Hausarbeit :
Das Erlernen von Angst im Kontext
der Klassischen Konditionierung
INHALTSVERZEICHNIS
1. Einleitung
2. Was ist Lernen ?
3. Das Klassische Konditionieren
4. Das Reiz-Reaktions-Lernen
4.1. Reiz und Reaktion
4.2. Das Erlernen emotionaler Reaktion
4.2.1 Das Erlernen von Angst
4.2.1.1. Der Fall Albert
4.2.2. Das Verlernen von Angst
4.2.2.1. Der Fall Peter
4.2.3. Das Bedingen von Angst
4.3. Kritik an den Experimenten
5. Resümee
6. Literaturverzeichnis
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1. Einleitung
Ein Schüler, der immer schon gern zur Schule ging und seit der Grundschule recht fleißig und strebsam ist, zeigt eine auffällige Begabung für Mathematik. Im Laufe der Pubertät verlagern sich jedoch seine Interessen und er beginnt, die Schule zu vernachlässigen. Das führt dazu, dass er besonders von seinem Mathematik-Lehrer immer häufiger getadelt wird. Als Reaktionen auf diese Tadel entwickelt der Schüler mit der Zeit sowohl eine Abneigung gegenüber dem Fach Mathematik als auch Angst seinem Lehrer gegenüber. Ein anderes Fallbeispiel:
Hat man beim Zahnarzt schlechte und vor allem schmerzhafte Erfahrungen gemacht, kann allein der Anblick des Bohrers bei manchen Patienten die gleiche reflektorische Ausweichreaktion auslösen wie die eigentliche Anwendung des Geräts.
Darüber hinaus vermag der weiße Kittel eines Verkäufers im Supermarkt bei einem kleinen Kind unter Umständen genauso Angst auszulösen wie der Arzt, der einige Zeit zuvor eine Spritze verabreicht hat.
Durch diese Fallbeispiele wird ein zentrales Muster der Lernpsychologie veranschaulicht: die Klassische Konditionierung. Die Erforschung dieser Form der Konditionierung wurde über einen langen Zeitraum hinweg als Schlüssel zum Verständnis erlernten Verhaltens bei Tier und Mensch und zur Überwindung unerwünschten sowie zur Förderung positiven Verhaltens gesehen.
Lerntheoretische Prinzipien nehmen eine wichtige Rolle in der menschlichen Interaktion ein.
Im folgenden werde ich versuchen, mich zuerst mit Lernen, der Klassischen Konditionierung im allgemeinen und dem Reiz-Reaktions-Lernen zu befassen.
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Anschließend möchte ich das Erlernen emotionaler Reaktionen, besonders das Erlernen und Verlernen von Angst, schwerpunktmäßig erfassen.
2. Was ist Lernen ?
Für den Ausdruck „Lernen“ gibt es verschiedene Definitionen. Umgangssprachlich wird mit dem Begriff „Lernen“ hauptsächlich das „schulische Lernen“ verbunden, also der Erwerb von Kenntnissen, Fertigkeiten wie Schreiben und Lesen, das Auswendiglernen von Gedichten usw. Zimbardo (1999) erklärt den Begriff folgendermaßen: „Wir können Lernen als einen Prozess definieren, der zu relativ stabilen Veränderungen im Verhalten oder im Verhaltenspotential führt und auf Erfahrung aufbaut. Lernen ist nicht direkt zu beobachten. Es muss aus den Veränderungen des beobachtbaren Verhaltens erschlossen werden.“ (S.206) Menschen lernen also aus ihren gemachten Erfahrungen. Gudjons (1999) bezeichnet Lernen- im Gegensatz zu „Erziehung“- als einen „wertneutralen Begriff“. (S.216) „Es geht um die Kennzeichnung von Änderungen (nicht wie beim Erziehungsbegriff um Verbesserungen) menschlicher Verhaltensdispositionen, die durch Verarbeitung von Erfahrungen erklärt werden können.“ (Gudjons, 1999, S.216)
Man unterscheidet hierbei, dass Lernen einerseits vorsätzlich und geplant erfolgen kann, beispielsweise beim Lernen für eine Prüfung; andererseits kann Lernen durchaus unbewusst und unabsichtlich geschehen (beispielsweise die mühelose Aneignung der Assoziation von Filmmusik und Filmereignissen). Deshalb ist es für den Betroffenen selbst oft sehr schwer, seine Reaktionsweise zu verstehen oder nachzuvollziehen.
Die Vorstellung, dass Lernen ein Prozess ist und mit Lernen Veränderung gemeint ist, bedeutet auch, dass Lernen Zeit braucht. Wenn man, um Lernen zu messen, das Verhalten eines Organismus zu zwei verschiedenen Zeitpunkten misst, und wenn das Verhalten unter ähnlichen
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Umgebungsbedingungen zu den zwei Zeitpunkten verschieden ist, kann man daraus schließen, dass sich Lernen vollzogen hat. Dazu äußern sich Gage & Berliner (1986) ergänzend wie folgt: Weiterhin ist zu berücksichtigen, dass es sich um eine Veränderung im Verhalten handelt, die sich im Prozess des Lernens vollzogen hat. Veränderungen von physischen Eigenschaften, wie etwa Körpergröße und Gewicht, zählen nicht als Lernen; ebensowenig zählen Veränderungen der körperlichen Stärke dazu, die durch physiologische Veränderungen (Muskelumfang, Effizienz des Kreislaufs und der Atmung) zustande kommen. Wir nehmen an, dass ein Lernprozess stattgefunden hat, wenn sich das Verhalten von Tieren oder Menschen geändert hat. Verhalten bezieht sich auf eine bestimmte- muskuläre oder von Drüsen abhängige- Tätigkeit und auf das Zusammenwirken solcher Tätigkeiten. (S.260)
Die von der Psychologie entwickelten Theorien zur systematischen Erklärung von nicht beobachtbaren Lernprozessen werden als Lerntheorien, häufig auch als Verhaltenstheorien bezeichnet.
„Der Versuch, die Kenntnisse über Lernen, d.h. über Lernbedingungen und Lernergebnisse sowie deren Zusammenhänge zu systematisieren, führt zu Lerntheorien.“ (Skowronek, 1991, S.183)
Sie beschreiben die Bedingungen, unter welchen sich Lernprozesse vollziehen können; somit handelt es sich um Voraussagen, die in den meisten Fällen überprüfbar sind.
Es gibt unterschiedliche Theorien, die die Entstehung und Veränderung menschlicher Verhaltensweisen zu erklären, vorherzusagen und zu beeinflussen versuchen.
Ein wichtiger Theorieansatz ist das Klassische Konditionieren, auf das ich im folgenden eingehen werde.
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Arbeit zitieren:
Kristina Schmitz, 2001, Das Erlernen von Angst im Kontext der Klassischen Konditionierung, München, GRIN Verlag GmbH
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