Inhalt
Vorbemerkung 3
Karl Meuli 3
Walter Burkert. 6
Ren é Girard 8
Schlussbetrachtung. 10
Bibliographie. 11
Vorbemerkung
Das Hauptgeschehen im blutigen Opfer, das Töten eines Lebewesens, ruft (zumindest beim
modernen Betrachter) vor allem zwei Assoziationsbereiche auf. Zum Einen ist dies die Jagd,
deren Ziel die Tötung ist zum Anderen birgt der Aspekt der gewaltsamen Lebensberaubung
den Gedanken an Gewalt und Gewaltbereitschaft als solche in sich. Nach dem Zweiten
Weltkrieg sind Jagd und Gewalt in verschiedenen Theorien als zentrale Elemente des Opfers
behandelt worden. Die Hauptthesen der Theorien von Meuli, Burkert und Girard sollen hier
vorgestellt werden. Interessanterweise waren alle drei Theoretiker nicht
Religionswissenschaftler , sondern Philologen, und die griechische Kultur und Religion der
Antike war der Ausgangspunkt für ihre jeweiligen theoretischen Überlegungen. Da die drei
in ihren Theorien aber die Ursprünge des Opfers in der Vor- und Frühgeschichte zu fassen
suchten , sind sie gerade für unser Seminar von besonderer Bedeutung.
Karl Meuli
Zur Person
Der Schweizer Karl Meuli (1891-1968) war Professor an der Universität Basel. Sein
vielfältiges Werk steht zwischen Altphilologie, Volkskunde, Ethnologie, Religionsgeschichte
und Psychologie. All diese Disziplinen sind auch in seiner für uns interessanten Untersuchung
"Griechische Opferbräuche" (1946) zusammen geflossen.
Opfertheorie in "Griechische Opferbräuche"
Meulis Ausgangspunkt für seine Überlegungen ist der bekannte "Betrug" der Götter im
Olympischen Opfer. Wie aus Schilderungen des Opferbrauches, seiner Verhöhnung durch
verschiedene Schriftsteller und nicht zuletzt dem Prometheus-Mythos hervor geht, werden im
Olympischen Opfer lediglich die bloßen Schenkelknochen (in Fett gepackt) als Gabe an die Götter verbrannt, während die Opfergemeinde das gesamte Fleisch selbst verzehrt. Meuli versteht diesen "Betrug" als späte theologische Deutung eines inzwischen sinnentleerten Rituals der paläolithischen Jägerkultur, dessen ursprüngliche Bedeutung er in Rückgriff auf ethnographisches Material zu erschließen versucht.
In rezenten Jägerkulturen (vor allem Sibiriens und Nordamerikas) findet Meuli eine rituelle Behandlung von Knochen, Fell und Eingeweiden der Jagdbeute vor. So werden in manchen Fällen die Knochen des Beutetieres der tierischen Anatomie entsprechend erdbestattet oder aufgebahrt; in anderen Fällen werden die fleischlosen Überreste an einem bestimmten Ort aufgehäuft oder auch in Bäume gehängt. Ähnliches geschieht auch mit Fell und Eingeweiden. Von den Ausführenden selbst wird bezeugt, dass auf diese Weise dem Wild das zu seiner Regeneration Notwendige zurückgegeben werden soll. Die Rückerstattung von Knochen, Fell und Eingeweiden sichert somit den Fortbestand des Wildes als Jagdgut der Gemeinschaft. Neben diesem materiellen Aspekt der Rückgabe führt Meuli auch emotionale Aspekte an: nicht nur das materielle Fortbestehen (Auferstehen), auch das Wohlwollen des Wildes und seine gute Gesinnung gegenüber dem Jäger soll durch die gute Versorgung des Erjagten gesichert werden. Denn nur das wohl gesonnene Tier lässt sich töten; das beleidigte bleibt dem Jäger fern. Da nach Meuli in Jägerkulturen höchstens eine vage Grenze zwischen Mensch und Tier gezogen wird, ist jegliches Töten mit Mord gleichzusetzen. Dies birgt nicht nur ein bedrückendes Reuegefühl für den Jäger: um das Wohlwollen des gemordeten Wildes zu erhalten, muss er auch "Unschuldskomödien" inszenieren, in denen er seine Schuldlosigkeit beteuert und die Verantwortung für den Mord auf andere abwälzt. Meuli sieht diese Riten rezenter Jägerkulturen aufgrund von archäologischen Befunden als Riten an, die schon im Neolithikum auf ähnlicher gedanklicher Grundlage praktiziert wurden. Mit der neolithischen Revolution verlor das Jagen an Bedeutung, doch der Umgang mit den Tierüberresten blieb ähnlich ritualisiert, wenn auch nicht bei jeder Schlachtung. Dementsprechend finden sich im blutigen Opfer als ritualisierter Schlachtung viele Elemente der neolithischen Jägerbräuche:
- das Tier wird vor der Tötung besänftigt und muss häufig (z.B. durch ein Nicken) anzeigen, dass es ein dem Jäger/Opferer wohl gesinntes Tier ist;
- Waschen und Beräuchern, ursprünglich um der Witterung des Wildes zu entgehen, sind im Opfer als vorbereitende Handlungen erhalten;
- die Beteiligten müssen die Tat wie einen Mord sühnen oder sich in 'Unschuldskomödie' von dem Mordvorwurf befreien;
Arbeit zitieren:
Christopher Selbach, 2002, "Wilde Ursprünge": Opfer, Jagd, Gewalt, München, GRIN Verlag GmbH
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Christopher Selbach hat den Text "Wilde Ursprünge": Opfer, Jagd, Gewalt veröffentlicht
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