Inhaltsverzeichnis
Einleitung. 1
1. Die Stellung der Instrumentalmusik im Werk Martins. 3
2. Ausgewählte Aspekte des kompositorischen Prozesses 6
2. 1. Die frühen Werke. 10
Pavane couleur du temps 13
2. 2. Ausbildung des persönlichen Stils. 16
Ballade pour flûte et piano. 19
2. 3. Entwicklung des Stils. 23
2. Concerto pour piano et orchestre 25
3. Musikgeschichtliche Stellung des Komponisten 28
Fazit 30
Literaturverzeichnis 31
Verzeichnis der verwendeten Partituren 33
Anhang. 34
Übersetzung der Zitate 34
Einleitung
Frank Martin (1890-1974) war ein außerordentlich vielseitiger Komponist, dessen Gesamtwerk Stücke verschiedenster Gattungen umfasst. Martin fand zwischen seinem 40. und 50. Lebensjahr erst vergleichsweise spät zu seiner eigenen, unverwechselbaren musikalischen Sprache. Besonders hierbei ist, dass seine Musik keiner bestimmten Richtung zugeordnet werden kann und auch von keinem späteren Komponisten aufgegriffen beziehungsweise weiterentwickelt wurde. Nach Kurt von Fischer gibt es zwei Arten von Komponisten:
„Der eine zeigt schon von den frühen Werken an [...] ein fest umrissenes stilistisches Bild, das bereits wesentliche Züge des Reifestils erkennen lässt. Die Entwicklung vollzieht sich gewissermaßen geradlinig unter ständiger Festigung und Steigerung der künstlerischen Gestaltungskraft. Diesem Kompositionstyp steht derjenige gegenüber, dessen Stilkurve deutliche Einschnitte und Wendepunkte aufweist. [...] Die Entwicklung läuft also nicht nur im Sinne einer Reifung und Steigerung der schöpferischen Kräfte, sondern gleichzeitig auch im Sinne wesentlicher stilistischer Umformungen.“ 1
Martin wird von von Fischer der zweiten Gruppe zugeordnet. Wie Rudolf Klein wertschätzend bemerkt, ist der Stil des Komponisten „ein Geschenk des Himmels [...], [das] aber nicht vom Himmel fiel“ 2 . So sollen in dieser Arbeit verschiedene kompositorische Aspekte von Martins Stilwandel, wie beispielsweise die oben genannten „wesentlichen stilistischen Umformungen“ sowie deren mögliche Ursprünge, während seiner Entwicklung anhand dreier ausgewählter Stücke erläutert werden.
Da Martin von seinen Zeitgenossen als „Außenseiter“ betrachtet wurde, kommt seiner kompositorischen Entwicklung eine Sonderstellung in der Musikgeschichte zu. Er löste die Aufgabe, mit der sich Künstler grundsätzlich und immer aufs Neue konfrontiert sehen, nämlich sich in ihrem zeitlichen Kontext auszudrücken, anders, als andere Komponisten dies zu Martins Zeit taten.
Es existiert verhältnismäßig wenig Literatur über Frank Martin. Das Spektrum beschränkt sich hier weitestgehend auf biografische Texte und kurze
1 Fischer, Kurt von. Frank Martin. Überblick über Werk und Stil. S. 93.
2 Klein, Rudolf. Frank Martin. Sein Leben und Werk. S. 27.
1
Werkanalysen einzelner Stücke beziehungsweise kurze Aufsätze, in denen der Komponist und sein Schaffen vorgestellt werden. Ergänzt wird dies jedoch durch zahlreiche Schriften, welche vom Komponisten selbst verfasst wurden, sowie Texte von Freunden Martins und den Memoiren, die seine Frau verfasste. Um mir ein genaueres Bild des Komponisten und seines Umfelds zu machen, besuchte ich Maria Martin (*1917), die Witwe Martins, im Frank Martin Haus in Naarden (Niederlande). Dort lebte Martin zusammen mit seiner Frau bis zu seinem Tod im Jahre 1974.
Zu Beginn dieser Arbeit wird ein Überblick über die Bedeutung der Instrumentalmusik in Frank Martins Gesamtwerk gegeben. Anschließend werden nach einer Erläuterung einiger genereller Aspekte seines kompositorischen Prozesses bestimmte Aspekte seiner stilistischen Entwicklung und seiner Kompositionstechnik repräsentativ an ausgewählten Stücken chronologisch nachvollzogen. Mit den Ausführungen zu den ausgewählten Aspekten wird kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben, da eine derart detaillierte Analyse den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde.
