, die dem britischen Baugewerbe zugeordnet werden, sind 53,67 % Ein-Personen-Betriebe und fast 30 % aller Betriebe beschäftigen zwei bis drei Mitarbeiter. Diese hohen Prozentsätze an Kleinstbetrieben ist durch die zu Grunde liegende Erhebungsmethode zu erklären. Es wurden neben den privaten Bauunternehmen des Bauhauptgewerbes auch die zahlreichen Betriebe des Baunebengewerbes und des Bauausbaugewerbes erfasst. Da allerdings die Tätigkeitsfelder von Nachunternehmern sich vom Schwerpunkt her im Ausbaugewerbe befinden, ist diese statistische Darstellung sehr gut geeignet, das große Angebotspolypol der Nachunternehmer in der britischen Bauindustrie zu zeigen. Der Nachfragemarkt der potenziellen Arbeitgeber 32 hingegen bildet sich aus den mittelständischen und großen Bauunternehmen, die zusammen ca. 4 % der Baubetriebe ausmachen; gerade 0,32 % der am britischen Baumarkt aktiven Unternehmen zählen zu den großen Baufirmen. Die Nachfrageseite stellt demnach ein Oligopol dar. Auf Grund dieser Zuordnung von Bauunternehmen zu den definierten Betriebsgrößenklassen kann von einer klein und mittelständischen Struktur gesprochen werden.
Die Beschäftigtenzahlen pro Betriebsgrößenklasse weist eine abweichend verlaufende Gewichtung auf. Demnach stellen kleine Bauunuternehmen 51,8 %, mittelständische Firmen 22,94 % und die großen Bauunternehmen mit jeweils mehr als 114 Mitarbeitern insgesamt 25,27 % der vorhandenen Arbeitsplätze in der britischen Bauwirtschaft zur Verfügung. Eine Aussage zu der Struktur des britischen Baugewerbes ist auf der Basis dieser Klasseneinteilung weniger eindeutig möglich als zuvor. Dennoch überwiegen wiederum die kleinen Baubetriebe.
31 Daten entnommen aus: Department of Trade and Industry (Hrsg.), a.a.O., Seite 46,
49, 51
32 Wie in Kapitel 4.2 ausführlich erläutert wird, binden Nachunternehmer 70 % bis 90 %
ihrer Kapazitäten an Hauptunternehmer, anstatt ihre Leistungen direkt am Baumarkt
anzubieten.
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Arbeit zitieren:
Daniel Schmolke, 2002, Die Zusammenarbeit von General- und Nachunternehmern auf ausländischen Baumärkten am Beispiel von Großbritannien und den USA, München, GRIN Verlag GmbH
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