Inhaltsverzeichnis
Einleitung. 3
Biologischer Ansatz. 3
Geschlechtsidentit ät und Geschlechtskonstanz 4
Geschlechterstereotype oder Geschlechtsrollenstereotype 6
Entwicklung geschlechtstypischen Verhaltens 9
Fazit 11
Literaturverzeichnis 12
Anhang 13
Entwicklung der Geschlechtsrolle 13
Einleitung
In der folgenden Hausarbeit „Entwicklung der Geschlechtsrolle“ möchte ich aufzeigen wie die Geschlechtsrollen entstehen und wodurch sie beeinflusst werden. Dabei gehe ich auch auf die Rolle der Gesellschaft ein, da Individuation (Persönlichkeitsreifung) immer in Wechselwirkung mit Sozialisation (Einwirkungen der sozialen Umwelt auf das Individuum und aktive Verarbeitung dieser Einflüsse) steht. Vorab stelle ich kurz den biologischen Ansatz vor. Nachkommend geht es darum wie Jungen und Mädchen ihre Geschlechtsidentität entwickeln. Dies beinhaltet die Erkenntnis, dass es überhaupt zwei verschiedene Geschlechter gibt und dass das eigene Geschlecht konstant ist. Im dritten Abschnitt setze ich mich damit auseinander, wie sich Geschlechtsrollenstereotype (allgemein geteilte Vorstellungen über Charakteristika, die als typisch für Jungen (Männer) und Mädchen (Frauen) angesehen werden und beide Gruppen von einander unterscheidet) bilden, entwickeln und ausprägen und welche Rolle dabei das soziale Umfeld und die Umwelt spielt. Schließlich untersuche ich die Entwicklung geschlechtstypischen Verhaltens. Dies geschieht durch eine Analyse des Spielverhaltens der Kinder.
Biologischer Ansatz
Im vielschichtigen Entwicklungsprozess der Geschlechtstypisierung gibt es mehrere Erklärungsansätze. Einige davon möchte ich im Folgenden umreißen. Bevor ich die kognitiven Leistungen und die soziale Lerntheorie anspreche, beschäftige ich mich mit dem biologischem Ansatz.
Unter Geschlecht versteht man die prinzipielle Unterscheidung zweier Lebewesen, die sich zum Zweck der Fortpflanzung miteinander vereinen, folglich deren genetische (chromosomale), gonadale (hormonelle) und genitale (somatische) Ausstattung. Als genetisches oder chromosomales Geschlecht wird jene Einteilung in männlich und weiblich verstanden, die sich auf die chromosomale Ausstattung des Individuums bezieht. Dabei haben männliche Individuen im Chromosomenpaar 23 den Chromosomensatz XY, weibliche den Chromosomensatz XX.
Unter dem Einfluss der Chromosomen bilden sich männliche und weibliche Gonaden. Als gonadales Geschlecht wird die Zuordnung zum weiblichen oder männlichen Geschlecht anhand des Geschlechtsmerkmals "Keimdrüse" - Eierstock oder Hoden - bezeichnet. Aufgrund der Hormonproduktion durch die Keimdrüsen wird das gonadale Geschlecht deshalb auch als hormonales / hormonelles Geschlecht bezeichnet.
Das gonadale Geschlecht führt in der ungestörten weiteren Embryonalentwicklung mit der Produktion der entsprechenden Sexualhormone zur Ausbildung des genitalen Geschlechts, das anhand der äußeren Geschlechtsorgane definiert wird (Wikipedia). „Da im Normalfall das chromosomale, gonadale und genitale Geschlecht übereinstimmen und das Erziehungsgeschlecht und die subjektive Geschlechtsidentität wiederum dem biologischen Geschlecht entsprechen, lässt sich in den Fällen einer normalen Entwicklung nicht entscheiden, welches Gewicht den einzelnen Faktoren jeweils zukommt. (Trautner, 2002: 666). Das heißt, wenn in der Entwicklung alles „normal“ verläuft und ein biologisches Mädchen (das sich auch als Mädchen wahrnimmt) wie ein Mädchen und ein biologischer Junge (der sich als Junge wahrnimmt) wie ein Junge erzogen werden, hat man bisher keine Erkenntnisse darüber welchen Einfluss die einzelnen Ebenen auf das spätere Verhalten der Kinder ausüben. Man geht von der Annahme aus, dass Geschlechtsunterschiede auf eine Vielzahl sich wechselseitig beeinflussender Faktoren zurückgehen, von welchen ich hier die Geschlechtsrolle und deren Einfluss auf das Verhalten von Kindern in den Mittelpunkt stelle.