Das erste Stück repräsentiert die frühe Phase von Martins kompositorischem Schaffen und wird an dem im Jahre 1920 erschienenen Stück Pavane couleur du temps verdeutlicht. Das Zentrum der Arbeit bildet die mittlere Phase, die mit Martins Stilfindung übereingeht. Als exemplarisches Stück dient hier die Ballade pour flûte et piano aus dem Jahre 1939. Das Typische des kompositorischen Stils von Frank Martin soll hier herausgearbeitet werden. Die Entwicklung seines Stils wird schließlich an Martins 2. Concerto pour piano et orchestre (1968/69) verdeutlicht.
Abschließend wird der Komponist im musikgeschichtlichen Kontext beleuchtet, welcher sowohl für die kompositorische Entwicklung als auch für die Aufführungsgeschichte seiner Werke eine Rolle spielt und das Schaffen Martins nochmals in einen größeren Gesamtzusammenhang stellt.
2
1. Die Stellung der Instrumentalmusik im Werk Martins
Neben den Gattungen des Musiktheaters (Opern, Ballette und Schauspielmusiken) und der Vokalmusik (Oratorien, Chöre und Lieder) komponierte Martin viel reine Instrumentalmusik. Darunter befinden sich Stücke für verschiedene Besetzungen und in zahlreichen Formen: für Orchester, für ein beziehungsweise mehrere Instrumente und Orchester sowie auch Kammermusik und Kompositionen für ein Instrument allein.
Den instrumentalen Kompositionen Martins kommt in seinem Gesamtwerk deshalb so ein hoher Stellenwert zu, weil viele dieser Stücke international enorme Bekanntheit erlangt haben.
Bereits zu Lebzeiten Martins wurde festgestellt, dass seine Orchesterwerke nachhaltig im Repertoire der Orchester verankert waren. 3 Zudem wird im Hinblick auf instrumentale Kompositionen häufig bemerkt, dass Martin
„[...] für jedes Instrument gut schreibt, so daß seine Werke dankbar zu spielen sind und nach manchen anderen zeitgenössischen Kompositionen als Erholung empfunden werden.“ 4
Einige seiner Kammermusikstücke zählen zu den wohl wichtigsten Stücken im Repertoire der jeweiligen Instrumente, so die Ballade pour flûte et piano (1939), die nahezu jeder Flötist kennt und die immer noch sehr häufig im Konzertprogramm zu finden ist, wie auch Quatre pièces brèves (1933) für Gitarre, die „zweifellos zu den bedeutendsten und musikalisch wertvollsten Werken im Gitarrenrepertoire des 20. Jahrhunderts“ 5 gehören.
Wie passend die Musik für die jeweiligen Instrumente komponiert ist, fällt unter anderem auch bei Bearbeitungen für andere Instrumente auf. Bei der Klavierfassung der Quatre pièces brèves gewinnt man als Zuhörer sowie als Interpret zeitweilig den Eindruck, es handele sich nicht um ein Klavier sondern tatsächlich um eine Gitarre.
