Inhaltsverzeichnis
1. Begriff Behinderung/ Normalität
2. Ziele der Integration
3. Beurteilung der Wirksamkeit von Integration
4. Schulpolitische und didaktische Voraussetzungen für
eine Schule ohne Aussonderung
5. Quellenangabe
1. Begriff Behinderung/ Normalität
Im alltäglichen Gebrauch wird der Begriff Behinderung klar und eindeutig verwendet. Eine Person gilt als „behindert“, wenn sie „normale“ Tätigkeiten nur beeinträchtigt ausführen kann, sei es durch Schädigungen körperlicher (z.B. Blindheit, Lähmung, Fehlen eines oder mehrerer Gliedmaßen) oder geistiger Art (z.B. schwere Beeinträchtigung mentaler Funktionen). In der Alltagssprache wird deshalb auch zwischen „körperlicher“ und „geistiger“ Behinderung unterschieden.
Behinderung gilt im Allgemeinen als etwas Unumkehrbares, was nur in Ausnahmefällen beseitigt werden kann (z.B. durch medizinische Eingriffe). Allerdings wird eine Person, die bspw. an einer Hirnhautentzündung leidet, während des Krankheitsprozesses nicht als „behindert“, sondern als „krank“ bezeichnet. Die Folgen der Krankheit können sich allerdings bspw. durch mentale und motorische Beeinträchtigungen äußern und erst dann wird die Person als „behindert“ bezeichnet. So wird eine Krankheit wohl als etwas gesehen, was von „außen“ über den Organismus gekommen ist und eine Behinderung als etwas, was „drinnen“ im Organismus liegt.
Auch deutet das Wort „Behinderung“ auf eine Art „Schande“ hin, besonders wenn sie von Geburt an besteht. So wurde in der Vergangenheit eine Behinderung mit dem Versteckthalten desjenigen, oder gar mit Ermordung und Unfruchtbarkeit „entgegengewirkt“. Kranke hingegen genossen bzw. genießen der Anteilnahme der sie umgebenden Menschen. Deshalb bezeichnen heute Familienangehörige eines geistig „zurückgebliebenen“ Kindes dieses nicht als „behindert“, sondern als „krank“.
Im wissenschaftlichen Bereich wird dieser Begriff eher auf einer sozialen bzw. soziologischen Ebene betrachtet, wobei der Begriff Behinderung als Erschwerung oder die Unmöglichkeit, eine „normale“ Rolle auszuführen, verstanden wird. (WHO 1980) 1986 wird erstmals ein ökosystemischer Behinderungsbegriff (A. Sander/ H. Bach u.a.) definiert: „Behinderung liegt vor, wenn ein Mensch aufgrund einer Schädigung oder Leistungsminderung ungenügend in sein vielschichtiges Mensch- Umfeld- System integriert ist“. So erhielt der Begriff Behinderung mit der Zeit nicht mehr diesen negativen „Beigeschmack“. Allerdings wird im Alltäglichen dieser Begriff oft noch als „Annormalität“ mißverstanden.
Sind dann alle Menschen ohne eine erkennbare „Behinderung“ normal? Meiner Auffassung nach sind alle Menschen „normal“, die Behinderung als eine „Normalität“ akzeptieren. In dem Wort „Normal“ ist ebenfalls das Wort „Norm“ enthalten. Das würde heißen, dass behinderte Menschen Normen nicht einhalten. Dieser Meinung bin ich allerdings nicht, denn Normen werden von der Gesellschaft geprägt. So ist es die Gesellschaft, die den Behinderten Normen abschlägt. Ist das normal?
2. Ziele der Integration
Ein Ziel der Integrationsbewegung ist es z.B., so wie oben beschrieben, dass das Zusammenleben zwischen Menschen mit und ohne Behinderung zur Normalität wird, nicht eben nur in wissenschaftlichen Begrifflichkeiten, sondern eben gerade in der Gesellschaft. Dieses Ziel zu verwirklichen wird noch einige Jahre dauern. Aber der Grundstein durch schulische Integration ist bereits gelegt. Die nächste Generation hat die Möglichkeit Behinderung als „Normalität“ zu verstehen, da ihnen der Umgang mit Behinderung als „normal“ vermittelt wird.
Damit soll gleichzeitig im Lebensbereich Schule die Möglichkeit geschaffen werden, gemeinsame Erfahrungen mit behinderten Kindern in sozialer Hinsicht zu sammeln. Diese gemeinsame schulische Erziehung könnte dahin führen, „Normen“ anders bzw. neu auszulegen.
Nicht das nebeneinander Herleben, sondern das Zusammenleben von behinderten und nicht behinderten Menschen muss gelernt und erzielt werden. So ist bspw. das schulpolitische Ziel der Gesamtberliner Landesregierung die gemeinsame Schule für alle, eine Schule in der alle Kinder und Jugendliche die vielfältig unterschiedlichen Förderungen und Lernanregungen finden, die sie für ihre Lernentwicklung brauchen. Vorreiter für dieses Ziel sind Italien, Finnland, Dänemark und Österreich. Italien gilt bspw. als das progressivste und mutigste Land, aufgrund der Abschaffung von Sonderschulen und die besondere Integration behinderter Kinder (Bürli). In Italien ist es „normal, verschieden zu sein“ (Fillipini Steinemann). Auch die skandinavischen Länder haben teilweise nur einen Schultyp, in dem alle Kinder unterrichtet werden.
Arbeit zitieren:
Kristin Jankowsky, 2002, Gemeinsames Lernen von behinderten und nichtbehinderten Kindern in der Grundschule, München, GRIN Verlag GmbH
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