Geschlechtsidentität und Geschlechtskonstanz
Schon sehr früh (etwa mit 10-14 Monaten) erkennen Kindern dass Menschen in zwei Kategorien eingeordnet werden können: männlich und weiblich. Noch bevor sie sich selbst zu einer dieser Kategorien zählen, beginnen sie die Welt in männlich und weiblich zu ordnen. Zwischen dem richtigen Benennenkönnen und der wirklichen Einsicht, das es sich beim Geschlecht um ein naturgegebenes und unveränderliches Merkmal eines Menschen handelt besteht aber noch ein großer Unterschied.
Einige Untersuchungen Trautners (1991) zeigen, dass ein volles Verständnis der Geschlechtskonstanz bei vielen Kindern erst gegen Ende des Grundschulalters erreicht wird. Denn die Geschlechtskonstanz „beinhaltet die überdauernde Selbstwahrnehmung als männlich oder weiblich“ (Trautner, 1991: 335). Die Kinder wissen zwar zu welchem Geschlecht sie gehören, aber sie sind sich noch nicht im klaren darüber, dass sie ihr Geschlecht nicht wechseln können, sei es durch Veränderung der äußerlichen Erscheinung (z.B. Jungenhaarschnitt bei Mädchen) oder durch Äußerung geschlechtstuntypischen Verhaltens (z.B. mit Puppen spielen bei Jungen).
Dabei wird zwischen einer globalen und einer inhaltlich umschriebenen Geschlechtsidentität unterschieden. Während sich letztere mit der Art und dem Grad „der Selbstzuschreibung
männlicher oder weiblicher Merkmale“ beschäftigt, geht es bei der globalen Geschlechtsidentität um die „bloße Selbstkategorisierung als männlich oder weiblich“. (ebd.) Es lassen sich drei Stufen der Geschlechtskonstanzentwicklung festmachen:
- 1. Stufe: Mit zwei bis drei Jahren können die Kinder sich und andere dem richtigen Geschlecht zuordnen (Identität). Die Selbstkategorisierung wird unterstützt durch die wahrgenommenen Merkmalsähnlichkeiten der eigenen Person und geschlechttypischen Merkmalen anderer Personen (z.B. Haarlänge und Kleidung).
- 2. Stufe: In der nächsten Stufe, etwa mit drei bis sechs Jahren, erkennen die Kinder die Konstanz der Geschlechtszugehörigkeit in Vergangenheit und Zukunft (Stabilität). Dennoch denken viele Kinder, dass „der Wunsch dem anderen Geschlecht anzugehören, erfüllbar ist“ (Trautner, 1991: 336). Es bilden sich (in der Regel) positive Einstellungen zu der eigenen Geschlechtergruppe bzw. Geschlechtsrolle. In diesem Stadium bilden Kinder geschlechtshomogene Spielgruppen, weil sie unterschiedliche Spielstile entwickeln, und dieser unterschiedliche Spielstil macht den gleichgeschlechtlichen Partner zu einem verträglicherem Spielgefährten. Jungen spielen aggressiver, rauer, dass wirkt auf andere Jungen anziehend. Mädchen versetzt diese Art zu spielen in Abwehrhaltung. Der „Mädchen-Stil“ wirkt auf andere Mädchen einladend, Jungen erscheint dieser Stil uninteressant. (Maccoby, 1980)
- 3. Stufe: Erst in der dritten Stufe mit etwa sechs Jahren, realisieren die Kinder die Konstanz des Geschlechts und können sich und andere auch bei Verkleidungen und Rollenspielen, eindeutig dem richtigen Geschlecht zuordnen. Weil sie jetzt wissen, dass die Grundlage der Geschlechtsbestimmung die Genitalien sind.
Auf dieser Ebene angelangt werden die Geschlechtsrollen nicht mehr wie Naturgesetze oder moralische Gebote angesehen, sondern als soziale Konventionen erkannt. (Carter/Patterson, 1982)
Zum Verständnis der Geschlechtskonstanz sind demnach zwei kognitive (auf Erkenntnissen beruhenden) Leistungen nötig:
- 1. Die Unterscheidung zwischen (vorübergehender) äußerer Erscheinungsform (z.B. Verkleidung) und (bleibender) erschlossener Wirklichkeit.
- 2. Die Erkenntnis der biologischen (genitalen) Grundlage der Geschlechtszugehörigkeit und ihrer Unveränderlichkeit.
Arbeit zitieren:
Kristine Langenstein, 2006, Entwicklung der Geschlechtsrolle, München, GRIN Verlag GmbH
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