3 Vgl. Billeter, Bernhard. Frank Martin. Ein Außenseiter der Neuen Musik. S.12.
4 Billeter, Bernhard. Frank Martin. Ein Außenseiter der Neuen Musik. S.13.
5 Dausend, Gerd Michael. Frank Martin. Quatre Pièces Brèves und andere Werke mit Gitarre. S.23.
3
Bei den Kompositionen von Martin handelte es sich häufig um Auftragswerke. Da die Auftragsanfragen so zahlreich eingingen, dass er viele davon ablehnen musste, kann daraus geschlossen werden, dass er alle Kompositionen aus eigenem Wunsch heraus schuf. Er musste nie komponieren, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen und konnte so seine eigenen Ideen verwirklichen. Gelegentlich wurde er von Instrumentalisten um Werke für ihr Instrument gebeten und komponierte gezielt für Interpreten, die er seinerseits bewunderte. So entstand beispielsweise das 2. Concerto pour piano et orchestre (1968-1969) auf Nachfrage des Pianisten Paul Badura-Skoda. Das Wissen, ein Stück für einen bestimmten Interpreten zu schreiben, war für Martin bei der Komposition seiner Werke von großer Bedeutung und wirkte sich auf die Gestalt des Stückes aus, wie sich an einer Aussage über das Klavierkonzert für Badura-Skoda zeigt:
„[...] lorsque j’écris pour un exécutant déterminé, c’est un peu pour moi comme si je faisais son portrait. En tout cas, il est certain que si j’avais composé un concerto pour un autre pianiste, il serait différemment, il n’aurait pas eu la même figure.“ 6
Die Stücke waren gewissermaßen „maßgeschneidert“ für den jeweiligen Interpreten. So setzte er beispielsweise im zweiten der Trois chants de Noël (1947) für Flöte, Gesang und Klavier die Flötenstimme tiefer als die Gesangsstimme, in dem Wissen, dass seine Frau, für welche die Partie gedacht war, mit ihrem vollen und warmen Ton keine Probleme haben würde, in dieser Lage die Musik angemessen klanglich zu realisieren. 7 Einen weiteren Anlass zur Komposition boten private Ereignisse: Martin schrieb oft kleinere Stücke für den persönlichen Gebrauch an Feiertagen, darunter zum Beispiel die Trois chants de Noël (1947) und eine nicht veröffentlichte Version des Weihnachtsliedes In dulci jubilo, ebenfalls für Flöte, Gesang und Klavier von 1959, die er an Weihnachten mit seiner Familie musizierte sowie Claire de lune (1953), ein kurzes Klavierstück zu vier Händen, welches er für seine Frau und seine damals sechsjährige Tochter komponierte.
Martin reizten ungewöhnliche Besetzungen, wie beispielsweise in der Petite Symphonie Concertante (1944/45), welche für Orchester und die Soloinstrumente
6 Martin, Frank. Martin, Maria (Hrsg.). A propos de…Commentaires de Frank Martin sur ses œuvres. S. 150. Fremdsprachige Zitate wurden im Anhang übersetzt.
7 Gespräch mit Maria Martin am 23.03.2009.
4
Harfe, Cembalo und Klavier geschrieben wurde und zu seinen heute bekanntesten Stücken zählt. An der Instrumentation vieler Orchesterwerke lassen sich Vorlieben für die Flöte und das Saxophon sowie die Pauke erkennen. Martins Lieblingsinstrument war jedoch, als Folge seiner Harmoniezugewandtheit, das Klavier.
„[...] le piano donne la possibilité de jouer toute la musique: l’harmonie, et les différentes voix mélodiques, tandis que sur un autre instrument on n’a jamais qu’une mélodie à la fois. ” 8
Auch die Orgel gehörte zu seinen favorisierten Instrumenten. Er spielte sie selbst jedoch ungern, da ihm die Tatsache, dass die Tasten nicht auf den auf sie ausgeübten Druck reagieren, nicht zusagte. 9
Diverse Instrumentalstücke Martins existieren in verschiedenen Fassungen, teilweise nachträglich von Martin selbst oder seinem engen Freund Ernest Ansermet orchestriert, wie unter anderem die Ballade pour flûte et piano (1939) oder auch Quatre pièces brèves (1933), teils auch einfach für ein anderes Instrument umgeschrieben wie ebenfalls die Quatre pièces brèves in der späteren Fassung für Klavier solo oder reduziert wie zum Beispiel die Pavane couleur du temps (1920), welche ursprünglich für Streichorchester komponiert, schließlich auch für Klavier zu vier Händen eingerichtet wurde.
Die Gründe von Martin für die Verfassung verschiedener Versionen waren häufig pragmatischer Natur, Martin bedachte hierbei jedoch immer, dass die jeweilige Fassung musikalisch auch sinnvoll war und zu den jeweiligen Instrumenten passte. Teils kam der Vorschlag der Instrumentation von außen, wie im Falle Ansermets, welcher Martins Stücke teilweise mit dessen Zustimmung sogar selbst orchestrierte, oder aber Martin veränderte Besetzungen derart, dass sie für bestimmte Personen aus seinem Umfeld spielbar wurden. So wurde aus der Sonata da Chiesa (1938), welche ursprünglich für Orgel und Viola d’amore gedacht war, ein Stück für Orgel und Flöte, da Martins dritte Frau Flötistin war.
8 Martin, Frank; Piguet, J.-Claude. Entretiens sur la musique. S. 20.
9 Vgl. Martin, Frank; Piguet, J.-Claude. Entretiens sur la musique. S. 20.
5
Arbeit zitieren:
Anja Börke, 2009, Frank Martins Instrumentalmusik, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Musikwissenschaft: Frank Martins Instrumentalmusik ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Musikwissenschaft: neuer Titel erschienen: Frank Martins Instrumentalmusik
Anja B. hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare